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sie und küßte sie. „Gisela, zwei Jungen kehren mir zurück. Ändern hat der Krieg genommen, wir Wt er gegeben!" Wie zog das Mädchen zu sich empöp und' Wtzte es aus Stirn und Mund und sagte: „9htn habe ich drei Kinder,
Os Gefährt. Zwei Frauen Und ein junger Mann darin- t ünd still. Äe Hoffart fährt davon! Was liehen ie alles hier in diesem stillen Hinkel?! Was wurde ihnen alles «eraubt? ! Vas gxo«v, haF MiLe J<M ; vieles Lat
war den sie schon geliebt hatte, als sie noch ein Kind war . Und das Mädchen nickte dazu und sagte nur: „Meine Und'er im Schlosse bei ihr saß und sie lehrte, den sie liebte I Mutter!" — . , ,. <
mit einer Liebe, die sie verschließen mußte, streng der- Christnacht. Sterne mit Himmel, klar und leuchtend, bcraen um sie nicht auflodern zu lassen; denn sie war | schneidende, knisternde Kälte über allen Landen, und im die Herrentochter vom alten Adel und eine der reichsten I Schulhäuschen Tannenduft in Flur und Zimmer. Zwar Erbinnen des Landes gewesen, — er aber der Schullehrer I Menschen harren andrer. Endlich erklingt das Knattern und im Heidedorfe. Und was war er nun? Noch immer Heide- Knirschen von Wagenrädern, die auf dem spröden, körnigen ianlÜehrer Aber er war ein Held, ein Kämpfer mit Wun- Schnee singen, ein Lied vom Kontmen und Gehen, em Lied L und Ruhm bedeckt, und sie eine Waise, der Aerinsten von Wiederkehr. Wiederkehr! Köstlichstes aller Worte für eine die nichts besaß-, die ihm nur ihr Herz bringen I liebende Seelen, die in Bangen harrten.
konnte und ihre große, selige Liebe, — und diese wollte 'Nun sind sie da. Die Mutter steht am Wagenschlag sie ihm auf beiden Händen entgegentragen. Was waren I unb umfängt den ersten, der da aussteigt. Es ist Erwin,
das für Wochen und Monate gewesen, die hinter ihr lagen?! I ihr Acltester, der sie mit den Armen hält, ihr verlorener
Doch nun war ja alles gut, — denn er lebt ja, er lebt und I unb wiedergefundener Sohn. Bon heißen Zähren wird alles
schreibt ihr. Und nun hastete sie die Treppe empor nach ausgelöscht, was trennend zwischen ihnen gestanden hat.
ihrem Zimmer. I Nun steigt müde und zögernd der andere aus. Rasch tritt
Ihr junger Körper bog sich wie eine schlanke Gerte, I er in den Schatten des Hauses, als blende ihn das Licht
als sie zwei, drei Stufen sprang. Alle Zagheit der letzten I ber Wagenleuchten. Aber die Mutter zieht ihn an sich und
Wochen war von ihr gegangen, zerflossen in nichts. Und I führt ihn, nachdem sie ihn umschlungen hat, ins Haus,
nun las fie: I und an ihrem andern Arme hängt der Große, der Blonde.
Meine hiebe, verehrte Baroneß Gisela! Da steht eine im dunkeln Flur, hält sich die Hand auf
Es ging einer fort, für seinen König zu kämpfen. I bog klopfende Herz, das schier zerspringen will. Nun springt
Und als es an das Abschiebnehmen ging, ach die Slutter I -^gr und reißt sie auf, iind eine Lichtflut, vom ihm segnend sein Haupt küßte, da suchten seine Blicke Christbaum ausgestrahlt, macht sich breit. Und sie reißt nach einem Wesen, das ferner Seele schon langst ver- I Mutter den Sohn weg und zieht ihn ins Licht und schaut Hunden war. Aber das liebe Wesen, die Getraute seiner I .f ^gesicht und sieht nichts weiter als seine lieben, Seele, kam nicht. Da ging er mit finsterm Herzen durch t^uen ^luqen und sie küßt ihn und will reden und kann den Flur seines Hauses, der Fahne entgegen. Und tote 1 bflnn bod) „id)t unb m jauchzt sie nur auf und ruft ein Schatten kam es über ihn, aber nicht tote ein sm- 1 enbIicf ..T>a§ Eck! Das Glück!"
sterer, sondern wie ein lichter Schatten, und zwei Arme, I t hie btinae ^rane. Warum ist der Frei-
wohlig weich, umschlangen ihn, und zwei Lippen, glühend I warum bei* Biarrer nicht da — Ist Weruer noch heiß, küßten seinen Mund. Dieser Kuß >var sein Talisman. oa. . j.
sein Segen für alle Wirrnisse des Krieges, und behütete I Nicht zuruck vom Felbzag t , frftmrrttiffie
ihn in schwerer Schlacht, daß er, obwohl mit Wunden „ Ein dumpfes, banges Schweigen — stille, schmerzliche übersät, immer und immer wieder genas. Nun rüstet Tränen smd die Antwort. .. . . . srfiriHe
er sich zur Heimkehr. Werden ihü in seinem Hause dieselben I Und wieder klingt die Hausturglocke,.
weichen Arme umfangen, dieselben heißen Lippen küssen?! I kommen durch oen Stimme, geschmeidig Hof ich.
Nein, es wird nicht sein, denn der Krieg hat dem Jung- ! fragt: ,,^st hier Baroneß Gisela von Altenlohe zu finden,
lingi für ewige Zeiten einen Stempel aufgedrückt, er hat I Gisela tritt vor. „Ich bin Gisela von Altenlohe —l
einen abstoßend Häßlichen aus ihm gemacht, hat ihn j jetzt bin ich es noch, aber über, Woche und Tag bin ich
entstellt und verkrüppelt. I Frau Schulmeister Wintzer!" Mit einem großen, stolzen
Kennen Sie den Jüngling, Gisela? Kennen Sie das I Glück sagte sie diese Worte.
Wesen, das den Jüngling küßte? Der Frager stellte sich vor: „Advokat Dr. Wuitew
Um eins fleht nun der Jüngling, wenn er heim- I Gisela zuckte zusammen, eie weiß, daß er ,Der Rechts-
kehrt: Lassen Sie ihn nicht fühlen, wenn Abschen vor I beistand der harten Frau droben tm Schloß ist. „Ditte, seinem entstellten Gesicht sich regt, lassen Sie ihn Ihren I sagte sie kurz und knapp höflich.
Schreck nicht merken, Gisela, wenn Sie ihm das erste I „Ich bin beauftragt, Ihnen mttzuteilen, daß^Frau Mal Begegnen. Gisela, ich war zu verwegen, ich richtete I von Bourgee auf ihre Rechte, die sie bisher aus Schtoß mein Auge zu einem Stern, und nun schlug mich das I und Gut Heidehorst geltend gemacht hat, verzichtet. Der Schicksal, das neidische, nieder. Lassen Sie nur noch ein- I Erbe, Emil von Bourgee, ist durch die -Strapazen des Feld- mal mich Ihre Hand küssen, Gisela, nur noch ein ein- I zugs und durch Verwundungen schwer liuigenletdend ge- ziges Mal. Ich will kommen in finsterer Nacht, daß- Sie I worden und kann ohnehin in dieser rauhen Gegend nicht mich nicht sehen sollen. Dann will ich still von dannen I leben, und Toinette von Bourgee ist vor Heimweh geinnts- igehen mit meiner Mutter, um nicht Ihren Weg zu I krank und muß auch Heidehorst,verlassen. Nach heute nacht, kreuzen, will mich in einem Winkel der Welt verkriechen I wenn der Reisewagen rechtzeitig eintrtfft, verlassen die und geduldig harren, bis mich der ergreift, der mich I Herrschaften das Schloß und allen Besch. Der notarielle im Kriege übersah. | Bescheid wird ihnen noch ztigehen, da Sie jrt die einzige
Nun noch einen Gruß für all die Lieben, die ich I gebliebene Altenlohe .... .
daheim ließ, oder im Felde zuletzt sah: Ihren lieben I „Die einzige Altenlohe?" fragte Paul Wintzer bestürzt. Vater, den Pfarrer und Ihren lieben, guten Bruder I „Und Linthardt, der Erbjunker?" .
Werner, von dem ich nie wieder etwas gehört habe. I „Er starb den Heldentod," hauchte Gisela und sah zu
Ihr Paul Wintzer. Boden, aber dann reckte sie sich auf und stand vor dem
Gisela saß im Stuhl am Fenster und hatte das Haupt I Notar, stolz und steil. Keine Fiber in ihrem Gesicht verriet, geneigt und hielt den Brief mit beiden Händen im Schoße j was in ihrer Seele vorging. Dann sagte sie bestimmt, und weinte. Sie weinte nicht um ihr Glück, denn das I „Sparen Sie sich jede Mühe, Herr Advokat — es rst leit) konnte ihr nichts in der Welt rauben, da er lebte, aber sie I um jeden Federstrich. Ich bin auf immer dvn schloß Heioe- weinte um ihn. Wie mußten die Qualen des Feldzuges I horst getrennt und will es auch sein, denn nichts zteyt imlls seine große, edle Seele niedergebrochen haben, daß er solche I dorthin, wo ich das Bitterste meines Lebens erfahren ha . Worte an sie schreiben konnte, die ihre Liebe so kläglich I Ich kenne nur ein Glück: Die Frau jenes Mannes % klein wähnten, daß sie seiner entbehren könne und wolle I werden und an seiner Seite Heideschulmeisterin, sagen si um seines entstellten Leibes willen. Er solle nur kommen, I das Ihrer Herrschaft, und sugen Sie meinen Gruß bei. s sie liebte fein Herz und feine Seele, und die konnte keine | Toinette von Bourgee. Das Schloß aber soll eme s Waffe des Feindes entstellen. I werden für invalide Veteranen. Veranlassen sie das, wenn
Die Mutter trat in ihr Gemach. I Sie wollen!"
Ein großes, großes Glück strahle aus ihren Antlitz. I Dann wandte fte sich ab. Und Paul Wintzer umschl gi
Es war, als stille sich das Zimmerchen mit leuchtender I sie und sagte: „Nun bist du erst nmtt. ..,
Helle — und Mutter Wintzer ging zu Gisela und umarmte I Mitternacht un Heidedors — Wnhnachtsnnttern ch .
sie und küßte sie. „Gisela, zwei Jungen kehren mir zurück. I Durch den Park des Schlosses ziehen keuchende Pferd ..


