Ausgabe 
14.7.1913
 
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einer Hess. Soldatenfahrt von Groß-Buseck nach Kirchhain kurz vor Kirchhain in einem Garten, darein er vermutlich beichcm stürmisch Schncelvetter ganz abgemattet ein wenig hat ausruhen wollen, weil er vor der gesamten Juhre etwas vorangegangen, im großen Elend gestorben und des Morgens tot aufgefunden worden. Des Sonntags, als den 10. Febr., ist er zu Kirchhain begraben worden, da er von einigen Mitgliedern der Schnhmacherzunft getragen und von dieser ganzen Gesellschaft zu seinem Grab auf dem dasigcn Kirchhof begleitet worden. Alter 67 Jahre weniger 4^Monat/' Das .Jahr 1794 forderte zwei weitere Opfer. Ein Sohn des Philipps Bellofist in den Niederlanden mit Tod abgegangen", ein Sohn des Ludwig Spaarbeim 2. Bataillon Landgraf in Bickebach verstorben".

(Fortsetzung folgt.)

Bukarest.

Wer vom Berge der Metropolie (des Domes) auf Bukarest hinunterblickt, genießt einen unvergleichlich schonen Anblick. In die Lichtfülle eines leuchtenden, fast nie bewölkten Himmels ge­taucht, liegen die weißen Häuser im saftigen Grün ihrer Garten, die mit silbernem Blech gedeckten Dächer glitzern itt~ tausend Funken. Ein unübersehliches Meer von Farbe und Feuer, fo dehnt sich diese Perle des Orients aus. Diesen Anblick kann ich yup vergleichen mit dein von Konstgntinvpcl, vom Bosporus äüs gesehen, wenn die ersten Strahlen der Morgensonne ein röt­liches Licht über das alte Byzanz mit seinen Minarets und Marmorpalästen gießen. Obwohl Bukarest, Rumäniens Haupt­stadt, eine moderne, westeuropäische Stadt geworden ist, so hat es doch seinen eigentümlichen Charakter bewahrt, _unt> wird viel­leicht gerade durch die Kontraste von Ost und West besonders an­ziehend. Breite, asphaltierte Straßen, auf denen die elektrischen Bahnen donnern, mit modernen Riesenbauten wirken doppelt anziehend, wenn darüber mit schweren Schritten schwarze Büffel mit ihren gewaltigen, fast meterlangen, nach hinten zurückge- hogenen Hörnern ein Leiterfuhrwerk ziehen, auf dem, Bauern in ihren malerischen, weißen, buntbestickten Kleidern Wassermelonen, das Stück zu 5 parale (4 Pfennig), zu Markte fahren. Um die Ecke biegt ein kleiner, zweirädriger Karren, von einem der ausdauernden rumänischen Steppenpferdchen gezogen, und auf dem Karren liegt ein Faß, während der Mann sein lautes >,Apa, v!" aüs'rnft. Das ist ein Wasserträger, Saceagiu, der jetzt noch, wie vor Jahrzehnten, gegen kleines Entgelt das Wasser für den täglichen Hausgebrauch verkauft. Denn wenn auch Buka­rest jetzt eine großartige Wasserleitung hat, so gibt es doch noch viele Häuser, die ihren Wasserbedarf auf diese Weise decken müssen.

Und im Hofe manches fürstlichen Palais steht noch der Brunnen, aus dem das Wasser mit Eimern emporgewunden wird. Die flinken zweispännigen Wagen mit ihren in duntlen Samtkaftan gekleideten Kutschern eilen in neiderregendem Tempo über Vie Straße, und dazwischen rollen die eleganten Wagen der Gesellschaft, die zum Korso fahren.

Tagtäglich zwischen 4 und 6 Uhr bewegt sich dieser glänzende Zug die Calsa Victoria entlang, am königlichen Schloß vorbei zurChaussee":tout Buoarest" ist dort täglich zu sehen. Nur Paris oder Petersburg kann sich in der Eleganz der Toiletten, in der Pracht der Wagen und Pferde mit Bukarest messen, wie auch die rumänische Aristokratie ein Jahrhundert lang in Paris gelebt hat. DiePalais Brancovan, Bibescu, Stirbep, Ghica, Cantacuzsne, Mornsi ufw." sind in. Paris ebenso berühmt wie diePalais Rohan",hötel Montmorency",Palais Rochefou­cauld" usw.

Französisches Wesen, gepaart mit orientalischer Großzügig­keit, sind das Charakteristikum der rumänischen Gesellschaft, im Guten, wie int Schlechten. Die.völlige Verderbnis der Sitten findet in der spielenden Leichtigkeit der Ehescheidungen ihren Ausdruck. Treffe ich nach einem Jahr einen Bekannten von dort wieder, so wage ich nicht, ihn nach seiner Frau zu fragen. Er könnte ja geschieden und schon wieder mit einer anderen ver­heiratet sein. Ein treffendes Beispiel für die moralische Auf- fassung dort ist auch der Fall eines gerade jetzt vielgenannten: Ministers: der erste Prozeß, den er als Einundzwanzig! ähriger wir wurden sagen: Lausbub führte, bezweckte den Nachweis, daß er nicht der Sohn seines Vaters sei, was ihm auch glänzend gluckte. Deswegen hat er sich aber weder mit seinem wirklichen, noch mit seinem nominellen Bater, auch nicht mit seiner Mutter verfeindet.

Wo aber viel Schatten ist, ist meistens auch viel Licht. Der hervorstechendste Zug der rumänischen Gesellschaft ist ihre un­begrenzte Wohltätigkeit. In keinem Krankenhaus hat der Patient für Behandlung und Verpflegung auch nur einen Pfennig zu zahlen! Alle Hospitäler sind aus Stiftungen errichtet und ver­fügen über fürstliche Einkünfte. Bei Wohltätigkeitsfesten werden Eintrittspreise und Zuschüsse verlangt und auch gerne gezahlt, die nur mit den Verhältnissen amerikanischer Milliardäre ver­glichen werden können.

Sympathisch berührt der Mangel an jeglichen Titeln und Adelsprädikaten. Mancher nicht eingeweihte ausländische Aristo­

krat hat schon die unattgenehm.e Erfahrung machen müssen, datz der Herr, den er eben mit viel Herablassung behandelt hat, ein Minister und mit den mächtigsten Fainilien Europas recht nahe verwandt ist. Für den Deutschen, der nach Bukarest komntt und in die Gesellschaft eingeführt wird (einen sogenannten Mittel­stand gibt es dort nicht!), find die Eindrücke überwältigend. Liebenswürdigkeit und feinste weltmännische Bildung, die den Mann und nicht seinen Stand ansieht, die fabelhafte Eleganz und das selbstverständliche, aus dem Herzen stammende Entgegen­kommen, verwirren ihn: er wird Rumänien überschätzen.

Umgekehrt ivird unser Vaterlaitd nitterschätzt: ich werde nie den ersten Eindruck vergessen, den mir die Berliner Gesellschaft! machte: statt Eleganz Arroganz, statt der Liebenswürdigkeit, tvahrer Bildung, bornierter Standesdünkel. Es hat Jahre ge­dauert, bis ich die kolossale Ueberlegcnheit Preußens über alle andern Nationen verstehen und bewundern lernte, allerdings noch länger, bis ich es begriffen hatte, daß man einem ungebildeten und unsyinpathischen Rcgiernngsrat bei weitem achtungsvoller entgegenkommen müsse, als einem Rechnungsrat mit viel Wissen und Herzensbildung. Ja, der Titel! Und die Kriecherei!

Bott solchen Kleinkrämereien ist Rumänien frei. So ergeben das ganze Land seinem Könige ist, gegen und über ihn wird nie ein Blatt vor den Mund genommen.

Wie der König einmal einen Ministerpräsidenten ziemlich unerwartet entließ, erklärte die Frau Ministerpräsident bet ejttentf offiziellen Empfang ganz tMeniert:Der Knabe Karl fängt an, nur flirchwxljch zu werden!" Trotz dieses auch für die dortigen! Verhältnisse etwas starken Ausspruchs der Dame, ist ihr Mann später noch einmal Minister geworden. Denn der König fühlt sich erhaben über Lob und Tadel, und steht hoch über den Parteien/ wie über seinen Untertanen und ihren Aeußernngen. Er hat es meisterhaft verstanden, mit deut rumänischen Volkscharaktcr fertig zu werden nnd dabei persönlich seine Unnahbarkeit zu betvahren/ die ihm den unbegrenzten Respekt iutd die Anbetttng seines Volkes erworben hat.

Man kommt in eine andere Welt, wenn man das Schloß be­tritt, man fühlt vom ersten Augenblick an, daß man in eine Atmosphäre von eisernem Pflichtgefühl, von strengster Orditung und Pünktlichkeit, von unermüdlicher Arbeit kommt, daß man einem seelisch Großen naht.

Wie über einem Tal, in dem tausend bunte Blumen in be­rückenden Farben und betäubenden Düsten blüh'n, wo bunte Schmetterlinge ohne Zahl in Licht und Glanz schweben, auf ein­samem Felsenhorst der Adler herrschend thront, so thront der ein­fache, allem Prunk abholde König über seinem färben- unif prachtliebenden Volke, das in Ehrfurcht und treuer Liebe zu ihm aufblickt. E manuel Kre m n i tz,

vüchertisch.

Griebens Reiseführer, Band 77:Die Va­ge s e n". 8. Auflage. Mit 7 Karten (2 Mk.) Verlag Albert Goldschmidt, Berlin W. 35. Zu rechter Zeit, da jedem Wander­lustigen das Herz ansgeht schon beim Schmieden seiner Reise­pläne, erscheint in neuer Bearbeitung die 8. Auflage des als zuverlässig bewährten Führers durch die Vogesen in der rühm­lichst bekannten Sammlung Grieben. Manchem noch Un­entschlossenen dürfte damit ein Hinweis für die Wahl des Reise­ziels gegeben sein, wenn er in dem praktisch angeordneten Text des Bändchens liest, welche Herrlichkeiten dieses! schönste aller detttschen Mittelgebirge zu bieten hat, und welch vielseikige An­regung unser sagen- und burgenreiches Elsaß jedem Frdunds der Poesie und Romantik vermittelt.

Buchstabenrätsel.

al, ch, co, ck, er, er, ba, 11, falt, gel, i, n, ui, nen, os, rel, t, la, tr, u, yo, z, zu.

Ans vorstehenden Silben und Buchstaben sollen fünf Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangs­buchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen den Namen eines Klaviervirtuosen und Kom­ponisten ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:

1. Militärisches Vergehen.

2. Badeort in Schlesien.

3. Bekannte Erscheinung auf dem Weltmeere.

4. Geistlichen Liederdichter.

5. Gefiederten Sänger.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer I

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Redaktion: K, Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lattge, Gießm»