hervor! In all ihrer vielgeschästigen Tätigkeit, ttt der sie denk Manne Sekretärin, die kräftigste Mitkämpferin tn allen Lrteratnr- streitigkeiten und der richtige Poet nach seinem' Rezept gern mußte, vergaß sie ihre Hausgeschafte nicht, uird in deut nach ihrem Tode aufgerichtetenEhrendenkmal" konnte Gottsched rühmen:Ihre Wirtschastsangelegenheiten an Küche, Wäsche und Kleidung, besorgte sie ohne alles -Geräusch aufs ordentlichste. Ihre Ausgaben und Einnahmen hat sie die ganze Zeit ihres Ehestandes hindurch von Heller zu Pfennig ausgeschrieben und jedes Jahr richtig geschlossen. Ja, von allen Arbeiten mit der Nadel, die in einem Hauswesen vorkommen können, hat sie sehr ivenig durch fremde Hände be­sorgen lassen: wenn sie nämlich nicht einträglichere Arbeiten unter der Feder hatte, die keinen Aufschub litten."

Tie liebenswürdige Gesellschafterin, in deren Salon zum ersten Mal in Deutschland ein weltmännisch eleganter Plauderton an­geschlagen wird, brachte etwas Wärme und Sonne in die damals so kalte unb steife Literatur. Typisch ist z. B. wie der Schweizer Altmann, der Vorsitzende der Berner deutschen Gesellschaft, Fran Adelgunde verehrt: der Witwer macht ihr förmliche Liebeserklä­rungen, stellt ihr Bildnis in feinem Zimmer auf und ividmet ihr zugleich mit seiner ZeitschriftDer Brachmann"ein geringes Päcklein von Blumen und Kräutertee, so auf den Gipfeln der Alpen gesammelt worden". Wenn die Schitdknappeii des gravi- tättschen Professors von der ,^göttlichen Kulmus" sprechen, dann spielt ein Lächeln der Zärtlichkeit um die strengen Lippen und die Augen blicken unter den großen Perücken heller. Die Feinde dagegen verfolgen dieböse Muskul" mit besonderem Haß, denn ihre Feder ist die spitzeste, ihre Witzpfeile verwunden am schmerzhaftesten. Die Gottschedin ist in manchent über ihren Mann hinausgewachsen: ihre Lustspiele griffen ins Leben; sie verlor nie den Zusammenhang mit,der Natur. Im der Musik, in der ihr noch die lebendige Traditton Bachs nahetrat, kämpfte sie für ein deutsches Musikdrama und wurde die Borahnerin Bachs und Rich. Wagners.

Bor allem aber ist sie in ihrer Ablvehr alles Fremden und Schwulstigen für die deutsche Mädchenerziehung und Frauenbildung eingetreten. Den Unfug der französischen Bonnen geißelte sie in ihrer derb lustigenHausfranzösin" und bemühte sich, gute deutsche Erzieherinnen heränzubilden. Für die Frauen verlangte sie in Bestrebungen, die dann ihre Freundin, Frau von Runkel, weiter ausführte,die Natur unb Empfin­dung als Lehrmeisterinnen" und hob immer wieder den Grund­satz, beit sie selbst in ihrem Leben zu verwirklichen erstrebt hatte, hervor, daß der Zweck der weiblichen Erziehung nicht Gelehr­samkeit, sondern die Entfaltung der Fähigkeiten der Seele und Neigungen des Herzens" sei. So darf die Gattin des Leipziger Diktators, die ungerechterweise so -oft in seinem Schatten ge­standen und die doch das wärmere, lichtere Element des Gemüts neben ihm verkörperte, auch heute noch als vorbildlich gelten mit ihrem Satz:Ein Frauenzimmer liest, um besser und weiser zu werden, nicht nm gelehrt zu scheinen."

Vermischter.

* Eine Geisha als Pariser Gastwirttn. Nur wenigen Eingeweihlen ist es bekannt, daß man im Herzen von Paris, wenige Schritte von den Boulevards, Gelegenbeit hat, in einem javanischen Heim die sel'samen Genüsse der echten japani­schen Küche kennen zu lernen. Eine der jungen Geishas, die im Jahre 1900 zur Weltausstellung nach Paris kamen, iahte damals den Plan, in Paris zu bleiben, um den in Frankreich weilenden Japanern ein Heim zu bieten, in dem sie täglich die Nationalgerichte ihres Vaterlandes genießen können. Und die kleine Geisha wurde Gast­wirtin oder richtiger Pensionsinhaberin; in einer bescheidenen kleinen Wohnung, im 6. Stockwerk eines großen Hauses, eröffnete sie ihren japanischen Mittagstisch. Ein Mitarbeiter des Temps hat die geschäftskundige Japanerin in diesen Tagen besucht und an einem japanischen Mittagessen teilgeuommen. Die kleine Wirtin mit den blinkenden dunklen dingen empfängt ihre Gäste mit einem freundlichen Lächeln und geleitet sie in das Speisezimmer. Der Tisch ist schon gedeckt, kleine viereckige Lackteller harren der Gäste und daneben liegen die üblichen Haschis, die Speisestäbe, die Gabel und Messer ersetzen. Das Mahl beginnt. Die Japanerin bringt dem Gaste selbst die Gerichte und oer Kimono, der ihre zarte, kleine Gestalt umhüllt, flattert durch den Raum. Sie spricht kein Wort Französisch, nur ein paar Brocken Englisch, aber ihre Gäste sind fast nur Japaner. Unzählige kleine Tellerchen und Schüssel« chen trägt Jie auf, jeder erhält sein Gericht in einer kleinen Schüssel, die an Größe etwa einem Suppenlöffel entspricht; reicht der vier­eckige Lackteller nicht aus, nm all die kleinen Geiäße zu tragen, so stellt man sie daneben auf den Tisch. Da gibt es Fischbaignös init grünen Bohnen, in Sesamöl gebacken, andere Filchgerichte, die in besonderen Jettsorten gebraten sind. Der beliebteste Leckerbissen aber scheint der Goldfisch jit sein, der roh, in kleine Teile zer­schnitten, genossen wird, Blumenkohl, der auf eine in Europa un­bekannte Weise konserviert ist; die Blätter werden in eine Art Salzwasser gelegt, das durch Zusatz von ReiSkleie zum Gähren ge­bracht wird. Und all diese sonderbaren Gerichte begleitet der Reis. Er ist so weiß, wie man ihn auf keiner europäischen Takel findet.

und ihn so zu bereiten, muß eine besondere Kunst sein, denn keines der Körner hat seine ursprüngliche Form verloren und ist dach fi weich, daß es auf der Zunge fast vergeht. In den Pausen trinü man aus kleinen rotlackierten Täßchen, die mit einem Deckel ver­schlossen sind, eine Bouillon, die nach unbekannten Kräutern duftet. Fast alle Gerichte sind mit Salz bereitet, keines wird ohne di» Soja genommen, ohne diese Rationalsauce, die der Japaner bet keiner Mahlzeit entbehren zu können scheint. Diese Soja ist eine bräunliche Flüssigkeit, die auf folgende Weise bereitet wird. Soja* körner und Weizen werden zum Gähren gebracht. Dann wird diesenr Gährungsprodukt stark gesalzenes Wasser zugesetzt. DaS Er­zeugnis hat einen sehr charakteristischen scharfen Geschmack, der von dem Gaumen der Japaner sehr geschätzt werden muß. Die Folge ist natürlich, daß alle Leckerbissen nach Soja schmecken, di« Eigen­art der einzelnen Gerichte wird erstickt und es entsteht, trotz des Aufwandes an Schüsselchen, eine gewisse Eintönigkeit, an die sich der europäische Gourmet nicht leicht gewöhnt- Wenn man das gastliche Heim der tapferen kleinen Japanerin, die fern von ihrer Heimat in der Millionenstadt sich eine eigene Existenz gezimmert hat, verläßt, ist der Europäer zwar um manche' kulinarische Er- fahrungen reicher, aber für die Genüsse der eiiropäischen Küche doppelt dankbar.

lrk. S i e b z i g j ä h r i g e n i st die Heirat verböte n! Mit siebzig Jahren beginnt nach der Meinung der Regierung des amerikanischen Staates Connecticut der Abschnitt im menschlichen Leben, wo die Unvernunft über die Vernunft den Sieg davon­trägt. Aus diesen Erwägungen will die Regierung die Siebzig­jährigen vor unvernünftigen Handlungen durch ein Gesetz schützen, d. h. mit anderen Worten, sie sollen unter Kuratel gestellt werden. Aber dies Kiiratel soll vorläufig nur in einem einzigen Falle in Anwendung kommen. Nur dann wird ein Siebzigjähriger unter Kuratel gestellt werden, wenn er den Leichtsinn besitzt, sich in eine Ehe zu stürzen; es ist ganz gleich, ob die siebzigjährige Person ein er" oder einesie" ist. Den Heiratslustigen wird vor allem die freie Verfügung über ihre Vermögensangelegenheiten genommen werden. Augenscheinlich hat man in Connecticut mit Siebzig­jährigen trübe Erfahrungen gemacht.

* Praktische Winke für Frühj a hrskn ren. Die ungesundeste Lebensweise, so lesen wir in derBibliothek der Unterhaltung unb bes Wissens", führt man tut Winter, bie geeignetste Regenerationszcit ist bas Frühjahr. An Stelle ber winterlichen Festschrnänse unb bet allzu einseitigen Ernährung mit Fleisch, scharfgewürzten Speisen usw. mujj jetzt eute Ergänztmgsbiät treten, bie bem Körper namentlich die zum Gedeihen so notwenbigen Gemüse (gedampft, aber nicht in Wasser ausgekocht) unb grünen Salate zuführt. Kopfsalat, Garten- unb Brunnenkresse, Rapunzel, Löwenzahn müssen abwechselnd bet jeder Mahlzeit vertreten feilt. Mit Petersilie und Schnittlauch werbe nirgeubs gespart. Der Leibesofen muß tüchtigZug" bekom- tnen durch vermehrte Zufuhr von Sauerstoff. Recht tiefes Atmen jagt bas Blut schnell bis in bie äußersten Aeberchen, so baß kalte Hänbe unb Füße rasch schwinden. Das sonst wie in einem Graben trüge bahinfließeitbe Blut wirb jetzt zum reißenben Bache unb schwemmt alle abgelagerten Stoffwechselprobukte rein weg. Befördert wirb bie ganze Blutbeweguug unb ber Stoffwechsel noch burch reichliche körperliche Bewegung. Weg mit ber winter­lichen Trägheit! Wanbern, tapfer marschieren, irn Garten ar­beiten, bei offenem Fenster hanteln das alles verschafft jugenb- liche Lebeubigkeit! Wöchentlich zwei recht warme Bäder mit folgender kalter Dusche regen die Hanttätigkeit an, beleben die Nerven, öffnen bie Poren, diese wichtigen Ansscheibungsgänge für schädliche Gase unb Stoffe. Wer biese Frühjahrskur drei bis vier Wochen genau einhält, wirb über ben Erfolg ebenso verwnnbert wie entzückt sein.

Skat Aufgabe.

186 und Hinterhand cutt 164. Mittelhand erhalt nun folgende

harten, mit denen sie Treff-Solo spielen will:

Q Q

4» 4*

Beim Bierflat bis 201 steht Vorbaud auf 158, Mittelhand aus

+ +

Vorhand läßt sich jedoch bis Null ouvert reizen. Da Mittel­hand atSdann die ganze Partie verloren hätte, jo sagt sie Grand an. Das Spiel ivird gewonnen. Hinterhand hat 12 Augen mehr in ihren Karten als der Spieler. Wie waren die Karlen verteilt und ivie ivurde gespielt?

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Etmnrt Aelle Ilio - Eama Elz Za(a Olt Eola Aloe; Emile Zola,

Hebattion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag drr Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruck«r«t, R. Kana«, Gießea»