Ausgabe 
13.2.1913
 
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Abenteuer des Brigadier Gerard.

Von C. Doyle.

WiesichderVrigadierbeiWatcrlooauszeichnetez (Fortsetzung.)

Rechts von derAlten Garde" standen die junge Garde und das sechste, Lobausche Korps, und dann Passierte ich iwch die Jacguinotschen Lanziers und die Marbotschen Husaren, welche die äußerste linke Flanke der Schlachtlinie bildeten. All' diese Truppen hatten keine Ahnung von dem Korps, das ihnen durch den Wald entgegcnkam, ihre Aufmerksamkeit wurde von der Be­obachtung der Schlacht in Anspruch genommen, die zu ihrer Linken wütete. Mehr als hundert Kaiwnen donnerten auf lebet Seite, und der Schlachtenlärm war so stark, wie ich ihn trotz meiner vielen Feldzüge kauin sechsmal erlebt habe. Ich drehte mich um und sah, wie zwei Brigaden Kürassiere, englische und französische, den Hügel hinuntersausten, und wie ihre blanken Säbel blitzten wie ein Gewitterleuchten. Oh, wie ich mich sehnte, Violetta 'rumzudrehen und meine Husaren in das dickste Kampf­getümmel hineinzuführen! Was für 'n Bild! Etienne 'Gerard mit den: Rücken der Schlacht zugewandt, während sich ein groß­artiger Reiterkampf hinter ihm abspielte! Aber Pflicht'ist Pflicht, und so ritt ich denn .an Marbots Vorposten vorbei, dem Walde zu, während das Dorf Frichermont links liegen blieb. Bor mir lag ein großer Wald, der sogenanntePariser Wald"; er war größtenteils von Eichen bestanden, und hatte nur wenige Pfade. Als ich dort war, hielt ich und horchte; aber aus dem dunkeln Dickicht drang weder das Schmettern einer Trompete, noch das Knarren von Rädern, noch der Hufschlag von Pferden an mein Ohr, und kündigte den Vormarsch jener großen Ko­lonne an, die ich mit meinen eigenen Augen hatte drauflos­marschieren sehen. Hinter mir tobte die Schlacht, aber vor mir herrschte Grabesstille. Der Sonnenschein wurde durch das dichte Laubdach abgehalten, und der feuchte Rasen strömte einen starken dumpfigen Geruch aus. Mehrere Meilen galoppierte ich auf einem Pfad dahin, den weniger Reiter zu benutzen gewagt haben würden: am Boden liefen die dicken Wurzeln, und über mir hingen die Aeste im Weg. Dann erblickte ich endlich die erste Spur von Grouchys Avaut-Garde. Zu beiden Seiten, aber noch in einiger Entfernung, bemerkte ich zerstreute Husarentrupps zwischen den Bäumen. In der Ferne hörte ich Trommelschlag und das leise Murmeln, wie's von einem Heer auf dem Marsch ausgeht.- Jeden Moment konnte ich auf den Stab stoßen und meinen Auftrag Grouchy persönlich übermitteln, denn ich wußte, daß bei etnet

ihm bloß ins Gewissen, und er versprach mir Besserung.^

Und dann?" Die Zunge klebte Meta am Gaumen, kaum, daß sie die zwei Worte herausbrachte.

Daun kam, was ich im stillen gefürchtet hatte: er setzte, vermutlich um sich mit einem Schlage von meiner ihm lästigen Vormundschaft frei zu machen, abermals hohe Summen aus unsere Pferde. Diesmal schien uns ja der Sieg wirklich sicher nur daß man bet jeder Art von Spiel doch zuletzt immer auf das Glück angewiesen ist. Aram" stolperte drei Längen vor dem' Ziel. Auch Kitty" undHolda" wurden geschlagen. Montelli hatte alles verloren..."

Meta preßte die Hande verzweifelt ineinander.

Dazu also die ungeheuren Summen!",

Nun," fuhr Reinsperg fort,konnte ich ihn freilich nicht länger schonen. Eben um Ihretwillen nicht. Viel­leicht hätte ich Ihnen durch weniger Schonung die heutigen Aufregungen überhaupt ersparen können- Mitleid int unrichtigen Moment ist immer Schwäche. Aber Sie wer­den begreifen, daß bei meinen Gefühlen für Sie es doppelt peinlich war für mich, Montelli brotlos zu machen. Schließ­lich mußte ich es doch tun vor vier Wochen habe ich ihn entlassen."...

Wie, nicht er selbst hat

Mir gekündigt? Nein. Dazu ist dieser Mann viel ... zu klug. Aber nun ist ohne mein Dazutun eine neue, bestimmte Lage geschaffen worden, welche gebieterisch auf den einzig möglichen Ausweg hintreibt aus diesem Wust von Niedertracht und Gemeinheit."

Sie wollen ihn preisgeben? O, Hoheit!"

Metas Stimme war angstvoll beschwörend. Reinsperg sah sie'bestürzt an.

War das Angst um Montelli? Siebte fte ihn am Ende trotz alledem?

Er atmete auf. Nein, es war nur die Angst der vor-> nehmen Frau, welche erbebte, ihren Namen schmachvoll der Oeffentlichkeit preisgegeben zu sehen.Armes Kindl Wie sie leidet!" dachte er mitleidig.

(Fortsetzung folgt.)

.Mas heißt, Sie gestehen zu, meinen Namen einfach gefälscht zu haben? Oder tat es Ihr Helfershelfer?

t/z

Montelli hob plötzlich den Kopf.

Hoheit, gestatten Sie mir eine Unterredung unter vier Ungen... ich gestehe zu, daß es unüberlegt war, aber da ich Grund hatte, anzunehmen, daß meine Frau bald in den Besitz reichlicher Mittel kommt"

Ich muß bitten, Ihre Gemahlm habet ganz aus dem Spiele zu lassen"

Und doch" Montellis Stimme sank zum Fluster- ionwerden Hoheit um ihretwillen die Sache nicht auf die Spitze treiben. Ich werde den Schaden gut machen, meine Fran wird Eurer Hoheit selbst" .

Von der Tür her erklang ein dumpfer Schrei. Die beiden Männer fuhren erschrocken zusammen. Herr Rosen- lal am Schreibtisch hob neugierig den Kopf und spähte in das Dunkel. Er konnte nur eine schlanke weibliche Ge­stalt sehen. , , , I

Dann stand der Prinz mit zwei Schritten neben Meta, di« ihn mit irrem Blick wie einen Fremden anstarrte.

Auch Montelli war an Melas Seite geeilt. Sie klam­merte sich taumelnd noch immer an die Falten der Por­tiere, es sah ans, als würde sie im nächsten Augenblick zusammenbrechen.

Montelli wollte sie stützen, aber sie wich vor ihm zurück und in ihre auf den Prinzen gerichteten Augen trat ein leidenschaftliches Flehen. ,

Ganz deutlich verstand er, was ihre Seele schrie: Habe doch Barmherzigkeit! Sage mir, ob ich recht gehört habe?

In Joachim von Reinspergs Blick tarn eine seltsame Weichheit. Alles, was er an Siebe, Hochachtung und Mit­leid für diese Frail empfand, spiegelte sich darin.

Sanft ergriff er ihre Hand und wollte sie tiefer in das Zimmer hineinführen. Aber Montelli, der das stumme Mienenspiel der beiden sah, trat, von wilder Eifersucht erfaßt, dazwischen. t r.

Er wußte, daß das, was sie jetzt erfahren wurde, sie für ewig von ihm trennen würde.

Meta/ keuchte er heiser,komm du hast hier iiichts zu suchen!"

Sie sah seine funkelnden Augen drohend unt> beschwö­rend auf sich gerichtet und wich zum zweiten Male vor ihm zurück.

Der Prinz warf ihm einen verächtlichen Blick zu. _En­den wir die peinliche Szene!" sagte er kalt.Entfernen Ne sich!"

Und so jeden Widerstand ausschließend war der Ton seiner Stimme, daß Montelli, ohne eine Silbe zu er­widern, mit unsicheren Schritten das Gemach verließ.

Er fühlte, daß das Verhängnis über ihn hereinbrach Und wagte nicht mehr, sich Dagegen aufzulehuen.

Reinsperg warf Rosental einen nicht mißzuverstehenden Blick zu, worauf dieser Montelli eilig folgte.

Der Prinz schloß die Tür ab und führte Meta zu der Chaiselongue, welche neben dem Kamin stand. Dann zün­dete er schweigend die Hängelampe an, denn es war in­zwischen völlig dunkel in dem Gemach geworden.

Meta hatte mit übermenschlicher Gewalt die Schwäche, welche sie zu übermannen drohte, niedergekämpft. Unter der ruhigen Fürsorge des Prinzen, dessen Gesicht nun einen tiefernsten Ausdruck trug, fühlte sie sich einigermaßen geborgen.

Als er sich nun ihr gegenüber auf einen Stuhl nieder­ließ, hob sie bittend die Hände.

Die Wahrh!eit, Hoheit sagen Sie mir die ganze Wahrheit!"

Er blickte sie mitleidig an.

Sie haben sie bereits gehört, gnädige Fran. Er hat meinen Namen gefälscht, um leichter Geld zu bekommen. Es war ihm nicht genug, daß ich ihn schon einmal schonte . . £ Ihretwillen! Obwohl ich sonst keine Nachsicht habe mit text, die ihr Ehrenwort brechen."

Meta hob erschrocken den Kopf.

Schon einmal... schonte?"

Sie wußten nichts davon, gnädige Frau natürlich! Fch aber erhielt schon damals beim Wiener Derby die um- ttv-eifelhaflen Beweise, daß er trotz seines mir gegebenen ChrenwPtes hohe Summen aufAram" gesetzt hatte. Wann ich mir selbst hätte getreu bleiben wollen, hätte ich itzn sofort entlassen müssen. Ich tat es nicht. Ich redete