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Von Frühling ?u Frühling.
Roman von Erich Eben st ein.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
V.
Mehr als zwei Jahre waren vergangen. Ereignisvolle Jahre voll äußeren Glanzes und inneren Elends für Meta.
, Der alte Petermann hatte die Freude, einen Enkel zu besitzen, nicht lang« überlebt. Eine tückische Krankheit h tte ihn kauin ein Jahr nach der Geburt des kleinen Konrad hinweggerafft.
Frau Bettina wurde nach ernster und schweigsamer als früher, und als das Unglück mit dem Kinde immer deutlicher wurde, hatte sie ihre Wohnung in Herminenruhe aufgegeben, ein kleines Gut in Obersteiermark gekauft und sich ganz dort zurückgezogen.
Sie konnte den. Anblick dieses Enkels, der weder zu stehen noch zu sprechen vermochte, nicht länger ertragen.
Es war ganz langsam zutage getreten. Anfangs hoffte man noch immer. Es war ja kaum denkbar, daß dieses schöne, blonde Kind . . . aber dann, als die veilchenblauen Augen immer gleich leer und starr in die Welt blickten, als alle Zeichen von erwachender Intelligenz ausblieben, mußte man doch endlich daran glauben.
Nur Meta alV'n hoffte noch. Hoffte init der rührenden, verzweifelten Angst und Geduld der Mutter.
Sie bewohnte jetzt den großen Haupttrakt und fügte sich in alle Wünsche Nikis, der die "Fabrik verlauft Ijatte- und mit seinen Millionen nunmehr den großen Herrn spielte.
Für das Kind hatte er kaum jemals einen Blick. Er schämte sich seiner, und wenn Gäste da waren, was beinahe immer der Fall war, mußte der kleine Konrad mit seiner Wärterin unsichtbar bleiben.
Melas Schönheit, die sich immer voller und strahlender entfaltete, entzückte ihn immer noch von Zeit zu Zeit. Wer es kamen Zeiträume, in welchen er sich kaum um sie kümmerte und mit Brutalität antwortete, wenn sie es wagte, ihm Borftellungeu zu machen.
Bon irgendwelchem inneren Band zwischen ihnen war teilte Spur vorhanden.
Meta, immer von. der Angst nm das Kind gefoltert, einsam nnd ohne Stütze ihm gegenüber, ließ alles schweigend über sich ergehen. Eine, völlige Apathie hatte sich ihrer bemächtigt.
Wozu sich auflehnen? Um was kämpfen? Um ihre Freiheit? Dann hätte sie Las Kind hergeben müssen — nein, sie durfte nicht um ihre Freiheit kämpfen.
Und was hätte sie damit anfangen sollen? An Glück
glaubte sie nicht mehr. Liebe war ein törichter Wahn. Ehe? Sie lachte, wenn sie daran dachte.
Ihr Vater, ja — vielleicht — der sich an der Leiche seiner Frau erschoß — es war eine Ausnahme. Romanhaft. Unglaublich, wenn man es nicht selbst miterlebt hätte. Und sonst?
Meta saß im Park unter blühenden Kastamen, als sie dies dachte. Wenige Schritte entfernt fuhr die Wärterin das Kind in der" Sonne spazieren.
Gab es sonst vielleicht -glückliche Ehen?
Auch Herta war unglücklich. Ihr Mann hatte die Stelle am Sanatorium verloren, lvar ein unbeschäftigter Arzt, der alles Mögliche tat, um Frau und zwei Kinder vor Not zu schützen. Beide waren vergrämt und verbittert.
Berta Malchow schrieb auch direkt verzweifelte Briefe aus Wien. Ihr Mann war lungenkrank, zwei sieche Kinder waren die Frucht dieser Ehe. Krankenpflegerin — das war aus der lustigen Berta Malchow geworden.
Und Jfa? lieber -ein Jahr war sie mit ihrem Manne fort aus G. Er war ein unruhiger Kopf, den es hinaustrieb in die Welt. Lachend, sorglos und glücklich hatte Isa ihre zwei kleinen Kinder genommen und war mit ihm gegangen iits Ungewisse hinaus.
„Er will es so, und da wir zusammengehören, will ich's auch!" hatte sie bei der Abreise stolz gesagt. „Wir sind doch nun mal eine Familie und man darf nicht gleich den Kopf verlieren über Kleinigkeiten!"
Kleinigkeiten nannte sie es! Tapfere Isa! Aber das Lachen wird ihr nun wohl auch schon längst vergangen sein.
Meta blickte auf. Schritte erklangen auf dem .Kiesweg vom Hause her. Eine hohe, schlanke Gestalt — Metas Herz blieb ruhig, aber -eine warme, sonnige Freude spiegelte sich plötzlich auf ihren Zügen.
Michael von Münster. Dieser treue, immer gleich warme, gleich ruhige Freund!
Lächelnd blickte sie zu ihm auf und reichte ihm die Hand.
Ob er -es ghnt-e, wie oft seine stille, sichere Ruhe ihr Halt gab in der bitteren Wirrnis und inneren Zerfahrenheit ihres Lebens?
„Sie kommen zur guten Stunde, Herr von Münster," sagte sie herzlich, „mir toar -eben recht wehmütig zumute. Diese Welt ist doch -ein rechtes Jammertal!"
„Oho!" lachte et fröhlich. „Und das wagen Sie auszusprechen angesichts eines so herrlichen Frühlingstages? Fühlen Sie denn nicht, wie alles blüht und leuchtet und glüht von Schönheit?"
Mit einem wehen, hilflosen Lächeln sah Meta zu ihm auf.
„Ach, ich möchte wohl... so gerne... aber..
Sie verstummte.
„Ich werde Ihnen etwas sagen, gnädige Frau: Das viele Stillsitzen taugt nicht für Sie. Sie haben es ja


