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lebt, hat ttorf) mancherlei Dokumente an diese „große Epoche
Mier, „bewohnte einen Flügel deS herzoglichen Palastes in der Nähe des,Parks; dort rasierte ich ihn ßr (Kitte aitcb itod) einen %tt)eut fin* bie önnte. ÄZäyreno ML rafiert bielt erdieAugn geschlossen und belegte eine KLr, Ivie wenn er auf einem unsichtbaren Klavier melk, Kam ihm ein musikalischer Einfall, dann sprang ek plötzlich ani lief aus seinem Schlafzimmer in das angrenzende Gemach, wo ein Flügel stand, und das Gesicht ganz mit Sette bedeckt, tirieftc er manchmal so lange, daß man ihn erst an die Wirklich! erinnern mußte und an meine Verzweiflung wesen der verlorenem steil. Tas konnte 3—4 mal während einer einzigen Satzung vast sieren Manchmal kam es sogar vor, daß durch die Gewalt de. Spieles, dem sich der verzückte Meister hingaM eme Satte des Flügels sprang. Tann rief er mich und ich mußte ihm ßeljeit, bm. « aüier von bett vielen Gegenständen zu befreien,bie c8 bedeckten, damit er es öffnen und eilte neue Saite einipanneu konnte, stunt Lohn schenkte et mir dann Zigarren, die fast lmmec auo- Zeichnet waren Eines Morgens gab er mir welche und empfahl m?r dabei sie nur nach einer Tasse schwarzen Kaffees zu rauchen, indem er mich versicherte, ich würde daran meine ganz befon- dere Freude haben Noch am selben Abend probierte, ich das Geschenk aber die erste Zigarre war abscheulich und dm beiden andern 'die ich dann probierte, schienen mir noch entsetzlicher. Unser 'Zimmer war durch den Gestank so verpestet, daß meine Frau hereinstürzte und fragte vb haare m Dmnd geraten seiew Am andem Morgen verfehlte Liszt Nicht, mich zu fragen,, wie ich die Zigarren gefunden hatte. „Schrecklich, nickt zu rauchen. Kf ich. Da lachte er sehr und sagte zu mir: „Ja, mein hebet Miet, es sind ncht den besten; man kann sw für ein Paar Pfennige kaufen, aber sie sind unbezahlbar, um des. Dienstes willen den sie Ihnen leisten, denn Sie werden nach dieser Sorte die andern desto besser finden." „Ich hütete wich wohl, gegen diese i-m *» w* bezeichnende Episode. „Liszt hatte neben semem Schlafgemach «in Kabinett, in dem Weine und Liköre für die Leute stauben, die ihn besuchten. Eines Tages sand ich ein halbes Tuhend ÄnMeö bei ihm, barurtter Eduard Lassen und einen bekannten.^nnst tritifer. Man unterhielt sich so angeregt und h«ter, daß ich sehr lange warten mußte. Als ich dann mit meiner Arbeit fertig wat, ging Liszt in das Kabinett und füllte zwei Gläschen Mit Kognak. Er bot mir das eine an, stieß mit mir an, und dann tranken wir beide. Der Musikkritiker zuckte über diese Vertrautheit des Meisters mit mir die Achseln und rief : „Sie machen sich doch wohl ein wenig zu populär." Liszt runzelte die «fttm, wandte ihm ohne zu antworten den Rücken, holte zwei neue Gläschen und sagte: „Run wollen wir noch einmal trinken und zwar auf Ihre Gesundheit, Herr Mier." Alles lachte nut Ausnahme des Kritikers, der einige Mühe hatte, die Lektion zu verdauen.
Mier hat auch Wagner 1861 in Weimar rasiert. Dabei fragte ihn einmal Liszt plötzlich: „Welche -Ober von SSagntt hnbprt (Sie am liebftcn?" ^Intivntt * ,,jT<inttl}ttufeT ’geficl Wagner, und er sagte beistimmend: „Es ist meine beste Oper. Auch Berloiz, Hans von Bülow, Peter Cornelius und so, manch andere Berühmtheit aus jenem „silbernen Zeitalter Weimars" hat der greise Figaro bedient, und melancholisch gedenkt er der Haar schätze, die er damals unter den Fingern hatte. „Wenn ich schlau gewesen märe," seufzte er, „so hätte ich die Locken aller der Berühmtheiten, die damals unter meiner Schere sielen, sorgfältig aufbewahrt. In Amerika hätte ich damit einen Laden aufmachen und sie zu hohen Preisen verkaufen können. >va wäre ich sicherlich rasch Millionär geworden . . .
Verm??ehtss.
* Heber den Ursprung der Ki r chw e ih f eie r n. Worauf gründen sich unsere Kirchweihfeiern, welchen Ursprung haben sie in den meisten Gemeinden? Unzweifelhaft gründen sie sich auf die Einweihung der Kirche, des Gotteshauses einer Gemeinde, und zwar das erste, das in einer Gemeinde erbaut wurde. Dafür ist ein Beleg der erste Eintrag in unserM ältesten Kirchenbuch von der Hand des zweiten Pfarrers der Gemeinde (die Pfarrei wurde 1607 gegründet, vorher waren die Gemeinden nach Schiffenberg eingepfarrt), des trefflichen Johannes Weiß von Garbenteich. Er lautet:
„September 1624.
D. 19ten Tag auf die Kirchweih ist getauft worben Hans Heuset's Töchterlein Elisabetha genannt, dessen Gevattern: Hans Meurer's Dochter, Wenzel, des Webers Sohn, und Elisci- betha, Veltens Henrichs Dochter."
Die vielbekannte Watzenborner Kirchweih wurde also vor 300 Iahten genau lauf denselben Tag gefeiert wie heute, nämlich auf den 20. September oder den Sonntag, der diesem Termin am nächsten liegt. Da bie Kirche im Laufe des dreißigjährigen Krieges arg verwüstet und dann erweitert und umgebaut iuurbe, so ist
einleuchtend, baß der Tag bet jetzigen Kirchweihe auf uralte Zekk. bie erste Weihe der ältesten Kirche zurückweist. r .
* Wolsertshausen. Vor vielen, vielen Jahren stand nordöstlich von Ranstadt in dem Tale zwischen dem Kirchwalde und dem Rülis walde der Ort Wolsertshausen. Noch jetzt führt eine Stelle, wo der Ort gestanden hat, den Namen „bie Kellerhecke", und man Hal hier noch vor etlichen Jahren Steinstiisen gesehen,, die von einer Kesterirepve herrührten. Auch heisst noch ein Feldstück in der Nähe „der Linden garten" und ein anderes größeres „die Bennde" (Benne). Tie Beunde ist ein eingesriedigtss Land, und es waren hier wahrscheinlich Gartenstücke von Wolseitshausen. Von Ranstadt nach dem Woliertshäuser Tale führt der Weg über das Niddabächlein; die Brücke heißt „Ganbrücke" (Garndrücke). Der Name „Ganbrücke" bedeutet wohl gemeinschastliche Brücke. Kommt man in daS Tal, so ist gleich rechts oben ein Platz, der heißt „Kirchallen" (Kirchaller, Kircheller). Di- Kirchallen war wohl früher ein Heiligtum. (91( ah ein Tempel). Und hier aut diesem Anger in einem Winkel des Kirchwaldes soll die gemein» schastliche Kirche von Ranstadt und Wolsertshausen gestanden haben. In dieser Kirche sollen die zwöls Apostel in Gold auf,gestellt gewesen sein. Nun geschah es, daß in den Zeilen des,30jährigen Krieges eine raubsüchtige Kriegerschar das kleine Tal heimsuchte. j~er Ort wurde von Grund aus zerstört, und ivas von den Bewohnern nicht entkam, iuurbe niedergemacht. Die Entkommenen siedelten sich später in Ranstadt an. Der Küster, der neben der Kirche wohnte, hatte vorher die zivöls Apostel in Sicherheit gebracht und sie in einem dichten Gebüsche des Kirchwaldes tief ein gegraben. Die Kriegsräuber hatten von dem Golde gehört; sie suchten nach und aus Aerger zerstörten fie die Kirche; auch der Küster verlor, hierbei sein Leben. So waren nun der Ort und die Kirche ver» schwunden, und die zwölf Apostel liegen verborgen bis ans den heutigen Tag.
Mcherttsch.
— Zwei neue Ullstein-Ingenb-Bücher. Jeder Band> reich illustriert, 19)0. Parsival von Gerhart Hauptmann. Das Buch schildert, wie Parsival, der Vater Lohengrins, in der Wildnis der Walbnatur heraiiwächst, iuie er in Kampf und Not bie Welt durchirrt, bis er erlöst wird und als König in bas Wunderland des heiligen Grals einzieht. — Gudrun von Helene Bühlau. Die bekannte Dichterin altweimartscher Geschichten gibt in bieseni Buche dem alten Epos von Gudrun, der blonden Königstöchter, von ihrem Unglück und ihrer,hoheitsvollen Herrlichkeit eine neue, des Originales würdige Fassung.
— Musik für Alle. Das Farmermädchen, Georg Jarnos melodiöse Operette, ist in dem neuesten Heft der Noten-Zeitschrift „Musik für Alle" zum Abdruck gelangt. Die schönsten Nummern der Operette sind in einer leicht spielbaren Form vom .Herausgeber der „Musik für Alle" zusammengestellt. ~ r
— Trowitzsch's (Volks)Kalender 1914. 87. Jahrgang, Trowitzsch u. Sohn, Berlin SW 48. Ans dem reichen Inhalt des neuen Jahrganges 1914 sei zunächst ein vaterländischer Rückblick erwähnt, den A. O; Klaußmann beit fortschreitenden Be- freinngstaten von 1814 und 1815 weiht. Darauf ein kurzes Lebensbild des berühmten Verlagsbuchhändlers und echten deutschen Mannes Friedr. Perthes und seiner Frau, bie besonders schwer unter der Franzosenherrschaft zu leiden hatten. In die moderne Zeit führt uns Ernst Nientaims „Deutsche Arbeit . Dr Valentin Scherer gibt einen willkommenen Uüberblick über bie Entwickelung der Balkanstaaten, und wie immer findet sich eine geschichtliche Uebeischau des vergangenen Jahres in einem reich illustrierten Artikel verzeichnet. Der unterhaltende Teil, der, je nach Eigenart der Verfasser, neben dem Ernst den köstlichsten Humor zur Geltung bringt, weist Namen auf wie K. van Beeker, Luise Koppen, Frida Schanz, Paul von szezepanski, S. v. Adelung, 9N. Kritzinger. Reiche Illustrationen, Anekdoten, Rätsel, Gedichte und bgt sorgen für Kurzweil, während der mit besonderer Sorgfalt ausgeführte praktische Teil mit allem wissenswerten in Astronomie, Meeres- und Erdkunde, [in Handel und! Wandel, Haus und Landwirtschaft, Samariterpslege und Post- wesen den Kalender zu einem guten Rachschlagebuch macht.
Gleichllang-Ratsel.
Du findest mich in der Niere der Rinder,
Im dunkeln Erdreich, am Rosjeshuf,
Doch schätzen mich liamentlich Frauen und Kinder,
Jetzt, wo eine weiße Gestalt mich erschuf.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Geographischen Verschiebrätsels in voriger NumMrj Nennet
Vi,k»rest London
Tobolsk
Turin
- Venedig 6ger
Redaktion: K. Neuratb. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'kchen Unwersitats-Nuch- und Steindruckerei, R. Lange. ®ieM


