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gntb Tore eüt. Es wären Polen im Hanse, wir sollten |te heraus- ycbeiü? Wir leugneten unter Herzklopfen, aber standhaft, und mußten sie schließlich überall herumführen. Auch in.die Kammer der Alten steckten sie die Nase; das tapfere Hausmädchen aoer hielt sie davon ab, sich näher darin umzusehen, indem sie ihnen wiederholt entrüstet zurief: „Still, schämt ihr euch nicht, Der! kranken, alten Frau solchen Lärm aufzuführen?!' ,La gaben sie sich denn schließlich zufrieden und ließen nun dafür uM so lauter den herrischen Ruf hören: „Wutti, Schnaps! Bedien uns.
Einige Stunden später zogen endlich die Verfolger ab, und wir atmeten wieder einmal erleichtert auf. Rach ein paar -vagen, sobald es ihr Zustand erlaubte, wurden die Verwundeten nach Linkow ins Krankenhaus geschafft.. Indessen, lange sollte unsere Ruhe nicht dauern. Bald folgten derartige Heimuichungen ununterbrochen. Mitunter kamen an einem Tage Polen, Russen und wieder Polen. Tie Hetzjagd war im schönsten -Gange. Unsere Küche und Vorratskammer sahen erbärmlich aus. Besonders schlimm war's immer, wenn die Kosaken kamen. Ich werde es ms vergessen, wie sie uns das erstemal ihren Besuch abstattcten. yfn einem starken Trupp kamen sie lärmend, ohne Ordnung m den Hof geritten, sattelten ab und lagerten sich. Es befand sich unter ihnen auch eine Frauensperson, die ganz wie ein Mann an- gezogen rittlings zu Pferde faß und sich zu den Offizieren hielt. Reisig und Feuerung wurde herangeschleppt, Kessel darüber gesetzt, und nun sollte das Schmausen angehen. Schreiend kam die Wirtschafterin zu mir gelaufen und wehklagte, daß man ihr alle ihre Hühner wegnehme, trotzdem man den Kerlen schon em paar Hammel gegeben habe. Ich wollte hinauseilen, aber em baumlanger Kosak hatte sich breit in die Tür gestellt,und ließ niemanden hinaus und herein. Alles Unterhandeln half nichts; inzwischen verkündete jämmerliches Geschrei vom Hühnerhofe das mörderische Gebaren der wilden Einquartierung. In meiner Angst lief ich ins Gastzimmer, wo die Offiziere Platz genommen hatten, und klagte dort meine Not. Einer von ihnen, ein Kurländer, versprach höflich, für Ordnung zu sorgen, und der Edle rettete mir in der Tat den Rest meines armen Hühnervolkes. . Ja, er tat noch mehr, er rettete auch unser Silberzeug. Er zeigte mir heimlich einen Kosakenoffizier, der sich sehr für unsere Wohnungseinrichtung zu interessieren schien, und warnte mich vor ihm; er sei nicht ganz skrupellos int Punkte des Mein, und Dein. Dieser würdige Kamerad habe ihm selber schon ein paar Handschuhe und sogar Brot gestohlen; silberne Löffel nehme er namentlich gern zum Andenken mit. Ich verfuhr denn auch entsprechend diesem fretindlichen Winke.
Nach dem Essen bereiteten sich die Herren Offiziere eine kleine Mwechslung, indem sie auf dem Hofe draußen eine Exekution Mit einem jüdischen Händler vornahmen, der verdächtig war, den Aufständischen Kurierdienste geleistet zu haben. Sein Leugnen half ihm nichts. Es gab Knutenhiebe. Mer wie sehr sie auch den Aermsten mißhandelten: er leugnete mit spartanischem, stillem Trotz, und kein einziger Schmerzenslaut entrang sich feinen blutig gebissenen Lippen, so daß man schließlich den vor Schmerz ohnmächtig -Gewordenen in Ruhe ließ. Endlich zogen auch diese Plagegeister ab, nicht aber, ohne einen würdigen Abschluß ihrer verheerenden Tätigkeit zu bewerkstelligen. Trotzdem sie mit Speck, Mehl und Brot reichlich versehen worden waren, hatten gar manche ein Huhn oder Ferkel heimlich erwischt, andere hatten die Orangerie um ihre Zitronen geplündert. Außerdem war die Milde Rotte in den Keller gebrochen, wo sie ihr Leibge-richt, einige Fässer mit Sauerkraut, entdeckt hatten. Es war ein recht Militärischer -Anblick, wie sie nun abritten, in der Linken die Lanze und Zügel, in der Rechten die tönerne Stürze mit dem Sauerkraut, von deüi sie schnalzend aßen, während hinten im Futtersack ton Sattel ein Ferkel oder Huhn schreiend zappelte.
Von dem unglücklichen Sohn des Hauses war in all der Zeit nichts zu hören. Alle betrauerten ihn wie einen Verlorenen, namentlich der Vater, der keine Anstrengungen und weite Fahrten in die im Hellen Aufstande befindlichen Gegenden scheute, lu'nt bei den Insurgenten selbst etwas von seinem Sohne zu 'hören. !Nur durch Herrn Palm, den Bräutigam- seiner Tochter, der trotz des Wiederholten ausdrücklichen Verbotes dann und .wann in aller Heimlichkeit sich zu uns schlich, kam die ungewisse Nachricht M uns, daß Taver einem Freikorps zügeteilt gewesen war, das zersprengt und dessen Trism'mer über die galizische Grenze gedrängt Morden waren.
(Schluß folgt.)
Die heillrast der Sonne.
Die Heilwirkung der Sonne war, wie Stabsarzt Dr. Strauß- Berlin in einem außerordentlich interessanten Bericht über die Moderne Strahlenbehandlung der Krankheiten in ..der „Medizinischen Klinik" ausführt, schon den Aerzten des Altertums bekannt. Vereinzelt wurde auch später der Versuch gemacht, sie in der Medizin zur Geltung zu bringen, aber ohne Erfolg. Der Vergessenheit entrissen wurde sie erst in der neuesten Zeit durch die an Wunderkuren erinnernden Erfolge, welche Dr Bern
hard (Sämaden) und Dr. Rolli er (Lehsin) mit der Sonnen-, belichtnng bei Tuberkulose erzielten. Die ersten Anfänge leinen Sounenbehändlung tuberkulöser Gelenke gingen von den Doktoren Olliers und Poncet (Lyon) ans. Unabhängig davon hatte Dr. Bernharden Sämaden das Sonnenlicht bei Tuberkulose, Wunden, Hautkrebsen, Blutkrankheiten nsw. versucht und besonders bei der Tuberkulose der -Gelenke glänzende Erfolge erzielt. Ein Italiener mit tuberkulöser Fußgelenkentzündung wurde so gut geheilt, daß er nachher den abessinischen Feldzug mitmachen konnte. Ein anderer Fall mit Tuberkulose des Ellbogengelenkes würde nach der Behandlung militärtauglich. Ebenso großartige Erfolge wurden bei tuberkulösen Drüsengeschwülsten erzielt. Von 157 derartigen Fällen wurden 107 ohne Operation geheilt. Daneben wurden noch andere überraschende Wirkungen.des Sonnenlichts sestgestellt: Tie Sounenbehändlung wirkt schmerzlindernd, die Wundheilung wird außerordentlich günstig beeinflußt, die Austrocknung der Wunde geschiehst besser wie durch alle saugfähigen Verbandsstoffe, Bakterien werden abgetötet, Eiter und selbst Knochensplitter sollen aufgelöst und beseitigt werden. —- Kurze Zeit nach Bernhard berichtete «auch R o l l i e r über glänzende Erfolge der Sonnenlichtbehnndlung. Während Bernhard die Krankheitsherde allein behandelte, wandte Dr. Rollier auch noch Voll- sonnenbäder an. Wie die Erfahrung gezeigt, muß das Sonnenlicht ebenso mit Maß und Worsicht angewandt werden, wie jedes andere Heilmittel. Tie Mitteilungen Bernhards 'und Rollicrs wurden zuerst von den Aerzten sehr zweifelnd ausgenommen. Bald aber ergaben Nachprüfungen des Verfahrens dieselben günstigen Erfolge. Heute dürften alle namhaften ^Chirurgen. Anhänger der Sonnenbehandlung sein, es seien mir die Namen B ter, Fcdor Krause, v. Eiselsberg, Hohenegg, Bar denke u er und Joachimsthal genannt. Bardenheuer, der früher ein Verfechter der radikalsten Operationen bei Gelenktuberkulose war, hat nach eingehenden Studien bei Rollier jif Lehsin den Versuch gemacht, die neue Behandlung auch in unserm Klima emzuftihren. Trotzdem die Sonneubchaudlimg ideal.mir im Höhenklima durchzuführen ist, würden mich bei uns vorzügliche Erfolge erzielt, ebenso auch au der See. (Sine: Verdrängung der chirurgischen Behandlung der Tuberkulose durch die Sonnen- heilung märe uni so mehr zu wünschen, als dann namentlich bei der Gelenktuberkulose die verstümmelnden Operationen, welche besonders Kinder, die noch im Wachsen find, zn Krüppeln iverden lassen, aufhören mürben.
Viichertisch.
— Vom köstlichen Hu m o r, Band III, Hesses Volksbücherei Nr. 793—796. Hübsch gebunden jeder Band von vier Nummern 1,20 Mk. Leipzig, Hesse n. Becker Verlag. Tie ersten Bände der Sammlung „Vom köstlichen Humor" in Hesses Volksbücherei legten das Hauptgewicht auf die „Freude am Leben" und ihre fröhliche, sonnige Darstellung in harmloser Unterhaltungsform ; der dritte Band gewährt dem Leser mehr, Künstlerisches, Höheres und Tieferes, aber er stellt auch höhere Anforderungen.. Anzengruber und Raabe bieten ausgiebige Proben von „allerhand Humor". Der Chirurg Leander-Volkmann überrascht durch seinen Ton und starke Phantasie. Der romantische Humor ist durch Steub glücklich vertreten. Krtl gräbt in einem seiner Beiträge tiefer, im andern und noch mehr in Krobaths Humoreske herrscht das lustige Lachen des übermütigen Humors.
Humoristischer.
* Kinder m u n d. „Du Hans, der Storch hat dir heute morgen ein kleines Schwesterchen gebracht. Möchtest du es 'mal sehen?" — „Nce, aber den Storch."
viarnantratsel.
.Auflösung
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a, b b, c c, d, e e e, h h h h h, i i, in, n, o, r, t t, u derart einzutragen, daß die ivagerechten Reihen folgendes bedeuten:
1. Einen Buchstaben.
2. Biblischen Namen.
3. Französischen Opernkomvonisten.
4. Falkenartigen Raubvogel.
5. Stattlichen Baum.
6. Altes FlüssigkeitSmaß.
7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte und ivagerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche.
in nächster Nummer.
Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer: Mitleid hab' mit allen, Mit Mensch und Tier;
Nur eines lasse fallen:
Mitleid mit dir. O. v. Leixner.
Redaktion: K. N e n r a t h. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lauge, Gießen»


