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e gleich, alle...
। als sie mit dein Vorsatz hinkam, tijinoi alles zu sagen und um Aufnahme zu bitten, war Mama schwer krank gelegen
Es war doch mehr gewesen damals im Herbst als eine bloße Erkältung. Nach wochenlangem Hinziehen hatte sich eine böse Lungenentzündung daraus entwickelt.
Mitten in den allgemeinen Jammer und die Ausregung hinein konnte sie nun doch nicht noch den Jammer ihres Herzens tragen!
Mama war ngch immer nicht gesund und der alte Petermann beschwor sie jeden Tag von neuem — zu warten. Selbst die kühle Schwiegermama war beredt geworden. So schleppten sich die Wochen hin. Aber es war ein unhaltbarer Zustand natürlich...
Und jetzt... Meta sprang plötzlich von der Chaiselongue auf und schritt unruhig hin und her.
Wenn das wahr war, was ihr das Lächeln des Professors heute angedeutet hatte?
Wieder stieg das heiße Angstgefühl in Meta auf.
Durfte sie bann gehen? Mußte sie dann nicht schweigend die Ketten weitertragen... die goldenen, die sie wund rieben... um des Kindes willen, mit dem Gott diesen unseligen Bund segnen wollte?
Sie trat ans Fenster und starrte hinaus.
Düsterer wurden die Nebel, wie ein schweres, dunkles Tuch breitete sich die Nacht über die Erde.
Nein, sie wollte nicht daran denken. Es könnte ja nicht sein. Andere Bilder, schönere, freundlichere. Der Prinz, der ihr täglich Blumen sandte, welche sie achtlos im Vorzimmer welken ließ... was war er doch für ein komischer Mensch!
Kaum ein freundliches Wort gönnte sie ihm und er kam immer wieder. Gerade wie Montelli auch ... der erst recht . . . komisch! Ueberhaupt die Männer! Einen wahren Ekel könnte man bekommen, wenn mau nicht lachen müßte...
Waren sie besser als Niki? Sicher nicht! Nur anders. Niki wenigstens hielt sich in der letzten Zeit bescheiden im Hintergründe... ach, sie waren alle gleich, alle...
Alle? Nein. Meta schloß die Augen und lehnte die heiße Stirn an die kalte Spiegelscheibe. Einer war anders.
Sie sah ein Häuschen mit grünen Lüden am Ufer der rauschenden Frieda». Sie hatte es nie in Wirtlichkeit gesehen und sah .es doch ganz deutlich. Ein dunkler Männerkopf blickte heraus und winkte ihr zu. Zwei tiefblaue Augen lächelten sie an und eine weiche Stimme sprach ernste, gute Worte...
„Meta — du machst mich rasend mit deinem Kokettieren ..
Jeder Tropfen Blut wich aus ihrem Gesicht.
„Ich..." stammelte sie hilflos, „ich soll... kokettiert haben?"
„Ja — mit Montelli, mit dem Prinzen — leugne es nicht! Ich habe dich jode Minute beobachtet!"
Sie atmete auf und machte sich hastig tos.
Mit dem Prinzen — mit Montelli also?
„Du phantasierst!" sagte sie kalt, „laß mich vorüber — es ist spät."
Er betrachtete mit funkelnden Augen ihre schlanke Gestalt, an der das weiße, duftige Gewand mit dem flimmernden Flitter in losen Fakten herabfiel. An ihrem milchweißen. Hals, der ohne jedweden Schmuck war, blieb sein Auge haften.
„Warum trägst du das Perlenkollier nicht, das ich dir zur Hochzeit gegeben? Warum überhaupt keinen Schmuck — nicht einmal im Haar?"
„Weil es mir so beliebt. Alles, was du mir jemals geschenkt hast, steht zu deiner Disposition. Ich werde es dir zurückstellen."
„Meta!" schrie.er auf, das ist —"
„Was willst du denn? Es wurde unter anderen Voraussetzungen gegeben und — genommen!"
Sie schritt an ihm vorüber und verschwand in ihren Gemächern.
. IV.
Sechs Wochen später saß Meta zur Zeit der . Dämmerung in ihrem Boudoir. ' Sie hatte die Türe verriegelt und der Jungfer strengen Befehl gegeben, keinen Besuch vorzulassen.
Ganz allein und ungestört wollte sie mit sich sein.
, „ Ein weiches, weißes Morgenkleid umhüllte lose ihre Gestalt. Sie tag auf einer Chaiselongue nahe beim Fenster und starrte unverwandt hinaus.
Schnee lag über den Rasenflächen des Parkes und Schnee auf den dürren Aesten, die nackt und trostlos gegen den düsteren Dezemberhimmel ragten. Die Luft Ivar regungslos und nebelschwer.
Alles sah trostlos und traurig aus.
„Wie in mir selber!" dachte Meta aufseufzend. „Nebelgrau — unbestimmt — seltsam verwirrt..."
Ja, verwirrt, das war das richtige Wort. Der Kopf war ihr sonderbar schwer, das Denken machte ihr Mühe, eine bleierne Müdigkeit lag ihr in allen Gliedern, wie öfter in der letzten Zeit.
War sie krank? Sie hoffte es. Dann fiel ihr wieder das Lächeln ein, das Professor Bürger, den ihr der besorgte Schwiegerpapa über den Hals geschickt hatte, auf den Lippen getragen hatte, als er sie vor einer Stunde verließ.
Das Blut stiege ihr jäh ins Gesicht, Angstschweiß trat auf ihre Stirn, ein förmliches Entsetzen ergriff sie.
„Nein, nein — nur das nicht! ö mein Gott, nur das nicht!" betete sie inbrünstig.
Sie war jetzt sieben Monate verheiratet. Seit zwei Monaten war ihr einziger Gedanke bei Tag und Nacht: frei werden! Fort aus diesem Hause, dessen Glanz und Pracht ihr Ekel erregte, in dem sie so elend geworden war.
Bon Tag zu Tag klarer kam ihr zum Bewußtsein, I lvas Isa Renner damals gemeint hatte mit den Worten: I «Jede wahre Ehe ist glücklich. Die anderen sind eben I kerne Ehen."
Heute vormittag war sie zum ersten, M!ale in Isas I neuem Heim gewesen. Da hatte sie es ganz begriffen. I Sa, das war unauflösliche Gemeinschaft, ein wirkliches I Ernswerden. Das war Ehe! I
\ Üe selbst? Meta schauderte. Dann lachte sie plötzlich hell auf. Ihr war jener Frühlingsabend einqe- snllen, da sie mit, Niki Petermann sich verlobt hatte. Sie sah sich wieder, die Seele voll jauchzender Hoffnung. voll guter Vorsatze, voll Glück.
Lagen Jahre dazwischen?
Nein, bloß sieben Monate... und nur fünf hatte sie gebraucht, um zu begreifen, daß dieser Bund, der sie entwürdigte, getrennt werden mußte um jeden Preis.
Y ~er ^^/^termann hatte sie mit erhobenen Händen Steten zu bleiben, den Skandal zu meiden, Geduld zu
Sie hatte nein gesagt.
- Bit den Eltern wollte sie. Zurück ins' Vaterhaus. Aber
Und dann...
Mit einer wilden, jähen Bewegung fuhr Meta zurück I und riß die Augen auf. Ihre erschreckten Blicke glitten verstört herum. Es war dunkel in dem Gemach geworden, nur die Glut im Kamin strahlte einen matten, blutroten Schimmer in die Finsternis.
Was war das gewesen? Hatte sie geträumt oder...
Ein seltsam beklemmendes und doch süßes Gefühl durchrieselte ihren Leib. Ihr war, als sei sie selbst — ihr Leib und ihre Seele — der Schauplatz, auf dem sich etwas unendlich Großes, Erhabenes vollzöge.
Da — da war es wieder —
Regungslos und doch fiebernd in allen Pulsen stand sie da. Dann strömte das Blut mit jäher Gewalt zum Herzen. Frostschauer überliefen sie. Glühende Hitze brannte ihr auf der Stirn.
Vergessen war alles andere: Qual, Enttäuschung nnb Söhnsucht, übertönt von dem Gewaltigen, das gleich einer brausenden, seltsamen Melodie in ihrer Seele vibrierte.
Und als wäre das Etwas, das eben in ihr zum Leben erwacht war, ein mystisches Heiligtum, so sank sie ergeben vor ihm in die Knie.
In diesem Moment klopfte es von außen an ihre Tür.
„Meta" — es war die Stimme ihres Schwiegervaters
—- „Meta, öffne) bitte — ich möchte mit dir sprechen." Wie sonderbar fremd seine Stimme klang! Schwerfällig stand sie auf und öffnete.
„Verzeihe, Papa — ich werde sogleich Licht machen.
Sie tastete nach dem Drücker des elektrische,! Lichtes. Petermann aber hielt ihre Hand mit sanftem Druck fest.
„Laß nur — ich kann — wir können auch im Dunkeln sprechen."
Er zog sie neben sich auf die Chaiselongue und behielt rhre Hand, die sie ihm willenlos überließ, in der seinen.
(Fortsetzung folgt.) '


