Die Mmmrnzeichen rauchen.

Roman !aus dient Jahre 1813

Von Mtaix Karl Böttcher-Chemnitz.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der Freiherr stützte .sich jäh empor:Es ist doch nichts mit meinem Jungen, mit Werner?- Ist Nachricht vom Kriege eingegangen, ist eine Schlacht geschlagen?" Nicht doch, gnädiger Herr, nichts von alledem. Ich hoffe doch, daß es unserm Junker noch gut ergeht. Aber etwas andres, Nachricht von Frau von B'ourgee ist ein­getroffen !"

Der alte Baron ließ sich erleichtert in seine Kissen zurückfallen.Das ist gut, Tempel, das ist gut. Was schreibt sie? Will sie vou der bewußten Stimmung des Testaments Gebrauch machen oder verzichtet sie in edler .Selbstentäußerung. .Vielleicht verzichtet sie doch. Es ist nicht wegen meiner selbst, nein, ich kann den Besitz ver­schmerzen, und ich sterbe hier in diesem trauten Häuschen ebensogut wie droben im Schloß, aber meiner Kinder Wegen wäre esyiir doch eine große Freude und Beruhigung." Er wandte sich zum Pfarrer und sagte schnell und erschrocken:Lieber alter Tempel, Sie machen so große Augen, so erschrockene. Verstehen Sie mich nicht falsche Sie kennen mich ja. Sie kennen mein Innerstes doch durch und durch, und wie .gesagt, ich sterbe im Schulmeisterhause ebensogut wie im Ahnensaale, nur der Jungen wegen und vor allem Gjselas wegen hätte es mich gefreut. Gelt, Mädel, du gingst gern wieder hinauf ins Schloß?"

..Aber Vater, mir gefällt es doch überall, wo du bei litte bist" sagte die Baroneß schlicht und streichelte dem Vater die Hände. Der Alte nickte und sagte dann mahnend zum Pfarrer:Also, was schreibt Frau von Bourges?"

Gnädiger Herr, sie schreibt nicht!"

Sie schreibt nichts? ' Ja, was wissen Sie dann, und und von wem?"

Der Notar . ." ,

Ah, der Dr. Winter aus Wessel? Lesen Sie mir den Brief vor, wenn Sie ihn mithaben!"

Es ist kein Brief, gnädiger Herr, der Notar ist selbst da und bringt , und bringt .

Ja, was bringt er denn?--Sie schweigen! Ah,

ich verstehe, und bringt die französischen Herrschaften gleich mit. Was? Das ist ja großartig! Das ist ja großartig! Die häben's eilig ,das muß man sagen. Boll Gier und Habsucht wie ihr Kaiser!"

Der Pfarrer atmete auf und sagte dann still:Leider ist es so, leider!"

Und sie sind im Schloß? Und was sagt man im Dorfe dazu?"

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Im Schloß sind sie noch nicht, aber sie stehen mit ihren Wagen draußen im Kot auf der Landstraße und können nicht weiter!"

Und bitten um Hilfe?"

Nein, gnädiger Herr, sie bitten nicht, sie fordern!"

Wieder fuhr der Alte in die Höhe.Und das Dorf, vor allem Peter Wend, der Schultheiß? Wie nahmen sie die Forderung auf?"

Verzeihen Sie, gnädiger Herr! Unser guter, alter Wend ist eiu Mensch von ehrlicher, fester Biederkeit, aber auch von jachem Zorn und fast wilder Begeisterung für die nationale Sache und von'treuster Anhänglichkeit an die alte Schloßherrschaft und . . . ."

Das weiß ich, das weiß ich! Die Sache wird faul. Warum zählen Sie die Tugenden des alten Wend auf? Ist damit eine Tat zu entschuldigen, die an diesen Eigen­schaften zweifeln ließ?"

Gnädiger Herr, die französischen Herrschaften sind doch Ihre Verwandten . ."

'Ja, ja doch, und Wend, was tat er?"

Er warf den Notar mit seinen 'Befehlen, die er von Frau von Bourgee mitbrachte, zur Tür hinaus!"

Da fiel der Freiherr wieder in sich zusammen und kniff die Lippen ein und lag lange so sinnend: Daun traten ihm Tränen in die alten müden Augen und er sagte mild: Das werde ich meinem alten, treuen Wend nicht vergessen!"

Der Pfarrer und Gisela standen tief ergriffen, und keines wagte zu sprechen. Endlich Hub der Freiherr wieder an:Schickt mir die Mutter Winner her!" Gisela..holte die Schullehrerswitwe, und der Freiherr faßte ihre Hand und sagte:Frau Wintzer, habt Ihr nicht eiu Stübchen, jenseits des Flurs? Ich kann hier nicht länger weilen. Der Turm von Heidehorst, den ich hier immer und immer sehen muß, solange das Fenster nicht ganz verwachsen ist, sitzt mir wie ei'Tt Stachel im Herzen!" And mit tränenerstickter Stimme setzte er hinzu:Es wohnen ja nun andre drinnen!"

Ich will Ihnen das Schulzimmer einrichten, gnädiger Herr, das zeigt nach dem Dorfplatz. Baroneß Gisela wird gewiß gern mit den Kindern hier hereinziehen!"

In diesem Augenblick klopfte es an_ der Tür, und auf Tempels Ruf trat ein mit Kot und Schmust bedeckter Reitersmann nnd nach ihm ein tu schmutziger Livree stecken­der Diener ins Zimmer.

Ach, Heinrich," rief Gisela freudig und begrüßte den treuen Boten herzlich und zog ihn näher.Botschaft van Lmthardt? Warst lange aus, Heinrich, täglich und stünd­lich haben wir Deiner geharrt!"

Ja, gnädigster Herr, es war kein leichtes Stück zu- rückzurommen. Freund und Feind hielten uns auf; .die einen, die Freunde, um' uns 'einzureihen in die Freischar: die andern, die Feinde, hemmten unfern Weg, und nur mit List und weiten Umlvegen gelang es uns, in die Heide