W iWHi
Ms
TTTTprji tiVTeliiii H
A
V
Donnerstag, den (5. Mürz 75
MenevMullien^
MerhültunSsblM M! KHmerAnzetzer Omeml-Anzeiger)^
ffraurniirbe.
Roman von Horst Bodemer.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
' Uchtes Kapitel.
Bon früh sechs bis zehn Uhr saß Hans-Wilhelm mit dem Oberinspektor über den Büchern, aber er wurde nicht recht klug daraus. Nur das war festzustellen: es stand schlimm um Moreth, sehr schlimm.
„Menschenskind, warum haben Sie mir denn nicht schon längst klaren Wein eingeschenkt?"
„Hab ich das nicht, Herr Oberleutnant?"
„Na, ja — das heißt, daß es gar so traurig hier! aus- sieht, habe ich wahrlich nicht gewußt."
„Ich dächte, ich wäre deutlich genug gewesen, aber"
„Ja, ja," unterbrach ihn Hans-Wilhelm, „ich weiß schon, was Sie sagen wollen."
Sein Gewissen schlug ihm doch Mächtig.
„Herr Oberleutnant, ich bin ein alter Mann und habe hier allezeit meine Pflicht und Schuldigkeit getan; wenn ich ein offenes Wort sprechen dürfte —"
„Schießen Sie los, Drewel!"
„Macher: Sie drüben in Glossow der Qual ein Ende!"
Es kanr aus ehrlichem Herzen, das fühlte Hans-Wilhelm wohl. Er legte den: einfachen Manne die Hand auf die Schulter. ,,
„Denken Sie sich mal in meine Lage, Drewel! Jahrelang habe ich mich um die Komtesse kaum getont inert, und nun, wo ich niedergebrochen bin, soll ich um ihre .Hand anhalten? — Nee!"
Da schmolz die Rinde um des Alten Herz.( Das wär ehrlich von seinem Herrn geredet.
„Ich kann mir das ja sehr gut vorstellen; aber wenn ich mit meinem Verstände nicht mehr weiter kann, dann sag' ich als gläubiger Christ: Gottes Wege sind wunderbar!" Hans-Wilhelm mußte sich abwenden, so hatten ihn die Worte getroffen. Dann ging er rasch auf Drewel zu und drückte ihm die Hand.
„Wollen Sie die kommende Zeit mit mir noch durchhalten?"
„Und ob, Herr Oberleutnant, und ob!"
„Wir werden also zusammen mit Gottvertrauen an unsere Arbeit gehen!"
Da erhob sich der alte Mann und faltete die Hände. „Herrgott, ich danke dir!" sagte er Mit bebender Stimme. Hans-Wilhelm ließ ihn gehen, denn er wußte, wenn das noch fünf Minuten so weiter ging, fing er an zu heulen wie ein Kind. Er beugte sich zum Fenster hinaus und blickte in den sonnigen Herbstmorgen hinein. Lustig flatterte die Fahne im Winde. Unten ging der alte zweiimdsiebzig- jährige Gärtner vorüber.
„He, Köhler, guten Morgen!"
Mit zitternder Hand nahm er die Kappe vom Kopfe. Das alte, runzelige Gesicht strahlte.
„Schön guten Morgen, Herr Oberleutnant!"
„Immer hübsch auf dem Posten — was?"
„Na, es geht man so. Der jüngste bin ich ja schott, lange nicht mehr." ~
„Sagen Sie dem Vogt, er soll die Fahne Anziehen." "
Jawoll, werd' ich!"
Eilig trippelte er davon.
Der alte Mann war auch so eine lieb gewordene Erinnerung aus der Kindheit Tagen. Aber schnell nahm sein Gesicht wieder einen ernsten Ausdruck an. Die Fahne! ließ er einziehen, weil die Arbeit begann, das Feiens mußte besseren Tagen Vorbehalten bleiben. /Dann ging er hinab zu seiner Mutter zum zweiten Früstück.
„Nun, Hans-Wilhelm, was sagst Dü zu dem Stande des Gutes."
„Wir werden es wieder hoch kriegen Mama!"
Sinnend blickte sie vor sich hin und sagte kein
„Ich will dann gleich 'rüber zu Onkel Relendorff und mit ihm offen reden." Komme ich zurück, hab' ich die Entscheidung getroffen."
Bange sieht die Mutter Hans-Wilhelm an. Ihr ist aus seinen Worten nicht klar geworden!, was er unters Entscheidung versteht. Sein Verlöbnis mit Eva oder —s ob er nur Rat holen will über Mo reih und selbst das Gut bewirtschaften.
r„Es ist Besuch drüben in Glossow", sagte sie zögernd!« „Besnch?"
„Ja, ein Diplomat, Graf Norderoog."
„Was will denn der?"
„Er wirbt um Eva."
„Und sie?"
Maßlos erstaunt sieht er seine Mutter an.
Lächelnd erwiderte sie:
„Will nichts von ihm wissen; ihr Herz ist ja schon längst nicht. mehr frei."
Da hat Frau von Moreth mit einem Male Angst, daß sie zu viel gesagt; sie kennt Hans-Wilhelm zu gut, der ist in diesem Punkte sehr empfindlich, und wenn man deutlich wird, erreicht man nur das Gegenteil.
Mit finsterer Stirn starrt er auf den Teller. Nach einiger Zeit sagt er:
,„Jch werde mir den Kerl einmal ansehen. — Aber Eva geht's gut, nicht wahr?"
Sehr erregt fragt er's. Dias freut die Mutter.
'„Leidlich, Hans-Wilhelm. Sagte ich gut, müßte ich
lügen." l
Da reicht er ihr seine starke Hand über den Tisch. —


