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Bedeutung des Wortes Bergen in seinen mannigkachen Ver- bindungen. Bergen ist eine g rmanische Bezeichnung üir Burgen, fiir Befestigungen nller Art, für Ctte, in deren Stüde Ringwalle vorgefunden ivorden |inb. Besonders iüngs des alten röm.scheu Grenzwalls, des Liines, trifft mein die Bezeichnung von Bergen sehr viel, allerdings oft in versteckterer Form. _

Der zahlreich auftreiende Name Hiniel iHiukelsberg, Hmkels- bürgt ist auf dein Umweg über Hühner auf alten Ursprung zmück- zufiihren. Letzten Endes kommt es auf Hünen heraus, mit denen die Römer, aber auch die Fremdlinge überhaupt bezeichnet wurden. Bei der Altertumsforschung flößt der Forscher oftmals aus das Wort Keller, beispielsweife in Kellerwald, und es Hebt fest, daß Keller mit unserem Borratsraum nichts zu tun hat. Vielmehr hängt das Wort anscheinend mit unterirdischen Räumen, mehr Burgruinen und aller, in der Erde verborgener Mauerreste zu­sammen. Eharakteristisch ist auch die Bezeichnung Wüsten- garten. Unter »Garten" verstand man in alten Zetten durchweg einen der Oeffentltchkeit dienenden cingebegten Raum. Es wird sich wohl um eine Gerichtsstätte gehandelt haben. Garten kommt Öfters vor, namentlich in Verbindung mit Linden, tveil die werichts- stätten in der Regel mit Linden umpflanzt waren. . Auch das ost- mals auftretende Wort Rosengarten ist in diesem Sinne zu erklären. Rosengarten deutet allerdings mehr auf Grabstätte hin, denn die Rose ist die Grabblume. Tn jedoch die Rose aus Rom importiert ist, muß man mit Grabstätten aus der nachrömischen Zeit rechnen, ivenn nicht vorgezogen wird, Rosen mit Rasen zu identifizieren. Römischen Ursprungs aber ist sicher die Flurbezeich- »ung Weiler, die wohl aus den Billen der Romerzeit abgeleitet ist.

Rudolph Möbius.

* D i egute Kinderstube" gilt noch immer für die beste Mitgist, die ein Kind von seinen Eltern empfangen kann. Tie märchenerzählendc Mutter (sie hat keine Zeit mehr) ist lange, sehr zum Schaden der müßigen Jugend, durch die minderwertigste Schundliteratur ersetzt ivorden. Deshalb ivar es ein glücklicher Gedanke, als eine Reihe um die Volkswohlfahrt besorgter Männer den Entschluß faßte, das schlechte Buch auch durch das gute und bessere Buch zu verdrängen und dieDeutsche Jugendbücheret", die, vort den vereinigten deutschen Prüfungsausschüssen für Jugend­schristen begrüitdet, vom Dürerbund herausgegeben und von der Firma Hermann Hfllger, Verlag in Berlin W. 9 vertrieben wird, ins Leben riefen. Die Zehnpfennigheite haben sich schnell bei der Jugend durchgesetzt und zu ihrer Beliebtheit iverden die neuen Reklameinarken nicht wenig beitragen.

* Einfluß der Zeit auf rotes Glas. Dr. C. H. Würtzen, Kopenhagen, hat drei Jahre lang zahlreiche Untersuchungen an rotem Glas angesteüt. Die Resultate dieser spektroskopischen Untersuchungen hat er jetzt imBrit. med. Journ." veröffentlicht. Darnach verliert roteS Glas seine Absorptionskraft im Laufe der Zeit (zuweilen schon nach ein bis zwei Jahren), auch wenn es nicht dem chemischen Einfluß der Sonnenstrahlen ausgesetzt ist. Tie zu verschiedenen Zeiten gekauften Scheiben behielten ihr Absorptions­vermögen verschieden lange. Die spektroskopische Untersuchung beim Ankauf ließ absolut kein Urteil über die voraiissichlliche Haltbarkeit zu. Diese Untersuchungen sind nicht nur interessant für die medi­zinische Praxis (Rotlichtbehandlungi, sonderii auch für weite Kreise des Publikums, da bekanntlich auch die in den weitesten Kreisen beliebte Amateurphoiographie der roten Zylinder bedarf.

ok. Eine Trtnkg eld ges chichte. Es war ein ehr- ivürdiger, freundlicher alter Herr im Gewände des englischen Geist­lichen. In einem bekannten Londoner Hotel, aus dem man nicht wieder entschlüpfen kann ohne das fürchterlichste Spteßrutenlaufen durch die erwartungsvollen Reihen der Hotelangestellten, nahm er ein freundliches Zimmer im obersten Stock,mit Aussicht auf den Dom von St. Paul, wenn ich bitten darf." Er schien in Hotels nicht sehr bewandert zu sein, beim er haste keine Seife milgebracht. Diese bestellte er also beim Kellner, unb auch eine Wachskerze, da er, tute er sagte, ihr gesundes Licht dem elektrischen vorzöge. In seiner Rechnung am folgenden Morgen fand er unter anderem: Seife 1 Schilling, Kerze 6 Pence. Der alte Herr sah wohlivollend auf die Rechnung herab, aber ehe er sein Zimmer verließ, steckte er die Seife in die linke Rocktasche, die Kerze in die rechte. An der Hotelpforte staiideu sie schon in Reih und Glied. Der alte Pfarrer nahte mit gütigem Lächeln. Dem Liftboy tätschelte er den Kraus­kopf. Dein Manne, der dazu da ist, graziös nichts zu tun, sagte er ein freundliches; Danke recht schön. Ein fataler Anfang für die Kompagnie Dennoch kamen Hausknecht und Portier heran mit ausgestreckten Händen. Da zog er aus den Tiefen seiner Tasche erst die Kerze und drückte sie dem boots in die Hand mit den Worten: Sir Pence für Sie. lind die Seife in die Hand des Mannes mit den Goldtressen: ein Schilling für Sie, mein Freund. Die überraschten Empfänger sahen sich immer noch ihre Trinkgelder an, als der alte Herr schon in seiner Autodroschke dahinrollte.

* E i n b e g e h r t e r Poste n.Warum bewerb en sich eigent­lich bei Ihnen so viele Leute um das Amt des Postmeisters,iu dieser kleinen Stadt?" fragte der Fremde,der Posten kann doch

nicht so gilt bezahlt fein."Gewiß nicht," antwortete der Ein­heimische,aber sehen Sie, jeder möchte halt gern der erste feilt,- der die Postkarten liest."

* Das ungenügende Lexikon. Die Suffragetten wei­gern sich auf das Entschiedenste, die Enzhelopedia Americana in ihrer Bibliothek aufzustellen. Warum? Weil unter dem Schlag­wort .Eva" nur steht:Siehe Adam."

* Falsch verstanden. Vater:Ihr Gehalt genügt abev nicht, um einen Hausstand mit meiner Tochter zu gründen.". Freier (eifrig):Wie freue ich mich, daß Sie das fo rasch gemerkt haben!"

Bücherüsch.

EgmoittSeherlen, Tie schmerzliche Scham. Roman.- (S. Fischer, Verlag Berlin.) Geh. 6 Mk., geb. 7,50 Mark. An Büchern über die Entwicklung von Kindern und jungen Leuten ist kein Mangel. Aber die vorliegende Geschichte einer Jugend, erzählt von einem bisher gänzlich unbekannten Verfasser als Ersb- lingswerk, wird mit allen sonstigen Büchern dieser Art nicht ver- wechselt werden. Es ist so reich und exakt, daß es zu den Quellen­schriften über das Thema gerechnet.werden kann. Insbesondere wird die moderne psycho-analytische Schule, die sich um den Namen Freuds sammelt, in unferm Buche Bestätigung, Anregung und vor allem Material in Fülle finden. Von der Geburt bis zuntj ersten selbständigen Ausbruch des JnnglingS in die Welt führt das Buch. Und indem es sich fast wissensiyaftliche Pflichten auferlegt, ist es doch immer ein Buch der Phantasie und Gestaltung; es ist sogar ein durch und durch romantisches Buch.

DiegeboreneCanthussen, Roman von E. V e l h. Verlag von Philipp Reelain jun. Leipzig. Die beliebte Schrift­stellerin hat hier mit meisterhafter Charakteristik einen seltsamen Frauentypus gezeichnet, ein berückendes Weib, dem einzig feine eigene Schönheit und die Triumphe, die sie mit ihr feiert, Lebens­inhalt ist. Die bewegten Ereignisse 'ihres Lebens, die Erlebnisse von drei Ehen vermögen an ihrem Wesen nichts zu ändern, und sie stirbt wie sie lebte, mitten im Rausch der Lebenslust. Pauk Heyse, dem der Roman im Manuskript vorlag, soll ihnein her­vorragendes Werk, ein glänzend durchgeführtes Charakterbild" ge­nannt haben. ' /

Rosa Breiten, Roman von Alexandra von Hoffe. Verlag von Philipp Reelam jun. Leipzig. Die Geschichte einer aus leidenschaftlicher Liebe geschlossenen Ehe zwischen einem Ita­liener und einer Deutschen. Der Unterschied der Tentperainente und der Lebensgewohnheiten, die im Volkscharakter begründeten Gegensätze zwischen den beiden Menschen führen unausbleiblich zu tragischen Konflikten, so daß der Tod der Heldin als eine Er­lösung erscheint.

Wenn Götter lieben. Erzählung aus der Zeit des Tiberius. Von Richard Voß. Zweite Auflage. Oktav. XII, 254 Seiten Text. Verlag von I. I. Weber (Illustrierte Zeitung) in Leipzig. Gerade noch rechtzeitig für den diesjährigen Weihnachts­markt erscheint die neue, zweite Auflage des durch seine zahlreichen Werke auf dem Gebiete der schönwissenschaftlichen Literatur rühm­lichst bekannten Verfassers. Wie bei fast allen feinen Erzählungen, führt uns auch hier Richard Voß nach Italien, ins alte Rom, und zwar in die Zeit, wo es unter dem Drucke der Herrschaft des Kaisers Tiberius arg litt. Es ist ein prächtiges, zum Teil düster gehaltenes, Sittengemälde, das durch den ersten Eindruck der christ­lichen Botschaft eine milde Färbung erhält. Unter den Stimmungs- nnd Charakterschilderungen treten vor allem die meisterhaft ge­zeichneten Züge des dem Wahnsinn verfallenen Despoten fcharf hervor. »

Die Quelle", Zeitschrift für Literatur, Kunst und Theater. Herausgeber: Dr. Reinhard. Verlag C. W. Mantsch u. Co., Leipzig, 7. Jahrgang. 24 Hefte 5 Mk. Einzelhefte 25 Pfg. Die bekannte literarisch-belletristische Zeitschrift erläßt in ihrem D e h m e l - H e f t", in dem das Schaffen des Dichters unter voll­ständiger Zitierung von zahlreichen Gedichten Dehmels durch Ju­lins M. Becker eigenartig beleuchtet wird, ein bemerkenswertes Preisausschreiben für das beste soziale Gedicht.

Charade.

Recht viel icbenk' dir der Himmel von bett ersten Beiden, Bewahre dich vor Trübsal und vor Leiden.

Wenn Kummer nur und Sorgen arg dein Herz beschweren, Kannst btt bisweilen dich der Drei-Vier nicht erwehren.

Sind alle Sitben nun zum Ganzen eng verbunden, So hast du unverhofft ein großes Glück gefunden.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer!

RUBI N

URAL

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Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Langq. Gießeq,