Ausgabe 
13.3.1913
 
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schienen Mts, wenn sie nicht mit der Einrichtung von Four- neanö eigenen Räumen so stark kontrastiert hätte. Er mußte sicher ein sehr prunkliebender Mann sein, denn seine Kajüte war derart mit Samt und Silber ausgestattet, daß sie eher auf die Jacht eines Fürsten, als auf ein kleines afrikanisches Handelsschiff gepaßt hätte. Das mochte wohl auch Herr Burns denken, der seine Verwunderung und Verachtung darüber nicht verbergen konnte, so oft er hineinsah. Dieser Mann, ein großer, kräftiger, rot» Haariger Engländer, hatte die Kabine auf der anderen Seite der Kajüte inne. Dann waren noch ein zweiter Maat und neun Mann Besatzung und ein Schiffsjunge an Bord. Von der Mannschaft waren noch, wie ich von Herrn Burns' erfuhr, drei Kanal-Insulaner wie ich selbst. Dieser Burns, der erste Maat, mochte zu gerne wissen, warum ich eigentlich mitführe. .

Ich reise zum' Vergnügen," sagte ich ihm-.

Er sah rnich starr an.

Schon je 'mal an der Westküste gewesen? fragte er.

Ich antwortete, daß das nicht der Fall gewesen sei.

Das hab' ich mir gleich gedacht," erwiderte er.Und Sie weiden wohl auch kein zweitesmal zu dem Zweck initkommen."

Niigefähr drei Tage nach meiner Ankunft lichteten tvrr die Anker Nnd gingen in See. Ich war nie sehr seefest und muß ge- stehen, daß wir längst außer Sicht von irgendwelchem Land waren, ehe ich im Stand war, mich auf Deck zu wagen. Endlich aber, dirt fünften Tage, trank ich die Bouillon, die mir der gute Kerouan brachte, und fühlte mich kräftig genug, um aus meiner Koje zu kriechen und die Treppe 'nauf zu klettern. Die frische Lust tat mir sehr wohl, und von da an gewöhnte ich mich an dieSchwan- kungen des Schiffes. Mein Bart war mittlerweile auch ge­wachsen, und ich zweifle rächt daran, daß ich ein ebenso vorzüg­licher Seemann geworden wäre, wie ich ein Soldat war, wenn ich zu diesem Dienstzweig geboren worden wäre. Ich koniite bald die Taue ziehen, womit die Segel gehißt wurden, und auch die langen Stangen einholen, woran sie befestigt waren. Hauptsächlich be­stand Meine Beschäfsigung jedoch darin,, mit dem Kapitän Four- nernt Ecarts zu spielen und ihm! Gesellschaft zu Ielften. Es war nicht zu verwundern, daß er jemanden um sich haben wollte, denn keiner von seinen Leuten konnte lesen oder schreiben, obwohl 'sie alle ausgezeichnete Seeleute waren. Ich kann mir nicht denken, wie wir irr dieser Wasserwriste uns hätten zurecht finden sollen, wenn unser Kapitän plötzlich gestorben wäre, denn außer ihm konnte kein Mensch bett Ort bestimmen, wo mir waren. Er hatte eine Karte in feiner Kajüte, auf der er jeden Tag den Kurs be­zeichnete, so daß wir Mit einem Blick sehen konnten, wie weit wir noch von unserem Bessimmungsvrt entfernt _ waren. Es war wunderbar, wie fein er das berechnen konnte. Eines Morgens' sagte er, daß wir in der kommenden Nacht die Lichter von Kap Verde passieren würden und tatsächlich, als die Nacht eintrat, sahen wir sie zu unserer Linken leuchten. Ami nächsten Tage jedoch tvar das Lattd außer Sicht und Burns' erklärte Mir, daß wir nun eher kein's wieder sehen würden, bis wir an unserem Landungsplatz in der Bucht von Biasta ankämdn. Alls Tage ging's mit Mastiger Brise weiter südlich, itrib jeden Mittag rückte die Steck­nadel mtf der Karte näher und näher an die afrikanische Küste. Ich Muß hier einflechten, daß wir 'Palmöl laden wollten, und daß Unsere Fracht auf der Ausweise aus bunten Kleidern, alten Ge­wehren und anderem Krimskram bestand, tote ihn die Engländer an die Eingeborenen zu verkaufen pflegen.

(Schluß folgt.)

wie die Leuchtenbergs Romanows wurden.

(Ter Herzensroman einer russischen Großfürstin.)

Im Jahre 1839 beschloß Zar Nikolaus I., seine älteste Tochter Maria, an der er mit zärtlichster Liebe hing, zu vermähleit. Er hatte Umschau unter den Fürsten Europas gehalten, aber noch keine bestimmte Wahl getroffen; für den stolzen Herrscher des mächtigsten Reiches war es selbstverständlich, daß er nur zu winken brauchte, um seiner Tochter einen Gemahl znzuführen. Eines Tages saß Maria, wie so oft, im Zimmer ihres Vaters und las ihm vor. Als sie. geendet hatte, nahm der Zar den Kopf seiner Lieblings­tochter in die Hände, küßte ihr die Stint und sagte:Es wirb Zeit, mein Täubchen, fürs eigene Nest. Willst du mir suchen Helsen ober hast du gar schon gewählt?" Die letzten Worte hatte der Kotier im Scherz gesprochen, denn er konnte sich gar nicht vor- stellen, daß seine Tochter bereits irgend eine Neigung gefaßt hätte. Da sah er zu feinem Erstaunen, daß sich das Antlitz der Groß­fürstin mit glühender Räte überzog und daß sie die hervorguellenden Tränen kaum zurückztthalten verntochte.Wie, Mastha", fragte der Kotier bestürzt,du hast mir etwas verheimlicht?"Ich werde dtr immer gehorchen, Vater, und den Gemahl aus deiner Hand nehmen, den du für mich bestimmst", sagte die Großfürstin zitternd. Ich tvill dich glücklich wissen, mein Kind," sagte der Zar ernst, aber btt wirst bedenken, was du unserem Hause schuldig bist. Ich will jetzt nicht in dich bringen; überlege dir alles und dann sage mir, waS dein Herz bewegt." Nach einigen Tagen wußte der Kaiser, daß die Liebe der Großfürstin dem Obersten Maximilian Beauharnais, Herzog von Leuchtenberg, galt, dem Enkel Josesinens,

der einstigen Gemahlin Napoleons. Herzog Maximilian war eilt Fürst ohne Land, Oberst der bayrischen leichten Reiterei, seit etlichen Wochen in Petersburg zum Besuch. Auf einem Hoffest hatte dis Großfürstin den jungen, bildschötien Offizier kennen gelernt und alsbald eine tiefe Neigung zu ihm gefaßt. Der Zar war tief er­schüttert, ihm war kein Thron stolz genug für seine Tochter gewesen. Sechs Wochen warb alles, was Klugheit im Bunde mit Liebe und Strenge ausrichten kann, versucht, das Bild des Obersten au$ dens Herzen der Prinzessin zu verbannen. Ilm Ende der ersten Woche so schreibt ein Chronist war sie gefaßt; am Ende der zweiten weinte sie im stillen; am Ende der dritten weinte sie unverhohlen; am Ende der vierten wünschte sie, sich ihrem Vater zu opfern, und am Ende der fünften war sie dem Tode nahe. Da wurde Nikolaus weich und ließ den Herzog, der während dieser ganzen Zeit vom Hose ferngehalten war und als in Ungnade gefallen galt, zu sich befehlen.Herzog", sagte er,Sie lieben meine Tochter, aber Sie sollen sehen, daß auch ich sie liebe. Sie soll die Ihre werden und fortan werben Sie zu meinem Geschlecht gehören imb ben Namen meines Geschlechtes führen. .. . Folgey Sie mir." Damit geleitete er ben Herzog zu seiner überglücklichen Tochter. Tie Hochzeit fand unter großem Gepränge am 14. Juil 1840 statt und von diesem Tage an stthren die Leuchtenbergs^den Namen Leuchtenberg-Romanow. 0. K.

Vermachter.

* Müßige R n n b f r a g e n. Tie von Gebr. Wolff und Keller in Berlin heransgegebene neue Zeitschrift für Herren­kleidungHerr und Schneider" hat bei einer Reihe bekanntet; Bühnenkünstlerinnen und Schriststellcrinnen eine Umfrage über das ungemein wichtige Thema veranstaltet, in welcher Kleidung sie den eleganten Herrn am liebsten sähen. Vielleicht die hübscheste Antwort hat Elisabeth Böhm van Endert, das bekannte Mitglied der Königlichen Hotoper in Berlin gegeben:Nicht jederzeit das­selbe Kleid. Ich bevorzuge den Mann im rechten Kleid zur richtigen Zeit." Unter ben zahlreichen müßigen Antworten ist ote ebenso kluge wie selbstverstänbliche von Margarete v. Suttner zu nennen, wenn fie meint, baß es weniger daraut ankommt, was der Alaun trägt, als wie er es trägt. Vielleicht werben wir nächstens mit der Rundfrage beglückt: Wo würden Sie lieber wohnen, auf dem Mars ober auf dem Mond?

lck. Die Bulldogge, der Mann und die Hose. Lluf dem Broadivay in New Bork, da wo er sich mit der 45. Straße kreuzt, wo bas Criterion-Theater steht, wurde jüngst der Strom des Verkehrs durch einen baumlangen Herrn von ftangenförmiger Gestalt cuügehalten: der Herr schlenderte nämlich sorglos quer über den Fahrdamm und wäre beinahe überfahren worden, wenn nicht die Schutzleute eingegriffen hätten. Der baumlange Alaun kümmerte sich aber garnicht darum, sondern widmete sich aufs Höflichste ein paar Damen, denen er beim Besteigen eines Omnibusses behilflich war. In diesem Augenblicke erscheint ein Herr mit einer Bulldogge an der Seine auf dem freien Platz. Die Bulldogge sieht denBaum­langen", reißt sich mit Gewalt los und wählt dessen Hosenbeine zum Ziel ihrer Bisse. Ihr Besitzer suchte sie zurückzureißen, aber immer wieder schnappt sie nach den Hosenbeinen. Dem langen Manne aber macht das garnichts aus. Er verabschiedet sich aiiss Höflichste von den Damen und scheint erst jetzt zu bemerken, was in den unteren Regionen seines Leibes vor sich geht. Er macht aber keine Miene, sich gegen ben beißenden Hund zur Wehr zu setzen, sonbern wirft ihm einen mitleibigen Blick zu, greift in bie Tasche und zieht ein großes Plakat hervor. Darauf steht:Kaust Eure Hofen bei 3£. P. Z. Sie sind iinzerreißbar."

* FroMm er Wunsch. Sie:Wie jetzt kommst du erst nach Hause?! Mir steht der Verstand still!" Er:Wenn dein Mund sich doch ein Beispiel daran nähme!"

Anslösnng in nächster Nummer.

Ureuzrätsel.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Bilchstaben

aaaaaaaaaabbbbcc deeeehhiiii kkllll llmmnnnrrsss

derart einzntragen, daß die senkrechten imb wagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben:

1. Großes Reich.

2. Griechischen Rhetor.

3. Französischen Schriftsteller.

Auflösuna des Logoariphs in voriger Nummer: Taube, Haube, Laube.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»