Ö4
„Leben Sie wohl," murmelte sie beklommen, „und . . . toeim Sie es nicht für gut halten . . . |eigen Sie nichts von den Grüßen ..." «
Der Kondukteur riß die Coupetür auf. Meta stieg aus. Noch einen Blick warf sie zurück — an einem Fenster des sich in Bewegung setzenden Zuges stand eine schlanke Gestalt mit ernstem Gesicht und winkte ihr zu. ।
„Wie sie ihm gleicht!" dachte Meta. „Jetzt wo sie so ernst dreinblickt..."
Es war beinahe Mitternacht, als Meta in Pest ankam. Der Zug gegen Csaba ging erst in zwei Stunden. Mide und fröstelnd saß sie im Wartesaal. Nun gehörten ihre Gedanken wieder ganz! Möntelli und sie malte sich aus,, wie das Wiedersehen sein würde.
Als sie dann später in die grauende Morgendämmerung hineinfuhr, wurde ihr immer schwerer zu Mut. Sie hatte nicht gedacht, daß sie die Strecke noch einmal durchreisen würde. Wer es kam ja immer alles anders -als sie dachte.
Ob ihr der Verwalter einen Wagen geschickt haben würde? Eigentlich könnte er sie kaum so rasch erwarten.
Nein, es war wirklich kein Wagen auf oer «kleinen Station, als Meta ausstieg. Sie mußte erst warten, bis man ihr im Dorfe einen besorgt hatte. ,
Dunstig, Ivie verschleiert, lagen Himmel und Pußta vör ihr. Es war schon acht Uhr morgens, aber keine Sonne stand am Himmel. Eine bleierne Schwüle erfüllte die Luft.
Jetzt bög der Wagen in die Pappelallee ein, jetzt passierte er das Gittertor und hielt im Hofe. . Kein Mensch war zu sehen. Vermutlich war alles draußen im «Feld.
Meta stieg aus, lohnte den Kutscher ab und stieg die Treppe empor. Das ganze Haus lag wie ausgestorben da — eine gespenstige Stille herrschte in dem i langen Korridor. * ;
Metas Herz fing laut an zu klopfen.
War sie doch zu spät gekommen? Es war ihr plötzlich, als könne sie nie mehr Ruhe finden, wenn Möntelli gestorben war, ohne daß sie ihm noch ein versöhnendes Wort gesagt hatte.
Dann, öffnete sie die Tür zu seinem Zimmer Und prallte plötzlich mit einem lauten Schrei zurück.
Da sah Möntelli behaglich am wvh-lbesetzten Früh-- Wckstische und lächelte ihr triumphierend zu.
Er stand auf und ging ihr mit ausgebreiteten Armen entgegen. ।
„Daß du so unverzüglich kommen wiirdest, habe ich gar Nicht zu hoffen gewagt," sagte er, „sonst wäre ich am Bahnhöf gewesen. Mer nun ist es doppelt schöni— komm, Schatz, setze dich zu mir, frühstücken wir und nachher können wir in aller Ruhe unsere geschäftlichen Angelegenheiten besprechen."
Sie stand noch immer unter der Tür, fassungslos, überwältigt von dein was sie sah und starrte ihn enffetzt an, als wäre er ein Gespenst. i
Ms er den Arm um sie legte, zinkte sie zusammen und plh sijch lös. ।
Ein böses Funkeln trat in seine Augen. ; ,
,, „Ah — es! scheint, du bist enttäuscht, daß idü mich nicht als Leiche vorfandest?"
Meta griff sich mit beiden Händen an den Köpfe
„Nein,", stammelte sie, „aber ich kann es nicht fassen, es W ja nicht möglich, daß du so -namenlos frivol sein konntest . . . mit solchen Dingen ... zu scherzen!" ;
„Bah — in der Liebe ist alles erlaubt und anders wärest du mir ja nicht nach Dopolanyi zurückgekommen! Ich aber Will mein Weib endlich wieder bei mir haben!" '<
Sie ließ es' willenlos geschehen, daß! er sie in einen Stuhl drückte. Plötzlich aber riß die Spannung, welche ihre Nerven bis zur Unerträglichkeit gefangen hielt. Sie schlug beide Hände vor das Antlitz und brach in wildes Schluchzen aus. <
Möntelli kniete vor ihr nieder. Seine Arme umschlangen sie, eine, Flut von Bitten, Vorstellungen und Beteuerungen kam über seine Lippen, aus welchen sie nur das eine heraushörte: „Ich liebe dich —•, ich bin ruiniert nt leber Beziehung, wenn du mich verläßt."
XVI. . >
'■ »Mein Gott, W-s werde ich Noch alles hören müssen?" dachte Meta und preßte die Hände im Schoß! verzweifelt ineinander,
Sce saß in ihrem' Boudoir am Fenster, Möntelli am! Tisch, wenige Schritte von ihr entfernt, ein Blatt Papier vor sich.
Es war am Tag nach ihrer Rückkehr und er war eben dabei, ein Verzeichnis seiner Verpflichtungen auf-, zustellen.
Vorher hätte er ihr eine Art Beichte abgelegt mit Reue- Versicherungen und Besserungsschwüren.
„Dem Grafen Ecker schulde ich fünftausend Gulden. Baron Hassert zweitausend. Dann dem Juden Laib! Rosene tat achttausend. Dies M besonders dringend, der Mensch verlangt schauderhafte Zinsen denke dir nur: fünfzehn! Prozent!"
Meta schwieg. Ihr war ganz wirr im Köpf. Wozu unk Gottes willen hatte er denn so höhe Summen auf- genommen?
Möntelli blickte sinnend auf das Papier.
„Macht mit dem anderen zwanzigtausend Gulden. Nun! bleibt noch der Ferdinand Maier in Wien viertausend — wenn ich den nicht bis ersten August bezahle — ich habe ihm einen Wechsel gegeben . . . dann . . ." er starrte finster in die Luft, sein Gesicht war sehr bleich geworden.
Meta sah ihn entsetzt an. Sie verstand nichts von Geldsachen, aber ihr schwindelte bei dein, was sie da hörte.
„Du hast einen Wechsel ausgestellt? Wie konntest du das, da du nichts besitzest?" ,
Er versuchte zu lachen.
„Aber Kind, das ist ja nicht so schlimm! Dieser Maier weiß, daß ich die Witwe Nikolaus Petermanns geheiratet habe. Ich sage dir, der Name Petermann hat einen fabelhaften Klang, und- daß du nur die lumpige Rente hast, weiß Maier natürlich nicht."
„Und du hast es ihn:! nicht gesagt? Hast ihn bei denk Glauben gelassen, daß du eine reiche Frau hast?"
„Selbstverständlich. Da ich notwendig Geld brauchte,- konnte mir ja nichts erwünschter sein als dieser Irrtum!"
Er fuhr erschrocken zusammen. Das Gesicht Metas war plötzlich dicht vor dem seinen und ihr Bück bohrte! sich mit ungewohnter Schärfe in seine unruhig flackernden! Augen. ,
„Das ist Betrug. Weißt du das?" 1 ;
Selbst ihre Stimme kam ihm fremd vor in diesem Moment. Etwas Stählernes, Unerbittliches lag darin. Dann fuhr sie, oh!ne den Blick von ihm zu wenden, fort: „Und wozu hast du das viele Geld gebraucht? - Was hast du damit gemacht?" ’
Er schwieg. Meta sah ganz- deutlich, daß die Blässe seines Gesichts ins Fahle überging. Daß die schwärzen, siegesgewissen Äugen einen scheuen Ausdruck annahmen und daß seine ganze Haltung die klägliche eines Schuld-« bewußten war. >
Sie kam sich brutal vor, mit ihrem unerbittlich bohrenden Blick, angesichts seiner erbärmlichen Schwäche. Aber sie konnte nicht anders. Sie wollte endlich klar sehen.
„Antworte mir! Wenn du Hilfe verlangst von miw dann -muß Lch doch wissen, top für und für wen ich mich demütige zu ... . betteln!" ।
Der Klang ihrer Stimme, deren Weichheit ihr Wille Nicht verschwinden machen konnte, rüttelte ihn auf.
Er suchte ein gleichgültiges Gesicht zu machen und wandte sich ab.
„Was soll diese inquisitorische Fragerei? Schon einmal habe ich dir gesagt, daß ich kein Pfennigfuchser bin. Man braucht eben Geld zum Leben . . . verdammt titel Geld . . . Aeltere Verpflichtungen kamen hinzu. Und- lumpen kann man sich nicht lassen, wenn man von Berufs wegen! unter Kavalieren ist, wie es in Wien und Pest der Fall war."
Meta schüttelte den Köpf.
„Wenn du noch so luxuriös gelebt hättest, wäre es doch nicht möglich, solche Summen. . ."
„Ach waÄ, Kind, zerbrich dir darüber nicht den Kopf, sondern setze dich lieber hin Und« schreibe einen recht rührenden Brief an deine alte Mama Petermann, die . . ." ।
Er brach plötzlich ab und starrte mit weit geöffneten Augen in den Hof hinab-, wo eben ein Wagen einfuhr. .
(Fortsetzung folgt)


