Ausgabe 
15.1.1913
 
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unszeichnet. Wie kommt es, daß .gerade er zum Material für die unbegreiflich kunstvoll zusammengefügten Lebewesen wurde? Wir erinnern uns der ganz außerordentlichen Rotatwusac- schwindigkeit der Kohlenstofsatome, und wenn wir das unendliche Bewegen und Regen des Lebens überschauen, wenn wir an die un­ermeßliche Fülle von Vorstellungen und Ideen, an das wogende Meer unserer Empfindungen und Leidenschaften denken, so nurd eine Ahnung in uns aussteigen von einem Zusammenhang des Lebens mit der unfaßbaren Rotationsgeschwindigkert der Kohlen­stoffatome. Eine Ahnung; denn die Wissenschaft spürt noch mit allen Sinnen dem engeren Zusammenhang nach.

Haarfarbe und Zahnfäule.

Die verbreitetste Krankheit der Kulturmenschheit ist die Zahn­fäule, die Karies. Es scheint, als ob diese Krankheit bet den Angehörigen des Hellen Typus häufiger auftritt als bei den Biü- netten. Wenigstens niacht aus einen derartigen Zusammenhang der Amsterdamer Anatoni Volk, der unter dieseni Gesichtspunkte die Zählte seiner ©tiibuiten untersucht hat, hierauf anhnerUmn.

Nach einem Bericht über b:eie Untersuchung, der in derZeit­schrift für Schulgesundheitspflege" verössentlicht ivird, Haven sich im ganzen 160 Studenten int Aller von 19 bis 23 Jahren untersuchen lassen. Hierunter hatten 80 blaue oder graue Augen lind blondes Haar iittd 36 gleichmäßig braune Augen und dunkelblondes tus schwarzes Haar, iväbrend die übrigen gemischte Typen darsiellten, die desivegen keiner Gruppe zngeorduet werben konnten. Die Untersuchung zeigte, daß bei ben Helteil l 1,3 Prozent Zahnfaule an allen falschen unb echten Backenzähnen vorhanden war; bei 6,1 Proz. waren Prämolaren und Molaren ausgezogen. Der erste Backen­zahn worbe als besonderes Kriterium gewählt, und dabei stellte sich heraus, daß er bei 32 Proz kariös, bei 22,7 Proz. ausgezogen worden war. Tas bedeutet, daß bei 54,7 Proz der Studenten des hellen Tyvus der erste Backrnzalm kariös oder ansgezogeit war, während l ei 17,4 Proz. das gleiche für alle Prämolare» nnb 'Dlolaren galt Bei ben bunkeläugigen und dunkelhaarigen elnbenteii waren die entsprechendeit Zahlen erheblich niedriger. Es waren nämlich die Prämolaren und Molaren bei 7,3 Proz. der Studenten kariös, währeitd sie bei 3,7 Proz. ulisgezogeit waren. Tie beiden Zahlen ergeben zusamnten 11 Prozent. Tie Zahlen für ben ersten Backen­zahn allein lauten 17 und 10, so daß zusammen Prozent der dunklen Studenten erkrankte ober ausgezogene erste Backenzähne hatten. Diese Zahl ist genau halb so groß, wie die entsprechende bei ben Hellen Studenten. Ter Amsterdamer Anatom folgert aris diesem aufsallenden Unterschiede, daß das Stuftreten von Karies eine Rasseneigenschaft sei. Die Bevölkerung der Niederlande, der seine Studenten entflammen, besiegt hauptsächlich aus zwei Elementen: der blonden teiitonischen - und der brünetten alpinen Rasse.

Tie Zunahme der Zahncarics müßte danach nicht ausscbließlich ätißerlichen Umständen ztigeschriebeit werben, sondern wäre teilweise eine der Rasse anhaltende 0 igentümlicdkeit. Mit einer Einschränkung wirb man ben Folgerungen Volks vielleicht beipflichten könneit. Dagegen, daß er den ersten Backenzahn als .Kriterium verwendet hat, ist nichts einzuivenden, beim dieser Zahn ist es, der nach den Erfahrungen der Zahnärzte gewöhnlich zuerst erkrankt. Wohl aber komml es in Betracht, daß das Untersuchungsmaierial 160 Stn- benten nicht sehr ausgedehnt ist, und besonders ungünstig ist der Umstand, daß die eine Gruppe nur aus 36 Studenten besteht. Tas günstige Ergebnis bei dieser Gruppe kann daher zum Teil em Werk des Zuialls sei», unb eS ist daher wünschenswert, daß Volks linier« fuck ungeit von anderer Seite an größerem Material nachgeprüst werben. ___________

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beit der Carrelschen Experimente enthalten. Dem gegenüber kann man geltend madien, daß Earrels künstliche Züchtung von Ge­weben anfänglich auch für einenamerikanischen Humbug" gehalten worben ist, jetzt jedoch längst adgemem als großer Fortschritt der Heilkunst anerkannt ist.

kf. Servietten und Bazillen. Dr. Sartory unb Dr. Langlois, die beiden Aerzte, die seit einiger Zeit planmäßig Gebrauchsgegenstände auf das Vorkommen von Mikro-Organismen untersuchen, sind jüngst bei der Serviette angelangt und fie haben hierbei wenig erbauliche Dinge gefunden. Frische Servietten ent­halten gewöhnlich auf dem Quadratzentimeter zwei bis drei Keime. Die beiden Gelehrten haben nun die Servietten untersucht, die bei einem Essen der Akademie gebraucht worden waren, und es stellte sich heraus, daß jede Serviette 815 mikroskopische Lebe­wesen auf dem Quadratzeutimeter enthielt. In vielbesuchten Gast­häusern dagegen finden sich vielmehr, nämlich bis zu 50 solcher Lebewesen auf dem Quadratzentimeter; in allen Fällen sind so gefährliche Keime, wie der Stahylokkokkus, der Aspergillus unb der Pneumobazillus darunter.

A merikanische M u st e r g e n g n i s s c. Das mo­derne Gefängnis, das nach humanen Anschauungen mehr eine Heilstätte, ein Erziehungsinstitut, als ein Ort der Strafe sein soll, ist nach Gerichtsarzt Dr. Marx in Amerika zu suchen. Auf seiner Studienreise durch die Bereinigten Staaten konnte er zu feiner, Genugtuung feststellen, wie weit voran die praktischen Amerikaner uns auch in dieser Hinsicht sind. Schon das Straf­urteil, das gleichzeitig ein Strasminimum und ein Strafmaximum diktiert, wirkt auf eine gute Ausführung des Verurteilten hin. Danach ist auch das Gefängniswesen modifiziert. Es gibt Ge­fängnisse für Jugendliche, wobei die Altersgrenze weiter gesteckt ist, als bei uns. Die Staatsprisons sind für Schwerverbrecher und gleichen unseren Zuchthäusern. Die Jugendlichengefängnisse (Reformator!)) sind im Stil großer Fabriken angelegt. Jeder Gefangene kann sich ein Handwerk wählen, worin er bis zur höchsten Kunstfertigkeit ausgebildet wird. Er muß darüber eine Prüfung ablegen. Wenn er das Gefängnis verläßt, hat er eine gute Vorbereitung für sein Fortkommen. In den Erholungs­stunden wird Schule gehalten, wobei erzieherische, geschichtliche, religiöse und philosophische Themen zum Vortrag gelangen. Den körperlichen Hebungen ist ebenfalls Aufmerksamkeit gewidmet. Mili- tärischer Drill ist selbstverständlich. Die Gefangenen sind in Kom­pagnien eingeteilt, besitzen Fahnen, ein Musikkorps ans ihrer Mitte, und an feierlichen Tagen wird Parade abgehalten, wobei es ganz schön zugeht. Die weiblichen Gefangenen werden ent­sprechend beschäftigt. Ihre Gefängnisse gleichen hübschen bürger­lichen Wohnräumen und ihre Tagesarbeit ist veredelnd gedacht. Musik, Gartenkunst, Nähen, Stricken, Spiele, Gesang und Tanz bilden Faktoren, die schon manche Gefallene in ein besseres Leben herübergerettet haben. Auch Gefängnisblätter, Wochen- nnd Monatsschriften, erscheinen in den Anstalten. Das meist­verbreitete Blatt heißtDer bessere Bürger" und ist ausschließ­lich von Sträflingen geschrieben, bereit Beiträge mit ihrer Ge­fangenhausnummer unterzeichnet sind.

* Gute Quellen.Woher beziehen Sie eigentlich Ihre Hüte, aller Freund?"Gewöhnlich aus den Eafss. Aber ein« oder zweimal bin ich auch schon so glücklich gewesen, sie itt der Kirche zu verwechseln."

* Entschuldigt.Ich wundere mich höchlichst, Ethel, wie du dem schönen italienischen Grafen gestern abend gestatten konntest, dich tzu küssen."Mer ich konnte wirklich nichts dagegen machen." Ja, aber warum denn nicht."Ich kann doch nicht italienisch."

vermischtes.

bk.S ch » el l h e i l u n g", die neueste Entdeckung Earrels. Dr. Alexis Karret, der letzte Empfänger des medizi - niscpen Nobelpreises, kündigt im neuesten Heile desJournal of Experimental 'Dlebtcine", des amtlichen Blattes des Rockefeller- Jnstituts, eine neue Entdeckung an, die an Wunderbarkeit seiner vielbesprochenen Züchtung von' Geweben wohl an die Seite gestellt werden kann. Er beschästigt sich seit dem Jahre 1907 mit Unter­suchungen über Beschleunigung von Heilungsprozessen, unb wie er nun mitteilt, haben die Untersuchungen zu einem vollen Erfolge geführt. Gelingt es etwa, jo sagt er, ben Heilungsprozeß mir bas Zehnfache zu beschleunigen, so heilt eine Hautwunde in weniger als einem Tage, und die Heilung eines Beiiibruches kann in vier Tagen erfolgen. Garrel bringt auf die Wundfläche Organextratte, die den natürlichen Heilungsprozeß beschleunigen Diese Extrakte stellt Tr. Garrel aus Muskel-, Milz- und 9heiengeweben ober anderen Organen von ausgewachsenen Hühnern, soivie aus noch nicht vollständig ausgebrüteten Hühnern her; ferner verwendet er dazu Organe von ausgewachsenen Hunden und Kaninchen. Wenn man bedenkt, wie weit die gegc mutige Chirurgie es in der Kunst der Ueberpflanzuiig gebracht h>.,, so eröffnen diese neuesten Er­folge Carreis, die natürlich in erster Linie bei Ueberpflanzungs- ouerationen verwendet würden, die benlbar günstigsten Aussichten. Freilich sind Carreis Untersuchungen noch nicht abgeschlossen, und es fehlt nicht an Stimmen, die stärksten Zweifel ü. er die Wah»

Skat-Aufgads.

Es wird Bierskat geküelt. Ta Mittelhand kurz vorher einen haushohen" Grand verloren hat, spielt sie jetzt statt des Grands ieber Treff-Solo auf folgende Karten:

Kami das Spiel verloren gehen, wenn eine Zehn und noch ein Trumpf im Skat liegen ? Das Rot- soll von ben Gegnern nicht gestochen werden.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer: AMSEL MAAS 8 A I E 8 L

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steinbruckerei, R. Lange, Gieße».