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Fraurnliebe.
Roman von H o r st Bode m e r.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Warum sich bloß der alte Drewel nicht sehen ließ? Der War doch sonst immer sofort z>ur Stelle gewesen!
Er ging hinab in den Wirtschaftshof. An der Tür zum Herrschaftsstall stand der Oberinspektor.
„Holla, Drewel, guten Tag!"
Ueber das verwitterte Gesicht des alten Mannes huschte eilt Lächeln; er kam heran und erhielt einen Händedruck.
„Sie hätten sich auch gleich sehen lassen können, alter Freund!"
- „War beim Kartoffelausmachen."
Recht kurz kam die Antwort heraus. In Hans-Wilhelm stieg ein unangenehmes Gefühl auf.
§„Das letzte Jahr in Masse, Herr Oberleutnant."
„Gehen wir in den Pferdestall."
Der Oberinspektor wartete, bis der Kutscher ausgespannt und Futter geschüttet'hatte, dann schickte er ihn weg. ■ • Hans-Wilhelm war zu den Pferden getreten.
„Schön sehen die alten Klepper gerade nicht mehr aus."
Drewel zuckte die Achseln.
.„Wir haben kein Geld für neue."
„Und die Scheunen, Drewel! Man schämt sich ja!"
„Warum haben der Herr Oberleutnant soviel Hypotheken aufgenommen! Wir arbeiten ja nur noch für fremde Leute!"
Da biß er sich auf die Unterlippe; der Hieb hatte gesessen.
„Die lappischen hundert Taler monatlich werden Sie wohl noch 'rauswirtschaften können! Mehr habe ich doch in der letzten Zeit nicht verlangt!
„Wenn der Herr Oberleutnant das Kunststück fertig bringen, aus Moreth außer den Zinsen noch hundert Taler monatlich 'rauszuholen, will ich mich für den Rest meiner 'Tage öffentlich ausstellen lassen."
Hans-Wilhelm ärgerte sich maßlos, aber er konnte dem alten Mann, "der schon seinem Großvater gedient, nicht grob kommen. Auch wußte er zu viel.
. „Drewel, schön ist der Empfang gerade nicht!" meinte er bissig.
„Die Wahrheit ist bst nicht schön, Herr Oberleutnant!"
„Es muß mehr 'rausgeholt werden — im Jahre mindestens sechstausend Mark reiner Ueberschnß! Meine Mutter will doch auch leben!"
Da spuckt der Oberinspektor aus und lacht verbittert Vor sich hin. Dann sieht der alte Mann^seinen Herrn an.
„Herr Oberleutnant, was hilft das alles! Reingewinn wirft das Gut schon seit drei Jahren nicht mehr ab, die Wirtschaft geht rückwärts; wenn wir nicht Geld in die Hände bekommen, ist in spätestens zwei Jahren die Herrlichkeit aus — ganz aus!"
„Sie sind verrückt, Drewel?" schreit er den Alten an. Da tritt dem die Galle ins Mut.
„Herr Oberleutnant, eine Affenschande ist's! Wenn man gesehen hat, wie Moreth einst dastand — und jetzt? Man schämt sich nachgerade, auf den Markt zu gehen, solche Reden muß man über das Gut hören!"
^Vergessen Sie nicht <— ich bin der Herr!"
Da sieht Drewel den „Herrn" unsäglich traurig an.
„Wie lange noch, Herr Oberleutnant? Ich alter Mann habe ja wegen Moreth soviel schlaflose Nächte, und die gnädige Frau erst! Keunen Sie die Kleider, die Ihre Frau Mutter trägt? Schon seit zehn Jahren spart sie jeden Groschen vom Munde ab, es könnte ja wieder einmal ein Telegramm kommen!"
Mit beiden Händen hält sich Hans-Wilhelm den Kopf.
„Bringen Sie mich nicht um den Verstand, Drewel! So schlimm kann es ja doch nicht stehen!"
„Noch viel schlimmer!"
„Herrgott, wieso denn?"
Meine Bücher sind voller Lug und Trug."
„Drewel!"
■ Ein Verzweiflungsschrei ist es.
Aber nun legte der alte Oberinspektor los, und dabei zuckt es heftig über sein bartloses, mit tausend Runzeln bedecktes Gesicht.
„Ja, ja, Herr Oberleutnant, ich bin ein Betrüger. Aber Gott wird mir's verzeihen. Ich trage fortgesetzt falsche Summen in das Buch ein, UM einen Reingewinn wenigstens auf dem Papier zu haben."
(„Mein Gott pnd Herr! ; Wegen meiner Mutter,- Drewel? Drewel?"
Stumm nickte der.
Da schießt Hacks-Wilhelm das Wasser in die Augen.
„Menschenskinch wie konnten Sie mir denn da monatlich hundert Taler schicken?"
Mit einem langen Blick sieht in der Oberinspektor an.
ftDie sind nicht vom Gute, ich trage sie nur zur Post!" —
Hans-Wilhelm packt ohne weiteres den vom Wind und Wetter gedörrten alten Mann und setzt ihn auf die Futterkiste.
„'raus mit der Sprache! Woher stammt das Geld?"
„Ich breche zwar mein Wort, aber auch das wird mir Gott verzeihen — von der gnädigen Komtesse!"
.Da taumelt Hans-Wilhelm gegen die Wand, seine Augen treten aus den Höhlen, sein Gesicht ist totenbleich,- die Lippen zucken.
Ruhig sagte der Oberinspektor:
i.,Ja, ja, Herr Oberleutnant!"
Keuchend lehnte Hans^Wilhelm an der Wand. Wieder spuckt der alte Drewel gelassen aus. Wenn jetzt sein Herr Vernunft annahm, so schnürte er nach mehr denn vierzigjährigen Diensten in Moreth sein Bündel, dann war's vorbei mit der Herrlichkeit. Die geprüfte Frau hatte iW


