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Hannkasper in der Wirtschaft erschien und aus seinem Stuhle Platz Benommen hatte, da Hub er an: „Hannkasper, haut Kun ich aut Uff ’m Feald geseh, doas sollst d' müsse!"
„Wous tvoar doas?" fragt Hannkasper gespannt, er vermutete sofort etwas für die Jagd Interessantes.
„Ei", sagt der pfiffigp Gast, „ich gcang übers Feald und kam owe off m Berg der 'n Kliacker. Do faße drei House ean spielte Koarte. Off amol faht der klauste, der sich herumgedreht: „Lauft/ 'u Jäger!" Do guckt sich der äffte auch um ean säht: üeabt eawer noach a paar mol herüin, doas eas jo der dock Hannkasper. Der dout us naut!" Wäi se nu herümgespielt harre, spetzt wirrer aner die Uhrn (Ohren) ean säht: „Alleweil knumt noach an Jäger!" Do guckt der älteste Hoas auch hinab! ean saht: „Etz Kamerade, laast, woas er könnt, alleweil kimmt der Baltin!"
Ein Lachen folgte dieser Erzählung, das nicht enden wollte, selbst Hannkasper lachte mit. Von der Jagd konnte er alles vertragen, während er in anderen Dingen oft sehr kurz angebunden war und sich nicht ütef gefallen ließ. Das erste Huhn, das Hannkasper erlegte, brachte er in die Stammkneipe, um es triumphierend seinen spottenden Gästen zu zeigen. Daun nahm er's mit heim und meinte: „Doas brohre m'r amol d' Ham ean die Ferrern komme on Hont."
seine Frau, aber sagte, als er das Feldhuhn auf den Tilch legte: „No, do hoste jo doach endlich amol aut tritt! A>er Vuil eas bei Geknäll cam Feald nroub geweasc, ean hott sich ean Tud gestürzt."
„Erscht komme die Ferrern — noach die Hoor," replizierte Hannlusper und meinte damit, daß nun nach dem Rebhuhn auch behaartes Wild an die Reihe kommen werde. Und wirklich, nach einigen Tagen brachte er einen Hasen zu Fall. Nachdem er seinen Fehler elnge;ehen, den Hasen erst ein Stück ilachzulausen, um khuen nach seiner Meinung — näher zu kommen, dann zu schießen, blieb er jetzt, durch Baltin belehrt, stehen, wenn ein Ha>e hufglng, und schoß nach ihm. So gelang es ihm denn endlich, eines Tages einen Hasen zu erlegen.
«ofort kehrte Hannkaspcr von der Jagd um. Hoch trug er den Hasen mit triumphierender Miene durch das Dorf. An seinem Dause ichlug er neben einem Fenster in einen Balken am oberere Stockwerk einen Nagel ein. Hieran hängte er den Hasen auf. .Acht Tage lang hing er so als Schild von Hannkaspers Jagd- eriolg am Hause. Wenn Hannkasper von der Jagd heimkehrte, da M fein Blick immer mit Wohlgefallen auf den Hasen und seine Miene drückte aus: „den habe ich aber getroffen."
In der ..Stammkneipe aber sagte man zu Hannkasper, der Hase habe zu fest geschlafen, oder habe zu wenig Respekt vor Hann- kasper gehabt, sei sitzen geblieben, und Hannkasper habe ihn — totgetreten.
Als erste Hauvtbeute wurde der Hase zur Sonntagsmahlzeit in »er ü'amthe Hannkaspers verzehrt.
Annelies meinte beim Essen: „Doas Weald hott doach ’n vesounersch goure Geschmack."
„Siehst d's nu bal ean, woas die Jagd wert eas?" sagte schmunzelnd Hannkasper.
V. Eine Hasenjagd.
Wenn auch Hannkasper und Baltin meist miteinander zur Jagd gingen, so kam es doch auch vor, daß Haiinkasper allein zu Felde schritt. Das war insbesondere am Samstag der Fall, an dem Baltin in der Wirtschaft mehr zu tun hatte als sonst und dadurch Hannkasper er)t später folgen konnte. War letzterer allein! rm Felde, dann sparte er nicht an Munition, dann knallte er gehörig, meist allerdings ohne Erfolg.
So begab sich Hannkasper eines Samstags allein zur Feldjagd. Zu ihnr gesellte sich im Felde ein junger Bursche, den das Weidwerk interessierte. Wie Hannkasper mit der Flinte im Anschlag über die Aecker schreitet, ruft plötzlich der Bursche: „Häl — Hannkasper, häl — setzt aner!" Er meinte einen Hasen.
„Wn?" fragte Hannkasper und kommt eiligst herzu. Der Bursche deutet auf die Stelle, wo das Häslein festsitzt. „R'eas noach a wink klan (klein)", sagt Hannkasper, „oawer, ich steache -’m doach an."
Hannkasper stand vor dem jungen Häslein kaum einen Schritt entfernt; denn seine Flinte senkte sich beim Anlegen mit der Spitze fast zur Erde nieder. Bumbs! kracht der Schuß. Hannkasper hatte immer nodj eine starke Ladung in feiner Flinte. Der Klee, worin das Häslein saß, rauchte von dem Schuß. Hannkasper aber stand wre angewurzelt auf der Stelle und starrte Betroffen dahin, wo has Häschen gesessen; sie war —• leer.
- '"'W W ich oawer doach vör ’m Rätsel," ruft Hannkasper Ans. "D Hoas eas fort — ean getroaffe hun ich ’n, doas woas ist ganz geweatz."
rüst jetzt der Bursche, „Hai leihe jo DärMe vorn Hoas — ean här d' Kopp — ean häi an Bah (Sein)!"
«yyi r,®° toar es- —-Hannkasper hatte das 'Häslein, es trank noch Muttermilch, zu Brer geschossen, daß die Teile desselben im Kleeacker umherflogen.
_ , -„Oawer dem hu ich a gefloache!" sagt wohlgefällig Hann-
,,Oawer," ermahnt er den Jungen, „bei Leib naut dem Kaltrn gefaat, der schöllt. M'r sähe, ich härr noach 'm Bul geschosse." Wuf semem Wetterweg kam Hannkasper an einem Kar-
chffelacker vorbei. Hieraiif waren Leute mit dem Ausmachen von Kartoffeln beschäftigt. Die Kartoffeln ) traten ausgemacht bis auf
8-vrcheil m der Mitte des Ackers. Der Eigentümer des Ackerv hatte einen Hufen bemerkt, der sich in einer der stehenge- Ntebenen Furchen uiedergeduckt 'hatte und schon den ganzen Tag uber in seinem Lager sitzen geblieben war. Da kommt Hannkasper in Sicht. Der Bauersmann winkt ihn zu sich und zeigt 'ihm die ®teile,wo der Ha;e lagert. Richtig, Hannkasper bemerkt ihn. Er hebt die Flinte ait die Backe, aber plötzlich läßt er sie wieder sinken.
,. »Wvas soll ich Hai imnürige (unnötigen) Speckdoakel ean E Welt mache; a moag setze bleiwe, bis b’r Baltin fimmt!" jJctt diesen Worten kehrt Hannkasper aus '.dem Acker zurück.
VI. Ein Abenteuer mit Rehen.
Zwischen dem kleinen Wald, der zu Hannkaspers Jagdbezirk gehörte, und dem nächsten größeren Walde über der Gemarkungsgrenze befand sich ein mit kupierten Buchen bestandener Harm Dieser war ein beliebter Wechselpunkt für Rehe im Winter, die vvu dem größeren Wald nach dem kleineren zogen, um hier an von Brombeerblättern ihre Nahrung zu finden.
Tas wußte auch Hannkasper. Sein sehnlichster Wunsch war schon lange, auch einmal ein Reh zu schießen. Für das erste von lhm erlegte Reh hatte er seinen Stammgenossen in der Wirtschaft ent Faß Bier versprochen.
In dem Buchenhain entdeckte Hannkasper bei seinem Gang nach dem Anstande im frischen Schnee Rehspuren. Da die Windrichtung eine günstige war, so daß die Rehe feine Witterung bekommen konnten, beschloß Hannkasper, hier im Buchenhain Poflo zu nehmen. .
Kaum stand er in guter Deckung, da regte der Jagdhund "zü seinen Füßen die Ohren und hob die Nase zur Witterung/ Richtig, zwei Rehe kommen aus dem Grenzwalde direkt auf Hannkai Per zu. Seife tritt er dem Hund in die Seite, damit dieser! ruhig bleibt, hebt die Flinte und erwartet mit klopfendem Herzen und stockendem Atem die Rehe. Sie kamen näher und näher. Als sie nahe genug an Hannkaspers Stand gelangt, da — ein Krach aus Hannkaspers Flinte, und ein Reh stürzt. Das andere flieht. Hannkasper will dem Fliehenden die Ladung des zweiten Ge- wehrlaufes nachsenden, aber — ein leichter Patsch, nur das Ziindf? Hölzchen geht los, der Schuß aber versagt.
Nun tritt Hannkasper aus seinem Versteck hervor, unt die kostbare Bente aufziiheben. Himmel, was ist das! Das für tot» gehaltene Reh springt empor Und vorwärts auf "und davon. Hannkasper steht da wie versteinert und sprachlos. Tränen treten ihm in die Augen, als er die so sicher geglaubte Beute fortspringenj sieht. Dann murmelt er nur: „Hin, hm, hm." Jetzt nimmt tzanw- kasper die Flinte und wirst sie fluchend in den Schnee: „O die ahlk Bealflente leiht die ganz Schold. Alleweil hu ich d's lestmol aus b’r geschosse. Etz käs ich m'r a nau Fleute. — Nu will ich oawer doach a mol seh, waorüm om ahle Oos d'r Laaf versaht." Er hebt die Flinte aus dem Schnee auf, setzt ein neues! Zündhütchen auf und drückt ab. Wieder ein leichter Patsch, und wieder versagt der Schuß. Nun will Hannkasper heim,- auf dem ganzen Weg das verdammte Jagdpech murmelnd verfluchend. Zu Hause angekommen, untersucht er die Flinte. Er zieht die Ladung aus dem Lause und da — des Rätsels Lösung: im Laus stecken zwei Ladungen Schrot, aber kein Pulver. Hannkasper hat sich beim Laden geirrt, er hat in den einen Lauf zwei Ladungen! Pulver, in den anderen zwei Ladungen Schrot gesteckt. Das Reh, was er vermeinte getroffen zu haben, war nur aus Schrecken durch den Schuß niedergestürzt.
.„Etzt beengt mich sobahl faner wirrer off die Jahd," erklärt bestimmt Hannkasper. „Vör woas-, zäum Schinner, soll ich mich dann auch noach tut ärgern?"
Aber schon am nächsten Tag, als die gewohnte Stunde des -Anstandes kam, wurde er wortbrüchig, griff nach der Flinte und ging hinaus.
„Tie Jahd" — sagt er sich entschuldigend — „zähl schleammer o am, wäi die Menscherei." Mit dem letzteren Ausdruck bezeichnet man in der Dorssprache den Gang auf Freiersfüßen.-
VII. Die neue Flinte und die erste Schnepfe.
Die alte Doppelflinte stellte Hannkasper nun in eine Ecke, er griff sie nicht wieder an. Eine neue Lefaucheuxslinte ersetzte sie. Im Kaufmannsladen, darinnen Hannkasper die Flinte erstand, waren feine passenden Filzpfropfen für die Patronenhülsen, Kal. 16, vorhanden, sondern nur etwas größere. „Doas macht naut," fagt Hannkasper, „bäi tus auch!" und er nahm sich eine Schnur voll dieser Psropfen mit. Bald sollte er jedoch erfahren, wie irrig seine Meinung war. Es war im Herbst. Tie Schnepfen befanden sich auf dem Rückstriche. Valtin, Hannkaspers Schwager, dem letzterer öfters schon seinen Wunsch, einmal eine Schnepfe zu erlegen, wiederum mitgeteilt, stellte eines Abends beim Anstande Hannkasper an eine junge Fichtenschonung, vor der eine breite Wiese lag. Als erfahrener Jäger wußte Valtin, daß hier am sichersten der Strich einer Schnepfe zu erwarten war.
Hannkasper platzierte sich zwischen zwei Fichten auf 'feinem neuen Jagdstuhle, den er bei der neuen Flinte kürzlich erworben.. Der Jagdstuhl diente als Stock und Stuhl zugleich, er bestand aus


