Donnerstag, den Septenioer

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Dom Pikkolo zum Millionär.

Heitere Erzählung von Harry Nitsch.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Auch für Erich Sanner !var eine aufregende Zeit an­gebrochen. Er merkte jetzt, daß er in den verflossenen drei wahren eigentlich fo_ gut wie nichts gelernt hatte. Für ihn war es ein Glück, daß der Oberkellner ein freundlicher., netter Mann war, sonst hätte Erich einen schweren Stand gehabt. Dieser lies; sich die Mühe aber nicht verdrießen, seinen Ge­hilfen in die Geheimnisse seiner nicht leichten Kunst einzu- weihen.

Es war gegen 11 Uhr vormittags und im Hause daher so gut wie nichts zu tun. Der Oberkellner war zu dieser Zeit gewöhnlich auf seinem Zimmer, um sich für die Table d'hote umzukleiden. Ganz weltvergessen kauerte Erich Sanner in einer Ecke des Speisezimmers uiib las eifrig in einem ab- gegriffen aussehenden Buch. Aber das Schicksal schreitet schnell! Der Oberkellner hatte etwas vergessen und benutzte diese Gelegenheit zu einer unverhofften Revision. Sehr bald lloUe^er auch den nichtsahnenden Erich entdeckt. Leise schlich sich Herr Gerstner heran und ergriff den Pikkolo bei beit Qhren:Du Beugel, kannst du dir die Zeit nicht nützlicher vertreiben, als mit dem Lesen von allen, schmierigen Schmö­kern? Was hast du denn da, he?"

Er nahm ihm das Buch aus der Hand und las den Titel.

Französische Grammatik von Ploetz?"

Ein erstaunter Blick traf den etwas schuldbewußt da- sitzendeu Erich.Junge, du treibst Französisch? Wie kommst du denn dazu?"

Erich sah in dem Blick des Oberkellners etwas, was ihm Vertrauen einflößte, er sagte daher keck:Auch Englisch, Herr Gerstner".

Junge, du bist ja der reine Weise von Lowood." Der so sprachgewandte Oberkellner hatte von derWaise von Lowood" unserer seligen Birch-Pfeiffer leider eine falsche Auffassung.Wie bist du denn dazu gekommen, diese wis- schaftlichen Studien zn^-machen?"

In Erichs Gesicht arbeitete es. Sollte er dem Ober­kellner von Mila erzählen und dadurch den süßen Traum seiner ersten Jugendliebe entweihen? Doch die Wahrheits­liebe siegte in ihm und Erich erzählte dem freundlich Zu- horeuden die seltsame Mär.

Gerstner sah den glühend rot gegoltenen Erich lächelnd bon der Seite an, als dieser geendet hatte, dann sagte eit freundlich:Es gefällt mir von dir, daß du strebsam und lernbeflissen bist. Du wirst es auch zu etwas briugen. Wenn du weiter brav und fleißig bist, werde ich dir hin und wieder, wie die Zeit es erlaubt. Stunden in den beiden Sprachen Keben."---

.Herr Gerstner hielt Wort. Jetzt merkte Erich erst, wie wenig ihm sein planloses Studieren der beiden Grammatiken genützt hatte. Das war ganz etwas anderes, was er dutch den Oberkellner erfuhr. Er hatte wohl einen ganz hübschen Vokabelschatz im Kopf, aber die Aussprache und seine Heber» setznngeu! Das konnte Hindostanisch, oder Sanskrit, oder auch Volapük sein, Französisch und Englisch war es nicht. Der Oberkellner verstand von der Grammatik zwar auch nicht viel, denn er hatte die Sprachen im Lande nur sprechen, nicht schreiben gelernt, aber er konnte Erich doch wenigstens in die richtige Aussprache einweihen. Satzbau und Stil ließen bei beiden zu wünschen übrig, das war aber nicht so schlimm, sie wollten ja keine gelehrten Abhandlungen schreiben, es ge­nügte ihnen vollkommen, die praktische Sprache des Volkes zu beherrschen.

So verging Erich Sanner unter stetem Lernen das letzte Jahr seiner Lehrzeit. Inzwischen waren sie in das neue Grand Hotel Schwan" eingezogeu, denn Herr Wenzel hatte es sich nicht nehmen lassen, sein sehr hübsch gewordenes neues Haus so zu nennen. Er war der Ansicht, daß kein Konkurrent den Mut haben würde, ein weiteres Hotel zu bauen, wenn er schon einGrand Hotel" am Platze vorfand.

.. In dieser Kalkulation hatte er sich allerdings gründlich getäuscht, denn seit einem Vierteljahr befanden sich sogar zwei neue große Hotels im Ban. Das eine ließ der gefürchtete sächsische Unternehmer erstehen, das an­dere wurde von einer englischenCompany" errichtet, die in London, Nizza, Karlsbad und Baden-Baden schon große Häuser besaß. Es war dies ein sicheres Zeichen, daß Froy- winkel eine glänzende Zukunft hatte. Tatsächlich waren alle Fachleute des Lobes voll über die Frohwinkler Wunderquelle, wie man sie getauft hatte.

Vor einigen Monaten erschloß man noch eine zweite Quelle, die der ersten an Stärke und Heilkraft nicht viel nachstand und am Ende von Erichs Lehrzeit Ivar die Bade- verwaltung auf der Suche nach einer kohlensauren Quelle. Fremde Gelehrte fanden in der Chronik Frohwinkels dunkle Andeutungen über einenBrunnen mit sonderbarem Wasser, das heftig braust und schäumt und einen angeneh­men, prickelnden und erfrischenden Geschmack besitzt". Dies konnte nur kohlensäurehaltiges Wasser gewesen sein; der spekulative Sinn der Menschen gab sich mit dieser Kunde natürlich nicht zufrieden, sondern forschte der Quelle nach in der stillen Hoffnung, sie vielleicht wieder aufzufiuden.

War doch über die Frohwinkler überhaupt eine wilde Spekulationswut gekommen. Die Preise der Grundstücke waren derart in die Höhe getrieben, daß die alten Leute die Hände über dem Kopf zusammenschlugen. Dabei hatten sich viele Einwohner in drückende Schulden gestürzt, und wurden trotz des guten Geschäftsganges des Lebens nicht froh, weil sie zu hohe Zinsen zu zahlen hatten. Sie mußten bauen, renovieren, Läden ausbrechen, hatten die Lasten für Straßen­regulierungen, Wasserleitung usw. zu tragen, so daß viele von ihnen nicht ein noch aus wußten. Den eigentlichen Nutzen