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einem Stock mit starkem Stachel and oben einem Griff, der sich zu einem Sitz auseinanderklappen ließ.
Als Hannkasper eine geraume Zeit still gesessen, die Abend-? dämmerung sich herniedersenkte, und das Abendläuten aus den fernen Ortschaften gedämpft ertönte, da regte es sich hinter Hami- kasper im Unterholz ime schwerfälliges Aufflattern.
„Das ist eine Schneppe," denkt Hannkasper, und er hatte sich diesmal nicht getäuscht. Bald streicht an seiner rechten Seite der erwartete, seltene Vogel vorbei und setzt sich in Schußweite vor ihn auf die Wiese.
Hannkasper hatte schon längst die Flinte an der Backe und nahm die Schnepfe, sobald sie sich niedergelassen, aufs Korn. Baf! kracht der Schuß. Aber welch ein eigentümlicher Schall! Uehnlich, wie wenn ein Wiesbaum auf das Pflaster fällt.
Hauukasper aber — liegt in der Fichtenschonung am Boden; er hat vom Schuß einen „Stomp" bekommen, daß er rücklings samt seinem Stuhle in die Fichten, purzelt.
Schnell rafft er sich auf und eilt nach der Stelle, wo die Schnepfe gesessen, und — welche Freude! — er hat sie tödlich getroffeu. Die Schnepfe liegt am Boden. Schmunzelnd ruft Hannkasper: „So an Buil hu ich doach mei Leawe noach nitt geseh!"
Inzwischen war auch Baltin herzugekommen, da er den Schuß gehört. Triumphierend zeigt ihm Hannkasper schon von weitem die seltene Beute. Baltin gönnt ihm den Erfolg von Herzen.
,,Oawer," redet er Hannkasper an, „woas hast b' dann eigent- lich geloare? Dei Flente deat fo ’n sonnerboare Knall!"
Hannkasper erzählt nun, wie es ihm ergangen, und betrachtet jetzt seine Flinte, deren anderen Lauf er entladen will.
„Kanone!" ruft er aus, „do fein jo die zwa Läf off amöl lusgegange! Daher aach d'r Stomp, den ich tritt hu, wäis lusgeng."
So war es in der Tat. Durch die zu großen Pfropfen gab es beim Entzünden des Pulvers einen so starken Rückschlag, daß auch die andere Patrone sich entlud. .Hauukasper verschaffte sich jetzt besser passende Pfropfen. Die erlegte Schnepfe zeigte er abends den Stammfreunden mit den Worten:
„Nu könnt 'r au Iltze daham gelosse!"
(Schluß folgt.)
Ist Karl XII. ermordet worden?
Zu den historischen Rätseln, die immer wieder, auch noch nach Jahrhunderten, die Menschheit beschäftigen, gehört die Todesursache, die den kühnen Schwedenkönig Karl XII. zu jäh aus seiner Ruhmesbahn riß. Ob ihn eine feindliche Kugel dahiurasft, ob er den Soldatentod fand, den er sich stets ersehnt, oder ob ihn das heimtückische Geschoß eines Meuchelmörders hinterrücks aus dem Wege schaffte, das ist das Problem, das bald auftauchte, nachdem das Ende des Herrschers bekannt geworden. In der Biblio- theque universelle breitet F. Schultes; das ganze Material über biefe Frage aus und gelangt auf Grund der neuesten Forschungen zu einem bündigen Resultat, das die Wahrheit über den Tod des Königs enthält.
Im November 1718 belagerte König Karl XII. die norwegische Festung Fredriksten und ließ dazu umfangreiche Schanzarbeiten ausführen. Am 30. November in der Dämmerung begab er sich selbst in die Schanzgräben, von einigen Offizieren begleitet, von denen nur zwei, der Kapitän Posse und der Leutnant Carlberg, Schweden waren; zwei andere, Schwerin und Kaulbars, waren Deutsche und vier Franzosen, unter ihnen der Kapitän Margret intb der Adjutant Sirre. Es herrschte eine so tiefe Dunkelheit, daß man „seine Hand vor den Augen nicht erkennen konnte". Die Stelle aber, wo die Soldaten eifrig gruben, ungefähr 160 m lang, war durch die vom Feinde geworfenen Brander und Leuchtkugeln stark erhellt. Um das Ganze besser überwachen zu können schwang sich der König, der um 8 Uhr eilig in dem Graben zu Abend gegessen hatte, hinauf auf die Böschung, streckte sich auf der schrägen Wand des Walles aus, die Wange auf seine linke Hand gestützt; mit der rechten Hand hielt er sich an dem Stock irgend eines Schanzkorbes fest. Das Kleid, das er an diesem Abend trug und das im Stockholmer Museum aufbewahrt wird, zeigt noch auf der ganzen linken Seite Spuren schmutziger Erde. In dieser Stellung waren der Kopf und der Oberkörper des Königs, die über den Wall hiuausragten, fo sichtbar, daß die Offiziere, die im Graben geblieben waren, ihn baten, sich nicht so sehr der Gefahr auszusetzen; der König aber antwortete nur, daß er „mit eigenen Augen sehen wollte, was vorging". Unterdessen wurde aus der Festung immerfort geschossen. Der Adjutant Kaulbars, bet im dichten Schatten der Schanze aufrecht stehend, fein Gesicht nahe an den Füßen des Herrschers hatte, bemerkte nach einer Viertelstunde, daß das Haupt Karls herabsank, ohne daß der Körper eine Bewegung machte. „Um Gottes willen," schrie er, „der König ist tot!" Man rief schnell den General Schwerin, der auf die Böschung hinausstieg, den Kopf des Fürsten aufhob und dann mit der Hand ein Zeichen machte, daß „alles aus sei". Man suchte nun den Tod möglichst zu verheimlichen. Sicre nahm den Hut des Toten ab und stülpte
ihm statt dessen seine große weiße Perücke auf; man hüllte Ben König in einen großen Mantel und machte ihn so unkenntlich^ Dann wurden 12 Soldaten herbeigerufen und erhielten den Mts-, trag, den Körper dieses „tapferen Offiziers" ins Hauptquartier zu, tragen. Beim Herabheben von der /Böschung glitt aber der' Leichnam zu rasch herunter; die Perücke verschob sich und df« Träger erkannten das Gesicht des Königs, fo daß sich die.Trauer-! Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitete.
Ein Protokoll über diesen weltgeschichtlichen Vorfall wurde nicht aufgenommen. Der Leibarzt des Königs, Melchior Neumann) der die Leiche einbalsamierte, erklärte, daß die tödliche Kugel „von der linken Seite gekommen sei", also von der Festung her. Dem stand aber das Zeugnis der Träger gegenüber, die die Wunde „an der rechten Schläfe" gesehen haben wollten. So entstand gleich im Lager das.Gerücht, der König sei ermordet, die Kugel aus dem Schanzgraben abgeschossen. Als der Schuldige galt allgemein der Franzose Stere, der als ein Freund deH Prinzen Fredrik diesem rascher auf den Thron verhelfen wollte. Mit dem Fluch des Königsmordes beladen, fühlte sich der also Angeklagte von aller Welt gehaßt und verfiel deswegen 1721 in eine schwere Krankheit, die feinen Tod herbeiführte. Kurz vorher gestand er im Fieber den Mord ein. Aber was besagte dieses Bekenntnis eines Menschen im Dodesdelirium? Man stritt weiter leidenschaftlich um dies Problem und schritt 1746 zu einer Ausgrabung der Leiche, die in einem ganz zerfallenen Zustande vorgefunden wurde. Trotzdem glaubte man zu erkennen,^ daß die Wunde an der rechten Schläfe lag. Karl XII. galt alsp von nun an als das Opfer eines Mordes. Die Zweifel an dieseü Feststellung haben aber nie aufgehört, und die historische For- schuitg hat unterdessen so viel neues Material herbeigeschafft, daß der Direktor des Urtillerie-Müseums von Stockholm Oswald Kuylenstierna, der bei Fredriksten den Schauplatz der ganzen Tragödie genau festgestellt und alle Einzelheiten neu untersucht hat, zu dem zweifellosen Resultat gelangt ist: Karl XII. ist nicht; ermordet worden, sondern starb den Heldentod durch Feindes- Hand. ------------
Viichertisch.
— Hessen - N i: in in e r des Christ!. Kunstblattes. Ein Doppelheit dieses Organs des Bundes der Freunde für Volkskunst (August-September l. I.) bringt aus der Feder des hessischen Bnndesobmamtes, Piairer Karl Sattler zu Staden, unter der lleberschriit „Kirchen und kirchliche Knust im Großherzogtiun Hessen" einen Ueberblick über Kirchenbau, Malerei und Plastik innerhalb des Gebietes der hessischen Landeskirche. Der Verfasser geht, geschichtlich vor, verweilend bei den Marksteinen der Entwicklung, dabei aber z. B. auch kleinere Kirchen würdigend, die sonst in größerem Rahmen die ihnen gebührende Beachtung nicht finden können. Der hessischen Denkmalpflege ein besonderes Kapitel zu widmen, mußte sich der Versasser bei dieser Gelegenheit versagen; doch zeigt seine Arbeit säst ans Schritt und Tritt, wie Kirche und Denkmalpflege in Hessen miteinander gehen und was sie sich gegenseitig zu danken haben. Das geht auch schon hervor aus der stattlichen Anzahl von Abbildungen aus dem Besitz des Großherzogl. Denkmalarchivs unter den 61 durchweg vorzüglichen Bildern. Die 69 Seiten umfassende Abhandlung wirb bei dem Fehlen einer be- onderen Darstellung über dieses'Gebiet dem von Wert sein, dem daran liegt, den Beitrag der Kirche aus dem Gebiete der Kunst in seiner Bedentung zu fassen, den innerhalb des Großherzogtums ein« zureihen in den der Kirche Deutschlands überhaupt. ‘ Das vom Volkskuustbaud in Angriff genommene und mit einer Schwaben» und Hannover-Nummer eingelciteie lluternehmeu einer Würdigung der kirchlichen Kunst nach dem Stand innerhalb der verschiedenen Landeskirchen hat mit dieser Hessen-Nummer eine dankenswette Fortsetzung gesunden und man darf kommenden Heften erwartungsvoll entgegensehen. Anmeldungen direkt beim Verlag sür VolkS- kimst, Rich. Keutel, Stuttgart, oder jeder Buchhandlung.
Ergcmzlmgsrätsel.
D .. k.. i. e W . r. ch.. „. u.”
.f . .. ch v.. . tl. n . ti.f.it, . i. . e..ch.u .n.ck.. m.. s. n, .i. . kl. r. ä.. 's.. .. st (Auslösung in nächster Nr.)
Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr — Treff, p Pique, c = Coeur, rar = Garreau trB — Treff-Bube, pA — Pique-Aß, cD = Coeur-Dame usw.
Vorhand steht von dem immerhin leicht verlierbaren Grand ab und spielt c = Solo. Mittelhand Halle: aB, dB, cA, cD, aD, a9, bD, d9, d8, d7, int Skat lagen b8 und c7; Hinterhand erhielt die übrigen. Spielgang:
1. V c9 M. cA H. cZ — — 21
2. M. bD H. b9 V. bA — (+ 14).
3. V. c8 M. cD £>. cB = — 5.
4. H. bK V. bZ ÖL dB = — 16.
5. M. d9 H. dD V. dA — (+ 14).
6. V. c7 AL nB H. bB — — 4.
Der Spieler braucht jetzt nichts weiter abzugeben und hat demnach gewonnen.
Redaktion: (t. 9leu«t«t& — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'lchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lang^ Dietzen,


