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in Metas Augen
Aber zu meinem ein paar Schritte
Meta folgte v erber Ueberraschuug
meiner schönen Frau?"
Meta wandte sich halb um.
„O — warum etwas so Kostbares?" fragte sie fast erschrocken — „jetzt, wo wir dock) auf Jahre hinaus nicht ent Geselligkeit denken können?"
Er schüttelte verwundert den Kopf.
„Auf Jahre? Aber Herzchen, was fällt dir ein? Wenn das Kind da ist, nehmen wir eine gute Amine und- dann will ich doch wieder glänzen mit dir!"
Konrad Petermann, der Schatten aussteigen sah, trat dazwischen.
„Nun komme erst ich, liebe Meta. Geburtstagsgeschenk mußt du schon Kinausgehen."
Er schritt voran auf den Korridor, wündert. Dann stieß sie einen Schrei
aus.
„O Papa — das — das ist -entzückend!"
Der alte Petermann hatte die Tür eines Gemaches geöffnet, das an Metas Schlafzimmer stieß, aber mit diesem in keiner Verbindung stand.
Es war bisher unbenutzt leer gestanden. Nun war es zu einer entzückenden Kinderstube umgewandelt. -Alles schneeweiß, sauber und duftig.
Die Frühlingssonne warf goldene Lichter auf die Weiße Pracht. Die Fenster standen offen, eine nodj kühle, aber von treibenden Kräften mit würzigem Hauch erfüllte Luft strich herein.
Petermann wies an die Wand, welche an Metas Schlafzimmer stieß.
„Dort lassen wir eine -Tür durchbrechen, natürlich; ich wollte es nur nicht früher tun, um die Neberraschung nicht zu stören."
Meta war wirklich gerührt.
„Wie gut du bist, Papa — wie gut — alle, alle —"
Dis letzten Monate lebte Meta ganz zurückgezogen.
als „Philistertum" galt. Aber die Worte seines Vaters waren doch nicht ohne Eindruck auf ihn geblieben.
Und unter seinen Worten ließ die furchtbare Spannung in Metas Nerven jäh nach. Hilflos, gebrochen, verzweifelt klammerte sie sich an seine Brust und weinte herzzer- Lrechend. y
Alles, was dieser Tag an Schrecklichem und Erhabenem Mer sie gebracht hatte, löste- sich- auf in diesem erlösenden Tränenstrom. , _ , ,
Nun folgten stille Monate. Monate der Trauer und her immer deutlicher in Metas Bewußtsein tretenden Hoffnung.
Elfriede und Otto, ihre Stiefgeschwister, waren zu Liner Schwester ihrer Mutter nach Wien übergesiedelt. Diese Tante Emma — Meta hatte sie kaum dreimal rm Leben -gesehen — war die kinderlose Gattin Zeines Hofrats und wollte die verwaisten Kinder der Schwester nun adop- fiercit.
Die kleine Villa, in welcher Lenzendorfs gewohnt hatten, war anderweitig vermietet, der Hausstand gänzlich auf-gelöst. Zwei Gräber waren alles, was Meta von ihrer -einstigen Heimat geblieben war.
Die alten Petermanns taten alles, was sie il)t an den -Augen absehen konnten. Auch Niki war größtenteils rücksichtsvoll und bemühte sich-. Meta keinen Grund zur Klage zu -geben. ,
Er wohnte nun lvieder oben int ersten Stock und trank weniger als früher, so- daß sein Gesundheitszitstand ein besserer wurde.
In der -ersten Hälfte des April wurde das Kind er- wartet. Frau Bettina hatte es sich nicht nehmen lassen, die kleine Ausstattung vom -ersten bis zu in letzten Stück selbst zu besorgen.
Am dreizehnten Februar, Metas Geburtstag, ivurde dis junge Frau damit überrascht.
Als sie an diesem Morgen in ihrem Boudoir saß, umgeben von einer Fülle duftender Blumen, und die feinen, winzigen Wäschestücke- der Reihe nach in die Hand nahm, klopfte ihr Herz zum erstenmal wieder freudig, 1111b dankbar streckte sie ihrer Schwiegermutter beide Hände hin.
„Ich danke dir, Mama... nicht bloß für das, was du mir heute geschenkt hast, sondern für alles... du machst mir Herminenruhe wirklich zur Heimat... du und Papa."
„Oho und ich?" Niki stand hinter ihr und legte ein herrliches Kollier aus Diamanten uni Metas weißen Hals. „Bin ich nicht auch brav? Verdiene ich keinen Kuß von
Nicht einmal Herta und Isa besuchte sie, obwohl die beiden jungen Frauen, welche ebenfalls Kinder erwarteten, sie dringend darum baten.
Aber es war -etwas in diesen jungen Menschen, das Meta jedesmal traurig machte. Besonders bei Isa.
So oft sie von ihr nach Hause kam, hatte sie ein seltsam leeres Gefühl. Und nun wollte sie ja keine peinlichen Gefühle. Nur frohe — nur frohe...
Prinz Reinsperg mit seinem -Adjutanten speiste einmal bei den alten Petermanns im intimen Zirkel. Dazu mußte auch Meta -erscheinen. Er war iminer noch voll Galanterie gegen sie, aber es war doch etwas Gezwungenes in seinen Huldigungen.
Desto wärmer war Herr von Münster. Sein Ton Meta gegenüber, der immer warm und herzlich gewesen war, wie der eines Bruders, war nun noch wärmer.
Etwas Zartes, Ritterliches, Weihevolles war hinzu- gekomm-en, das ihr unbeschreiblich- woh-l tat.
Auch Montelli war -geladen gewesen, hatte aber im letzten Moment abgesagt.
Prinz Joachim machte ein sehr eisiges Gesicht, als die Rede auf ihn kam. Später erzählte Niki Meta, daß Montelli im Klub hasardiert und ein Vermögen verloren habe. Auch Ehrenschulden waren dabei, die er nicht hätte bezahlen können, wenn er, Niki, ihm nicht aus Freundschaft beigesprungen wäre.
Der Prinz hatte Wind von der Sache bekommen, und da I er ein Feind des Spieles war und es seinen Offizieren I streng verboten hatte, habe er kurzen Prozeß mit Mon- I teilt gemacht und ihn in ein elendes galizisches Nest versetzen' lassen.
Meta empfand eine gewisse Erleichterung bei dem Gedanken, Montelli so weit -entfernt zu wissen. Seine uuver- hüllten Huldigungen waren ihr immer peinlich gewesen. I llnd so nahte langsam die Stunde, in der sie Mutter werden sollte. Es war ein wilder, stürmischer Apriltag mit Schneegestöber, wo der Winter noch einmal alle Kraft zusammengenommen zu haben schien, um den siegreich vordringenden.Frühling zu verdrängen, als Professor Burger dem alten Petermann in seinem Kontor die feierliche Nachricht brachte, daß drüben bei den Jungen ein Sohn zur Welt gekommen sei.
Vier Wochen später gab es bei Petermanns ein großartiges Tausfest.
Der Alte selbst hob seinen Enkel aus der Taufe und dieser erhielt ihm zu Ehren den Namen Konrad.
(Sortierung folgt.)
Abenteuer des Brigadier Gerard.
Von C. Doyle.
(Fortsetzung.) ♦
Wie der Brigadier vom Teufel versucht wurde.
Der Frühling ist ins Land- gezogen, liebe Freunde. Schon haben sich die Kastanien mit Kerzen geschmückt, und die Cass- tische sind hinaus in beit warmen Sonnenschein gerückt worden. Ja, c3 mag sehr angenehm sein, dort zu sitzen, und doch mochte ich meine Erzählung nicht gern der ganzen Stadt preisgeben, j Bisher sind sie mir .auf meinen Wanderungen als Leutnant, als Offizier einer Schwadron, als Oberst, als Brigadechef gefolgt, nun aber tritt in meiner Person die Weltgeschichte selbst vor Sie hin.
Wenn Sie von den letzten.Jahren des Kaisers gelesen haben, von jener Zeit, die er auf Sankt Helena verbrachte, da werden Sie sich erinnern, daß er immer und immer flehentlich um die Erlaubnis bat, einen einzigen Brief absenden zu dürfen, ohne daß er von seinen Hütern geöffnet würde. Sein Wunsch blieb unerfüllt, ja selbst bann, als er sich bereit erklärte, bagegen für seinen eigenen Unterhalt sorgen zu wollen, um so bie britisch^ Regierung der Ausgabe für ihn zu entheben. Die Wächter kannten IeBe'n den korpulenten, bleichen Herrn im Strohhut nur zu gut, um auf seine Vorschläge einzugehen. Mau hat sich oft den Kops zerbrochen über bie Person, ber er so wichtige Geheimnisse mitzuteilen haben konnte; war es seine Gattin, sein Schwiegervater, ber Kaiser Alexander, ber Marschall Sonlt? Wie aber nun, wenn Sie hören, baß i ch es war, ja, i ch, der Brigadier Etienne Gerard, an den der Kaiser zu schreiben wünschte! Meine Stellung int Leben ist heutzutage allerdings nur eine ganz bescheidene; wie könnte es auch> bei den 100 Franks monatlicher Pension, die mich eben nur vor dem- Hunger schützen, anders sein? Aber trotzdem kann ich mich rühmen, bafj mein Kaiser mich biss zu seinem letzten Atemzuge nicht vergessen hat, daß et seine linke Hand geopfert Haben würde, hätte er mich nur fünf Minuten für


