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Roman von Paul Grabern» 'Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Gottliebe erwiderte den Handschlag mit einem festen, Nervigen Druck, der Herrn v. Malmort unwillkürlich über­rascht auf ihre schlanke, wettergebräunte Rechte sehen ließ, während sie mit einem Lächeln evwiderte:

, es war nicht der Rede wert. Ich habe schon manch Gewitter schutzlos in den Bergen durchgemacht und gut überstanden."

Wohlgefällig blickte Herr v. Malmort ihr in die offenen, hellen Augen.

Sie sind für eine 'Dame selten abgehärtet, ich vermute Wohl nicht mit Unrecht, eine ernste Alpinistin?"

Ich denke, dafür gelten zu dürfen."

Dann freut es mich um so mehr, daß Sie uns dieser Zufall ins Haus geführt hat ich selbst bin ein großer Freund der Berge. Aber bitte, mein Fräulein, nehmen Sie doch Platz vielleicht da droben im Fenster? Es sitzt sich gut da, wenn draußen das Wetter tobt bitte!"

Gottliebe schritt dankend die Stufen, empor und ließ fich auf der einen Bank in der Nische nieder, ihr gegen­über Herr v. Malmort mit der Tochter. Sie hatte nun im Licht Gelegenheit auch den Schloßherrn zu sehen. Er mochte ein Mann vielleicht von vierzig Jahren sein. Sein dunkles Haar und der spitz geschnittene Bart wiesen aber bereits einen grauen Anflug auf. Das wettergebräunte Gesicht mit den dunklen ernsten Augen erinnerte sofort an die Tochter, und doch waren da wieder Unterschiede zwischen den beiden. In dem Mädchen lag bei aller Herbheit zugleich eine so schmiegsame Grazie, etwas so Weiches, Suchendes im Wesen, das nicht zu der festen, scharf ausgeprägten Eigenart ,in Aussehen und Wesen des Mannes da paßte ein fremdes Element im Blute der Malmorts, wohl ein Erbteil der Mutter.

Ter Mutter!

Im Fluge drängte sich Gottliebe, während sie den Blick zum Fenster hinausschickte, die Frage auf: Wo mochte die Frau des Hauses sein? Melleicht wahrscheinlich nicht mehr am Leben! Das einsame Hausen hier von Vater und Tochter ließ wohl darauf schließen.

Doch Herr v. Malmort lenkte ihre Gedanken alsbald änderen 'Dingen zu.

Der arme Domletsch unten kämpft noch immer mit dem See," er wies hinaus auf die wild aufgepeitschte Wasserfläche drunten, wo in der Tat der kleine Nachen, den Gottliebe vorhin gesehen hatte, noch immer auf und nieder tanzte. . *

Der Aermste!"

Mitleidig rief es die Tochter aus. Sie stand, das Antlitz dicht «an die Scheiben gepreßt, jetzt zwischen Gottliebe und

dem Vater, den rechten Arm um dessen Schultern ge-, schlungen.

Ist der See gefährlich?" forschte Gottliebe.

Herr v. Malmort nickte, mit ernster Miene auf |b'ett gebrechlichen Nachen drunten schauend.

Bei solchem Wetter, ja! Der Sturm stößt unvermutet aus allen Ecken, und es sind heimtückische, scharfe Riffe im Wasser. Sieh, sieh wie es ihn umherwirft!"

Zur Tochter sprechend, war Herr V-. Malmort plötzliche unruhig aufgestanden. Sein geübtes Auge unterschied drun­ten deutlich die schwere Not des Fährmanns in dem hoch mit Heu beladenen Nachen.

Auch Gottliebe war aufgesprungen, den Blick besorgt nach drunten richtend.

Sie kennen den Mann da?"

Ja mein Fischereipächter, der Jürg Domletsch «UZ Thalwys drunten," und mit zusammengezogenen Brauen verfolgte Herr v. Malmort weiter den Kampf drunten.

Gottliebe ahnte die Gedanken, die sich hinter seiner hohen freien Stirn bargen: Ob es nicht Pflicht sei, dem Mann oort unten beizuspringen.

Plötzlich ein leiser Aufschrei der Tochter, Unwillkürlich hatte sie den Arm des neben ihr stehenden Vaters gepackt, und Gottliebe warf die Blicke wieder hinab nach dem See. Eine gischtsprühende Woge hatte eben für einen Moment lang das Fahrzeug drunten begraben. Um Gottes willen! Wenn Wer, nein! Da tauchte der Nachen ja. Gottlob, wieder auf. Wer wer weiß, wie lange er dem Ansturm der Wogen noch Stand halten würde?

Man muß dem Mann da unten zu Hilfe kommen!"

Fest klangen die Worte plötzlich von Gottliebes MUnd, im selben Augenblick, wo Herr v. Malmort in schnellem Entschluß die Tochter beiseite geschoben hatte.

Nun trafen sich einen Moment ihre Blicke: Sie hatten dasselbe gedacht.

Ja und das schleunigst!"

Und schon war Herr v. Malmort die Stufen hinab.

Ich komme mit."

Gottliebe eilte ihm nach. Stehenbleibend, musterte sie einen Moment der Hausherr, erst verwundert, dann mft einem Aufleuchten im Blick. Zugleich fiel ihm der Hände­druck von vorhin ein; es war Mark in ihr, da konnte ihre Hilfe wohl von Nutzen sein.

Kommen Sie!"

Kurz nickte er ihr zu, aber sein Blick machte sie stolz.

Vater! Tu wirst aber an dich denken und mich?"

Leise bat es die Tochter, nun auch herzugekommen, und ihre durchsichtigen Hände umfaßten beschwörend die Hand des Vaters.

Es wird mir nichts geschehen!"

Ein flüchtiger Kuß auf ihre weiße Stirn, dann drängte er die Tochter sanft beiseite. Stumm, aber in geheimer Angst leuchteten ihm die dunklen Augensterne nach. Sie kannte