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Lev 'iVaitfl getan, so gilt es mit größter Geschwindigkeit den Heimathasen wieder zu erreichen, denn die Fabriken decken ihren Bedarf bei denen, die zuerst anlangen, und wer spat kommt, findet keinen Absatz und toitit seinen Fang nur wieder ins Meer werfen. So sieht man denn von der frühesten Morgendämmerung an die Boote wieder entlaufen. Tie Einkäufer der Fabriken ^find atn Strande, fie bestimmen nach der Qualität den Preis der Sardinen, und gegen ihre Festsetzung gibt es kernen Einspruch; der Fischer utiist das Gebot annehmen oder aus die Abnahme seines Fanges verzichten. Aber nicht nur die Sardine selbst wird von den Fischerdörfern geliefert, auch die Mchsem die Kisten, kurz, so gut wie alles, was zur Bearbeitung imb Äerjendung der Sardine gehört, wird am Orte hergestellt, und so gesellen sich M den S&iufenbert Von S cirb in eit f i f cfyfcnt noch viele meitete $cru)enbe Von Arbeitern und Arbeiterinnen, Packern, Oelgießerinnen usw.

Reich sind die Sardinenfischer ja nie geivesen, aber n? kamen schließ lick aus. Leider ist nun aber auf die Sardine teilt Verlaß. Ter Fang schwankt ganz ungemein und hängt von der Laune der Sardinenschwärme ab. So erschien die Sardine im Vahre 1001 nicht wie gewöhnlich, in den ersten Junitagen, fondern erst gegen Schluß des Monates Juli: aber im folgenden Jahre war es noch viel schlimmer, indem auch der ganze Juli ohne Sardinen ver­ging. Damals stand an den Küsten der Bretagne und her Bendöe die ganze Bevölkerung in banger Erwartung, um die Mschcr- barken zu beobachten; sah man sie die Masten meoeryolen, und unbeweglich an ihrem Platze bleiben, so wußte man, daß die Sardine wieder da war. Mer ach! nichts dergleichen war zu sehen. Man veranstaltete Bitt- und Pilgergänge, der Bischof segnete das Meer, und wirklich kehrte darauf eine Barke mit 2000 Sardinen in den Hafen zurück. Mer der Fang blieb ver­einzelt und das Jahr blieb ohne Erfolg. So ist eSbemt natür­lich, daß die Preise der Sardinen den allergrößten Schwankungen unterworfen sind. Im Jahre 1882 kostete das Tausend 50 Frks., in den Jahren 1888 und 1890 dagegen kostete es nur einen Franken, und dabei kauften die Händler nur einen Teil des Fanges auf, und der Rest verfaulte, wurde als Dünger benutzt oder ins $8af)er geworfen. In Douarnenez warfen die Fischer im Jahre 1897 eine Ladung von 600000 Sardinen itrs Meer, weil sie damit nichts anzufangen wußten.

Die Schwierigkeiten, um die es sich gegenwärtig handelt, liegen zunächst darin, daß die Fischerbevölkerung einen gewissen Mindestpreis für die Sardinen festgesetzt zu sehen wünscht, und daß sie ferner für den unentbehrlichen Köder, der mit den Jahren immer teurer geworden ist, einen ein für alle Mal bestimmten Satz zahlen will. Sie will aber auch die Einführung moderner Maschinen in die Fabrikbetriebe verhindenr, weil sie fürchtet, daß dadurch Tausende von Arbeiterii brotlos werden könnten. Nun ist aber die französische Sardinenindustrie heute nicht mehr ganz konkurrenzlos. Zwar hat sie den Wettbewerb der fleiuetett, viel­leicht aber auch feineren norwegischen Sardine wohl weniger zu fürchten, aber auch die Vereinigten Staaten beteiligen sich stark am Sardinenmarkte, und der gefährlichste Konkurrent ist Portugal. Der Sardinenreichtum der portugiesischen Küste grenzt ans Fabel­hafte. Erst ein Bretone, der sich in Porfiigal meberttefy, lehrte hie Portugiesen diesen Segen ansrunutzen und die Sardinen in Schachteln tzn verpacken. Heifte hat sich die portugi fische Sardinen- industrie glänzend entwickelt und macht der französischen eine ganz gefährliche Konkurrenz.

Vermischter.

kf. Der A n t i ° D e g e n f cd l n ck e r. Denen, die trotz Knigge und ähnlicher Lehrmeister des guten Tones mit konstanter Bos­heit darauf beharren, beim Eiien das Messer in den "Diuitb zu stecken, will ein Chicagoer Ltablwarenfabrikant energisch zu Leibe gehen. Er hat nämlich ein Messer erfunden, bei dem, sobald nur der Versuch gemacht wird, es in den Mund einzuilibren, eine Schutzvorrichtung losgelöst wird, so daß der Esser in handgreif­licher Weise daran erinnert wird, daß er sich eines Verstoßes gegE den guten Ton schuldig macht. Derselbe Alaun kämpft auch gegen die Unart, beim Trinken den Löffel in ber Tasse zu lassen. Auch hier hat er Abhilfe geschaffen durch einen besonders kon­struierten Löffel, der, sobald die Tasse zum Vlunde geführt wird, infolge der Verschiebung des Schwergewichtes aus der Tasse herausvurzelt, und der Erfinder folgert wohl ganz richtia, daß der, dem dies Mißgeschick einigemal passiert, in der Folgezeit sich eines besserenBenimms" befleißigt. Wie der vielseitige Erfinder in den amerikanischen Blättern nütfeilf, wird er in Bälde noch mit einer ganzen Reihe von Erfindungeit anfroarten, die den guten Ton in allen Lebenslagen auf eine möglichst handgreifliche und atigenschemliche Weise auch dem ungehobelten Menschen beibringen.

* Kamele, die rauchen: Ein spanischer Offizier, bs« lange Zeit in Afrika stationiert war und auch während der letzten Ausstände in Marokko eine Division befehligte, erzählt, so berichtet derFamily Herold", daß d'.e Eingeborenen einen eigenartigen Gebrauch für das Tabakskraut herausgefunden haben. Sie machten nämlich die Beobachtung, daß ihre Kamele diirch den Kanonendonner während einer Schlacht furchtbar aufgeregt und

zügellos wurden. Um sie zu beruhigen und wieder gefügig zu machen, veriuchten sie es mit eiv* >t Zigarre! Um diese All- tröfterin dem Kamele mundgerecht -- nachen, formten sie ein drei­eckiges Stück Holz, höhlten es in d.r Mitte nur soweit ans, um die Zigarre darin feststecken zu können, und schoben diese neuartige Zigarrenspitze dem Kamel in das Diaul. Gierig ziehen die Tiere daun den Ranch ein und lassen sich damit beruhigen. Solange ihre Zigarre aushält, sind sie glücklich und liebenswürdig und marschieren ohne Widerstand mit ihrer schweren Bürde weiter, selbst inmitten des größten Kanonendonners. Ist sie ihnen a> er auSgeganaen, so geberden sich die Kamele noch widerspenstiger als die berüchtigten Esel, bis - eine neue Zigarre ihnen spendiert wird. Auch bei Zahnschinerzen, einem liebel, dem das Kamel nicht minder unterworfen ist als wir Alenschen, wendet der süüaue Eingeborene das fast nie versagende Beruhigungsmittel an und er­zielt gute Erfolge.

I n der chinesischen Priifungsstadt. Alle drei Jahre ergießt sich über die chinesische Stadt Wutschang am Ptmatse- fluß eine wahre Invasion von Gästen, beim aus beit ganzen Provinzen Huveh und Human strömen bann zu einer festgesetzten Zeit bie Studenten und ehrgeizigen jungen Leute herbei, um ihre Prüfung ju belieben und sich damit den Weg zu einträglichen Ma i» darinenämtern zu öffnen. Während dieser Prüfnnaszeit weilen 12- bis 13 000 hoffnungsvolle Kandidaten in den Mauern der Stadt, und ihnen folgt in der Regel ein noch viel gröberer Troß von Händlern und Handwerkern, die bei dieser Menschenanhäufung lolmenoe Verdienste wittern. Und doch sind dabei die Aussichten der Kandidaten mehr als erbärmlich, beim in ber Regel bestehen nur ungefähr 5 von l(,00 bie Prüfungen, bie für einen euroväis t en Studenten eine fast mittelalterlich anmutenbe Diarterqual bebenten wüt den Ente riesige Halle ist ausaeschlagen, bie eine ganze kleine Stabt für sich bildet: die Prüfungshalle, zu der sich nach einem feierlichen Eröffnungsbankett der endlose Zug ber Kandidaten be­wegt. Inmitten der Halle ist eine Art Turm anfueftent, dessen Spitze ein Schwert bildet: das ist ein Symbol der Disziplin, und in der Tat werden bie geringfügigsten Störungen ber Ordnung mit einer fast barbarischen Strenge geahnt et. Die Kandidaten werben verlesen, jeber erhält eine Nummer und dieselbe Nummer trägt auch eine ganz kleine, nur wenige Qnabratiuß große Zelle. Hier werden die Prüflinge eingesverrt, erhalten bann durch eilte kleine Fensteröffnung das Thema ihrer Aufgabe und bleiben 35 Stunden lang, ein Tag und zwei Rächte, Gefangene. Und das wiederholt sich nicht weniger als dreimal, so daß die unglücklichen Prüflinge in dem engen Loche in strenger Einzelhaft 3 Tage und 6 Nächte verbringen müssen. Währcnddesien schreiben sie ihre Arbeit. Aber die körperliche Anstrenguitg ist so groß, daß die Fälle nicht selten sind, in denen Studenten zusainmenbrecken; ja, daß ein Prüfling wahrend dieser Prüsungszeit stirbt, ist keineswegs eine ungewöhn­liche Erscheinung.

* Englischer Schulhumor. Eine Reihe luftiger Proben aus englischen Schulheften wird im Univerfity Correspondent veröffentlicht. Ein jugendlicher Historiker versichert:Während des Interdikts zur Regierungszeit Johanns durften Geburten, Eheschließungen und Todesfälle nicht Vorkommen und waren ver­boten."Heinrich VIII. erwarb den Titel Fidei Defensor, weil er seiner Königin so treu war." Fremdwörter und technische Bezeichnungen erwecken bei manchen kleinen Engländern recht originelle Gedankenverbindungen.Ein Vakuum ist ein leerer Raum, in dem nichts ist; der Papst lebt in einem.solchen." (Vatikan.!Ein Konservativer ist eine Art Treibhaus, von dem aus man auf den Mond blickt." (Observatorium.)Die sieben Großmächte Europas sind die Schwerkraft, die Elektrizität, der TaMpf, das Gas, die Flugräder, die Motore und Mr. Lloyd George." Noch einige Proben seltsamer Uebersetzungskünste aus dem Französischen und dem Lateinischen.A l'aide de son filet: mit der Hilfe seiner jungen Dame."Jl ne baut Point disputer les gostts: man soll nicht mit gichfischen Leuten streiten (gouti) people)".Cave canem: hüte dich, daß ich nicht singe."

Bisherrätsel.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Schön ist bie Fugend,»'ft, sie kommt nicht mehr.

Redaktion: K, R e u a t h. ~ Rotationsdruck und Verlao ber Brübl'ichen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«,