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fangen, das Schenken! und Geschenktes annehmen, schien seine sonstige Bedeutung völlig verloren zn haben."
„Es ist eilte große und herzerhebende Zeit," schreibt Guei - senau, überwältigt von dem, was er damals in Breslau sah. „Es wird mir schwer, mich der Tränen zn enthalten, wenn ich all diesen Edelmnt, diesen hohen deutschen Sinn gewahr werde. Welches Glück, gelebt zn haben, bis diese weltgeschichtliche Zeit eintrat! Shin mag ich gerne sterben." Hardenberg hatte dem unter dem stkamen Clanren bekaimten Hofrat Henn das Eiusammeln, Verteilen, Berechnen und öffentliche Bekanntmachen der freiwilligen Beiträge übertragen; unendlich rührend und ergreifend ist es für uns heute, die langen, langen Listen der eingelieferten Spenden zu durchmustern.
Die erste patriotische Gabe, die überhaupt öffentlich erwähnt wird, wurde schon um! Neujahr von der katholischen Gemeinde äu Marienburg in Westpreußen dargeboteu: sie gab alles entbehrliche Silberzeug ihrer Kirche, etwa 100 kölnische Mark. Der erste Geldbeitrag, 100 Taler, stammt vom Schneidermeister Hans Hofmann in Breslau. Die ersten, die ein Pferd schenkten, waren die Bauern Johann Hinze in Deutsch-Borgh und Meyer in Elsholtz. Der Erb- und Gerichtsschulze Joseph Lanzfeld aus Weiselsdorf brachte ein schönes Kavalleriepferd mit der Erklärung: „Fünf Stück haben mir die Franzosen mitgenommen, so will ich ihnen das sechste nachschicken.". In dem edlen Brauch, die goldenen Trauringe einzusenden, gingen der Stettiner Lotteriekollekteur Roliu und seine Frau voran; sie sprachen die Hoffnung aus, daß. recht viele das tun mochten. Und so geschah es. Viele begleiteten diese Gabe, oft das einzige Gold, das im Hause war, mit rührenden Zuschriften; so schreibt ein Kupferschmied: „Wir Haben durch des Krieges Unglück alles verloren, nichts blieb uns übrig als unsere Trauringe; hier sind sie Mit Freuden," und ein invalider Offizier: „Das einzige, was ich noch besitze, leg ich mit Freuden auf beit Altar des Vaterlandes". Ein treuer Westfale schickt 50 Säbelklingen mit den Worten: „Laßt Euch von ihnen freie Bahn nach dem' Rhein machen!" Ein Schuhmacher: „Drei Paar neue Stiefel und 10 Taler." Jeder gibt, was er kann. Da kommen 100 Paar Strümpfe, 400 Ellen Hemdenleinewand, Stücke Tuch, Büchsen, Hirschfänger, Säbel usw. Drei patriotische Dienstmädchen schicken: einen silbernen Becher, eine silberne Nadelbüchse, sieben Medaillen und 25 Taler; mit beit Worten „Das letzte bißchen Armut einer Soldatenwitwe" schickt eine Greisin ein Paar Socken. „Wer daheim zu bleiben genötigt war durch Geschlecht, Mter, Jugend oder Krankheit", erzählt Holtei, „der gab. was er konnte, andere auszurüsten; alle Sparbüchsen tottrben geleert, viele Silberschränke geplündert. Graf Ferdinand Sandretzky auf Mauze schickte, nachdem er am Abend vorher seinen König bei sich empfangen und bewirtet hatte, als erster das.große vollständige Familienserviee in die Münze. Viele Bürger rüsteten aus ihre Kosten einen oder mehrere Freiwilligen Kus; allein dafür wurden weit über eine Million aufgebracht.
„Die Menge freiwilliger Gaben, die in den Wochen vor Aufbruch der Armee beim General Scharnhorst abgeliefert wurden, grenzt wirklich ans Unglaubliche," berichtet Scharnhorsts Adjutant von Hüser. „Ganze Waschkörbe voll der schweren silbernen Suppenterrinen, Armleuchter, Schüsseln, Schalen usw. habe ich in die Münze geliefert, ebenso die prachtvollsten Schmnckgegen- stände aller Art, und war ich damit besonders beschäftigt." Die Städte und Kreise überboten sich; der ärmste Kreis Schievelbein rüstete 30 Reiter aus und besoldete sie; die Stadt Stolpe brachte 1000 Taler auf und verhieß für jeden folgenden Monat 100 Taler. Vor allem aber waren die Frauen mit unendlicher Aufopferung tätig. Der „Frauenverein zum Wohle des Vaterlandes", den die Prinzessin Wilhelm gründete, wirkte bis in die kleinsten Dörfer aufs Segensreichste. „Die Schwester des Königs hatte ihren sämtlichen Schmuck dem Schatz übergeben," meldet der spanische Gesandte, „und auf der Stelle haben alle Frauen sich beeifert, für so lobenswerten Zweck ihren Schmuck bis auf die geringsten Kleinigkeiten zum Opfer zu bringen." '
Besonders berühmt geworden ist das Opfer der 16jährigen Ferdinanda von Schmettau. Ihr Vater, ein früherer Oberst, der in bedrängten Verhältnissen bei Ohlan wohnte, gab wenigsteits seine alte Staatsschabracke hin; Mutter und Schwester, die Freuit- dinneu, opferten ihre Ringe und kleine Armbänder. Ferdinanda, die nichts hatte, ließ sich ihr schönes.reiches Haar abschneiden, und bot damit die reichste Gabe, denn aus dem Haar wurden dann allerlei Zieraten, Ringe und Ketten, angefertigt, so daß dafür Nicht weniger als 1200 Taler gelöst und sogleich 4 Freiwillige Mgekleidet wurden.
Wie hat es Croß nun angestellt, mit 2b Pfennigen am Tage zu wirtschaften? Er stellt darüber folgende Rechnung als Vorbild für ein kinderloses Ehepaar auf, dessen Ernährungsbudget für eine Woche folgende Posten aufweist: Brot 144, Hafermehl 32» Erbsen und Linsen 16, Bohnen 12, Reis 12, Datteln 12, Margarine und Kett 36, Rudeln 12, Käse 4, Milch 24, Pfeffer, Salz und verschiedene Kleinigkeiten, Knochen zur Suppe 8 ! Die Zahlen- augaben sind in Pfennigen gemacht und entsprechen der vom Engländer angegebenen Summe von 3Vs Schillingen, wobei de« Schilling als gleichwertig mit einer Mark augesetzt ist. Zählt man die einzelnen Posten zusammen, so fehlen an diesem Betrage noch 32 Pfennige, und für diese will Croß Luxusgegenstände, nämlich für 12 Pfennige Zucker, für 8 Pfennige Kartoffeluj für 8 Pfennige Tee, und für 4 Pfennige Suppenkräuter, kaufen. Für eine Person allein stellt Croß noch ein kümmerlicheres Budget zusammen, das aus folgenden Posten besteht: Brot 48, Hafermehl 16, Bohnen 12, Milch 12, Fett und Margarine 16, Kartoffeln 4, Zucker >6, Tee 2, Pfeffer, Salz und verschiedenes 4, zusammen also 120 Pfennigs Von diesen Nahrungsmitteln behauptet Croß sich wirklich und wahrhaftig eine volle Woche hindurch ernähren zn können, und natürlich loill er dabei gut bei Kräften bleiben, so daß diese Art der Ernährung dauernd möglich ist. Er behauptet dabet, daß für 5 Pfennige Brot, Hafermehl oder Bohnen.der Ernährung ebensoviel nützen, wie ein Beefsteak für das zwauzigfache Geld, Auch gibt er an, sich bei dieser Ernährung Wohler gefühlt zu haben,, als wenn er täglich eine Schlemmermahlzeit eingenommen hätte. Während seiner ganzen Versuchszeit will er körperlich und geistig ziemlich.anstrengend gearbeitet haben.
Diese Croßsche Methode der billigen Ernähurng ist nickst die erste ihrer Art. Seit ein paar Jahren werden Versuche gemacht, in Deutschland das Ernährungssystem des Kopenhagener Gelehrten Hinhede emznstihren, das auf durchaus wissenschaftlichen Grundlagen ausgebaut ist. Die Croßsche Lebensweise mutet ziemlich merkwürdig an und ist in manchen Punkten das gerade Gegenteil der Hinhedeschen. Hinhede ordnet die Nahruiigs- mittel nach ihrem Nährwerte in etwa folgender Weise: Kartoffeln, Brot, Obst, Butter und andere Fettarten, Milch, Eier, seine grüne Gemüse, grobe grüne Gemüse, Erbsen, Bohnen, Zucker, Fleisch. Den Kartoffeln gleichwertig sind seiner Theorie nach andere Wurzelgemüse, dem Brote gleichwertig Mehl- und Grützegerichte. Die vielen Anhänger Hinhedes in Skandinavien beweisen durch ihre Lebensführung, daß man nach Hinhedes Vorschriften sich ernähren kann,. wenn diese Ernährung auch ziemlich entsagungsvoll ist. Die Croßsche Ernährung, die noch billiger sein soll, müßte allerdings erst beweisen, daß sie dauernd durchführbar ist. Besonders schmackhaft und abwechselungsreich ist der Croßsche Küchenzettel jedenfalls nicht!
Süchertifch.
— Der B ü ch e r w n r m , eine Monatsschrift für Bücherfreunde, hat ein hübsches Faschingsheft heransgebracht, das nnge- wöhnlich reichhaltig ist und viel vergnügliches bietet.
. — .Altsränkische Bilder. Im Verlage der Königs; Universitätsdruckerei H. Stürtz A.-G. in Würzburg ist soeben der 19. Jahrgang 1913 der „Altfränkischen Bilder", kunsthistorischer Prachtkalender erschienen. Der 19. Jahrgang der „Altfränkischen Bilder" enthält Ausführungen über die Ruine Bodenlauben in nächster Nähe des Weltbades Kissingen, sowie über das einige Stunden davon entfernte ehemalige Kloster Frauenraths, dessen Geschichte mit jenem Schloß eng züsammenhängt. Sodann einige Artikel, biographischen Charakters:, über den verdienten fränkischen Historiker Scharold, über den Domherrn von Aufseß! und über den Komponisten Abbe Vogler. Ferner eine Reihe von Bildern aus der ehemals fuldaischen Stadt Hammelburg int Saaletal und zwei interessante Details aus der Kirche von Traustadt int Amtsbezirk Gerolzhofen. Die Vorderseite des Umschlags gibt eine in Vierfarbendruck ausgeführte Reproduktion eines Altar- gemKldes des fränkischen Malers Grünewald von Aschaffenburg in der Pfarrkirche zu. Stuppach bei Mergentheim wieder, während auf der Rückseite ein Epitaphium des Fürstbischofs Konrad von Thüngen von Würzburg abgebildet ist.
Logogriph.
Echtes Bier und feinsten Wein Und noch andres schließ ich ein. Aenderst du mir aber ein Zeichen, Kannst du getrost nach dem Ausland entweichen.
Auflösung in nächster Nummer.
Wie man von 25 Pfennigen täglich lebt.
' unserer Zeit der Fleischteuerung wird jede Hausfrau mit größtem Jnteresie von einem Buche hören, dessen Verfasser die Kunst erfunden hat, mit 25 Pfg. täglich zn leben. Es ist dies der Engländer F. T Croß. Croß hat nicht nur eine Theorie dieser wohlfeilen Eruahrungskunst ausgestellt, sondern ihre Brauch- barkelt am eigenen^ Leibe erprobt, und ein namhafter englischer Arzt, Robert iHntchrson vom Lmrdon Hospital, bestätigt ihm tn einer Vorrede die Richtigkeit aller seiner Angaben,
.Auflösung des Gitterrätsels in voriger Nummer: A A p
Alpengras p d 1
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Andromeda g m i
Palad i 1 h e s a e
KtMtion: K. Neurath. - RotoOonzd-mck m» Verlaa der Brübl'lchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei.^Laü'ge, Gießet


