Ausgabe 
15.2.1913
 
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glitt, tagte sie tritt' einem Lächeln, in beut Freude Küd ein leises Dangen der Ungewißheit sich seltsam vermahlten:Hier ist der Südpol DaS alles ist Els unb Sckmee und eine Kalte von,50Grad Celsius unter Mill. Irgendwo dort arbeiten sich letzt mein Mann innd feine Expedition ihrem Ziele entgegen. Und dann rief sie ans dem Nebenzimmer ein blondlockiges kleines Kindlern herber Und Ivies ihm lächelnd die Karte:Komm, sieh! wo dem Pappr jetzt ist." Und dann erzählte sie:Ich werbe ihm zis seiner Rück­kehr nach Neu-Seeland entgegenfahren. Noch weiß ich nicht, tvann das sein wird. Ich habe ihn so lange nicht gesehen, und sirr mich und unseren kleinen Sonny rst es ohne ihn so enttarn. Und noch heute, während die Welt das traurige Ende des Ent­deckers bereits kennt, wartet diese Fran froh und hosftiuimUooll auf das Wiedersehen, blickt hinans über die Fluten des Stillen Ozeans und zählt freudig die Meilen, die sie ihrem! Ziele und dem Wiedersehen naher führen sollen. Bor ent paar Wochen erst war sie von daheim aufgebrochen, hatte ihre Arbeit belferte ge­stellt, ihr Bildhaueratelier verschlossen, war nach Amerika ge­fahren, und vor ein paar Tagen erst ist der Dampfer, der sie nach Neuseeland bringt, von San Franzisko ausgelanfen. Noch, ver­hüllt ihr die Weite des Ozeans die furchtbare Wahrheit, die sie schwerer treffen Muß, als irgend einen Menschen auf dieser Welt.

Der Friede von huhettusburg.

(Zum 150. Gedenktage, 15. Februar.)

Am 15. Februar 1763 flog die frohe Botschaft vom Ende des Siebenjährigen Krieges durch die deutschen Lande; wohl niemals hatte man die Segnungen der Stille und Eintracht so dringlich herbeigesehnt, seitdem 1648 die 30 jährige Not geendet. Die Friedenssehnsucht Maria Theresias war schon nm die Mitte des Jahres 1762 aufs höchste gestiegen; sie konnte den Frieden kaum erwarten. Wer aber sollte den ersten, den entscheidenden Schritt tun? Rußland hatte seine Vermittlung ungebeten, aber die Kaiserin hatte abgelehnt, und da sie wußte, daß Friedrich ein Eingreifen Frankreichs und der ihm verhaßten Pompadour mit Hohn, Verhandlungen Englands mit Entrüstung zurückweisen würde, so war sie Mitte November so weit, ihren Stolz zu über­winden und sich unmittelbar an den Gegner zu wenden. Diese Demütigung wurde ihr aber noch im letzten Augenblick erspart, indem Sachsen dazwischen trat. Der sächsische Geheimrat von Sank erschien in Wien, und ihn benutzte der Meisterdiplomat Kaunitz zum Vorwand, nm eine Konferenz zu berufen, in der er erklärte, bloß und hauptsächlich" durch die Rücksicht auf das bedrängte Sachsen wolle die Kaiserin die Friedensverhandlungen einleiten. Ein dem König von Preußen schon bekannter friiherer sächsischer Beamter, der Freiherr von Fritsch, wurde nun mit einem Hand­schreiben des sächsischen Kurprinzen ins preußische Hauptquartier gesandt, offiziell nur mit dem Auftrage, für Sachsen Erleichterun­gen zu erbitten, tatsächlich aber mit dem gleichen Befehl, .Friedrich die Bereitwilligkeit der Kaiserin zu einembilligen mtb anstän­digen" Frieden zn erklären. Fritsch wurde am 29. November in Meißen von dem König empfangen, erhielt aber von ihm nach manchen beißenden mtb ironischen Ausfällen lediglich die Ant­wort, man solle in Wien angeben, was man unter einembilligen" Frieden verstehe.

Unterdessen suchte die Zarin Katharina durch einen eigen­händigen Brief, den ersten, den sie nach ihrer Thronbesteigung an den König richtete, ans ihn einznivirken, indem sie unter allerlei Artigkeiten unzweideutige Drohungen einftrente. Aber Friedrich wußte diesen Hieb geschickt zu parieren, und gar bestimmt «lauteten die Worte seiner Antwort:Ich habe einige Vorteile gehabt, die mich jetzt desser als ehedem in den Stand setzen, zu ver­handeln." Am 19. Dezember war Fritsch znin zweiten Male beim König, erhielt aber auf seine jainmernde Frage:Was machen Ew. Majestät mit uns armen Sachsen?" nur die einfache Entgegnung:Ich gebe Euch Euer Land wieder," sonst würden siekein Dorf und keinen Groschen" von ihm bekommen. Friedrich hatte es überhaupt mit den Friedensverhandlungen nicht eilig; er ließ alles an sich herankommen und verlangte von Fritsch, daß die Verhandlungen unter seinen Augen in Leipzig geführt Würden. In Wien war man der Ansicht, daß inan bett König nicht alsFriedensdiktator" anerkenneit dürfe, und so suchte man unter den: gezwungenen Vorwand, das Geheintnis der Ver­handlungen ließe sich in dem bei Wermsdorf gelegenen Lustschloß HnbertuSburg besser bewahren, den Ort der Zusammenkunft hier­her verlegen. Friedrich, der von vornherein erklärt hatte, ihm sei die Wahl des Platzes völlig gleich, sandte-den Geheimen Legationsrat von Hertzberg dahin, so daß zwischen Hertzberg, Collenbach und Fritsch am 30. Dezember in dem von einem preußischen Freibataillon 1761 ausgeplünderten und völlig ver­ödeten Lieblingssitz des Königs August die erste Sitzung statt­finden konnte.

Ain 15. Februar wurden die Friedcnsnrkuudeu unterzeichnet. Am 17. traf der König auf seiner Fahrt von Leipzig nach Meißen selbst in Hubertnsburg ein.Es ist doch ein gutes Ding um den Frieden, den wir abgeschlossen haben," sagte er zu Hertzberg,aber man muß sich das nicht merken lassen." Uebrigens

hatte mich der schwedische Gesandte verlangt, an den Verhand­lungen teilzunehmen. Aber Friedrich sagte ihm:Sein König hat mit "meinem Obersten Belting Krieg geführt, mit dein soll er auch Frieden schließen."Alt, fast kindisch, grau , wie em Maultier, täglich einen Zahn einbüßend, von der Gicht Halo zum Krüppel gemacht," so meinte der König, kehre er aus dem siebenjährigen Verzweifluugsriugen heim. Aber er kam als Sieger, dem sein Volk im stolzen Hochgefühl zujubelte. Maria Theresia aber war tief verstimmt, und auf das Gerücht mit, Friedrich habe ihr einen eigenhändigen Brief geschrieben, ver­neinte sie dies in einem Kries an den, Grafen Ulfeldt und meinte, sie sei ihm dafür dankbar;meine Feder hätte rhmj niemals geantwortet. Mein Herz sagt nichts dahin."

Vsrm! Achtes«

* Dasgüldene Ei". Nur wenigen dürite heute, so ent­nehmen wir derBibliothek der Unterhaltung und des Wissens , dasgüldene Ci" bekannt sein, das in früheren Zeiten als eine wertvolle Universalmedizin galt. Damals verwendete, inan in der Heilkunde die Eier nicht allein zur Ernährung schwächlicher und kranker Personen, wie wir das auch heute tun, sondern schrieb ihnen noch besondere Wirkungen zu. Gern venvendete man zn Heilzwecken Eier, die selten waren. So empfahl man bei Rheuma und Podagra, die schmerzenden Teile mit dem Gelb von Piaue>ieiern zu bestreichen. Das Eulenei, in Wein gequirlt und nüchtern getrauten, sollte gegen die Trunksucht helfen. Des größten Rufes erfreute sich aber das güldene Ei". Es tvurde nach besonderen Bot schritten hergestellt, die man häufig gel einhielt. In der Regel öffnete man das Ei am stumpfen Ende und ließ das Eitveig herauslawen; dann füllte man den leergewordeuen Raum mit Safran, allen inöglichen Ge­würzen und seltsamen Stossen, wie pulverifierten Schmetterlings- rauveti, Käsern, Krebsaugen und dergleichen. Zuletzt schloß man die Oessnung und stellte das Ei an einen warmen Ort so lange, bis der Inhalt völlig verdorrte und sich zu Pulver zerreiben ließ. Diesesgüldene Ei" halt nun gegen allerlei Fieber, gegen die Pest und sonstige Gebresten. Anderen Arzneien hiitzttgelügt, machte es diele um so heilkräftiger. Dieses kurioies Heilmittel war für ge­riebene Heilmittelschwmdler buchstäblich ein güldenes Ei, denn es wurde von Leichtgläubigen oft mit Gold nnigemogen.

* Der erste Freiwillige von 1813. Der Landtag der Provinz Ostpreußen war imi Februar 1813 zusaminengetreten und hatte in patriotischer Treue als das Notwendigste eine all­gemeine Landesbeivafsnung vorgeschlagen. Graf Lehndorff, der auf Yorks Wunsch die Organisation des Korps .übernommen hatte, erließ nun eine öffentliche Aufforderung zum Eintritt, ins Regiment, und schon nach wenigen Tagen erschien in der Königs­berger Hartnngschen Zeitung eine Anzeige, die bekannt machte, daß seit der Publikation in der vorhergehenden Nummer, das National-Kavallerie-Regiment betreffend, diesem letzteren zu Königsberg an Freiwilligen, beritten, und völlig eqnipiert und armiert, beigetreten seien: 1. Stndiosus Heidemann, Sohn des Oberbürgermeisters, und noch viele andere junge Männer aller Stände. Da nun unbestritten dieses Regiment das erste im Jahre 1813 in Preußen errichtete Regiment Freiwilliger ivar und Stu­diosus Heidemann sich zn allererst znm Eintritt in dasselbe gemeldet! hat, so ist derselbe unbedingt als der erste preußische Freiwillige des Jahres 1813 anznerkennen. Heidemann hat ruhmvoll in den Schlachten mitgefochten, in denen sein Regiment sich aus­zeichnete; namentlich an der Katzbach und bei Leipzig; in der letzten Schlacht aber wurde er bei Möckern schwer verwundet. Scheinbar geheilt, wollte et dem Heer nach Frankreich imch- folgen; aber seine schweren Wunden brachen auf deni Marsche wieder auf, und er fand in Weimar gastliche Aufnahme und Pflege. Als Offizier schied er ans dem Kriegsdienste und wurde später Postmeister zn Weißensee in Thüringen. In den Ruhestand ge­treten, zog er sich dann nach Weimar zurück, ivo er sich literari­schen Arbeiten widmete und hochbetagt starb.

Versteckrätsel.

Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben itt folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbean" inWanderer".

Weinkeller Böllerschuß Moses Löwenmaul Wurstkiste Schärfe Lichtwerfer Ardennen Leinenwcberei Schwertlilie.

Auflösung in nächster Nummer.

, Auflösung des Königszugs in voriger Nnmniesr r Bricht unter dir die Brücke, Denk nicht, daß Gottes Hand Dich aus dem Wasser zücke Und heb ans trock'ne Land.

Gott wollte sich erbarmen, Als er dir Arme gab; Nun rubre mit den Armen Dich selber aus dem Grab. Wackernagel.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch« und Stemdruckerei, R. Lange, Gieße»