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Gleich einem Manne, der sich seines inneren Wertes bewußt ist, erscheint er meistens in einem schlichten schwarzen Gewände. Wir nennen ihn dann kurz Kohle oder auch Graphit. Manchmal aber liebt er es, sich als blitzender Kristall zu zeigen, der alle irdischen Stoffe an Glanz und Härte übertrifft, dann heißt er Diamant. Wer noch unbekannt im Lande der Chemie ist, wird erstaunt fragen, wie e» möglich ist, daß derselbe Stoff so außer­ordentlich verschieden anssehen kann. Der Kundige wird ihm von der Mlotropie der Elemente erzählen.

Atome sind die kleinsten Teile eines Elements und sonnt die Urteilchen aller Tinge. Alle Atome desselben Elementes sind einander völlig gleich. Nun ordnen sich die Atome in ganz be­stimmter Weise und bilden Gruppen, die man Moleküle nennt. Unter Mlotropie versteht man die Eigenschaft einiger Atome, sich auf verschiedene Art zu gruppieren. Wenn nun auch die gemeine Kohle, der Graphit und der Diamant aus denselben Atomen, nämlich Kohlcnstoffatomen aufgebant sind, so ist doch die Gruppierung in jeder der drei Arten eine andere

Wir wissen bereits, daß der Diamant die größte Härte von allen Stoffen besitzt. Noch in anderer Weise steht der Kohlenstoff über allen anderen Elementen. Er besitzt die größte Feuerfestig­keit. Wenn bereits alle Stoffe geschmolzen oder sogar schon ver­dampft sind, ist der Kohlenstoff noch fest und hart. Bis zu etwa 3600 Grad bleibt er unverändert, vorausgesetzt, daß er nicht mit Sauerstoff in Berührung kommt. Tann würde er natürlich ver­brennen.

Wegen seiner großen Feuerfestigkeit ist der Kohlenstoff ein unentbehrliches Material zur Herstellung von Oefen für außer­ordentlich hohe Temperaturen geworden.

Solche Oefen bestehen meistens aus einem Kohlerohr, durch welches man einen starken elektrischen Strom leitet und es dadurch in heftigste Glut versetzt. (Es ist hier ähnlich wie bei den elektrischen Glühlampen, bei denen ein Kohlefaden durch den elektrischen Strom glühend gemacht wird.) In das Innere des Rohrs bringt mau daun die Stosse, die man erhitzen will. In solchen Oefen schmelzen die hochfeuerfestcn Steine zu einer Flüssigkeit wie Wasser so dünn, die bei noch höherer Temperatur kocht und verdampft.

Was ist nun wohl die Wärme, die festes Gestein in flüchtigen Dampf zu verwandeln vermag?

Die Wärme ist bekanntlich eine Energie, eine zitternde Be­wegung der Atome Und Moleküle. Weil diese so unendlich klein sind, fühlt man das Schwingen der Atome nicht, wie z. B. das Zittern des Hauses, wenn ein schwerer Lastwagen über das. Pflaster rasselt, auch nicht wie das Schwingen der Lust, das durch Pfeifen oder Saiten erzeugt wird und nur unseren: Ohr als Schall merklich ist. Das feine, unendlich schnelle Zittern der Atome nehmen wir als Wärme wahr. Die Atome heißer Stoffe zittern überaus heftig und sind dadurch.unserer Haut unangenehm.

Aber die Atome schwingen nicht nur auf gradlinigen Bahnen hin und her. Ganz moderne Untersuchungen haben gezeigt, daß sie auch umeinander rotieren, wie Planeten um eine Zentralsonne. Die Geschwindigkeit, nut der so ein unendlich kleines Ding rotiert, ist ganz ungeheuer groß. Millionen mal Millionen Male in der Sekunde bewegt sich eins um das andere. Jedem Element kommt eine ganz bestimmte Schwingungszahl seiner Atome zu.

Die Kohlenstoffatome übertreffen alle anderen weit in der Schnelligkeit ihrer Rotationen.

Viele der chemischen Elemente, aus denen die Erde besteht, könnten wir ohne große Schmerzen entbehren. Ohne Kohlenstoff aber wäre die Welt tot und öde. Es würde nichts als nackten Sand, kahle Felsen und weite Wasserwüsten geben. Ohne Kohlenstoff gäbe es keine Bäume, keine Blumen und Gräser, weder Tiere noch Menschen. In allen lebenden Wesen ist Kohlenstoff der wichtigste Bestandteil. Es gibt kein anderes Element, das eine so tausend­fältige Zahl von Verbindungen eingeheu kann wie Kohlenstoff. Er allein vermag sich mit vielen Seinesgleichen und einigen anderen Atomen zu den wunderbar zusammengesetzten Stoffen verbinden, welche die Träger des Lebens sind.

Fast unglaublich ist cs, daß alle Pracht des Lebens aus dein unscheinbaren Sauerstoff, dem Wasser und der Luft besteht. Wer gab diesen toten Stoffen solche Kraft? Wer hauchte ihnen den Odein des Lebens ein? Wir wissen nicht, wie das Leben auf der Erde entstanden ist, luir wissen aber, woher die Kraft des Blühens und Wachsens stammt, wer unseren Körper mit freudigem Leben erfüllt.

Tie Sonne ist es, die herrliche, strählende Sonne.

Glaubt nicht, daß ich nrich zu poetischen Bildern hinreißen lasse. Die Sonne ist die Quelle der Lebenskraft. Das Zittern ihrer leuchtenden Strahlen erfüllt die ganze Welt mit sprießendem Leben. Das Zittern des Lichts schwingt im Klopfen nuferes Herzens weiter. Liebe, Sehnsucht und Freude gab uns die Sonne.

So tote die Wärme ist anch das Licht ein zitterndes Beben unendlich feiner Teilchen, die viel kleiner sind als die Sonnen­stäubchen und die kein Auge, auch nicht durch das stärkste Mikroskop, zu erkennen vermag. , .

Man sehe eine Pendeluhr an, d:e durch ein Gewicht in Bewegung gesetzt wird. Die Uhr kann uns als Bild eines lebenden Wesens dienen, wenn auch das einfachste Lebewesen viel wunderbarer und komplizierter zusamntengesetzt ist als eme

Uhr. Hat man sie aufgezogen, so schwingt das Pendel und die Räder drehen sich. Beim Aufziehen hebt man das Gewicht und muß dazu eine gewisse Arbeit leisten, wir geben der Uhr etwas von unserer Lebensenergie. Sie geht so lange, bis das Gewicht niedergesunken ist und bleibt dann stehen. Ganz von selbst geht sie nicht. Es gibt keine Maschine, die von selbst Arbeit liefert. Jede Bewegung muß durch eine andere Bewegung veranlaßt werden. DaS ist der berühmte Satz von der Erhaltung der Kraft. Wie Stoffe weder entstehen noch vergehen können, eben­sowenig kann man Kraft oder richtiger Energie aus nichts gewinnen oder vernichten. Die int Weltall vorhandene Energie besitzt für ewige Zeiten die. gleiche Größe. Nur die Form der Energie kann sich wandeln. Wärme kann in Arbeit, in Licht/ in Elektrizität und umgekehrt verwandelt werden. Aus einer gewissen Wärmemenge entsteht immer eine ganz bestimmte Elek­trizitätsmenge usw.

Ziehen wir das Gewicht der Uhr vom Erdboden fort in die Höhe, so müssen wir eine Arbeit leisten, und diese Arbeit dreht dann die Räder der Uhr. Nun müssen toir einen etwas schwierigeren Fall betrachten.

In das Feuer, das unter dem Dampffessel der Lokomotive brennt, wirft der Heizer Kohlen, diese verbrennen, und der Dampf bewegt die Kolben und setzt so den ganzen Zug in Be­wegung. Hat nun der Heizer die Arbeit geleistet, die den Zug iit Bewegung setzt? Daß dem nicht so ist, leuchtet jedem eilt; denn um den Zug in so gewaltige Bewegung zu setzen, gehört eine viel größere Energie als der Heizer sie leisten könnte. Woher stammt aber die Kraft der Lokomotive? Nun, die steckte in den Kohlen. In der Feuerung verbrennt der Kohlenstoff/ d. h. er verbindet sich mit dem Sauerstoff der Luft zu Kohlen­säure. Bei dieser Bereinigung wird die Wärmeenergie frei, die von der Lokomotive in die Bewegung des Zuges verwandelt wird. Diesen Borgang, der auf den ersten Blick überaus rätsel­haft erscheint, kann man sich klar machen, wenn man an das Ösewicht unserer Uhr denkt. Das Gewicht ist schwer, d. h. es ist betrebt, nach unten auf den Erdboden zu gelangen. Um es hinauf zu ziehen, muß man eine .Arbeit leisten und diese Arbeit steckt bann verborgen in dem aufgehobenen Gewicht. Das Ge­wicht kann man mit dxm Kohlenstoss vergleichen, den Sauer­stoff mit dem Erdboden. Kohlenstoff und Sauerstoff haben das Bestreben, einander möglichst nahe zu kommen, oder in chemischer Sprache ausgedrückt, sich zu verbinden. Ist also der Kohlenstoss vom Sauerstoff getrennt, so steckt in ihm ebenso Energie, wie in dem hinaufgezogenen Gewicht. Und wie hier beim Nieder­sinken des Gewichtes Arbeit geleistet wird, so auch bei der Ber­einigung von Kohlenstoff und Sanerstoff. Andererseits muß man Arbeit leisten, wem: man den Kohlenstoff vom Sauerstoff trennen will, und zwar genau die gleiche Arbeit, die nachher bei der Verbrennung wieder frei wird.

Ursprünglich ist aller Kohlenstoff mit Sauerstoff vereinigt gewesen und zwar als Kohlensäure, die sich in der Luft _ be­findet. Durch die Energie der Sonnenstrahlen wurden die beiden getrennt und das geschieht so: Die grünen Blätter der Pflanzen atmen die. Kohlensäure ein. Fällt nun Sonnenlicht auf die Blätter, so wird der Kohlensäure Sauerstoff entzogen, der wieder in die Lust geht. Der Kohlenstoff aber verbindet sich mit dem Wasser, das von den Wurzeln in die Blätter geführt juirb, zu Stärke. Aus der Stärke werden bann alle die Stoffe ge­bildet, welche die Pflanze zu ihrem Wachstum braucht.

Wir haben nun zwar noch keine Kohlen, aber jedenfalls schon Holz, das bei der Verbrennung anch Wärme liefert. Auch mit Holz könnten wir die Lokomotive heizen und so die in ihn: aufgespeicherte Sonnen en ergie in Arbeit verwandeln. Aber auch der Weg von beh Pflanzen zu den Kohlen ist nicht, allzu weit. Wenn abgestorbene Pflanzenteile genügend lange Zeit in Erde vermodern, so entsteht zuerst Torf, daraus Braunkohle und zuletzt Steinkohle. So sind wir von der Kohlensäure zum Kohlenstoff gekommen, in dem die Svnneneuergie schlummert.

Wie die Pflanzen durch die Energie wachsen, die ihnen die Sonne spendet, so auch die Tiere. Die Tiere fressen ja die Pflanzen und fchluckcn mit ihnen die Sonnenenergie hinunter. Die Raubtiere machen sich nicht einmal die Mühe, einzelne Gräser und Blätter abzurupfen. Das überlassen sie den Pflanzen- fressern, und wein: diese viel Sonnenenergie in sich aufgespeichert haben und rund und fett geworden sind, werden sie von den Räubern verschlungen. Auch wir Menschen leben von der Sonnen- cnergie, die von den Pflanzen aufgenommen wurde. Alle Kraft unserer Muskeln ist nur verwandeltes Sonnenlicht, und die Wärme unseres Leibes ist Sonnenwärme, die in der Nahrnng verborgen war. In unserm Körper verbrennt anch Kohlenstoff. Wir atmen Säuerstoff ein und Kohlensäure aus, die ja nichts anderes als verbrannter Kohlenstoff ist.

Die Kohlensäure, die von Menschen und Tieren ausgeatmet wird, geht in die Luft und wird in den grünen Pflanzenblättern wieder in Kohlenstoff und Sauerstoff zerlegt. So macht der Kohlenstoff einen ewigen Kreislauf und verwandelt dabe: Sonnen­energie in Lebenskraft.

Es ist eine wunderbare Kraft, die den Kohlenstoff vor fernen Brüdern, den .anderen.Elementen, deren cs etwa hundert gibt.