291

Der Gedanke, sechzehn Tage hindurch viele Stunden bei dem Aahnarzt sitzen zu müssen, verwirrte meine Sinne und ließ mich in eine Ohmnächt fallen.

Ws ich 11(10): drei Tagen im Hotel, lvohin man mich gebracht Hatte, die Augen wieder anfschlng, saß Meine Fräst an meinem Kett. Die war inzwischen auch nach Berlin gekommen, einmal, weil sie es sich nicht M erklären vermochte, Wkmtm; ich solange nicht geschrieben Hatte, dann aber auch, weil ihr inzwischen ein­gefallen war, daß sie die Zeit Meines Berliner Aufenthaltes be­nutzen könne, chn! in den verschiedenen Warenhäusern ein Paar Besorgungen zu machen. Wenn.Wertheim Vrden zu verleihen Hätte, pUßte meine Frau schon langst den Einkanssorden erster Äfaffg. mitt Eichenlaub und Schwertern besitzen.

Was eine Krau schon ein paar Besorgungen nennt! Ich war dicht daran, abermals in eine Ohnmacht zu fallen, aber meine Krau hielt mich im letzten Augenblick davon ab, indem sie Hoch und heilig schwur, es handle sich! wirklich nur um' ein

Wie glücklich wären wir Männer, wenn wir es uns endlich abgewö-hnen könnten, den Schwüren einer Frau zu glauben. Die Zeiten, da ich allen Schwüren traute, sind Gott sei Dank längst vorüber; aber hin und.wieder wird der Glaube in mir wach, daß cs auf der ganzen weiten Welt doch wenigstens eine Frau geben muß, die keinen Meineid schwört. Und aus diesem Ge­dankengang heraus glaubte ich Meiner Fran. Ach, hätte ich es doch nicht getan!

Schon am nächsten Morgen ging meine Frau ins Waren- Haus, ich aber ging zu Meinem Zahnarzt. Tie Bohrmaschine raste in Meinen Zähnen herum) aber ich gab keinen Schmerzens­laut von Mir, denn ich hatte mir fest vorgenommen, tapfer die Zähne zusammenzubeißen. Wer wie soll man etwas verbeißen, wenn Man den Mund offen halten muß und immer ermahnt wird:Bitte, ganz weit auf".

So stöhnte und ächzte ich denn in dumpfer Qual, bis es dann endlich für den ersten Tag genug war. Dann eilte ich! in das Hotel, Meine Frau sollte mich trösten und hemitleiden, daß ich soviel hätte aushalten müssen, aber Meine Frau war Noch im Warenhaus.

Endlich kastst sie freudestrahlend zurück. Aus ihrem Kopf thronte eilt neuer Hut, die erste Kleinigkeit. Dem Umfang nach im Verhältnis zu den Rieseuhüten der früheren Saison wirklich nur eine Kleinigkeit.

Aber wo ist die Frau, die da ausgebt, Mn sich einen Hut zu kaufen, sich wirklich nur einen, kann? Wo ist eine solche Frau? Ich habe sie noch! nie kennen gelernt, besonders dann Nicht, ' wenn ich in erreichbarer Nähe war. Und Mit meiner Frau wohnte ich im Hot^l sogar Wand an Wand. Wieviel Hüte mochte meine Frau sich gekauft haben?

Das beste Mittel, eine Frau gesprächig zst machen, ist, sie Nicht zu fragen, und so erfuhr ich! denn auch! schon nach wenigen Minuten, meine Frau hatte sich sechs Hüte gekauft.

Ich atmete erleichtert auf, ich war ans eine schlimmere Bot­schaft gefaßt gewesen. Und als meine Frau sah, daß ich gar nicht schalt, sagte sie glückstrahlend:Nicht wahr, ich bin sparsam gewesen? Die anderen sechs kaufe ich mir morgen, ich 'konnte heute wirklich nicht Mehr aussuchen, eS macht doch sehr müde und spannt ab."

,Der Zahnarzt auch," warf ich leichthin ein.

Meine Frau machte ein ganz trauriges Gesicht :Ach so, ja richtig, du warst bei dem Zahnarzt. Du Aermster, hast gewiß viel aushalten müssen? Na, es ist nur gut, daß ich bei dir bin, da brauchst du nicht allein ins Hotel herumzusitzen, und du weißt doch auchs, wie rasend gern ich in die Warenhäuser gehe."

Lerne zu gehen, ohne zu kaufen," ries ich ihr zu,ödes wenn du kaufst, dann denke daran, daß diese gänzlich unerwartete Reise ohnehin ein schweres Stück Geld! kostet. Wenn tvir hier eine bestimmte Summe überschreiten, muß ich! ohnehin das für den Sommer zurückgelegte Geld angreifen."

Mer meine Frau widersprach:Das darfst btt unter keinen Umständen, du wirst schon sehen, ich, kaufe nur das Wler- uotwendigste."

Was eine Frau schon das Alternotwendigste nennt!

Ms meine Frau nach weiteren vier Tagen von ihren Ein- känscn zurückläm, überraschte sie mich mit der Nachricht, daß wir in diesem Sommer unsere Reise ganz bedeutend abkürzen wollten: Wirklich, ich habe es mir überlegt, was sollen wir am Attersee? Gewiß ist es dort sehr hübsch, aber wenn wir ein paar Wochen nach St. Moritz gehen, ist es mehr als genug. Zu Hause ist es doch am schönsten, besonders jetzt, wo ich! mir heute morgen für unser Eßzimmer einen neuen, großen Perserteppich gekauft habe."

Ganz wie du meinst," stimmte ich meiner Frau bei,an­statt ant Attersee, kannst du ja dann vier Wochen hindurch auf deinem Perserteppich sitzen und, wenn cs dir Spaß macht, sogar mit gekreuzten Beinen."

Meine Frau wachste ein etwas beleidigtes Gesicht:Sei doch froh, daß wir die Reise etwas abkürzen, ich würde an deiner Stelle die Hotelzimmer gleich! wieder abbestellen. Wir brauchest hier doch trotz aller Sparsamkeit sehr viel Geld, und dabei gehe ich! fortwährend zu Fuß, nur, Mm| kein Geld für die Elektrische aus- vebetr zu müssen, Dass Geld, das ich da spare, gebe ich. lieber

den armen, blinden Leuten, die auf der Straße Veilchen verkaufen. Du weißt doch, die Veilchen sind meine Lieblingsblumen."

Spare so weiter," bat ich,und dein Vermögen wird sich in kürzester _ Zeit ganz gewaltig vermehrt haben."

. dlm meine Frau sparte weiter, bis mein Zahnarzt mir dann emes Morgens erklärte, er hoffe, in drei Tagen mit den Zähnen fertig zu sein. Gott sei Dank, da hatte das Kaufen ein Ende. Wer dieses Ende kam schon eher, es war sogar schon da, als ich mittags in das Hotel zurückkehrte. Da lag meine Frau schacht Matt im Bett und stöhnte und jammerte, sie konnte nicht mehr, Has Einkäufen hatte sie zur Strecke gebracht. Nun lag sie da, streckte die müden Glieder von sich, bis sie dann plötzlich zu mir sagte:Weißt du, ich habe es Mir überlegt, wir wollen diesen Sommer gar nicht reisen. Nach! dem Attersee können wir so wie so nicht mehr, und ob wir nun St. Moritz Wiedersehen oder nickst, was liegt daran? Tie Hauptsache bleibt doch, daß du mich lieb behältst."

Tie Worte durften nicht kommen, denn wenn eine Frau schon an die Liebe ihres Mannes appellieren müß, ist ihr Gewissen schlechter als schlecht.

So sagte ich denn:Gib einmal der Wahrheit die Ehre/ wieviel Geld hast du bei deinem! Einkauf ausgegeben?"

Und als ich die Wahrheit erfahren hatte, multiplizierte ich die Summe im füllen mit zwei, legte noch sünshuudert Mark hinzu und nannte dann meinerseits meiner Frau die richtige Summe, denn alle Frauen haben eine MgMümlichDett, sie leiden alle an demselben Sprachfehler, sie können .keine Zahl richtig aussprechen. Ich hatte das Richtige getroffen, meine Frau starrte mich eine ganze Weile fassungslos an, bis sie mich bann endlich fragte:Woher weißt du?"

Daun aber fcmien ihr plötzlich die Tränen der Reue. IW, warum hatte sie nur so viel gekauft! Sie weinte Bäche, Ström« und Seen, wenigstens! den ganzen Mtersee. Ach, auf den hafte sie sich sch gefreut, und nun erst auf St. Moritz! Den ganzen Herbst und Winter hindurch hatte sie sich alles genau für die Reis« überlegt, und nun war es mit allem vorbei, denn die ganze sommerliche Reisekasse war bis auf den letzten Pfennig verausgabt.

Und dann erfuhr ich, .wer einzig und allein daran schuO sei. Nur ich, jawohl ich, denn wenn ich keine Zahnschmerzen be- komMen hätte, hätte meine Frau nicht nötig gehabt, mich! zu be­suchen, und wenn sie mi-dj nicht besucht hätte, wäre sie nie und nimmer in die Warenhäuser gegangen und hätte nicht so viel Geld ausgegeben. Ich allein war daran Mild, daß mein« Fräst nun meinetwegen auf die schöne Sommerreise verzichten Müßte. Wer das durfte ich ihr nicht antun.

Da strecktx ich hie Waffen und .erklärte mich: für besiegt. Mit heiligen iiSiben schwur ich Meiner Fräst, uM sie wieder zu beruhigen, daß sie nicht ebenso wie ich Unter meinen Zahst- schmerzen zu leiden brauche, daß wir doch im Sommer nach dem Mtersee und nach St. Moritz gehen würden.

Und nachdem ich geschworen hatte, sah meine Frau mich voller Liebe an und sagte:Danst ist es gU't, dann will ich dir auch uicht inehv böse fein, däß du mich Kl all diesen vielesi völlig unnützen Ausgaben verleitet hast!"

Die Artischocke und ihre Verwendung.

Die Artischocken kamen aus der Levante nach Sizilien, 1466 nach Florenz, 1743 nach Venedig, aber schon zu Anfang des 16. Jahrhunderts nach Frankreich und «England. In diesen Ländern, ferner in Griechenland und «Italien, werden beide Formen, wie auch ihre Spielarten als Küchengewächse angebastk Und es wird der fleischige Fruchtknoten mit den fleischigen Schuppen (vor Entwicklung der Blüte), sowie der markige Stengel auf verschiedene Weise zubereitet und als feines Wintergemüse gegessen.

Neber die Verdienste der Artischocke gehen die Memungest stark auseinander, vielleicht deshalb, weil sie aus keineswegs vornehmer Familie stammt, sondern in naher Verwandtschaft zst der gemeinen Distel, dem Lieblingsfutter jenes geduldigen Grau­tieres, steht, dessen Intelligenz einen so zweifelhaften Ruf genießt. Immerhin wird wohl jede Hausfrau, die in die Speisenfolge möglichst viel Abwechslung bringen will, auch nach solchen Ge­richten, Gemüsen und Kompotten Ausschau halten, die in dieser Beziehung etwas Neues sind und zudem bei guter Bekömmlichkeit den Vorteil nahrhafter Bestandteile bieten. Das ist bei der Artischocke der Fall, die, namentlich in Norddeutschlaub, leider noch viel zu wenig konsumiert wirb. Viele kennen diese empfehlens­werte Pflanze vielleicht nicht einmal dem Aussehen nach.

Der eigentliche eßbare Teil der Artischocke ist der fleischige Fruchtbodeu oder Käse; auch ißt man den unteren, verdickten Teil der Hüllschuppen. Diese.Blütenkörbchen finden in dm Küche vielseitige Verwendung zur Bereitung von Saucen, Snppem als gebackene oder als gefüllte Artischocken; sie werden auch einfach in gesalzenem Wasser «oder Fleischbrühe gekocht, mit Butter geröstet, als Gemüse verspeist oder mit Essig ttind Del als Salat genossen u. v. a. mehr.

Im südlichen Europa wild wachsend, sind Artischocken be­sonders in Italien ein beliebtes Volrsgericht. In Italien kennt man wohl die meisten Zubereitungsartep der ÄrtiMocken. Sitz werden gekocht, gebunftet, gebacken, fei es mit Mehl, Giern oder