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Sie sind erfüllt von jener „Vereinigung mit Gott", von jenem tiefsten Naturgefühl, das sich schon in der Zeitigen Hildegard von Bingen zu einer seltsamen Weltlehre verklärte.
Warum ich in keine Konzerte gehe?
Tiefe, manchem wohl etwas verwunderlich erscheinende Frage beantwortet Karl Spitteler in einem lehrreichen Artikel tm 2. Oktoberheft des „Kunstworts" folgendermassen:
Schon öfters ist über die Zulässigkeit von Mißbilligung^-' äußerungen ans der Zuhörerschaft gesprochen worden: fast immer mit dem Ergebnis, daß Mißbilligungsäußerungen zwar grnndNtz- lich nicht minder berechtigt wären als Berfallsaußerungen, daß jedoch ratsam sei, sie auf das Äußerste zu beschränken: wenn uia)t von Anstands tvegeii so doch aus Achtung vor dem Puoükum, vor den Aussührenden, und vor allem aus Achtung vor sich selber.
Nachdem ich mir wiederholt mein Teil dabei .gedacht, ist nur eingefallen, warum ich nicht auch mein Teil dazu sagen sollte. Ich bin mit dem obengenannten Ergebnis, man solle aus Tarr- gründen, Anstaudsgründen und Achtungsgrunden Miß- billigungsänßerungen unterlassen, durchaus , einverstanden, wenn es sich um Vorführungen in einem P.rrvat- »ir fe[, also in einem Salon, handelt. Denn wenn ich'Mich in einen Privatkreis begebe, so übernehme ich damit die Verpfirch- hing, mich höflich aufzuführen. , Mag eine Sängerin noch so schrecklich schreien, sie ist gleich mir der, Gast der Dame, die uns beide beehrt hat — ich werde also manierlich stillhalten: e» tann mir vielleicht sogar gelingen, die Sängerin, dm mich soeben angeschrien hatte, über ihr elegantes Kleid zu bekomplementieren.
Uebernehme ich aber die nämliche Verpflichtung, wenn ich mich in ein öffentliches Konzert begebe? Ich behaupte, nein. Ein öffentliches Konzert ist eine anspruchsvolle Anstiftung; es behauptet durch seine Anpreisungen, durch seine Inserate, durch das Eintrittsgeld, das es fordert, etwas Vorzügliches zu leisten; leistet das Konzert Mittelmäßiges oder, Unerträgliches, so begeht es mithin einen Vertragsbruch, mindestens eine Täuschung. Es ist auch keine Dame des Hauses vorhanden, der ich Ehrerbietung schuldete; ich biu von -niemand namentlich eingeladen worden, ich Habs nicht die geringste persönliche Beziehung zu den Konzertgebern, ich kenne sie nicht und sie kennen mich nicht und kümmern sich nicht um mich; ich bin folglich jeder Rücksichtnahme enthoben, so daß mein Urteil vbn feder Hemmung befreit ist. Ich, sollte aber Lleichwohl aus den obengenannten Gründen, falls mein Urteil abschützend lautet, es nicht laut werden lassen, die Faust rm Sack machen? „Es geschieht einem ja keine Beleidigung.' Just das bestreite ich, daß einem keine Beleidigung durch schlechte Musik geschehe. Gewiß, ein indolentes, unmusikalisches Publikum kann durch keinerlei Musik beleidigt werden; und daS Kunststück, stumm und still zwei Stunden lang manierlich dazusitzen und über sich ergehen zu lassen, einerlei was, ist für solch ein Publikum nicht schwer. Aber nehmen Sie ein echt musikalisches und eins von Temperament, eins, das mit seiner Seele auf jeden einzelnen Satz antwortet: sitzt das so diszipliniert da? kann es so diszipliniert'still sitzen bleiben? einerlei, was auf dem Podium geschieht? Nein, es kann gar nicht anders, als bei einem entzückenden und entzückend vorgetragenen Kunstwerk sich zu entzücken, also zu jubeln, Und von einem üblen Takt oder falschen Ton Ivie gestochen aufzujucken, und zwar in dem nämlichen Augenblick, wann's sticht, mitten im Stück. ,, , „ ,
Und nun will ich bekennen, warum rch tit keine öffentlichen Konzerte gehe: .. ■
Erstens, weil man mir willkürliche Programme anfstellt, die ich in Bausch und Bogen annehmen müßte, wenn ich nicht dem ganzen Konzert fernbliebe. Man geht folglich entweder von .der Voraussetzung aus, man dürfe einem Publikum jedes beliebige Musikstück Vorfüyren, es schlucke alles, oder von der Voraussetzung, die Konzertgeber seien in musikalischen Dingen über uns so hock- erhaben wie der Lehrer über dem Schüler. Beide Voraussetzungen empfinde ich für mein Teil als unzutreffend. Mein Wunsch und mein Trotz verlangt, daß man über Konzertprogramme sich erst miteinander verständige. Da das in öffentlichen Konzerten nicht angeht, so verzichte ich lieber.
Zweitens, weil ich nicht, ohne aufzufallen, mich retten, das heißt, den Saal verlassen kann, ehe eine solche Nummer kommt, die anzuhören für mich eine Seeleuguäl bedeuten würde, um nachher Ku einer andern Nummer wieder einzutreten, — nötigenfalls en- und dreimal während eines Konzertes hinaus und wieder ein. Ich könnte also öffentliche Konzerte nur ambulando genießen.
Drittens, weil man mir das Nachlebcn, das ein herrliches Meisterwerk in meinem Herzen verursacht, durch unmittelbar nachfolgende Werke verdirbt.
Viertens, weil ich bei einer mir verächtlichen Komposition meine Verachtung nicht durch Störung kundtuu und bei einer niederträchtigen nicht aufspringen und dem Dirigenten das Pult umstürzen darf.
Fünftens, weil ich, durch tausendmalige Erfahrung belehrt, voraus weiß, daß, wenn ein ganz elendes Machwerk verübt wird.
zum Beispiel ein impotentes, von allen Musen verfluchtes Salow* adagiogewinsel, der Unrat unfehlbar, ohne Erbarmen mit mir, stürmisch da capo verlangen wird.
Und diese Vergewaltigung vertreibt mich vollends. Ich kann mich, möglicherweise, darein schicken, um dreier erfreulicher Kon-» zertnummern willen sechs abscheuliche mit in Kauf zu nehmen: aber Pas abscheulichste unter den abscheulichen, nachdem es Gott sei Dank endlich überstanden ist, nochmals von vorne bis hinten zu erdulden — nein.
Darum also gehe ich niemals in ein. Konzert.
Karl Spitteler,
vüchertisch.
— Beiträge zur Geschichte der alten Gießener Burschenschaft; Burschenschaftliche Lebensbilder aus dem Jahre der großen Relegation (1828) von Christian Scriba, Pfarrer i. P. in Gießen. Mit einer Einleitung von Geh. Hofrat Dr. Herman Haupt. Gießen 1913. Eine Geschichte der deutschen Einheitsbestrebungen im allgemeinen wird nur dann den Anforderungen wissenschaftlicher Methode gerecht, wenn sie rein- sachlich der Geschichte der alten deutschen Burschenschaft int befon- dern den gebührenden Platz einräumt; erstere ist ohne letztere nicht denkbar, jene ist an dieser mit 1000 Ketten verankert. Eine Darstellung aber, welche die Ziele der Burschenschaft von ehedem nur anmerkungsweise streift oder gar unberücksichtigt läßt, lädt den Vorwurf tendenziöser Färbung oder der Unvollständigkeit auf sich. Denn wahrlich groß ist die Zahl der Burschenschafter, die für di« deutsche Einheitsidoe gestritten und gelitten haben, aber unentwegt den Pfad, der ihnen keine Rosen, aber desto mehr Dornen brachte, weitergegangen sind; Beharrlichkeit führte auch damals, allerdings erst spät, zum Ziel. Haben auch nur wenige aus der. Reihe jener „Rufer im Streit" dies erlebt, Tatsache ist es aber, daß deren politisches Glaubensbekenntnis unaufhaltsam in immer weitere Kreise des deutschen Volkes drang und so allmählich die Saat zur Reife gebracht wurde. Es ist mehr als die Erfüllung! einer Dankespflicht, wenn die „Burschenschaftliche historische Kommission" die Mitglieder-Listen der alten Burschenschaft herauszugeben gedenkt: ein solches Verzeichnis stellt zugleich einen ivert- vollen Beitrag zur Geschichtsforschung des 19. Jahrhunderts überhaupt dar. Für Gießen wird Geh. Rat Haupt sich dieser Aufgabe unterziehen: in dem Pfarrer i. P. Ehr. Scriba hat er einen Mitarbeiter gefunden. Sein obengenanntes Schriftchen, das 'er bei Alfred Töpelmann verlegt hat, gliedert sich in 2 Teile; der erste bringt die Namen und Lebensbilder der Gießener Burschenschafter, über die am 28. Juni 1828 tveaen Teilnahme an verbotener Studentenverbindung die Strafe der Relegation auf ein Fahr verhängt wurde. Zn diesen gehören z. B. der Theologa Karl Hundeshagen, ferner Sartorius, Karl Soldan, August Scriba (der Vater des Verfassers), Otto von Stockhausen, Wilhelm Trautwein und andere Namen von bestem Klang, im ganzen 32. Eine Art Ergänzung zum ersten bedeutet der zweite Abschnitt, wo uns der Verfasser mit den hiesigen Burschenschaftern der Jahre,1826 bis 1828 bekannt macht, die vor der Relegation bewahrt! blieben. Auch hier finden sich Persönlichkeiten, deren Namen wir nur mit der größten Achtung aussprechen; ich denke hierbei an Karl Bücking aus Gießen, Friedrich Kraft (Grürtberg), Karl v. Ochsenstein- Rudolf Oeser (Otto Glaubrccht) aus Gießen, Karl v. Schmittburg- den Juristen Karl Seit, den verdienstvollen Leiter des hessischen Schulturnens Ad. Spieß — u. a. m. Der erste Anhang bringt den Abdruck einer Reihe von Stammbuchblättern, darunter solche von Oeser und Hundeshagen, und in einem zweiten Anhang finden sich die Namen der 16 Korpsstudenten (es waren je 8 Mitglieder der Hassia und Starkeuburgia), die ebenfalls und zwar aus demselben Grunde Ivie ihre Leidensgefährten, jene 32 Burschenschafter- im Juni 1828 auf 2 Semester relegiert wurden. Alles in allem: eine beachtenswerte Abhandlung, gehaltvoll genug, gelesen zu werden nicht nur von allen alten und jungen Burschenschaftern Gießens, sondern von jedem, deitl für das Studentenleben jener Zeit des Sturmes und Dranges einiges Interesse hegt. Ber gar vielen wird dies schon vorhanden sein, und bei solchen, wo es fehlt, wird es, das steht zu erwarten, wach werden.
Gießen, den 3. November 1913.
Dr, K. Bernbeck^
Magisches Tuadrat.
In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben ABEEI1ILLL 0 0 B R 8 8 derart cinzutragen, daß die wagerechten u. senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:
1. Beliebtes Getränk.
2. Figur aus einem Schisterschen Trama, 3. Griechische Landschaft.
4. Weiblichen Vornamen.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Speck, Specht.
Redaktion; K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der BAihl'ickien Un>versitätS-Buck>- und Steindruckerer, R. Lang«, Gießen»


