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eilt

weinte sie.

Gellert.

den als

Cs war in jener Epoche, in der es sich um die Scheidung handelte. Herr Mols, der zum Justizminister und Präsidenten des Kassationshofes ernannt werden sollte, suchte sich bei dem Kaiser sehr einzuschmeicheln. ~ , _.

Eines Abends befand sich Napoleon int Fannliemalon. Die Kaiserin, der Erzkanzler und Jerome waren auch dort. Herr Mols hatte sich in eine Ecke geschmiegt.

Talleyrand und Fouchs traten ein. Sie hatten irgend etwas ihrem Herrn nicht recht gemacht. Der Kaiser, der, bis dahin ge­lächelt hatte und vergnügt gewesen war, hielt es für richtig, nun zornig zu werden.Ach! Herr Bischof! Ach! Herr Mönch!" . . . Wie zwei Missetäter wurden die beiden von ihm behandelt.

Schweigend hörten der Fürst von Bsnsvent und. der Herzog von Otranto zu und ließen das Gewitter kaltblütig und unbe­

weglich über sich ergehen. Talleyrand mit seiner Gipsmaske, Fouchs mit seinem pfefferkuchenbraunen Gesicht taten so, als ob das Donnerwetter sie gar nichts anginge, sondern ganz über wen anders losgebrochen wäre. Doch ich habe mich int Ausdruck vergriffen, d« kaiserliche Ansprache war kein Donnerschlag, sie war ein Fußtritt. Als die Angelegenheit beendet war, verneigten sich beide tief. Seine Majestät und Jerome zogen sich zurück. Die Herren vom Dienst sahen, wie sie mit zufriedenem Gesicht durch Las Vorzimmer schritten.

In Jerome aber wirkte dieser Vorfall nach. Er war so etwas wie in- seiner Menschenwürde beleidigt. Weil er sich ganz uner­fahren als ein kleiner Prinz neben dem großen Kaiser fühlte, als ein Zwerg neben einem Riesen, ein Kind neben einem Helden, schmollte nnd schwieg er, wenn er anderer Ansicht wie Napoleon war und ihn irgend etwas ärgerte.

Der Kaiser trat näher an ihn heran.

Nun, was ist Ihnen denn, Herr König von Westfalen?

Majestät..."

Sprechen Sie!"

Majestät..." , ...

Aber so sprechen Sie doch, kleiner König!"

Nun Majestät, wenn ich mich über Talleyrand und Fouchs zu beklagen hätte, und wenn.ich Kaiser wäre, würde ich fte er­schießen oder hängen lassen, aber ich würde sie nicht in solcher Form demütigen."

Der Kaiser lachte. .

Sie müssen nicht erschießen oder hängen sagen, mein.Lieber, Sie müssen erschießen und hängen sagen. Talleyrand erschießen, Fouchs hängen, das wäre das Richtige und in der Ordnung gewesen."

Sodann wurde sein Gesicht ernst.

Und was meint der Herr Erzkanzler?"

Majestät, ich meine, daß der König von Westfalen nicht ganz Unrecht hat." t ,, .

Der Kaiser wurde nachdenklich und schwieg.

Der Vorfall war bezeichnend. Gewiß haben andere Ursache« später seinen Sturz herbeigeführt, aber der Rattenzahn belei­digter kleiner Geister hat mit an der Falle graben helfen, die ihm zum Verderben ward... _ .

" In Dresden hatte der Kaiser einen wahren Hof von Königen um sich. Nicht jeder durfte vor ihm erscheinen. Napoleon wählte aus. Wie einst die Grandseigneurs von Frankreich unter Lud­wig XIV. sich nach Marly drängten, um dem König ihre Auf­wartung machen zu dürfen, so wetteiferten nun die Fürsten Europas darum, in Dresden empfangen zu werden.

Allabendlich hielt der Kaiser Cercle. Die großen iind kleinen Souveräne stellten sich ein und alle neigten sich in gleicher Ehr­erbietung vor dem kleinen Mann, und je mächtiger sie waren/ desto demütiger wurden sie vor ihm. Die Großen hatten doch mehr als die Kleinen zu verlieren, deshalb war ihre Furcht größer und diese Furcht äußerte sich in höherem Respekt.

In diesen Ergebenheitsbezeugungen war man damals so weit gekommen, daß die Monarchen sich in Napoleons Gegenwart nicht mehr zii setzen wagten. Mit dem Hut in der Hand standen sie um ihn herum, warteten darauf, daß der Kaiser fte ansprach und gaben sich Mühe, ihr schönstes und liebenswürdigstes Lächeln aufzusetzen. Wie ein Schwiegervater auS einer Posse sah der Kaiser von Oesterreich in weißem Frack, weißen Kniehosen und weiß-

Jin Unglück gern an's Glück, Im Glück an'S Unglück denken.

20. November 1848.

II.

seidenen Strümpfen aus.

Eines Abends gab sich diese Stimmung so deutlich kund, als der Kaiser von Oesterreich und andere Fürsten wieder neben Na­poleon, der auf einem Kanapee lag, standen, daß die vor Un­willen rot gewordene Kaiserin von Oesterreich sich nicht enthalten konnte, ihrem Mann einen Wink zu geben, sich zu setzen. Doch ihr Stirnrunzeln und ihr Achselzucken übten keinerlei Wirkung aus

Kaiser aus, der stehen blieb. ,

Wahrlich! Stehen bleiben ist ut solchem Fall beinahe so viel, sich auf die Erde legen . ? .!

Anagramm.

Aul meinem Rücken ohne Ruh und Rast Wird lortgetragen manche große Last.

Veränderst du jedoch der Zeichen Stand, So bin ich dir als schlauer Mensch bekannt.

Auflösung in nächster 'Rümmer.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Willst du dich in dem Glück nicht ausgelassen freun, Im Unglück nicht unmäßig kränken

So lern' so klug wie Eulenspiegel sein,

humoristisches.

* Auch ein Lob. Die alte Dame will dem neuen Prediger Kompliment über seine Predigten machen.Wirklich, Ehr- würden," versichert sie strahlend,ehe Sie zu unserer Gemcind.e 'kamen, iw'ußten wir überhaupt nicht, was Sünde ist.

Lisbeth!" klang es aus der Kammer der Eltern!Gute Nacht'---" Draußen ging der Mond über den Wald.

Waldfräulein lag wach mit seligem Herzen und sah in den Uni/ an seinem Bett saß das Glück und sang ihn leise in Schlaf.

Unveröffentlichte Blätter von König Jerome.

Äug dem Nachlaß und in der Bearbeitung von Victor H u g o.

Unter den mannigfachen Dokumenten, die der Nachlaß Victor HcigL noch birgt fanden' sich einige bedeutsame Blätter, die von dem Bruder Napoleons, König Jerome von Westfalen, herftam- men und dem großen Dichter wichtig genug erschienen, um ihnen eine künstlerische Bearbeitung und Abrundung angedeihen zu lassen Die erste dieser Aufzeichnungen ist denkwürdig, west sie in! Gegensatz zu anderen Darstellungen dem Stiefsohn des Kasters dem Vizekönig von Italien, Eugen, eine, entscheidende Rolle in der Scheidungsgeschichte des Kaisers von seiner Mutter zuwetst; die andere gibt einige intime Szenen aus dem Leben am kaiserlichen Hof Gerade in diesen letzten Septembertagen jahrt sichitt zum 100 Male die Zeit, da durch den kühnen lieber fall des Generals Tscheruitscheff und seinen Einzug ist Kassel die Herrlichkeit des Königreichs Westfalen den Todesstoß erhielt und der König Morgen wieder lustick" seine Rolle auf deutschem Bechen end­gültig ausgespielt hatte. Wir haben daher von dem Verwalter des Huaoschen Nachlasses, Gustave Simon, das Recht erworben, diese fitr Jerome und seine Zeit charakteristischen Dokumente denen einer von Frankreich' größten Poeten eine anmutige Form verliehen, in deutscher Uebertragung zu veröffentlichen.

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I.

Ein Bericht König Jeromes.

Die Scheidung hätte durch eine Kleinigkeit verhütet werden können. Wie Jerome sich ausdrückte:Der Kaiser hatte sich an^ die Kaiserin gewöhnt." Es wurde ihm schwer, Josephine au^zugeven. Jeromes Meinung war di-, daß Eugen be Beauharnais zur Unzeit eine übertriebene Bereitwilligkeit an den Tag gÄegt hatte sonst wäre die Scheidung nicht erfolgt. Der Kaiser hegte nicht das Verlangen, dazu gedrängt zu werden.

Napoleon sprach sich mst Eugen über die Scheidung aus. Er hatte lebhaften Widerstand erwartet und fand sofort Gehorsam und Resignation. Der Vater trat vor dem Herrscher her Eugen in den Hintergrund. Er liebte den Kaiser nicht wirklich, er schmei­chelte ihm nur. Er fühlte sich nicht als Sahst, sonderst er sagte zum 'Kaiser:Ich tue, was Sie wollen", und so opferte er ferne 9JtUt®er Ministerrat vereinigte sich zur Erörterung dieser Frage. Sie wurde zuerst von dem Erzkanzler aufgeworfen. Der Kat, er war selbst anwesend. Nach der Rede des Erzkanzlers erteilte Napoleon Eugen das Wort. In diesem Augenblick wäre noch alles möglich gewesen. Hätte Engen Einspruch dagegen erhoben, wäre der Kar er unschlüssig geworden, hätte Eugen geweint, , würde der Kasten nachgegeben haben. Tränen konnte Napoleon ja nicht widerstehen. Aber Engen zeigte eine stoische Ruhe, das heißt, er betrug sich als vollendeter Höfling. Er erklärte, daß weder er noch feine Mütter irgendeinen Einspruch erheben würden, gegen alles, was der Nutzen des Staates und der Willen des Kaisers erforderten.

Nach Eugen sprach Jerome. Er sprach mit Zurückhaltung und fügte sich nur dem formellen Befehl des Kaisers. Er trat für Josephiiie. ein; er verteidigte sie. Ihr glücklicher Stern ichren ihm eng mit dem des Kaisers verbunden; nie sollte das Schicksal des Korsen von dem der schönen Kreolin getrennt werden Doch feine Rede war überflüssig. Der Hieb, der die tiefste Wunde ins Herz dieser Frau schlug, saß. Eugen hatte ihn Josephtne versetzt.

Der Kaiser beharrte nun bei seinem Entschluß, den nur Eugen ganz allein hätte ins Schwanken bringen können, und der Rat stimmte in Ergebenheit zu. Nach beendeter Versammlnng kam Josephine in ihr Gemach, das neben dem Beratungszimmer lag; sie setzte sich neben dem Bett nieder, das sie nicht mehr mit Napoleon teilen sollte, rind da sie fühlte, daß alles zu Ende war,

Redaktion: K. Ne« rath. - Rotationsdruck und Verlag der BstWfchen Umversitäts-Btn^' und Steindruckerei. N. Lange, Gießen»