Ausgabe 
13.2.1913
 
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Domerztag, den (3. Kedruar

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Von Frühling ;u Frühling.

Roman von Erich Ebenstein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

. Sein Mick war so gläsern vor Schreck und die Hände, tnrt welchen er sich auf das Fensterbrett stützte, zitterten so sehr, daß Meta, von unbestimmter Angst erfaßt, an seine Seite trat.

Prinz Reinsperg!" rief sie verwundert.Und noch ern Herr . . . was will..." -

Montelli stieß sie mit einer brutalen Bewegung vom Fenster zurück. ' ,

.Schweige!" stieß er rauh heraus.Er darf nicht wissen, daß du hier bist. Du gehst keinen Schritt aus diesem Zimmer, so lange er in Dopolanyi ist! Hast du verstanden?" Noch nie hatte er in diesem Ton zu Meta gesprochen. Er strich sich mit bebenden Fingern das Haar aus der schweißfeuchten Stirn. Sein Blick war der eines gejagten Raubtieres, das keinen Ausweg mehr sieht.

Ohne zu begreifen warum, fing Meta zu zittern an.

Was hast du? Was ist dir denn? Warum soll der Prinz nicht wissen, daß ich hier bin?"

Weil . . ." Montelli begann hastig im Zimmer herum- zugehen,weil ich nicht will, daß er dir wieder von Liebe spricht. Weil ich nicht dulde, daß er dir Dinge in den 'Kopf setzt... die. . ." er blieb vor Meta stehen und blitzte sie drohend an, kurz weil ich nicht will, daß er dich sieht, und das muß dir genügen!"

Es genügt mir aber durchaus nicht!" wollte Meta sagen, von immer bestimmter werdendem Mißtrauen er­faßt. Da öffnete sich die Tür und ein Diener sagte in respektvollem Ton:

Seine Hoheit sind socken angekommen und lassen den Herrn Stallmeister bitten . . ."

Es ist gut... ich komme sofort." Er wandte sich an Meta.Du wirst so freundlich sein, mich, hier zu erwarten."

Seine Lippen waren bläulich und die Augen lagen tief in den Höhlen wie bei einem Schwerkranken. So verließ er das Zimmer.

Meta antwortete nicht. Sie setzte sich auf die Chaise­longue; denn die Beine waren ihr plötzlich sonderbar schwach geworden. Sie hatte das deutliche Gefühl, als ob etwas Schreckliches über ihrem Haupte schwebe.

Dann stand sie wieder auf und schritt halb bewußtlos langsam die Zimmerreihe durch, welche ihre Wohnung bil­dete. Es war etwas Traumhaftes in ihrem Tun und doch Vtwas Sicheres. Die Augen starr auf ein unsicheres Ziel geheftet, ging sie vorwärts gleich einer Nachtwandlerin.

Ucker all dem dunklen, verworrenen Wust von Ge­fühlen stand klar ein einziger Gedanke:Ich muß, wissen.

weshalb ihn die Anwesenheit des Prinzen in solchen Schrecken versetzt!"

Jetzt stand sie in dem kleinen Musiksalon, der ihre Wohnung von der des Prinzen trennte. Mechanisch legte sie die Hand auf den Drücker der Tür. Er gab nicht nach'.

Richtig die Tür war ja immer verschlossen. Die Doppeltür versperrt von hüben und drüben kein Laut drang durch ihr eichenes Gefüge.

Meta wandte sich nach dem Korridor. Dort würde sie wohl hinein können. Es fiel ihr gar nicht ein zu horchen. Ganz gerade und ehrlich wollte sie eintreten nnb den Prinzen fragen: Was wollen Sie von meinem Mann?

Der Prinz würde nicht lügen, von ihm würde sie endlich die Wahrheit hören.

Nun stand sie wirklich an der Tür zu des Prinzen Ar­beitsgemach. Kein Laut auch hier. Waren sie denn nicht drinnen? Warum schwiegen sie? Oder flüsterten sie nur?

Sie drückte die Tür auf.

Das Zimmer war nur mäßig hell. Der Tag draußen arng schon zur Neige. Ein olivgrüner Teppich bedeckte den ganzen Fußboden. Bücherschränke standen an den Wänden, links am Fenster ein großer Schreibtisch mit mattsilberuer Garnitur. Auf 'einem Stuhl daneben saß der fremde Mann, welcher mit dem 'Prinzen gekommen war.

Er sah ziemlich vulgär aus. Sein scharfes Profil mit' dem gekrausten Haar darüber hob sich scharf von uem lichten Hintergrund des Fensters ab. Es glich dem eines. Wolfes.

An der Kante des Tisches, der die Mitte des Zimmers einnahm, lehnte der Prinz und vor ihm stand Montelli, Seine Haltung war schlapp und unsicher.

Meta sah alles wie im Traum. Jetzt hörte sie Worte. Der Prinz sprach Montelli antwortete leisei zögernd sie wollte weitergehen, aber das Blut stockte ihr plötzlich in den Adern und Funken begannen vor ihren Augen zu tanzen. Instinktiv klammerte sie sich an dis Falten der Portiere. Niemand bemerkte sie; denn die beiden Männer dort in der Mitte des Zimmers waren ganz mit sich allein beschäftigt.

Wollen Sie mir nun erklären, Herr von Montelli, wieso mein Name als Gutsteher auf diesen Schuldschein kommt?" sagte der Prinz.Herr Rosental behauptet, daß Sie ihm den Schein ausgestellt haben lind der andere Gntsteher ein Herr Wilamowitz die Echtheit meiner Unterschrift garantiert hat. Wer ist dieser Wilamowitz?^.

Montelli schwieg.

So antworten Sie doch!"

Er ist ein... . Freund vor: mir.77

Wo ist er? Herr Rosental sagt, er fei unauffindbar. Das machte ihn stutzig 'so wandte er sich an mich, bfl dis Zinsen ausblieben. Was haben Sie darauf zu sagen?^

. . Nichts."