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sie selber und der Arzt konstatiert Lungenentzündung, Herzleiden und Wassersucht. Nach acht Tagen aber steht sie schon 'aus, da­mit der Manu auf Arbeit kann. Die Not wird immer großer, die Lage verzweifelter. Holek sucht Vergessenheit im Trunk; die Frau macht ihrn zwar keine Vorwürfe, nur das Jammern kann sie nicht unterdrücken und schließlich muß wieder das arme Weib büßen für die traurigen Verhältnisse: sie wird von ihm geichlagen. Endlich findet der Mann Arbeit als Ziegelfetzer, und langsam kommt die Familie wieder empor. So geht es aus und nieder; oft scheint das Lebensschifflein dieser Menschen verschlungen zu werden von den Wogen des Unglücks und der äußersten Not. Doch immer wieder taucht es aus und erobert sich.für kurze Zeit ruhige Fahrt, bis ein neuer Schicksalssturm es wieder dem Unter­gang nahebringt. Die Frau aber bleibt nicht zurück in diesen sorgenvollen Zeiten. Sie teilt redlich Kampf und Arbeit des Mannes. Sie schleppt aus ihrem, Rücken den ganzen .Kohlen­vorrar für den Winter nach Hause. Obwohl sie den Haushalt und die Bedürfnisse von acht Personen zu versorgen hat, lernt sic das Ziegelmachen und bringt schließlich zehn- bis zwölfhundert Stück täglich zustande. An den Abenden, wo der Mann ruhen kann, muß sie noch die Wäsche für die ganze Familie waschen. Eine neue Heimsuchung kommt über die Armen: Holek erleidet einen Unfall und wieder ist die Frau die alleinige Ernährerin der Familie.Sie wusch Wäsche, räumte Mistgruben aus, kurz, sie machte alles, was ihr jemand anbot und was ihr einen Verdienst versprach." Deutlich zeigte sich hier wie so oft in dieser Biographie, daß die Frau des Arbeiters ebenso als Ernährerin und E r h a l t e r i n der Familie in Be­tracht kommt wie der Mann. Diese Tatsache erscheint deshalb als besonders wichtig, weil häufig das Stirn m recht des Mannes begründet wird mit der Behauptung: er ernährt die Familie, also soll er sie auch vertreten! Abgesehen davon, daß dann auch die Söhne nicht zu wählen hätten, beweist dieses Lebensbild von Holek, das man als typisch für unsere Arbeiterklasse ansehen darf, daß die Frau zum mindesten die eine Hälfte dessen teiltet, was von einer Familie zum eigenen Fortkommen und zur Erhaltung des Staates gefordert werden kann. Wird der Mann für seine Arbeitshälfte mit dem Stimmrecht belohnt, warum get die Frau für die gleiche Leistung leer aus?

Verfolgen wir den Leidensweg der .Familie weiter. Der Mann wird aufs neue arbeitslos.Wie ich da mit der Familie lebte, brauche ich nicht erst zu erzählen, es gab.oft Kartoffeln zu essen früh, mittags und abends. Manchmal gingen ich und meine Frau hungrig schlafen, da wir den letzten Bissen nicht den Kindern entreißen wollten." Das waren schwere Zeiten für Mann und Frau, aber auch diesmal ist es das Weib, das den Leidensbecher bis zur Hefe leeren muß, -dennin dieser trostlosen Lage ist meine Frau niedergekommen mit einem Mädchen". Das Kind stirbt bald. Man denke sich einmal hinein in die Seele dieser Aermsten, in ihre körperlichen Schmerzen und Entbeh­rungen, in ihre geistige Zerrissenheit und Verzweiflung! Schon das vierte Kind wird ihr begraben, und schließlich muß sie noch froh sein, daß die Kleinen nicht leben und darben müssen wie sie selber.

Einem plötzlichen Entschluß folgend, verläßt Holek das Land, in dem er soviel gelitten, und sucht in Sachsen Arbeit. Bis er etwas Gckld nach Hause schicken kann, muß seine Frau selber sich INd die ganze Familie durchbringen.Wie sie das gemacht hat, weiß ich nicht. Ich verließ sie in der größten Mot." Dann fährt sie mit den Kindern und dem bißchen Hab und Gut auf einem Leiterwagen ihm nach in die neue Heimat, nach Dresden,

Hier schließt das Buch, und ergriffen legt man es beiseite. Freilich, die Gedanken, die es geweckt Hat, lassen sich nicht so schnell zur Seite legen. Wie wird sich das Schicksal dieser Men­schen noch weiter gestalten? Haben wir die letzte'-Station vom Kreuzweg dieses Weibes durchlebt, oder wird auch er erst an einem Grabe enden? Und vor allem: wie wäre hier zu ändern, z'n bessern? Wer zuerst sollte all dick Fragen und-Probleme dieses Buches erfassen und in Angriff nehmen? Doch wir Frauen, Wer nicht mitzuleideir hat wie diese Arbeiterfrau, der hat dafür mitzuhelfen. Ist dies« Hilfe doch sicher gar oft verdient; denn noch von mancher Arbeiterfrau wird gelten, was Holek über seine Mutter sagt:Du bist g«benebelt unter den Weibern, du Heldin!" ___________

Gestalten und Bilder aus den; Völkerfrühling.

Die Studenten und der heilige Krieg.

In fieberhaster Erregung, in heißer Sehnsucht hallen die Edelsten des Volkes der Stunde der Befreiung geharrt, des Augen- blicks, wo der alles lähmende Druck der Fremdherrschaft weichen würde. Tief Halle auch die studentische Jugend die Slot der Zeit empfunden. Da war auch keine unter Deutschlands hohen Schulen unberührt geblieben von, Erwachen des neuen, valerländischen Geistes. Da ()atten sich Geheimbünde zur Wahrung deutscher Slrt und Freiheit gegründet. Da wurden offen imb versteckt zahl­reiche Pereals auf die welschen Schergen ausgebracht. HebernH gährle eS.

Da entflammten die Februartage die Gemüter zum Aeußersten. Nach dem langen Warten aui die Rache nahte endlich die Er­lösung.Burschen heraus!" Mächtig erscholl der Ruf von Schule zu Schule, von Munde zu Munde. Mit einem Schlage waren alle landsmannschaftlichen Eifersüchteleien vergessen. Tas Vaterland rief. Da gab es keine Zeit mehr zu so breiter Wichtigtuerei, zu nichtigen Händeln. Es galt die Waffen zu zücken für die Freiheit. Das Spiel der Waffen ward zum Ernst. Allen schwebte das hehre Ziel der Befreiung der deutschen Heinmt vor Augen.

Aus des kühnen Breslauer Professors Steffen Munde kam der erste Freiheitsodem. Den vierzigjährigen, still grübelnden Ge­lehrten packt es mit zwingender Gewalt: er inuß die Waffen greisen zum Kampf fürs Vaterland. Er muß ein Krieger werden, soll, sein kühner Kampfruf die rechte Wärme haben, um in den Herzen aller zu zünden. Und seine Breslauer schualleir die Eisenbraut um zum Kamp! der Ehre für Freiheit und Vaterland. Breslau >var in jenen Tagen das Mekka, wo sich die akademische Jugend zusammenscharle. Da stellte sich der frühere Leipziger LandSmann- schaftler Theodor Körner, der einst wegen eines Duells von Leipzig relegiert worden war, zu den Fahnen ein. Dem Lützowschen Freikorps galt die Sehnsucht aller. Und dort erklang auch zum ersten Male Scheukendorfs Studentenkriegslied:

Ich bin Student gewesen, Nun heiß ich Leulennnt, Fahr wohl, gelahrtes Wesen, Ade, du Bücherstand!

Zum König will ich ziehen Jus grüne Waffenseld, Wo rote Rosen blühen, Ta schlaf ich ohne Zell." Da kamen die Jenenser, von der Alma Mater im Oster- programm zum Freiheitskampfe mit des Aeschylos Versen ge­gürtet :Geht hin, ihr Söhne der Hellenen, befreit das Vaterland, befreit die Kinder und Frauen, die Heiligtümer unserer Götter und die Grüfte unserer Ahnen; in diesem Kampfe gilt es das Höchste I Von Berlin her kamen sie in Scharen. Wahrlich! Fichtes leiden­schaftliche patriolische Gesänge und Schriilen hatten in der Preußen Hauptstadt eine gute Saat gesäet. Prächtig war sie aufgegangen. Und aus den Hörsälen der Albertina rannten die Königsberger zu den Fahnen Borks. Doch auch die Göttinger, die Hallenser reihten sich ein. Und aus den welschen Rheinbundstaaten eilten die Mufensöhne zu den preußischen Fahnen, um die Freiheit ihres Volkes auf den Schlachtgefilden zu erringen. In Erlangen ge­dachte die Studentenschaft sogar ein eigenes Freikorps zu errichten.

Ta hielt sich feiner zu gutzum Opfertode für die Freiheit und für die Ehre der Nation", dem Hohn und der Verachtung fielen die anheim, die zurückblieben (wie ein studentisches Tagebuch von Göttingen und Marburg erwähnt). Auch die Friedliebenden erkoren den Streit. Die Büchse auf der Schulter, das Neue Testa­ment int Brotbeutel, so zogen die Gollesmänner hinaus in beit Kampf. Im Tonrnisler steckte zwischen Proviant und Munition der Schiller. Mit dem Kriegsgerät befreundete sich die Guitarre. Weihevoll und kräftig erschollen die alten Vaterlandslieder und hinein jubelten viele neue Töne, Kriegs- und Marschlieder. Die Studenten brannten daraus, sich mit dem Feinde zu messen. Ihre Sehnsucht sollte bald gestillt werden.

humoristisches.

* Kaltblütig. Buchhalter:Herr Chef, wissen Sie auch/ daß es! heute 25 Jahre sind, seit ich bei Ihnen bin!" Chef- Hm . . ich hab immer gemeint, es! sind schon 28!"

* B o s h a f t.Was meinst du, soll ich meinen Karl fran­zösisch oder englisch unterrichten lassen?"Natürlich englisch man brennt ja meistens; nach Amerika durch!"

Logogriph.

Dem Menschen nütze ich seit alter Zeit Als schneller Bote, und auch heute uoch Werd ich geschätzt von allen weit und breit; Ich trage deshalb gern der Arbeit Joch.

Verwandelst du das erste Zeichen mir, Bin ich sogleich der Hausfrau lieb und wert Im trauten Heim ; doch werd ich nicht als Zier Beim Ball, Theater ober sonst begehrt.

Hub änderst du nochmals ein Zeichen nur, Nu! ich in dein Gedächtnis frohe Stunden; Als dir dein Liebchen ew'ge Treue schwur, Da hört ich, wie zwei Herzen sich gefunden.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung der Königspromeuade in voriger Nummer r Der Sturm sprach einst: Ich kenne Tie Well, beim ich zerpflücke sie;

Da sprach der Reif: Ich kenne Sie näher, ich erdrücke sie;

Die Sonne lacht: Ich kenne

Eie besser, id). beglücke sie. Carmen Silva.

Redaktion: K. N e u r a t h. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts^Buck» >>nd Steindruckerei, R. Lange. ©>e&em