ArüerhaltunzsblaU M/MchmerAnzeiger Aeneml-AnMger)

68 S

Ocrr

. Lauernblut.

Eoman von Gerhart v. Amyntor (Dagobert v. Gerhardt).

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Alle drei drangen mit vorsichtig schleichenden Schritten weiter in den Garten ein. Vorläufig blieben sie noch längs des Seeufers, erst bei den zwei großen Linden, die in der Verlängerung der Querachse des Schlosses, genau der Gartensaaltür gegenüber, ihre mächtigen Wipfel in den Was­sern des Sees spiegelten, wollte Peter, der die Führung übernommen hatte, rechtsum machen und sich direkt nach dem Schlosse wenden.

Der Regen hatte wieder nachgelassen, der noch immer entfesselte Sturm schnaubte jetzt mit so weichem, mildem Obern, daß es sommerlich warin wurde. Plötzlich zuckte ein ?rünlich blendender Schein über den See hin, und in der urzen, magischen Erleuchtung erkannte Peter das am Ufer angekettete Bo.N, in dem, ivie er wußte, das Töchterlein des Schloßbesitzers sich auf den Wellen zu schaukeln pflegte.

Wir werden doch kein Gewitter bekommen?" murmelte der als Fritz Vorgestellte und schaute besorgt nach oben.Das würde uns schlecht passen, es würde die Leute auf dem Hofe alarmieren."

Ach," versetzte Carvalho,das scheint nur ein harm­loses Wetterleuchten, dem kein Donner folgt. Aber lvo wollen Sie denn hin?" rief er dem plötzlich ans tiefere Ufer hinab­eilenden Peter nach.

Dieser winkte beschwichtigend mit der Hand zurück, als wollte er sagen:Lassen Sie mich nur machen; das, was ich vorhabe, ist gut für uns alle!" Am Ufer angelangt, bückte er sich und versuchte möglichst geräuschlos die Kette, durch welche der Nachen am Lande fcstgehalten wurde, zu lösen. Es gelang, die Kette war nur mehrfach um einen Pfahl geschlungen, ohne durch ein besonderes Vorhängeschloß ver­sichert zu sein. Dann stieg er ins Gefährt, überzeugte sich, daß zwer Riemen darin lagen, hing das Steuerruder ein, ergriff die beiden Riemen und rief seinen Genossen mit ge­dämpfter Stimme:Ich bringe das Boot an die großen Linden; erwarten Sie mich dort."

Carvalho hatte begriffen, im Falle der Not sollte die Flucht über den See hinweg bewerkstelligt werden könnens Er nickte zufrieden und brummte, zu seinem Genossen Fritz gewendet:Der Narr stellt sich gar nicht so dumm an schade, daß wir ihn nicht öfter werden brauchen können."

Peter trieb mit leisen Ruderschlägen das leichte Boot durch die Wellen. In seinem Herzen regte sich die Unter­nehmungslust, und der Reiz der Gefahr ließ ihn Reue und Angst vergessen, die ihn eben noch gequält hatten. Er war jetzt mit ganzer Seele bei einem Werke, das ihm vor kurzem noch als eine Vernichtung seiner bürgerlichen Ehre erschienen war. So wandelbar ist der Mensch und so leicht kommen in ihm die Instinkte der Urzeit, da das menschliche Leben

nur ein ununterbrochener, wilder Kampf gegen jedes andere Leben war, wieder zur Geltung.

Als das Boot am Fuße der Linden angekettet lag, schlugen die drei Männer die Richtung nach dem Schlosse ein. Dieses war ein langgestrecktes, altertümliches Gebäude mit nur einem einzigen Stockwerk und unverhältnismäßig hohem Ziegeldachs. Es lag mit seiner Front von fünfzehn Fenstern dem Schloßgarten zugewandt, wurde an der West­seite von einem zinnengekrönten, uralten, seit Jahrhunderten immer wieder ausgeflickten Turme flankiert und hatte im Giebel der Ostseite drei hohe, schmale Fenster, hinter denen das Wohn- und Schlafstübchen Ellens, der lieblichen Tochter des Schloßherrn, lagen.

Gut, daß der Wind so heult!" raunte Peter.Man kann uns kaum im Hofe hören."

Wer sollte da noch wach sein?" fragte Fritz mit seiner hohen zuversichtlich klingenden Stimme.

Vielleicht Juno, die Hühnerhündin, die ich oft genug gestreichelt habe ich hoffe aber, sie liegt an der Kette/ sie wurde wenigstens früher immer während der Nacht an­gebunden.

Man stand unmittelbar vor den Fenstern des Schlosses, die sich etwas mehr denn mannshoch über dem Erdboden befanden, aber bequem zugänglich waren, da der hintere Teil der Mauer des Gebäudes mit hölzernen Latten benagelt war, an denen sich Kletterrosen und allerlei Schlinggewächse emporrankteu.

Wahrhaftig, Du hast recht gesehen," belobte der ange­nehm überraschte Carvalho seinen schon als Späher tätig gewesenen Genossen,nicht einmal Fensterläden! Diese Leute haben ein gutes Zutrauen zur Sicherheit der Berliner Um­gegend."

Dafür hat der Baron auch ein ganzes Arsenal von Flinten und Pistolen über seinem Bette hängen," warf Peter dazwischen;bofsentlich machen wir keine Bekanntschaft mit diesen Waffen."

Unbesorgt, ich gehe, ihn zu überwachen," sagte Fritz und schlich sich auf den Fußspitzen davon. Er begab sich nach dem westlichen Ende des Hauses, um dort die beiden Schlafstubenfenster, die ebenso wie alle anderen Fenster des Hauses finster waren, unter scharfe Beobachtung zu nehmen.

Carvalho zählte, mit der Tür des Gartensaales, in der Mitte beginnend, die Fenster ab.Eins, zwei, drei, diese beiden müssen es sein. Nun, halten Sie mir die Laterne, lassen Sie sie aber noch geblendet, ich brauche noch kein Licht."

Er stieg an dem Spalier in die Höhe, holte aus seiner Paletottasche eine Rolle, wickelte sie auseinander und drückte sie gegen eine der altmodischen Fensterscheiben. Die Rolle blieb kleben. Nun wartete er, bis sich der Sturm wieder kräftig erhob, und als der Aufruhr des Luftmeeres wieder brausend und heulend um das alte Turmgemäuer tobte, drückte er mit beiden Armen kurz und herzhaft gegen das Pechpflaster; ein dumpfes, knirschendes Geräusch, das aber