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DK wett des Kinöes.

Bon Prof. Dr. Richard D o h f e.

Mein und unbedeutend mag vielen oberflächlichen Beschauern kne Welt erscheinen, die das Kind umfaßt, und die es sein eigen nennt. Wie reich und groß aber ist sie in Wirklichkeit für den, der sich die Mühe gibt, sie zu ergründen und in sie uuterzutauchen. Es cht dre unerschöpflich bunte Welt der Wunder und Märchen, der Träume und Spiele. Das Land des.Ernstes und der Sorgen noch fern, weit hinter den Bergen. Vor ihnen aber breiten sich die Täler aus, sonnbeschieuene, blumige Wiesen, über die des «Abends die Nebelsrau schreitet, Wälder, in denen das Märchen zu Hause ist, weite Heerstraßen, auf denen Ritter und Reisige reiten, Felder und Auen, zu Spiel und Lust bereitet. Dazu das elterliche Haus für das Kind noch eine Welt für sich, wo jedes noch so unscheinbare Ding seine Bedeutung bekommt, wo das Spielzimmer von einem Zauber umwoben ist, dessen Reize Tag für Tag aufs neue ausgekostet werden. Und kommt dann die Schule, so ist auch sie für das Kind noch eine Welt der Wunder, und ein vor- sichtlger und feinfühliger Lehrer wird sich dies zu Nutzen machen Und gleichsam spielend die Kinder ans Lernen und an den Ernst gewöhnen.

SBie ber Lehrer, so sollten aber auch die Eltern und alle die, bre die Welt des Kindes ernst nehmen, so wie sie es verdient, das Kinderparadies hüten, so lange es nur möglich ist; sie sollten es achten und ehren und selber mit dazu beitragen, es auszubauen, je nach Bedarf und Gaben. Freilich, nicht geringe Gaben gehören dazu, diese große und wichtige Mission richtig zu erfassen und auszuführen. In der Schule versucht man es mit demfröh­lichen Unterricht", die Fibeln werden vom Schematismus befreit Und farbenfreudig gestimmt, so wie es der Jugend entspricht, die Eltern sorgen für zweckentsprechenden Schmuck des Kinderzimmers, dre besten unserer Maler und Schriftsteller sind eifrig am Werk, ihre Kunst in den Dienst des Kindes zu stellen, die deutschen Ver­leger gehen mit ihnen Hand in Hand und bieten der wunder- und märchengläubigen Phantasie neue Nahrung.

Es ist Jahr um Jahr aufs neue eine Freude, gerade diesen Bestrebungen nach einem guten, wohlfeilen und doch literarisch und künstlerisch einwandfreien Anschauungsmaterial ftir das Kind seine Aufmerksamkeit zu schenken. Altes wird aus der Vergessenheit gezogen und pietätvoll in neuem Gewände geboten, Neues wird geschaffen. Es ist ein Wetteifer und ein unermüdliches .Streben auf der ganzen Linie; beinahe zu üppig prangt allweihnachtlich der Gabentisch der Künstler und Verleger, zu üppig deswegen, weil auch beim allerbesten Bemühen nicht alles gut und empfehlenswert sein kann und manche Spreu unter dem Weizen zu finden ist.

Das ist für das Elternhaus eine nicht geringe Gefahr, und darum scheint mir ein Fingerzeig, um den Weg zum wirklich Ge­diegenen und Guten zu weisen, immer gerade vorm Fest der Liebe, wo jeder mehr als sonst der Kinderwelt seinen Tribut zu zahlen gewillt ist, besonders am Platze.

Liebe ftir das Kind und seine Welt, ein klarer Blick für das, was seinen künstlerischen Bedürfnissen nottut, ein feines Verständ­nis für eine glückliche Verbindung des guten Alten mit dem Neuen und endlich ein uneigennütziges Einsetzen aller Kräfte, um eine moderne, gesunde deutsche Kunst für das Kind zu schaffen, das sind schwerwiegende Forderungen, die heute an den deutschen Kinder­buchverleger und seine Mitarbeiter herantreten, und nur wenn diese Forderungen in idealem und praktischem Sinne eine un­eingeschränkte Lösung finden, wird ein aus einem Guß geformtes literarisch-künstlerisches Bilderbuch für das Kind entstehen.

Unter den Berufenen und Gleichstrebenden steht nun seit Jahren an führender Stelle der Verlag von Jos. Scholz in Mainj, ein Verlag, dessen Schöpfungen gerade auf dem Gebiet der Kunst für das Kind bahnbrechend gewesen sind. Jahr um Jahr wird in Rastloser und verständnisvoller Arbeit Neues geschaffen, und auch Heuer ist wieder der Schatz um ein Beträchtliches vermehrt worden. Klar gegliedert ist der Gesamtaufbau der großen Scholzscheu Sammlungen. Da sind zurzeit Anschaubücher für die ganz Kleinen, dann Lieder, Gedichte, Erzählungen, Mär- Wen für die Größeren bis zum 10. Jahr und noch später, weiter eine, SammlungVaterländischer Bilderbücher" und endlich künstlerische Volks-Bilderbücher zu ganz billigen Preisen. Es ist also die ganze Welt des Kindes ins Auge igefaßt und aufgefangen worden im Spiegel des Bilderbuchs.

. Für die Kleinen ist besonders das Tier eine Quelle der janschauenden Freude. Und was da auch in diesem Jahre wieder der Maler Eugen Oßwald geschaffen hat, das unzerreißbare BilderbuchMeine Lieblings-Tiere", reiht sich seinen früheren Tierbilderbüchern aus der gleichen Sammlung würdig an. Wieder staunt mau über die satte und leuchtende Farben­pracht der Bilder und über die besondere Begabung des Mnstlers, die Tiere in irgend einer charakteristischen Tätigkeit und Be­wegung lebendig zu machen. Neu ist auch das BüchleinWie­viel sind's", in dem Adolf H olst "in lustigen Reimen Und der Münchener Meister Arpad Schmid Hammer in Bchst drolligen Anschaubildern die Kleinen in die geheimnisvolle 'eit der Zahlen spielend einführen, ein auch in der Ausführung höchst originelles Buch, an dessen Hand das Kind zweifellos Freude am Zählen und Rechnen gewinnt, Wenn es dann etwas

weiter ist, kann es die Fibel des gleichen Mnstlers, Schmid- Hammer, zur Hand nehmen, wo es in gleich fröhlicher Weise icherzvolle Volks- und Kinderreime in Verbindung mit der grille des köstlichen Bildermaterials in die Anfaiigsgründe des Schreibens geführt wird. Bald wird sich dann des Krnde^o Welt und sein Gesichtskreis so geweitet haben, daß es auch ichon au kleinen Liedern und Gedichten Gefallen findet. Auch Imiur ist geborgt durch eine ganze Reihe gleich schöner Bücher jur Knaben und Mädchen.

. . Wüter eilen die Jahre. Das Kind wächst und freut sich an ;eder Kräfte- und Energieentfaltung. Dem kommt ein Buch aus bei dicsiahrlgen Ernte entgegen pon Oßwald und Holst. In o si, "<> ir t u § führen die beiden das Kind, und es ist eine xu|r, nMen zu folgen. Die Bilder in großzügiger Manier, zum ^^.."ddpblseitrg, rn blendender Farbenpracht und häufig von unwiderstelsticher Komik. Wie das springt und tanzt, wie Kraft und Gelchickllchkert rhre Triumphe feiern! Zugleich wird das Buch dem Krude eine Fülle von reinem Unterhaltungsstoff und mancher­lei Anregung zum nachahmenden Spiel Bieten.

Auch die Natur und ihre Wunder Beginnen das Kind zu löckeu, wenn es in ein Besinnliches und nachdenkliches Alter kommt. Da wll es das neue Buch von Schmid Hammer-Kotzde in die Hand nehmen. Arpad Schmidhammer, der hier sein Bestes geboten hat und Wilhelm Kotzde, der unermüdliche Herausgeber , . menten Scholz'schen Sammlungen, der den lustigen und zu­gleich unaufdringlich lehrreichen Text geschrieben hat, gehen ge­meinsam mit dem Kind aufDie Fahrt zu den Ameis- l e u t c n" und geben ihm neben allerhand lustigen und fabelhaften Abenteuern einen Einblick in das Staatenleben der Ameisen, dieses Wunderwerk der Natur. Wie wird da die Natur lebendig in Wort und Bild, besonders auch in den Bildern, in denen Schmidhammer in bewundernswürdiger Weise das Leben und Treiben der Ameisen in Verbindung bringt mit dem Menschenleben.

Auch die ewig jungen Märchenbücher und gerade sie in erster Linie sagen diesem Alter des Kindes Besonders zu. Das ist eine phantastisch-buntbewegte Welt für sich, geschildert in der altbewährten Form der Brüder Grimm und mit Vollbildern und Textillustrationen der besten Meister der Farbe versehen, wie Ernst Liebermann, Diez, Münzer, Lefler und Ur» ban, Iü11ner u. a. Nicht zuletzt von EugeuÖßwald, der früher schon das MärchenD e r W o l f u n d d- i e s i e b e n G e i tz- lei n" mit ganz unübertrefflichem Humor illustriert hat und nun als neueste GabeDen gestiefelten Kater" bringt, der hei den Kindern Helle Freude wecken wird.

Auch die seit dem vorigen Jahre von dem Scholz'schen Verlage ins Leben gerufenenPaterländischen Bilderbücher" kommen den Bedürfnissen des Kindes in vorgeschrittenem Alter entgegen.Kein Mensch gedeihet ohne Vaterland!" Daher soll schon in das Kind frühzeitig der Keim zu einer gesunden und heute mehr als je nötigen Vaterlandsliebe gesenkt werden. Das ist die große Aufgabe, der auch die Scholz'sche Sammlung dienen wfll. Sie stellt die Großtaten und die Kraftgestalten deutscher Geschichte mitten in die Welt des Kindes hinein, und so hört dann die Jugend in schlicht und einfach geschriebenen Einzeldarstellungen von Friedrich dem Großen und seinen Kriegen, von Deutschlands Not und Befreiung, von den Jahren 18 7 0/71, vonKaiser Rotbart" undB i s m a r ck". Die Hauptsache sind auch hier wieder die Bilder, die von Prof. Angelo Jank, Müller-Münster, Karl Bauer und Franz Stassen stammen. In wahrhaft monumentaler Weise werden namentlich die Gestalten Rotbarts, Heinrichs des Löwen, Albrechts des Bären und des Alten aus dem Sachsenwalde in den bedeutend­sten Zeitabschnitten ihres Werdeganges lebendig. Es ist eine Reihe höchst dankenswerter künstlerischer Gaben.

So ist auch in diesem Jahre wieder der Scholz'sche Verlag seinem Grundsätze treu geblieben, dem Kinde zu bieten, was ihm frommt, und was hineinpaßt in seine Welt der Märchen und Wunder. Und gerade dieses beharrliche Weitergehen auf dem einmal als richtig erkannten Wege, das ist was die Scholz'schen Unternehmungen besonders auszeichnet und schätzenswert macht. Es ist nun Sache der Eltern, auch ihrerseits ihren Kindern das Beste zu bieten und ihre kleine Welt auszubauen in sorgfältig ah- 'wägender Weise und in unaufdringlich erzieherisch wirkendem Fortschreiten vom Einfachen zum Komplizierten. Immer muß es bedacht und wohl erwogen werden: Für die Kleinen ist nichts zu klein, alles ist ihnen groß und wichtig und gewinnt Bedeutung; alles wirkt und trägt Früchte. Und gerade daher ist ein gedeih­liches Zusammengehen und Zusammenschaffen von all denen, die die Welt des Kindes Hegen uni) pflegen sollen, von allergrößter Bedeutung, denn es ist eine ernste und heilige Sache, um die es sich handelt, und es wäre gut, wenn in diesem Sinne das Wort des alten Jean Paul wirklich wieder Allgemeingut würde:Ihr Kleinen steht nahe bei Gott, die kleinste Erde ist ja der Sonny am nächsten!"

Liszt und fein Friseur.

Amüsante Erinnerungen an Liszt weiß der 82jährige Friedrich M i e r, der in den Jahren 18591861 der Barbier des großen Komponisten in Weimar war, in der New Uorker Zeitschrift Mu­sical America zu erzählen. Der Figaro, der seit 1872 in Amerika