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stets die Peitsche führen mußte, um das' lärme Kamel anzlutrsiben. f£ie Nahe unseres Zieles gab uns Mut, die furchtbaren Strapazen KU ertragen. D>er größte Feind war der Schlaf. Es ist unbcschreib- lickp welche Gewalt uns dieser Tyrann antot Mr suchten uns laut Ku unterhalten und durch plötzliches giütteln M ersthrecklen^ die Haut Ku kneifen Lis aufs Blut, und Haare auszuraufen, um den Schlaf Ku verjagen. Wie Blei drückten die Augenlider nieder. Und es bedurfte der größten Kraft, sie wieder zu öffnen. Am 8. Dezember endlijch näherte man sich dem Brunnen Murad, zwischen Kovoskd und Abn-Hamad. „Schon erblickten wir die Cyklvpen- bauten ähnlichen Befestigungen auf den die Bruuneir umgebende Bergen und die vom Morgenwind geputschte rote Fahne mit Halbmond und Stern. „MchmÄ>," schrie ich, „grüße die Fahne der Freiheit!" ^Der mutige Mtter nahm fein Gewehr und mehrere Salven verkündeten der ÜMptischen Garnison imfere Ankunft. Kräftig widerhallten die Salven in den crackten Bergen. Jetzt waren )irit den grausamen Händen des Chalifa Mdullah entronnen und wir hatten unsere Geister unter seiner Farua hervorgeholt: der Chalifa pflegt nämlich zu sagen, er halbe die Geister seiner Feinde unter dem Schaffell (farua), worauf er betet; woinit er sagen Will, daß er fern Feinde in feiner Hand habe. Jetzt waren wir wieder freie Menschen. Ein aus tiefster Seele dringendes Dank- gebet stieg Wer die Berge Murads zum heitereu Kinrmel empor: es waren Gefühle, die wir nicht in Worte kleiden konnten."
Line altrömische Zchlafwagengesellschaft.
An eine bedeutsame Grabinsck/rrft, die sich jetzt im Rathaus von Velletri befindet, knüpft Professor Lanciani im Athenaeum interessante Mitteilungen über die Reifewagen gesellschaft, die im alten Rom bestand und eine Zentralstelle für die Reiseverkehr der Kaiserzeit bildete. Aus der Inschrift wird ein gewisser Jovinus „De Schola Carrnearum" erwähnt, und diese Angabe war bisher noch nicht befriedigend erklärt worden. Grabsteine, die Angaben über die Adresse und den Beruf des Dahingeschiedenen enthalten, sind nicht selten. Für die Topographie des alten Rom haben sie sehr wertvolle Angaben geliefert, und fast alle altrömischen Straßennamen, die sich in Prof. Jordans Katalog verzeichnet finden, rühren von Gräbern her. Es ist daher anzunehmen, daß mit der Schola Carruearum nicht nur der Beruf des Jovinus, sondern auch eine bestimmte Oertlichkeit Roms angegeben wurde.
Was war diese „Wagenschule" und wo lag sie? Carruea ist ein Name gallischen Ursprungs, der von den Römern einer befand ern Art bequemer Luxuswagen gegeben wurde. Diese Wagen waren vielfach herrlich geschmückt, enthielten an den Wänden silberne Inkrustationen und Elfenbeinschnitzereien. Martial spricht von einer carruea aurea, die schwer vergoldet gewesen sein muß Neros Reisezeug zählte nach den Angaben Suetons 1000 solcher Gefährte, nach denen des Lampridius 500. Die Mehrzahl der Wagen enthielt auch Vorrichtungen zum Schlafen, so daß der Reisende in diesen sog. carrucae dormitoriae bequem wie in einem Bett sich dem Schlaf hingeben konnte. Das Aussehen der Reisewagen ist auf zwei alten Reliefs, die sich fm Museum Calvet zu Avignon und in dem Schatz der Kathedrale von Trevis befinden, genau dargestellt. Die Wagenschule in Rom ist nun nicht anders aufzufassen als das Zentralbureau oder Hauptquartier einer Gesellschaft, die solche Wagen an Leute verlieh, denen das Privileg, mit der kaiserlichen Post reisen zu dürfen, von den betreffenden Beamten gewährt worden war. Die Grundstücke, die der ausgedehnte Wagenpark dieser Gesellschaft mit all seinen Baulichkeiten einnahm, lagen auf der linken Seite der Appischen Straße, etwa einen halben Kilometer vor der Porta Capena, ganz in der Nähe des Ortes, wo heute Kirche und Kloster von San Sisto Vecchio sich befinden. Auf der andern Seite desselben Weges, nahe bei den Bädern des Ccrracalla, erhob sich das Mutatorium Caesaris, das Gebäude, in dem die kaiserlichen Reisewagen untergebracht waren und an das sich die kaiserlichen Stallungen schlossen. Außer diesen beiden Hauptinstituten der Neisewagengesellschaft gab es an allen wichtigeren Poststationen, die an den Hauptstraßen des Kaiserreiches lagen, Wagen, die an Reisende verliehen wurden. Ju Ostia, nahe bet der Porta Romana, wird ein solcher Halteplatz von Kutschern mit Droschken und.Reisewagen erwähnt.
Vermischtes.
* Die Falkenjagd. In französischen und englischen Sportskreisen wird zurzeit der Versuch gemacht, die Falkenjagd wieder aivleben zu lassen; damit würde ein Sport wieder erscheinen, der vor vielen Jahrhunderten Privileg und Haupt- vergnügen an den Burgen und Höien des alten Europa gewesen ist. . Auf wie vielen Mimaturen, Holzschnitten und Gemälden der Gotik oder der frühen Renaissance ist die „Falknerey" verewigt; der Falke sitzt da an einer leichten Kette auf der Fanst des Ritters oder der Burgfrau, oder man sieht ihn, wie er, losgelassen, pfeilgerade in die Lust schiebt. Aber auch Bücher über die Falkenjagd
und über die Pflege des edlen Vogels sind auf uns gekommen: allerdings sind sie selten genug. Die Art, wie ein junger, eben gegangener Falke aufgezogen und abgerichtet wurde, war'grausam genug, aber erfolgreich. Das wilde und ungebärdige Tierchen wurde ivahrend der ersten Tage und Nächte des Schlages beraubt und zwar dadurch, daß ihm die Augen, iveim sie zufallen wollten' immer wieder mit einer Rute berührt wurden. Mit dem Schlaf verlor der junge Falke seine Wildheit; nach einigen Tagen war er mube und zahm. Nun mußte er an seinen Herrn gewöhnt werden und dazu dienten die Leckerbissen, die ihm dieser selbst verabreichte' Um hieraus den Blick des Vogels zu schärfen, nähte man ihm die Boer leicht zuiammen und stülpte ihm eine Haube über den Kopf bie ihm nur während der Jagd abgenommen wurde. Die Jagd war für den Falken nicht ungefährlich. Verlor er dabei Federn m wurden ihm neue angeheftet, und zwar nut einer feinen Nadel- der Falkner hatte sich für diesen Fall eine Sammlung von Federn in allen Größen angelegt. Sorgsam wurden auch die Bälge der zugrunde gegängelten Falken aufbewahrt; auf jedem einzelnen prangte ein Verzeichnis seiner Taten. Ludwig XIII. hatte für die Falkenjagd eine solche Leidenschaft, das; er, wenn gerade keine Falken zu haben waren, mit Sperbern jagte. Dagegen hatte Ludwig XIV. nichts dafür übrig, und das brachte die Jagd mit dem Falken außer Mode. Ob sie jetzt wieder auleben wird?
bk. Neues vom Schutze des Biber s. In Europa findet sich der ehemals weit verbreitete Biber mir noch an zwei Stellen, nämlich im Mittellauf der Elbe nicht weit von Magdeburg und am Unterlaufe der Rhone, in der Sarinague, auf den Besitzungen des Fürsten Karl von Löwenstein. Sein nordamerika- nischer Verwandter ist in den Vereinigten Staaten, abgesehen von seinem Vorkommen in den Nationalschutzgebieten, so gut wie aus- gestorben und in Kanada geht et dem gleichen Schicksale entgegen, obwohl die Kanadier ihn zu ihrem Nationaltier erhoben haben. Schutzgesetze für den Biber gibt es in Kanada vorläufig noch nicht. Die „Nature" weiß aber mitzuteilen, daß der Biber von Privatleuten in der alten wie in der neuen Welt neuerdings geschützt wird: Gaston Dlenier, der französische Großindustrielle, hat aus der Insel Anticosti, die ihm gehört, einige Biberpärchen ausgesetzt und glaubt, daß hieraus bald Biberkolomen werden können. Für die neue Welt hat der britische Zcitungsmagnat Lord Northcsisse ein Schutzgebiet für Biber geschaffen. Es handelt sich um ein 55'JO Quadratkilometer großes Waldgebiet int Innern Neufundlands, das Lord Northcliffe erworben hat, um genügend Holzvorräte zur Papierfabrikation in Besitz zu haben. Er hat verfügt, daß innerhalb seines Besitztumes d,e Biber vollständig sich selbst überlasfen werden.
"Französischer Witz. Der Herr im Hanse. Mr. Legrand, schüchtern zum Dienstmädchen: „Ach bitte Sophie, ich glaube, Ihre Herrin und meine Töchter haben beschlossen, eine Sommerreise zu unternehmen; können sie mir vielleicht jagen, ob schon Bestimmungen darüber getroffen sind, was man mit mir anfangen will?" — Strandidyll. Die kleine Mart soll zum ersten 'Male in der See baden, bisher kannte sie nur die Badewanne. Als die erste Welle kommt, klammert sie sich iveinend an die Miitler: „Mama, nimm mich heraus, es ist zu voll." — Je n a ch d e m. Der Kunstmaler, zu der älteren Dame, die keine Venus ist: „Wenn ich Sie ähnlich darstelle, kostet das Porträt 500 Frcs.; unähnlich kostet es 10 000." - Für alle Fälle. Die Frau, im Öandschuhladen: „Ich werde für alle Fälle schwarze Handschuhe nehmen, mein Mann ist so sehr leidend. . ." —. Gezwungen Milde. „Willy," sagt die Lehrerin zn dem ungezogenen kleinen Jungen, „hat dich dein Vater auch tüchtig 'verhauen, für das, was du gestern in der Schule gemacht hast?" „Nein, Fräulein," erwidert Willy, „er sagt, das Prügeln würde ihm mehr weh tun wie mir." „Das ist aber sehr unrecht," meint nun die Lclwerin mißbilligend. „Dein Vater ist zu nachsichtig." „O nein, Fräulein, erklärt Willy, „aber er hat solchen Rheumatismus in beiden Armen." — Zweideutig. Er: „Wenn wir nickst im Boot wären, würde ich Sie küssen." Sie: „Rüdem Sie mich augenblicklich ans Land!"
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Mucker, Zucker.
Redaktion: K. N e u r a t h. — Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lauge, Gießen,


