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Der Graf blickte zum Fenster hinaus' und sagte gleich- gültig: ।
„Vielleicht, Eva. — -Doch ich kW Euch nicht längen K:en. Der Arzt ist schon bestellt. Moreth liegt unten im gen." 1
Mit großen Augen -sah ihn fein eigenes1 Kind an, aber er nickte nur wie geistesabwesend mit dem Kopfe und ging.
Seinem Kutscher aber sagte er leise beim Einsteigen: „Zu Herrn von Düsedau s"
Eva hatte genug mit der Pflege ihres Mannes zu tun, sie vergaß schnell das sonderbare Benehmen ihres Vaters:
-Drewel suchte die alte Frau von Moreth auf, als sie einen Augenblick nach der Küche ging.
„Gnädige Frau, dasMbreth'sche Blut hat sich da wieder bewährt!" i
„Gebe Gott, lieber Drewel, mein Sohn wird wieder ganz gesund; aber stolz kann ich nun endlich auf ihn sein!"
'»Jawohl, gnädige Frau, Has können Sie, weiß, Gott — jawohl!" '
Ganz froh wurde die alte biedere Seele, daß er dies sagen konnte. |
„Sie müssen nun wieder die Leitung des Gutes selbständig übernehmen; ich werde Ihnen die Schlüssel meines Sohnes aushändigen, kommen Sie mit!"
Bor der Tür des Krankenzimmers nimmt sie Drewel in Empang.
Sofort begibt er sich in Kas Arbeitszimmer seines Herrn, denn als gewissenhafter Sachverwalter will er den Bestand gleich feststellen. Er schließt den Geldschrank auf und zieht den breiten Kasten heraus, der die Kasse birgt. Da muß er sich festhalten. > Etwas Kupfer und ein paar Nickel sind alles was er vorfindet. Er reißt sämtliche Fächer auf —> nichts zu entdecken, den Schreibtisch wühlt er durcheinander — keine Gutskasse ist zu finden. Nun weiß er alles. Sein Herr hatte Wieder ge;pielt — und ungluattch. Aber freilich, wenn man zu Herrn von Düsedau — zur Jagd fährt!
Da setzte sich der alte Mann üt den Sessel am Schreibtisch und stützte seinen alten Kopf in seine harten Hände. Daher also die Tollkühnheit — daher!
Dann herein mit ihm.
Der Graf greift nach feinem Hüt, um sich zu verabschied beit, Jochen Düsedau aber fordert ihn auf, so lange zu bleiben, bis der Inspektor gesagt, was eigentlich passiert sei. Zu solchen Stunden reite man doch nicht zum Vergnügen! übers Land. (
Bleich wie die Kalkwand- tritt Drewel ein, er ist noch völlig außer Atem.;
„Herr von Düsedau— ich bitte um Entschuldigung^ aber mein Herr war doch diese Nacht hier. Ich muß Klarheit haben, öb er bei der Rettung- der Leute das viele Geld verloren hat, oder hier im Spiel. Wenn's nicht hier geblieben ist, muß ich gleich wieder weiter ins Fischerdorf. Halunken gibt's überallund neuntausend Mark sind! kein Pappenstiel!" — |
Da sagte Graf Relendorff höhnisch:
„Den Ritt nach dem Fischerdorf können Sie sich schenken, Drewel! — Adieu, Herr von Düsedau, ich habe die Antwort aus meine Frage bekommen!"
Als' sich die Tür hinter Drewel geschlossen hat, reibt sich Düsedau die Stirn.
„Mein lieber Drewel, daswär für uns beide ein saftiger! Reinfall!" ।
Dem alten Mann fangen die Knie an zu zittern.
„Darf ich mich setzen, ich kann nicht mehr!"
Schnell gibt ihm Düsedau einen Kognak.
„Ra, Sie brave Seele, auch dieser Sturm hört mal auf l* Der alte Drewel schüttelte sich, auf seinem Stuhle« -Mein, Herr von Düsedau, das ist zu viel, das kann ich alter Schimmel nicht mehr schleppen! Hat man sein Lebtag die Hände über den vaterlosen Junker gehalten, und nun, nach allem Leichtsinn, spielt er auch noch Theater!"
„Aber um Gottes willen, was denn für Theater?"- Verzweifelt schüttelt der alte Drewel nun den Kopf. —i „Sieben wackere Männer sollten mit ihm in den Tod; bloß weil er sich nicht .getraute, den beiden Frauen in Moreth die Wahrheit zu Zagen!"
Da tritt Düsedau das Verständnis auf; er tritt an beit alten Inspektor heran und legt ihm die Hand auf die Schulter. ।
„Drewel, sehen Sie mich an! So—o! Was ich jetzt sage, ist die pure Wahrheit! — Allerdings hat Moreth das Geld bis auf ,den letzten Pfennig verloren, als aber mein Diener meldete, daß tut. Fischerdorf das Notsignal aufgezogen sei, ist Ihr Herr 'raus gestürzt, hat selbst mit angespannt, ist losgefahren, wie der leibhaftige Teufel, und hat genau feine Pflicht und Schuldigkeit getan, wie einst sein Vater bei Vionville. Er hat auch- nicht einen Augenblick an seinen Verlust gedacht — Menschenleben waren in Gefahr, die Not rief, da war er zur Stelle!"
„Herr von Düsedau, wenn ich das glauben könnte!"-
.„Gehen Sie und fragen Sie meinen Diener und- Ihren Kutscher!" । '
Da faßte der alte Mann mit beiden Händen an seinen Kopf.
>„Na, so kann ja auch b'ei uns noch alles gut werden!"
*
Der Arzt hatte die Beine geschient und in Gipsverband gelegt. Aber eine schwere Lungenentzündung tritt hinzu; Hans-Wilhelms Leben steht auf des Messers Scheide.
Von Mutter und Gattin treu gepflegt, geht er nach wochenlangem Krankenlager endlich der Genesung entgegen« In seinen wilden Fieberphantasien hat er seinen Verlust ausgeplaudert. Drewel muß die Tatsachen bestätigen, abev er richtet die verzweifelttden Frauen auf. Er sagt ihnen, nach all diesen schweren Prünmgen werde Hans-Wilh-elM wohl ein vernünftiger Mann geworden sein.
Da nimmt Eva Klein-Edith auf den Arm und fährt hinüber zu ihrem Vater nach. Glofsow.
„Kommst du nun zu mir zurück für immer mein Kind?"- fragte der. |
-„Nein, Papa. Nur bitten wollen wir beide dich, daß du jetzt deine starken Hände über Hans-Wilhelm hälft!"
k,Sa, Eva, bist du denn blind? — Wie der niederträchi ttgste Lump hat er sich benommen!"
Da hat Eva ihrem Vater stumm den Rücken gekehrt und ist gegangen. Den ganzen Nachmittag hat sie bann mit Drewel Briefe geschrieben. !
*
Der Frühling war längst ins Land gekommen, bevor der Arzt zu den Mvreth'schen Damen fag,en könnt«:
„So, jetzt haben wir den Kranken völlig üb er'n Berg!"-
Düsedau wollte sich gerade zu Bett legen, als ihm' ber Diener den Grafen Relendorff meldete.
„Schockschwerenot, soll man denn heute gar nicht zur Ruhe kommen!" Auf einmal pfiff er leise durch die Zähne. „Führen Sie den Herrn Grafen in mein Arbeitszimmers"
„Es ist noch-nicht aufgeräumt."
„Einerlei — los — schnell!"
Jochen Düsedau geriet in Kampsesstiinmung.
Sonst hatte es der Graf wahrlich nicht eilig zu ihm zu kommen. Aushorchen wollte er ihn — na, er sollte eine gepfefferte Antwort erhalten.
„Verzeihung, Herr Graf, es sieht noch liederlich bei mir aus. Ich hatte Besuch, und dann kam der Sturm." „Ich bitte, das tut nichts." Sehr frostig fagte es Relendorff. „Ich möchte mir erlauben, eine Frage an Sie zu richten, Herr von Düsedau."
„Bitte!"
„Wieviel hat mein Schwiegersohn diese Nacht bei Ihnen verloren?" ।
„An mich nichts.>Jm übrigen bin ich keine Klatsch-base, Herr Graf!" erwiderte Jochen Düsedau ziemlich grob.
Fest sah ihn ber Graf an.
„Ich hatte von dem Edelmann, an den sich der Schwie- aervater Ihres Freundes Moreth wendet, eine andere Antwort erwartet."
„Na, dann irren Sie sich eben gründlich."
. „Das tut mir sehr leid. Bei ruhiger Ueberlegung hätte ich mir allerdings denken können, daß Sie mir auf diese Ihnen peinliche Frage keine Antwort geben würden."
i„ph mir die Frage peinlich ist, überlassen Sie gefälligst mir zu beurteilen. Vorschriften und Vorwürfe lasse sch mir jedenfalls fit meinem Hause nicht machen."
„Ich hatte Sie nur gebeten, Herr von Düsedau."
-„Ich wiederhole Ihnen Herr Graf, ich- lehne die Beantwortung ihrer Bitte ah, weil ich keine Klatschbase Bin."
.Der Diener tritt ein.
'„Der Inspektor Drewel von -Moreth bittet empfangen W werden." ,
kÄst ein Unglück geschehen?" fragt Düsedau schnell, x W^ß es nicht. Sein Reitpferd hat jedenfalls fein trockenes Haar mehr am Leibs."


