Ausgabe 
11.1.1913
 
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Samstag, den H. Zanuar

das Seelische war mir an den Weibern immer verdammt gleichgültig."

Sein Vater schüttelte mißbilligend den Kopf.

Wenn du dich Meta gegenüber auch so brutal aus- drückst, dann begreife ich freilich manches! Dein Verkehr hinter den Kulissen 'hat nicht gut auf dich gewirkt. Immer­hin es ist noch 'nicht zu spät. Ich werde mit Meta reden und du wirst das Deinige tun, verstanden?"

Gewiß, Papa"

Der Hinzutritt anderer Personen unterbrach das Ge­spräch.

Meta tanzte die zweite Quadrille mit Herrn von Münster.

Wie em reiner, frischer Frühlingswind ivehte diese Unterhaltung in die schwüle Treibhausluft von Phrasen, galanten Komplimenten und gewagten Anspielungen, mit welchen ihre übrigen Tänzer sie umgaben.

Er erzählte von seiner Mutter und Schwester. Beide lebten auf dem Lande in einem kleinen eigenen Häuschen, das in einer stillen Gegend am Saum eines Waldes lag. Münsters Vater hatte es gekauft, als er in Pension ging.

Ein alter Dienstbote, der vierzig Jahre in der Familie diente, -führte die Wirtschaft. Sie mußten bescheiden leben. Außer der kleinen Pension hatten sie einen Zuschuß aus einer Stiftung. Frau Münster war eine ausgezeichnete Wirtin, sie zog feine Gemüse in ihrem Garten und Tafel­obst, das sie iin Sommer an die umwohnenden Sommer- -frischler verkaufte.

Hedwig besaß ein bedeutendes Mältalent und hatte ab und zu das Glück, ein Bild zu verkaufen.

Dann herrschte geradezu Luxus in dem kleinen Häuschen.

Das klang alles so anheimelnd. Wie gebannt horte Meta zu. Sie sah den ernsten Tannenwald, der sich hinter dem Häuschen mit den grünen Läden den Berg hinanzog. Sah den Obstgarten mit dein samtgrünen Rasen imb hörte die Friedau rauschen, ein durchsichtiges, grünes, ungebär­diges Gebirgswasser, das an seinem Ende vorüberstrndelte.

Sie sah die alte Fran von Münster mit weißem Schei­tel und einem schwarzen Spitzenhäubchen darüber und die fleißige Hedwig mit dem verträumten Künftlerblick in den braunen Augen.

So anschauliche wußte der Major!zu schildern, daß Mefd wie aus einem Traum erwachte, als die Quadrille zu Ende war.

Und eine große Sehnsucht nach dem stillen Ort an der Friedau blieb in ihr zurück.

Sie fühlte sich wie von einem Alp befreit, als endlich das Fest zu Ende war und sie dem letzten Gast die Hand zum Abschied gereicht hatte. m

Fast entsetzt wich sie zurück, als an der Tür ihres Ge­maches plötzlich ihr Mann vor ihr stand, den Arm nm sie schlang und ihr heiß zuflüsterte:

Von jfrühling ;u jfrühling.

Roman von Erich Ebenstein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ich habe wirklich nichts Ungehöriges bemerkt. Höchstens, !daß Meta etwas gelangweilt aussah. Du bist ein Tor, Niti daß man ihr den Hof machen wird, mußt du doch gewußt haben. Die Hauptsache ist, wie sich die Frau selbst dabei verhält. In dieser Beziehung kann man Meta wirk­lich nichts vorwerfen!"

Niki Petermann strich sich über die fiebernde Stirn.

Vielleicht bin ich ein Tor..." murmelte er,aber sie ist schuld daran wäre sie anders zu mir, wäre ich nicht so verrückt. Aber so, nicht einnial die Fingerspitzen darf sch ihr küssen..."

Des alten Petermanns Gesicht wurde plötzlich ernst. Du weißt, ich mische mich prinzipiell nicht in eure Menage ... nun aber möchte ich doch eine Frage an dich richten ist es wahr, daß du deine alte Junggesellenwohnung wieder bezogen hast?"

Ja. Meta bestand darauf. Sie will sich scheiden lassen..."

Der Alte trat-erschrocken zurück.

So schlimm ist es zwischen -euch? Warum?"

Edith Dorloni... irgend eine Gans von Freundin verriet ihr"

Ah du setzest die Bekanntschaft mit der Dame immer noch fort? Auch jetzt noch, Niki?"

Was soll ich denn tun? Im Grunde ist mir die Person ja ganz gleichgültig, aber was soll ich an fang en? Die Abende verbringt Meta bei ihren Eltern oder schließt sich ein und liest irgendwie muß ich mich doch zerstreuen. Edith ist immer heiter und amüsant bei ihr vergesse ich."

Du bist sehr unklug, Niki! Ich will dir gar nicht mit Predigten kommen über Moral aber in einer Provinz­stadt wie G. wird alles bekannt. Das hättest du bedenken müssen!"

Ach was, nun ist es zu spät! Es lag ja nur an Meta, niich an sich zu fesseln. Aber sie hatte auch im Anfang eme steifleinene Kühle meiner Zärtlichkeiten gegenüber, bte mich langweilte..."

Und doch bist du eifersüchtig! Und doch bist dir verliebt i-tt fie!"

Sie ist berückend schön! Biel schöner als alle anderen Frauen!" ,

-Du haft es sicher ungeschickt angefangen, Hr Herz zu gewinnen. Meta ist keine gewöhnliche Frau... manche Frauen legen ein großes Gewicht ans das Seelische."

Jawohl das Seelische! Das ist Metas Steckenpferd" ein höhnischer Ausdruck glitt über Nikis Gesichtaber

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