Ausgabe 
12.2.1913
 
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Bon Frühling ju Frühling.

Roman von Erich Eben st. ein,

(Nachdruck verboten.).

(Fortsetzung.)

Ein anderer wäre vielleicht rücksichtsloser gewesen in Aufklärungen, als ihn die Mutter nun gleich als Schwieger­sohn behandelte Michael schwieg aus Rücksicht für Nadine. Er hatte begriffen, daß sie ihn liebte und wollte ihr als Mann und Kavalier eine doppelte Enttäuschung ersparen. Wir Mama und ich waren damals sehr unglücklich, aber ich glaube, am allertiefsten tvar er es selbst.

Er kani nachher gleich zu uns . . . und eines Abends fand ich ihn mit dem Revolver in der Hand'..

O, mein Gott l"

Ja. Er sagte mir damals:Ich bin immer ein Gegner des .Selbstmordes gewesen, aber es gibt Situationen, wo er der einzige Ausweg ist!" Mit Mühe gelang es mir, um Mainas willen, ihn von diesem Gedanken abznbringen. Ich habe immer fest an eine Vorsehung geglaubt diese Zuversicht hat mich auch damals nicht getäuscht. Nadine lernte in Wien einen Baron Straßer kennen, dessen Reich­tum, Eleganz und Liebenswürdigkeit Michaels Bild in ihrem Herzerr allmählich verblasserr ließen. Eines Tages löste sie selbst die Ketten, welche sie unbedacht geschmiedet hatte."

Das junge Mädchen hatte sich warm gesprocherr. Jetzt blickte sie wie verwundert um sich imb Verlegenheit malte sich aus ihrem geröteten Gesicht.

Mein Gott," murmelte sie,ich habe da über Dinge geplaudert, die Sie vielleicht gar nicht interessieren und die ... die eigentlich ganz intimer Natur sind. Ich bin sonst durchaus nicht schwatzhaft, aber da Sie so gut unter- richtet sind über uns, müssen Sie meinen Bruder wohl sehr gut kennen und verzeihen mir deshalb nicht wahr? Das Herz ging mir ein bißchen über."

Meta, drückte ihr warm die Handl

Liebe Hedwig Sie können ja gar nicht wissen, wie wohl mir Ihre Worte taten, war doch Ihr Bruder der einzige Freund, den ich jemals besessen habe! Wie sollte mich da nicht jede Kleinigkeit interessieren? Erzählen Sie mir noch mehr von ihin! Wie geht es ihm! Wo lebt er?"

Er ist Batteri-ekommandant in Prag und ich fahre eben jetzt zu ihm. Es geht ihm gut. Daß er kein heiterer Mann ist, werden Sie wissen, wenn Sie ihn kennen, Leider muß ich hinznfügen, er ist auch kein glücklicher!"

Sie seufzte leicht auf.

Er nimmt das Leben so furchtbar schwer und kann über nichts hinwsgkommeu. Ich wollte, ich könnte ihn etwas leichtlebiger machen,!"

Meta antwortete nicht. Sic hatte sich wieder in ihre Ecke zurückgelehnt und die Hand über die Augen gelegt.

Wie der Phönix aus der Asche verjüngt und verklärt, stieg der Traum im Steinachtal herauf.

Münster hatte sie also nichr vergessen! Nur ein schnöde« Zufall, wie ihn das Leben hundertmal bringt, hatte sie auseinandergerissen. Wäre Graf Pientak zwei Monate später verunglückt, alles wäre anders geworden!

In dumpfen, langsamen Schlägen klopfte ihr Herz» Ach nein, nicht daran denken! Lieber Gott danken, daß er ihr den Glauben wieder gegeben hatte an das einzig Strah­lende, das jemals verklärend in ihr Leben eingegriffen hatte.

Unaufhaltsam rollte der Zug Weiler. Die Höhe des Semmerings lag hinter ihm, mit rasender Geschwindigkeit brauste er" talwärts über schwindelnde Viadukte hinweg, durch unzählige Tunnels sich windend und drehend wie eine schwarze Schlange init zwei rotglühenden Augen. Es ivar Nacht geworden.

Und plötzlich fuhr Meta entsetzt aus ihren Träumen auf.

Sie hatte die ganze Zeit über nur an Münster ge­dacht . . . jetzt senkte sich die Erinnerung an den Zweck ihrer Reise wie eine schwere Last auf sie.

Sie fuhr ja zu einem Sterbenden! Und dieser Sterbende war ihr Mann . . . wie hatte sie das nur vergessen können?

Verwirrt blickte sie um sich.

Die andere seine Schwester lehnte mit geschlosse­nen Augen in den Polstern. Wahrscheinlich schlief sie. Draußen war es stockdunkel, nur hin und wieder blitzte in der Ferne ein Licht auf. Die Berge waren verschwnnden- eine weite tote Ebene breitete sich zu beiden Seiten des Bahndamms ans, hier und da ourch kümmerliche Kiefern-- Wäldchen unterbrochen.

Man näherte sich also Wiener-Neustadt. Dort nmßte Meta umsteigen. Leise stand sie auf, legte den seidenen Staubmantel mit und band den Schleier um' den Hut.

Hedwig von Münster öffnete die Augen.

Sie steigen schon aus, gnädige Frau?"

Ja, in den ungarischen Zug hinüber, der mich -nach' Pest bringt. Ich fahre zu meinem Mann, der schwer krank ist . ..."

-Darf ich Michael einen Gruß von Ihnen mitbrmgen? Es wird ihn gewiß frenen, da Sie ihn so gut gekannt haben."

Meta zögerte einen Moment. Dann reichte sie dent jungen Mädchen zum Abschied die Hand.

,3a, grüßen Sie ihn von mir . . . nennen Sie ihm, bitte, nur meinen Vornamen: Meta. Ich glaube Wohl/ daß er sich meiner noch erinnern ivird."

Hedwig machte eine überraschte Bewegung.

-Meta?" wiederholte sie und ihr Blick hing seltsam gebannt auf dem blassen Gesicht der jungen Frau.Dielen Namen hörte ich meinen Bruder rufen in einer verzweifelten Stunde . . , ;

Der Zug hielt.

Roch einmal drückte Meta die schmale Hand, die in der ihren lag. ' '