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Voller Druck preßte sie, während ^in Auge mit warmem Aufleuchten sie traf, und halblaut sagte er ihr:
„Brav gemacht, Kamerad!"
Wie sie das schlichte Manneswort stolz machte, als wäre ihr eben ein Orden verliehen worden! Und war es nicht auch berechtigt? Von einem Hochgesinnten, der sein Leben unbedenklich für einen seiner Leute einsetzte, als Kameradin eingeschätzt zu werden, war das nicht etwas?
Sie erwiderte Malmort nichts; aber die helle Freude in ihren offenen Augen sprach für sie.
Die drei kehrten dann ins Schloß zurück; während-Dom- letsch weiter hinab ins Dal eilte, heim nach Thalwhs, wo die Seinen in Angst seiner harren mochten.
(Fortsetzung folgt.)
MegLrbttöer aus dem bufeüertal.
Man begegnet eben überall den Erinnerungen an die grafe 8üt vor hundert Jahren, und es ist natürlich, daß man da in erster Linie die Taten und Lebensbilder der Großen und derjenigen Männer vorführt, die eine 'hervorragende Rolle damals gespielt haben. Mer es Wäre ungerecht, wollte man nicht auch wenigstens einzelner aus den Reihen des .gemeinen Mannes gedenken, die sich durch ihre Eigenart oder durch ihre Leistungen von der großen Masse der Tausenden und 'Abertausenden unter Waffen, abheben. Eine kleine Schar unserer Mtkrieger aus dem Busvckertal, beabsichtigt der Verfasser hier vorNlsühren und ihr Gedächtnis wieder aufzusrischen. Ihr Bild kann freilich ein vollständiges' nicht werden, da der Mund unserer Helden längst geschlossen ist^ und die auf-gezeichneten Nachrichten, wie die Ueberlieferung meistens' sehr lückenhaft sind. Das Volk pflegt die Kämpfer aus den früheren -Kriegen je nach der Waffengattung, der sie angehört haben, oder nach den Völkerschlachten zu benennen, mit denen sie in feindliche Berührung gekommen sind. Noch heute leben diese Beinamen zum Teil in. den betreffenden Familien weiter, und halten das Gedächtnis an die Vorfahren in wirksamer Weise fest. So haben wir in Beuern Dragoner-, Spanioler- und Russenfamilien. (Die Feldwebels und Tambours stammen aus späterer, nachkriegerischer Zeit, noch neuer sind die Holsteiner.)
Den ersten Platz unter unseren alten Kriegern nehmen die beiden Mebr. Arnold, gebürtig aus dem Hause Nr- 4 in der Metzengasse in Beuern, ein, das nachweislich über 200 Jahre im Besitz der Familie Und das Stammhaus feier weitverbreiteten Glieder derselben ist. Der älteste dieses Brüderpaares wurde kurzweg der alte Dragoner genannt. Sein Ruhm, daß er eine große Heldentat vollbracht und mit -einem hohen Orden ausgezeichnet worden sei, war in aller Munde und weckte in mir das Verlangen, darüber genaueren Aufschluß W -erhalten. HaüptMaun Wald-ecker, der frühere Schriftleiter des „Hess. Kamerad", und Gendarmeriemajor SM (letzterer selbst ein Sprößling einer Buseckertalfamilie), warm so freundlich, im 'Großh. Haus- und Staatsarchiv Nachforschungen anzustellen. Es vergab sich, daß Arnold I. (der alte Dragoner) schon 1807 Soldat war und im August 4 f. 39 kr. Löhnung erhielt. -Am 27. Dezember 1809 erhielt bei Reichenau der Ch-evauxleger Arnold bei der 1. Eskadron des Großh. Chev-auxleger-Regiments die 2. Klaffe des Verdienstordens (jetzt Rittevkr-euz 2. Klasse des Ludwigordens. Der Grund der Auszeichnung war nicht ün- g-egeben. Der Regiments-kom'mandmr war Major von Münchingen. Mm 22. April 1809 kam' es am Inn bei Feichten, unweit Nmmarkt, zum Gefecht gegen die Oesterreicher. Ulanen brachen plötzlich hervor, hierbei wurde Major v. Münchingen durch einen Lanzenstich verwundet und nur durch die Bravour des Premierleutnants v. BoynebUrg, des Sekondeleutnants v. Küchler, sowie des Wachtmeisters Dornseiff und des Korporals Wonrad vor Gefangenschaft gerettet. Hauptmann Waldecker meint, ieS sei möglich, daß Arnold I. an diesem Ueberfall beteiligt gewesen sei, jedenfalls aber habe er sich im Verlauf des Feldzuges gegen Oesterreich so ausgezeichnet, daß er mit einem so hohen Orden bedacht worden sei, den im ganzen Regiment nur 30 Offiziere und 14 Unteroffiziere und Mannschaften erhalten haben. Much züm Orden der französischen Ehrenlegion waren die Gebrüder Arnold eingegeben. Sie erhielten ihn aber nicht, weil der Kurier, der denselben überbringen sollte, von den Kosaken Bet Kassel ausgehoben worden war.
Führm wir uns die aus amtlicher Quelle stammende Nachricht von dem Ueberfall bei. Feichten, in welchem der Regimentskommandeur Major v. Münchingen von seinen Leuten befreit wird, vor und vergleichen damit, was der alte Dragoner bei Lebzeiten als Grund seiner Auszeichnung wohl zu Hunderten Malen erzählt hat, so ergibt sich ohne Zweifel, daß unser alter Freund nicht nur bei jenem Ueberfall zugegen gewesen ist, sondern daß gerade er die Hauptrolle dabei gespielt hat. Nach seiner Aussage spielte sich die Geschichte in einem Hohlweg ab. Er sah seinen Vorgesetzten, der an der Schulter verwundet worden war, von ö oder 6 feindlichen Reitern umringt und in Gefahr, gefangen zu werden. Blitzschnell sprengte er mit seinem äußerst lenkbaren Pferde hinzu und dank seiner eigenen Gewandtheit und riesigen
Korpercraft gelang es ihm, den Offizier aus seiner bedrängten Lage zu befreien. Es muß wahr gewesen sein, was er in femep dero-en Ausdrucksweise berichtete: „er habe zugchauen, nicht wissend, -ob es Hunde- oder Katzenfleisch sei, was er zurichte." Die Umform hmg ihm in Fetzen am Leibe, der Säbel war zcrtrüm-
\er Major (und spätere Oberst) v- Münchingen tatsächlich tn dein alten Dragoner seinen Lebensretter sah, be- wecst me rührende Anhänglichkeit, die er ihm zeitlebens erzeigte. Er hat rhn mehrfach eingeladen, zu ihm nach Darmstadt zü kommen, wozu er aber nie zu bewegen war, obgleich ihm ein befreundeter Bauer in jener eisenbahnlosen Zeit ein Pserd für dce Reise zur Verfügung stellen wollte. Er hat ihn aber auch unterstützt und er war dessen bedürftig, denn der alte Dragoner war mtt einer starken Familie gesegnet und nach und mach voll- standtg verarmt. Einer seiner Söhne, der weithin bekannte, alte Vaniatob, sagte, daß sie zeitweise nur einen Löffel hatten/ der auf der Reihe herumgfng. Der Grund der Verarmung lag aber mcht allein tn den schlechten Zeiten und der zahlreichen Kinder- fchvr, sondern auch in der starken Neigung zum Trunk, dre sich Bet dem alten Dragoner allmählich entwickelt hatte. Als er etnft zum Militär ausgehoben wurde, hatte seine Mutter gesagt : „Wie wird es dem armen Jungen gehen, da er keinen Tropfen Schnaps trinkt." Er hatte es aber während der langen Kriegsläuften nur zu gut gelernt.
Um nochmals kurz auf den erwähnten Ueberfall zurückzukom- men, so dürfte noch zu erörtern sein, warum unser alter Held erst viel später seine Auszeichnung erhielt. Es gibt da wohl keinen anderen Grund, als daß er übersehen worden ist, wie das so manchmal geht. Daß sich bei Reichenau während des kurzen österreichischen Feldzuges noch ein zweiter, dem ersten bei Feichten ganz ähnlicher Ueberfall mit Lebensrettung desselben hohen Offiziers zugetragen haben sollte, läßt sich kaum annehmen. Das dauernde/ dankbare Verhalten des Obersten v. Münchingen dem alten Dragoner gegenüber beweist vollends des letzteren hervorragendste Teilnahme an dem fraglichen Ueberfall, insbesondere seiner Lebensrettung. „
Im Jahre 1848 starb der alte Dragoner. An seinem Sarge prangten die Felddienstzeichen und das goldene Kreuz des Verdienstordens. Vor der Einsenkung trat der damalige Bürgermeister heran und nahm das letztere in Verwahrung. Lange Zeit hindurch waren die Angehörigen des Verstorbenen in dem Wahne, als ob das mit Unrecht geschehen sei und noch in den 70er Jahren haben sie sich deshalb nach Darmstadt gewandt. Bekanntlich gehen aber alle wirklichen Orden nach dem Wleben des jeweiligen Trägers an die Ordenskammer zurück, schon des Geldwertes wegen und werden erforderlichenfalls gerichtlich eingetrieben. Die Felddienstzeichen und sonstigen Auszeichnungen verbleiben der Familie.
Die älteren Leute von der Kavallerie wurden bei Beginn des russischen Feldzuges 1812 gar nicht mehr einberufem Der alte Dragoner erhielt seinen Abschied. Sein jüngerer Bruder dagegen, Arnold II., wie er aufgeführt wird, der bei der 2. Eskadron des Gr. CHevauxleger-Regiments diente, hat nicht nur diesen, sondern außerdem angeblich noch 4 Feldzüge mitgemacht und in 7 Jahren die Heimat nicht gesehen. Mit 4 Kameraden (Stiehl-Alten-Buseck, Haas-Steinbach, ? Hattenrod, ? Saasen) kam er endlich nach Haufe. Von Einzelheiten aus seiner kriegerischen Laufbahn sei erwähnt, daß er einst in Gefangenschaft geraten und zum Tode verurteilt wurde, weil er sich beharrlich weigerte, seinen Fahneneid zu brechen und in fremde Dienste zu treten. Es gelang ihm aber glücklicherweise, zu entkommen. Daß er sich besonders ausgezeichnet haben muß, beweist schon die erwähnte, ihm zugedachte Verleihung des Ordens der französischen.Ehrenlegion.
Noch lebt einer seiner 4 Söhne, der nahe an den 90ern stehende Leonhard Arnold zu Burkhardsfelden. Er wie seine etwas jüngere Gattin erfreuen sich noch einer ziemlichen Rüstigkeit. Ihm verdaM ich die vorstehenden, wenigen Angaben über seinen Vater, den er persönlich, glsich dem Vetter Dragoner, als einen sehr starken und tatkräftigen Mann schildert.
wie Giftschlangen bekämpft werden.
Daß bei uns ein Mensch durch den Biß einer Kreuzotter ge* tötet wird, gehört zu den Ausnahmen; in anderen Ländern aber, hauptsächlich in Brasilien und in Indien, werden jährlich Tausende von Menschen durch Gistschlangen getötet, und in Indien erreicht nach der letzten amtlichen Statistik die Anzahl der Opfer der Giftschlangen eine Höhe von über 20 000 im Jahre. Weswegen gerade in Indien die Bekämpfung der Gistschlangen so schiver ist, teilt Professor Hermann K ü t t n e r (Breslau) in einem Aufsatze der „Naturwissenschaften" mit, der die giftigen Tiere und ihre Bekämpfung überhaupt zum Gegenstände hat. Danach scheinen in Indien die Abwehrmatzregeln gegen die Giftschlangen nicht durchführbar zu fein. „Der Malabare", so erzählt Küttner, „in dessen Haus eine Eobra ihr Wesen treibt, bricht ihr nicht mit einem wohl- gezielten Stockschlage die Wirbelsäule, sondern bittet sie freundlichst, hinauszugehen, hält ihr Speisen vor, um sie sorhulockeit, und ruft, wenn auch dies nichts Hilst, den berufsmähigen Zauberer und Schlangenbeschwörer, der gegen entsprechende Entschädigung der Schlange rührende Verstellungen oder bittere Vorwürfe macht.


