Ausgabe 
13.10.1913
 
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Nibelungen und Odenwald.

Von Hans Otto Becker.

Unsere herrlichste deutsche Dichtung, die Nibelungen, steht mit den: Odenwald sofern in inniger Beziehung, als der Tod des hehrsten Helden der Welt, Siegfrieds, auf der Jaqd im Odenwald an einem klaren Brunnen unter der Linde breit sich ereignete, wo Hagen ihm die Mordwaffe in den Rücken schoß. Die Ueberlieserung kennt zwei Statten, an denen der Mord geschah: Den Siegfriedsbrunneu von Grasellenbach und den von Hüttenthal. Heute sollen einige historische Beziehungen zwischeii den Nibelungen der Sage und den Burgundern der Geschichte sowie deren Bezrehungen zum Odenwald erörtert werden.

In der Tat ist der Odenwald, die Gegend zwischen Main, Neckar und Rhein, sowie das ihr gegenüberliegende linke User des Rheins der Sitz der Burgunder, das alte Nibelungenland. Wenn Worms in der Sage die Hauptstadt des Reiches ist, so kann sehr wohl diese Stadt, damals Borbe- tomaqus genannt, ihrer zentralen Lage zwischen dem Unks- und dem rechtsrheinischen Gebiet des burgunöftchen Reiches wegen die Residenz des Königs gewesen sein. Sicher ist, daß noch im Jahre 773 in der Grenzbeschreibung der Heppen- heimer Mark eine Odenwälder Gemarkung Burgiindhart be­nannt ist und diese liegt in nächster Nähe von Hüttenthal und Hiltersklingen im Tal der Marbach, da wo der eine, auch Lindelbrunnen genannte, Siegfrieds'brunnen gUillt. Das ist einer der seltsamsten Zufälle! Dreihundert und sechzig Jahre waren seit der Burgunderherrschast im süd­lichen Odenwald vergangen, als noch die Erinnerung daran in der BezeichnungBurgundhart" fortlebte. Woher kamen nun diese Burgunder und wohin gingen sie?

Dieser deutsche Stamm saß ursprünglich an der Oder und Weichsel. Schon im 3. Jahrhundert n. Chr. wanderten sie von da nach Westen und versuchten, über den Rhein nach Gallien zu dringen, wurden aber von den römischen Kaisern Probus und Maximianus zurückgeworfen. Sie mußten sich hinter den Sitzen der Memannen, die damals schon im Besitz des römischen Gebiets auf dem rechten Rheinuser bis zum Neckar waren, ansiedeln und so wohnten sie bis Ende des 4 Jahrhunderts im oberen Maingebiet, in guten Beziehun­gen'zu den Römern, denen sie halfen, die zwischen ihnen wohnenden Memannen in Ruhe zu halten. Um 370 brachen 80000 Burgundionen auf an den Rhein und die Main- Mündung, wo ihnen wohl die Alemannen weichen mußten. 406 kam von Osten her eine gewaltige Völkerwelle, die Van­dalen, Sueven und Alanen, aus ihrer Heimat von den Hunnen verdrängt, an den Rhein gebraust und riß die Bur­gundionen mit sich hinüber nach Gallien. Diese Provinz verteidigte der Usurpator Constantin wohl kraftvoll gegen die Eindringlinge, aber er selbst wurde von dem recht­mäßigen Kaiser Honorius bekämpft: und während diese beiden Römer miteinander stritten, suchte der Burgundio­nenkönig Gyntiarios, wie der griechische Schriftsteller Olhmpiodor den König Gun da Hari nennt, sich und sei­nem Volke eine neue Heimat in der Germania prima zu schaffen. In Mainz rief er 411 gemeinsam mit dem Alanen- hauptling Goar den Gallier Jovinus zum Kaiser aus, der aber 413 zu Valence gefangen und hingerichtet wurde. Der römische Feldherr Constantinus, der Gallien für den Kaiser verwaltete, suchte nun die Burgunder als Freunde und Ver­teidiger der Grenze zu gewinnen, und so wurde ein Teil des Volkes aus dem linken Rheinufer auf Grund der Hospitalitas angesiedelt. Wie anderwärts in diesen Zeiten wurde der Fremde, der Hosp-es, in die Häuser der Bewohner einquar­tiert und erhielt von ihnen einen bestimmten Teil des Feld­ertrags. Gin solches Verhältnis mußte naturgemäß, da der Hospes sich als Herr fühlte, zur Auflösung des Staatsver­bandes führen. Die linksrheinischen Burgundivnen wurden nun Christen, während die rechtsrheinischen Heiden blieben.

Der Name des Königs Gundahari erinnert uns sofort an den König Gunther des Nibelungenliedes; sprachlich ist es auch derselbe. Aber auch die Namen der aus der Sage bekannten Burgunder, König Mbich und Giselher, finden sich in den geschichtlichen Namen Gibicha und Gislahari wieder; alle drei finden wir in dem von König Gundöbad codiftzierten alten Volksrecht der Burgundionen, der Lex Burgundionum. Der König Gunther des Nibelungenliedes hat Mso wirklich gelebt und noch mehr: wie der König der Sage ist auch Gundahari durch die Hunnen gefallen.

Redaktion: K. N e u rn t b-

Nun wurde aber Gundahari und mit ihm ein großer Teil seines Volkes nicht bei dem großen Hunnensturm des Jahres 451, der auf den katalaunischen Feldern am Wider­stand der Römer und Westgoten zerschellte, vernichtet, svni dern bald nach 436. Zuvor hatte Gundahart den Versuchs gemacht, seine Herrschaft in Gallien auszudehnen, aber er erlag dem römischen Aetius, der in Gallien regierte, der die Ripuarier niedergeworfen und später die Hunnen be­zwang; diesem begabten kraftvollen Römer war der Bur­gunder nicht gewachsen. Er verlor 20000 Krieger, mußte um Frieden bitten und, von diesem Schlag geschwächt/ wurde er von den Hunnen erschlagen samt seinem ganzen Hause. Dunkel ist nun, wie und wo dies geschah-. Jedenfalls: war es nicht die Macht Attilas, des Königs der Hunnen, die den Schlag führte; vielleicht aber im Solde des Aetius stehende hunnische Hilfsvölker, vielleicht von Aetius selber gegen die Burgunder aufgehetzt. Scher es bleibt auch die Möglichkeit, die gerade in der Sage uns erzählt wird, daß die Burgunder bei einem freundschaftlichen Besuch unter den Hunnen hinterlistig ermordet worden sind. Wo dies aber stattfand, ist nicht zu ermitteln. Unmöglich darf man aus den im Odenwald vorhandenen Erinnerungen an die Hun­nen Heunesäulen bei Miltenberg, Heunenschlüssel unweit des Engelsberg den Schluß ziehen, daß am Main das Ereignis stattfand. Soviel. steht aber fest, daß die feige Ermordung eines germanischen Heldengeschlechts in der deutschen Sage die einzige Tat ist, die von Etzel und den Hünnen berichtet wird.

Der Rest der Burgunder wurde bald darauf vom Rhein an die Rhone versetzt. Dort wurden sie int Lauf der Jahre romanisiert. Sie gelangten im Mittelalter unter den: Herzog Karl dem Kühnen noch einmal zu einer gewissen Bedeutung.

Die Sage aber schuf aus den Burgundenrecken und dem Nibelungenhelden Siegfried herrliche Gestalten von ewiger Schönheit. Auch in unserer Phantasie dürfen wir die Helden im Odenwald und am Rhen: wieder sehen die Geschichte gibt uns ja bis zu einem gewissen Grad sogar das Recht dazu. _____________

Vermachtes.

Wozu Lessingzu gebrauchen wa r". Gegen beit Tabakrauch besaß Goethe eine große Abneigung. Eines Tages tat der Altmeister sogar die Aeußerung, ein wahrhaft genialer Manu bringe es sicher nicht fertig, zu rauchen. Lessing z. B. würde es wohl kaum getan haben. Beim Ausspruch dieser Vermutung war auch Ebert zugegen, der in Wolfenbüttel wo Lessing bekannt­lich als Leiter der Bibliothek gewirkt hatte ebenfalls einmal Bibliothekar gewesen war. Diesen reizte es nun, den wahren Sachverhalt festzustellen. Er benützte also seine Beziehungen zu Wolfeubüttel und wandte sich mit einer entsprechenden Anfrage an eine dort wohnende alte Frau, die dem Dichter derMinna von Barnhelm" jahrelang als Auswärterin gedient hatte und nut seinen Gewohnheiten darum vertraut feilt mußte. Bereitwillig erteilte diese treuherzige Person die gewünschte Auskunft Sie lautete:Ja, schmauchen und schreiben konnte der Herr Lesttng wohl, sonst aber war er zu nichts zu gebrauchen."

* V o ne luftigen John Bull. Das böse G e - iviss en. Zum ersten Mal ist der kleine Tommy im Schwimm­bad und plätschert nach Herzenslust Aber plötzlich schleicht er be­drückt zu seinem Vater:O, Papi", flüstert er bleich, «ich habe etwas Wasser geschluckt: werden sie sehr böse sein?" Der verkannte Skalp.Tantchen," fragt die kleine Helen,bist Du eine richtige Indianerin oder hast Du nur einen Indianer ge­heiratet»" Aber um Gottes willen, wie kommst Du auf diese Idee?"' Ja, aber ich habe doch auf Deinem Toilettetisch einen ganzen Hausen Skalpe gesehen . ." - Der kleine Natur- forscher.Wer kann eine Raupe beschreiben?"Ich, Herr Lehrer."Schön, Jimmy, was ist eine Raupe?" Jimmy, stolz: ~®iite Raupe ist ein gepolsterter Wurm!"

Uapsel-NAsel.

Meerwasser Distel Fuchs - Schnitzel - Drachen _ Fechtboden Kreis Tanne Bettdecke Hase Blech Glas Henne Genick Lachtaube.

Ans dem ersten der vorstehenden Wörter sind drei, aus jedem der übrigen Wörter zwei zusammenhängende Buchstaben zu ent­nehmen, so das; sich daraus ein Sprichwort ergibt.

Auflösung in nächster Nummer,,

Auslösung des Anagramms in voriger Nummer: Schiene, Chinese.

Rotationsdruck und Verlag de^rühl'schen Universitäts-Buch- und Strindruckerei, R. Lange, Gießen.