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War ja jo nutzlos; sie fand ja
Nach dem Hochgefühl der letzten Stunden packte sie Bin solches Gefühl trostloser Enttäuschung, daß! ihr un<= Willmrlich große Tränen in die Augen traten.
.„Geh, geh. Jetzt weint'U gar. Ja, was hast denn?" tzMMk Bernhobler mit gutmütiger Besorgnis. ..Das kommt
von so einem dummen Trauerspiel. Schau, morgen ist eine Einladung bei meiner Mutter, da ziehst dich schön an, Hildegard, da trinken wir einen guten Wein und sind lustig."
„Gute Nacht," sagte Hildegard, sich zu, einem lächelnden Gesicht zwingend. „Schlaft gut." ’
Sie druckte ihre Lippen auf die runden roten Wangen der Eltern nnb eilte in ihr Zimmer, um sich auszu^ weinen.
Wolf Bernhobler sah! ungewöhnlich nachdenklich auch als er sich zum abendlicher: Rückzug, anschickte, bas Zi- garrerrkästcher: einschloß, die Uhr anf^og.
,„Jch weiß! nicht, Mali, ob wir's der Hildegard rricht doch sagen sollten, wieviel sie uns zu verdanken hat! Jetzt wird sie bald einundzwanzig Jahr alt. Ich meine, es wär' gescheiter, sie wüßt' es, daß . . ."
©eine Frau schaute ihn erschrocken ait.
„Mein, Adolf, nein," rief sie mit ungewöhnlicher Leb- Ha ftt gleit. „Erst an ihrem Hochzeitstag. So war's immer ansg'macht. Ich leid's nicht eher. Wer toei^ wie sie's aufnehmen tat. Man keimt sich oft gar nicht aus mit ihr. Nein ,das darfst du uns nicht antun."
Mali trat noch einmal in das Zimmer des jungen Mädchens.
Es war sehr behaglich eingerichtet; hellblaue Tapete, hellblaue Möbel; hier gab es auch Bücher, moderne Zeichnungen, mit Liebe und Geschmack gesammelter künstlerischer Schmuck an den Wänden, der in der übrigen Wohnung fehlte.
Hildegard hatte am Fenster gestanden und die heißen Augen an die Scheiben gedrückt, um die Sterne zu sehen, die' über dem weißbereiften Garten blitzten.
Und nun in der Einsamkeit mußte sie auch wieder an das Gesicht denken, das sich ihr in der seelischen Erinnerung dieses Abends merkwürdig eingeprägt hatte.
Mitten im Stück war sie ein paar Männerangcu begegnet, die sich mit einem so lieben, fragenden, warmen Mick auf sie gerichtet hatten. Sie sah den dunklen Kopf, die ernsten jus gen Züge ganz deutlich vor sich.
Der Fremde stand nicht weit von ihrem Logenplatz entfernt im Stehparkett und schaute mit einem so gütigen, heissen Interesse zu ihr herauf, als wollte er sagen: Wer bist du? Was denkst du, was empfindest du?
Nie hatte sie beredtere, ausdrucksvollere Augen, nie ein fremdes Antlitz gesehen, das ihr so tiefe Sympathie erweckte. c, .
, Oftmals noch im Laufe des Stückes bemerkte he diesen forschenden Blick, in dem doch keinerlei kecke Zudringlichkeit lag, nur eine wohlwollende, liebe Anteilnahme, die sie tote eine Liebkosung umschmeichelte.
Belm Herausgehen sah sie ihn noch einmal, ein schlanker, großer junger Mann war's. In seinem losen, braunen Havelock machte er den Eindruck, als gehöre er nicht zu ben Bemittelten. ' Aber seine Haltung, fein Kopf hatte etwas! Feines, Vornehmes. Unter all dem gleichgültig schwatzenden Publikum schien er begeistert ergriffen.
Auf dem Heimwege hatte sie immerfort mit einer srchtj- bigen Erinnerung an ihn denken müssen.
(Fortsetzung folgt.)
Einiges über GmbeMjch.
Von F ritz Saue r.
Tie Schifsenberger Mönche haben auf die ganze Umgehend einen ungeheueren Einfluß ausgeübt. Auch Garbenteich stand unter ihrem Einflüsse, ist vielleicht sogar i(in des Schiffenberges- willen gegründet worden. Denn es hat den Sstischeiu, als ob die! ersten Einwohner von Watzenborn und Garbenteich, sowie die der jetzt verschwundenen Orte Erlebach, Frohnebach und ChottcheN (Oberfteinberg), die kleiner und dunkler sind als die Hüttenberger- von den Gleibergern — die ja auch das Kloster Schiffenberg gestiftet haben — aus der Fremde ins Land gebracht worden seien, uw den Wiesecker Wald urbar zu machen. Dazu kommt, daß üt der ersten Zeit eine Haupteinnahme der Mönche nach der Stif- tungsurkunde der Rodzchnte sein müßte, d. h. die .Abgabe, die! die Ansiedler im Wiesecker Wald von dem urbar gemachten 83oben an das Kloster zahlen mußten Je mehr Ansiedler kamen, desto mehr Rodzehnten nahm das Kloster ein. Da wäre eine Zwangsansiedelung Fremder schon ganz gut denkbar, zumal auch das zunächst gelegene Gebiet, der Hüttcuberg, eilten genügenden Meu- schenüb er schuß wohl nicht gehabt haben wird. — So sind NmH Jahr 1140 die oben genannten fünf Dörfer entstanden, von
'Wie kam sie dazu, ihre erregte Stimmung zu verraten? Ihre sehnsüchtigen Wünsche ausMsprechen? Sie schämte daß sie nicht aeschswjiegen hatte lute sonst. _ Es jv. ,v nutzlos; sie fand ja doch kein Verständnis, keinen Widerhall für ihre Begeisterung, für alle die glühenden Re- Mngen ihrer jungen Seele. Nein, die Eltern ahnten nicht, wie einsam sie sich oft erschien, wie gefangen in diesem satten, trägen Behagen, als fehlte ihr her Luftraum zum Atmen, als müßte sie ersticken unter einem unerträglichen Diruck.
Er gähnte dann Wer seiner Zeitung, sie gähnte über , ihrem Strickstrnmpf.
Man hörte das Ticken der Uhr. Manchmal rollte etn Wagen vorüber Und der Ostwind brauste in langen, dumpfen Stößen um das Hans.
.„Wenn die Hildegard nicht daheim ist, nachher ist's- schon recht langweilig bei uns)" brummte Adolf nm schläfrigen Augen.
. Ja ja, sie weiß immer was znm Reden. Einen guten Humor hat sie," meinte Mali ohne die geringste Gereiztheit mit behaglichem Phlegma.
Wie ein frischer Lufthauch, wie ein Strom heller Lebensfreude, schien es durch das Zimmer zu wehen, als dann end- i sich Hildegard eintrat, mit leuchtenden Augen und rostgen | Wangen. s
"Sie war schlank und beweglich. Neben dem verschlafenen, schwerfälligen Ehepaar wirkte das temperamentvolle, junge Geschöpf mit dem feinen pikanten Gesicht, und den | lebhaften dunklen Augen nur um so feuriger, frischer, farbenprächtiger.
„Grüß Gott, Mama, grüß Gott, Papa," rief sie lustig. | O, ich sag' Euch, hinreißend schön war das Stück. So fabelhaft interessant. Und das Heimgehen unter dem Sternenhimmel, in dem herrlichen Sturm ist auch noch wundervoll gewesen. Ich hält' gleich noch eine Weile spazieren laufen mögen."
,„Was, bei dem kalten Wind? Jetzt, so eine Idee!"
„Mir war nicht kalt. Nach dem Theater bin ich immer wie innerlich dnrchglüht. Wie ein anderer Mensch komme ich mir vor. Alle die schönen Worte klingen mir noch im Ohre nach. Man denkt soviel rascher, größer, begeisterter."
z,,Jch muß sagen, ich denk' nachdem Theater immer nur: bin ich froh, wenn ich was zum Essen und zum Trinken hab'," lachte Bernhobler. „Ich krieg' nur immer schrecklich Hunger und Durst. „Geh', laß dir's schmecken, Hildegard. Es ist Zeit, daß man ins Bett kommt."
Das junge Mädchen nippte zerstreut an denk Glas, das vor ihr stand, sie aß auch einige Bissen, aber sie war wie berauscht; die Nüchternheit, die sie empfing, verstimmte sie.
„Wenn man nur nicht solche Sehnsucht bekäme nach dem Theater!" sagte sie, unwillkürlich ihre Gedanken verratend. „Ich weiß kaum noch ivas. So einen heißen Wunsch fort in die Ferne, so ein Verlangen, etwas Großes zu leisten; herauszukommen aus dem ewigen Alltag, aus dem kleinen Einerlei! Die Welt ist so groß, so reich, so wunderbar. Hub ich sehe nichts, ich tue nichts, ich weiß so wenig. Lernen möchte ich wenigstens, viel lernen, Papa."
.„No, ho. Du bist doch volle sechs Jahr jur Institut g'weseu. Jetzt wirst'Wohl g'nug gelernt haben."
„Geh, was lernt man denn int Institut und jetzt hätte ich viel Mehr Lust und Verständnis. Wenn ich ein BÜb wäre, dürst' ich jetzt auf die Universität. Es ist schrecklich, daß ich nicht ein SBü'fr geworden bin."
„Jetzt weißt, wenn du aus dem Theater so überspannt heim kommst, nachher laß ich dich gar nimmer 'neingehen," brummte sogar die gute Mali ungehalten und ärgerlich.
„Ja ja, die Mama hat ganz! recht. Schau, 'daß du gut kochen kannst, näh' an deiner Aussteuer. Wenn du ein Blaustrumpf wirst, nachher kriegst keinen Mann."
Ein rasches Not stieg ihr in die Wangen. Verlegen, mit einem 'traurigen Mick, irrten die dunklen Augen über die stumpfen, trügen, schläfrigen Gesichter der Eltern hin.


