Ausgabe 
14.6.1913
 
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seren Händen. Jetzt neigte sich der kurze Dezembertag seinem Mlde zu und nun versuchte der französische General Le Blanc «neu letzten gewaltige» Stoß, um die ermatteten Deutschen aus Lmgny zu werfen und die eingeschlossenen Franzosen zu he- freien. In Villepion sammelte er einen Haufen von ca. 3000 Mann fr: cher Truppen des 17. französischen Korps, darunter «» Bataillon päpstliche Zuaven unter Oberst Charette, denen sich Trümmer des geschlagenen 16. Korps, Mobilgarden und Franktireurs anhängten und führte sie auf Loigny. Die schwachen vorgeschobenen Abteilungen der 90 er, 89 er und 14 er Jäger mußten von Villours aus zurück bis alt die Chaussee Loigny^- Chartres, bestrichen zwar von hier aus die Flanke des Feindes, vermochten aber sein Vorwärtsdringen nicht aufzuhalten. Ge- lang^^ General Le Blanc in Loigny einzudringen, dann war die Schlacht für uns verloren und all das teuere Blut der Ka­meraden umsonst vergossen. Dies mit klarem Blick erkennend, setzte General von Treskow (Führer der 17. Division) schnell entschlossen seine letzten Reserven ein, das erste und unser- siller-Bataillon (75. Rgt.). Es mochte 4 Uhr sein, als der Adiutant den Befehl überbrachte,Füsilier-Bataillon soll einen Vorstoß machen". Sofort waren wir auf den Beinen. Die Trom- meln wirbelten Sturmmarsch, die schrillen Flöten übertönten

Bsiifcn der Kugeln und im Laufschritt gings um die Süd- Ost-Ecke von Loigny. Hier sprengt der Divisionskommandeur selbst auf uns zu; die Mütze schwenkend rief er:Hurra! Es lebe der König!"Hurra!" jauchzten wir in wilder Saft. Jetzt Merkten loir, jetzt , galis! Die steifgewordenen Glieder waren diirch den Daucrlauf völlig geschmeidig geworden; aufgeregt durch .l Gedanken an das, was da kommen sollte, jagte das Blut t»te siedendes Feuer durch die Adern, klopfte stürmisch das Herz. Da, welch seltsamer Anblick: An den Außenmauern eines vor Loigny stehenden Gehöftes steht die Musikkapelle eines Mecklen- ourgischen Regiments (90 er ?). Sie blasen, was das Zeug halten will, denn die ganze Division gibt das Signal,Das Ganze avancieren", weiter. Wir stürmen vorwärts; da kommt

mQni| Marbel eine Kolonne auf uns zu. Wir glauben, cs sind Bayern, die in der Dämmerung aus Loigny abziehen. Kaum 100 Schritte trennen uns von ihnen, da ruft einer ltnks von mir:Donnerwetter! Das sind ja Franzosen!" Nun konnten wir iins für das lange Stilliegen revanchieren! Ohne erst ben Befehl abzuwartim, fliegt das Gewehr an die Backe »»d ^chust auf 'Schuß fitzt in der Front und linker Flanke des Feindes. Dieser scheint ein so nahes Zusammentreffen auch nicht erwartet zu haben; erst stutzt er, dann wehrt er sich ver­zweifelt. Mitten durch dieses Kreuzfeuer, wunderbarer Weise ohne verletzt zu werden, stürmt der Führer der 11. Kompagnie, foeinterleutnont H. Freiherr Schenck zu Schweinsberg auf seinem dicken Brannen dem Feinde zu,, Mengt an den feindlichen Führer heran und haut ihn vom Pferde. Einige Leute seiner Kom- pagnie eilen ihm nach und nehmen mit ihm den feindlichen Oisizier es ist der Kommandierende General Le Blanc selbst gefangen. Auch Oberst Charette, der Führer der päpstlichen Zuaven, wird gefangen und von der 9. Kompagnie eine Mi- trauleuse erbeutet. Vergebens suchen nun die übrigen feind- lidjen Offiziere, auch die in der Kolonne befindlichen Geistlichen, unter Vorhalten des 'Kreuzes ihre Soldaten zum Standhalten anzufeuern Es ist verlorene Liebesmüh! Ihr Widerstand ivird schwacher, sic machen Kehrt und verschwinden in regelloser Flucht, non unserem Schnellfeuer verfolgt. Zwei Züge von den Flügeln des Bataillons, darunter unsere halbe Kompagiiie, verfolgen den Feind. Sie bringen in Loigny ein, wo erst jetzt der Widerstand der Verteidiger gebrochen ivird. Noch 600 unverwundete Feinde strecken auf dem Kirchhof die Waffen, das links von uns vor- toßende Bataillon drang in Villours ein und nahm es im erste» Anlauf, eine Menge Gefangene machend. Nach und nach er- Itarb der Kampf; der Feind erneuerte seine Angriffe nicht mehr und unseren .beide» Bataillonen bleibt der Ruhm, den Sieg von Loigny entschieden zu haben.

So lautet der interessante Abschnitt der Regimentsgeschichte, welcher der einzigen noch, in Darmstadt lebenden Schwester nn- seres Helden mit der Mbildung des erwähnten Reiterzweikampfes vom Regiment aus zugeschickt tonrbe. Der bekannte Schlachten­maler Hünten hat nämlich die Gefangennahme des französischen Generals als Mittelpunkt in seinem berühmten BildDie Han- seatei! bei Loigny", zu Bild gebracht, und die Stadt Bremen hat dieses Meisterwerk, aus Dankbarkeit für ihre Hanseaten (Bremen war zeitweise Garnison des 75 ten Regiments) angetauft und wt Bremer Ratskeller zu jedermanns Ansicht ausgestellt. Von den vielen Fremde», die das Bild betrachte», wisse» nur wenige, » der kühne Reiter unferen hessischen Landsmann darstellt, de» den Künstler mit lebenstreuer Aehnlichkeit gemalt hat. Nur mc allen -siebziger" von beit Hanseateii erinnern sich beim Beschauen des Bildes mit Stolz und Verehrung ihres beliebte» Kameraden und Vorgesetzten. Ein tragisches Geschick hat es gewollt, ?asi fast z» derselben Zeit, wo die Kameraden nach dem Friedens- fchlusi unter Glockengeläute und dem Jubel der Einwohner mit bei» Lorbeer des Siegers geschinückt in ihre alten Garnisonen emzogen, der entschlafene Held in Darmstadt mit militärischen Wen zu Grabe getragen wurde, ohne seine alte Mutter noch einmal gesehen zu haben. Er ruht in geweihter hessischer Erde,

in Hessen, das er so sehr geliebt hat und das auch ihm, wie so vielen feiner tapferen Landeskinder, die demgroßen Jahr" zum Opfer gefallen sind, ei» ehrendes Andenken bewahren wird.

Die Aüche im )uni.

Von A. Burg.

Es ist erwiesen, daß im Sommer der Bedarf und das Ver- w^"uach Fleisch viel geringer ist als im Winter, besonders AM S um fettes Fletsch handelt. Demi Fett erzeugt im^intpr lT. Eövper Wärme, die dieser naturgemäß

mr Winter mehr braucht als rnr Sommer. Speck und fetter Br°te» smd uns m der kalten Jahreszeit viel willkommener, Afa 1 m 1va^9 satter roher Schinken im Sommer beliebt, lS/~^eiJa0C . tungen Gemüsen. Vorzüglich ist solche Mrtbe. Schmken zu jungen Schoten, die aber im Ium auf beit Markten der Städte noch vielfach recht teuer fitck, ebenso es den Karotten. Ein echtes Juni-Mischgeinüse sind Mohr- ?ttb Spargel. Letztere fangen allerdings an, M dem 10. ober 12. ^uni im Preise zu steigen, da mit . n Mhanmstage fast von allen Spargelzüchtern das Stechen eingestellt wird.

. ,^ucb Bohnen Pflegen im Juni oft noch ziemlich teuer zu sein, haben sie mäßige Preise, so ergeben sie eilt lebr gutes sommergemiise, zu dem man vielfach neue Kartoffeln tn der Schale und Matjeshering ober, wo solcher nicht zu habeil e -ru911« V! Bsilch und Wasser ausgezogenen Salzhering und srOnw Butter gibt. Dagegen pflegt von Mitte des Monats an der Kohlrabi in größeren Vorräten den Markt zu erobern. Oft Jlt er sogar recht wohlfeil, leider aber ist die Mannigfaltigkeit seiner Zubereitung noch nicht so allgemein bekannt. Die Ein- seitigkeit der Zubereitung eines Gerichts ist bekanntlich der größte Feind desselben.

Solange die jungen Herzblätter der Kohlrabip-flaitze noch zart und weich sind, werden sie selbstverständlich mit z»bereitet, erne Art, die den meisten Menschen besser zusagt, als die Zu- bereitung der in Scheiben geschnittenen Knolle» allein. Sehr wenig bekannt sind braune Kohlrabi; die meisten Hausfrauen glauben, Kohlrabi nur mit weißer Mehleinbrenne ober, wie vsisiach ul Nieberschlesien und Rußland üblich, mit Milch oder Sahne lochen zu können. Um Kohlrabi braun herzurichten, lässt man die zerschnittenen Knollen (hier ohne Grün) in siedendem gesalzenen Wasser 12 bis 15 Minute» koche» und gießt das Wasser durch et» Sieb ab. In einer Kasserole läßt man ein großes Stuck Butter ober Butter mit Rinderfett nebst zwei «tu.ichen Zucker unter fortgesetztem Rühren kräftig bräunen, gibt die Kohlrabi hinein, schwenkt sie damit durch, läßt sie etwas airbraunen, gibt etwas Brühe ober auch nur Wasser und etwas «alz dazu, läßt alles kurz einkochen, schmeckt das Gemüse ob und richtet es in erwärmter Schüssel an.

Ebenfalls unbekannt ist ein gebacknes Schüsselgericht von Kohlrabi mit Schinken. Die Kohlrabi werden, ebenfalls ohne Grün, geschalt, in Scheiben geschnitten, mit kaltem Wasser und Salz zum Kochen gebracht und 12 bis 15 Minuten gekocht, worauf man das Wasser durch ein Sieb abgießt. Dann dünstet man sie in Wasser nebst Butter ober in leichter Brühe fast weich, ftreiit Mehl barüber unb läßt durchziehen. 'Sine feuerfeste «chusstl oder Auflaufform streicht man mit Butter ans, gibt eine «chicht Kohlrabi hinein, legt eine Sage roher Schinkeir- schecken darauf, läßt Kohlrabi und nochmal Schinkenschnitte folgen, bis Kohlrabi die oberste Schicht bilde». 2 bis 3 Eidotter ver-. quirlt mau mit etwas Brühe, gährt dies langsam und gleich­mäßig über die eingelegten Schichten, streut geriebene Semmel unb träufelt etwas zerlassene Butter barüber, schiebt die Schüssel ui den Ofen unb läßt bas Gericht in mäßiger Hitze zu schöner,- gelbbrauner Farbe backen. Es muß sofort »ach dem Heraus- nehmen aus dem Ofen aufgetragen werbe».

Ebenso begehrt ist der Kopfsalat ober grüne Salat, welcher allerdings weniger den Anforderungen an Nahrhaftigkeit, als an Erfrischung entspricht. Und an heißen Junitagen bedeutet ein, erfrischendes Salatgcricht oft einen hohe» Genuß, der feiner kostspieligen Delikatesse gleich steht. Gerade im Monat Juni glänzt der Kopfsalat durch die Ausbildung seiner Fnuciiblätter, die in den festgeschlvssenen Köpfen verborgen, weit köstlicher sind, als die Außenblätter. Der Salat muß sehr oft und sorgfältig gewaschen werden, bann im Siebe ober im Salatkorbe vollständig trockne», ehe man ihn mit Essig, Oel, Zucker, Pfeffer, Salz ober mit Sahne ober mit Salatsauce mischt. Er bars aber auch erst im Augenblick des Servierens angemacht werben. Ist er beim Anmachen noch naß, so bringt die Flüssigkeit nicht in bie Blätter ein und sie bleiben geschmacklos. Vielfach wird anstatt Essig jetzt Zitronensaft genommen, was den Salat bekömmlicher machen oll, und die niederdeutsche Küche glänzt im Bereiten des Salats mit süßer ober saurer Sahne ober des berühmten Specksalats. Auch in der russischen, Küche huldigt man der Zugabe von saurer Sahne, die das Gericht nahrhafter macht. Sehr viele Leute lieben den _ Salat mit Zucker bestreut, andere dagegen wollen ihn ungesüßt, und deshalb ist es vorteilhafter, beit Zucker nicht daran z» geben, sondern zur freien Benutzung auf den Tisch