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Frauenliebe.
Roman von Horst B o d e m e r.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Hans-Wilhelm kam in einem heillos erregten Zustande heinr.
„Schon zurück?" fragt ihn die Mutter besorgt.
„Onkel hat mich ohne Umstände an 'die Luft gesetzt," erwiderte er erregt.
Da sanken in ihrem Herzen alle die aufgebauten Hoffnungen in Trümmer. Der gute Anlauf, den Hans-WilhelM M nehmen schien, konnte doch nur zum Ziele führen, wenn Evas Vater ihn schützte. Sie sah klar über ihren Sohn, ein Mann der Tat war er noch lange nicht, das' sollte er werden durch ihren alten Freund. Ihr bangte vor der Zukunft.
Hans-Wilhelm schien ihre Gedanken zu erraten.
„Nur ruhig Mut, Mama, ich bin wirklich ein anderer! geworden."
Da brachte ein Tränenstrom ihr Erlösung.
„Wenn ich das glauben könnte!"
Stumm ergriff er ihre Hand und! führte sie vor das Bild des Vaters.
,/Spier stand ich gestern mit dir, hier stehe ich heute, hier werde ich alle Tage mit Mr stehen."
Sie geht an den Schreibtisch und nimmt die Briefe ihres Mannes heraus. ,
„Hans-Wilhelm, du bist ein Mann — lies sie, es fehlt keiner!"
„Vom Vater?"
,„Ja mein Kind, sie sind mein höchstes' Heiligtum!" Leise verläßt sie das Zimmer, Hans-Wilhelm hat den 'Kopf in die Hand gestützt und liest einen Brief nach dem andern.
*
Frau von Moreth hatte keine Ruhe im Hause. Sie 'ging die Lindenallee hinab', dem Diorfe !zu. Die milde Herbstsonne beschien rechts und links die weiten Stoppelfelder und Kartoffeläcker, auf denen Menschen bei der Arbeit waren.
Mitten unter ihnen stand Drewel. Der war auch noch einer aus der alten Schule, der stand in Freud und Leid zu seiner Herrschaft. .
Als sie gerade auf ihn zu Wollte, um sich von dem Stande der Arbeit zu überzeugen, bog Evas Dogcart in die Lindenallee ein.
„Gott sei Dank!" entfuhr es ihren Lippen, wie Befreiung klang es. .
Sie blieb stehen und beschattete die Austen mit der Hand.
Eva hatte sie gleich b'emerkt, der Traber bekam eine Aufmunterung und. nach wenigen Augenblicken hielt sie neben
Frau von Moreth. Sie warf dein Groom die Zügel zu und befahl ihm, vorauszufahren. 1
„Tante, liebe Tante, weißt du schon?"
„Ja mein Kind. Aber ich hoffe dennoch, Hans-Wilhelm hat endlich mit der Vergangenheit gebrochen."
Da seufzte die Komtesse tief auf.
„Ach, wenn's so wäre!"
Beide Frauen wollten .noch nicht recht an den Umschwung glauben.
^,Nicht wahr, du hälft treu zu ihm?" fragte Frai- von Moreth zagend.
hDas ist selbstverständlich," erwiderte die Komtesse bestimmt.
Da gehen die beiden langsam die Lindenallee hinauf, dem Herrenhause zu.
„Hans-Wilhelm liest jetzt die Briefe meines Mannes."
Eva antwortete nicht, die Ruhe droht sie zu verlassen. Sie weih, die Entscheidung naht, nicht nur für sie, sondern für den Mann, der ihr der teuerste ist. Da nimmt sie sich vor, nichts zu sein, als liebendes Weib) selbst, wenn sie sich Demütigungen aussetzen muß. .
i,,Jch werde zu ihm gehen, Tante." .
„Wie gut du bist — ich danke dir!"
(„Danke mir nicht. Du weißt, es ist ein güt Teil Eigennutz dabei."
Stumm schüttelt Frau von Moreth den Kopf.
^Nicht Eigennutz, nein, reine Frauenliebe ist's, die nicht nach Vergangenem fragt, nur gläubig hofft auf eine bessere Zukunft."
Sie sind vor dem Herrenhause angekommen.
„Er ist in deinem Zimmer, .Tante?"
„Wahrscheinlich."
Sie drückt der mütterlichen Freundinu rasch die Hand und tritt in den Flur. Frau von Moreth bleibt draußen stehen, strahlend fällt die Herbstsonne auf fie. Und sie schickt ein stummes Gebet zum Himmel für ihr eige'neß Kind. , v, ,
Die Tür öffnete sich, Eva steht auf der Schwelle, Hans- Wilhelm fährt auf vom Schreibtisch seiner Mutter.
(„Ich sollte kommen —. hier bin ich," sagte sie leise. ’ ‘ 1
Er trat raschen Schrittes! auf sie zu, schließt die Tur und faßt nach ihren beiden Händen.
„Eva!" — Tief sieht er ihr in die Augen. — „Mass hast du alles für mich getan?"
Sie hatte andere Morte erwartet. „Ich?"
„Du bist eingetreten für mich allezeit —, selbst mit deinem Gelde!"
Da strafft fich ihre Gestalt und sie sieht' ihn an.
„Bon w'em weißt du das?"
„Von Drewel." >
„Dann sollst du.auch noch inehr wissen oft langte das mente nicht, dann half er selber nach."
„Drewel?"


