Ausgabe 
10.4.1913
 
Einzelbild herunterladen

VSMMW, M U- WM

l

hssite

Frsurnlikbe.

Roman von Horst Bo dem er« (Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Hans-Wilhelm hat ein paar Ruder ergriffen; kräftige Arme treiben den Kutter vorwärts, einer sitzt am Steuer, die anderen schaufeln das Wasser ohne Unterlaß aus dem Fahrzeug. Sie spüren die kalten Wassermassen nicht, die immer wieder über sie hinwegschlagen, in Strömen rinnt ihnen der Schweiß vom Leibe. -Ein Ruder zerbricht, schnell wird ein anderes gereicht. Vorwärts geht es, langsam, aber sie kommen doch hinaus. Der Steuermann blickt von Zeit zu Zeit nach der Düne, ein Fetzen Tuch an einer langen Stange -deutet die Richtung an, in der sich die nach Rettung Musschauenden befinden. Er nickt mit dem Kopfe, sie treiben vor der Sandbank im Kreise herum, wären sie über sie hin­weg, würden sie gar bald ans Land geworfen werden.

Ganz vorn im Boot sitzt Hans-Wilhelm, er späht durch die Wassermassen. Immer näher kommen sie der Sand­bank, die bei ruhiger See in zwanzig Meter Breite frei liegt, nach der er als Junge immer so gern geschwommen ist. Jetzt kann sie sein Tod sein aber draußen kämpfen Männer, Familienväter, nm ihr Leben! Da denkt er an Eva, die Mutter und sein Kind. Kein Bangen kommt über ihn. Ein zufriedenes Lächeln legt sich einen Augen­blick um seinen Mund. Hier stand er Einmal auf dem richtigen Platze. Aber schnell preßten sich seine Lippen wieder zusammen. Eine eisige Welle prasselte auf sie nieder itnb füllte das Fahrzeug bis zur Hälfte.

Der Strand bevölkerte sich mehr.

Düsedau und Püchkow kommen angefahren, Röpke hatte sich beeilt, zu seiner Sitzung in der Stadt zu sein.

Man redete hin und- her, blickte auf die beiden kleinen Fahrzeuge und kam zu -der Ueberzeugung: es ist vergebens.

Nur acht Menschenleben mehr sind noch in Gefahr! Da preschte ein Viererzug heran.

Du, Püchkow-, der Glossower kommt."

. Immer die Ruhe und Würde selbst, stieg Graf Relen- dorff langsam die Düne hinauf.

Die Männer zogen die Mützen, Weiber und Kinder sahen ihn scheu an. ,

Merkwürdig, welche Eiseskälte dieser Mann Um sich verbreiten konnte! Dabei drängte sich alles zu ihm nach Arbeit, weil er für seine Leute am besten sorgte.

Er war das verkörperte Autoritätsprinzip.

Die beiden Junker begrüßten ihn.

Moreth ist draußen", sagte- Düsedau.

Gleichgültig nickte der Graf mit dem Kopfe, zum Zeichen, büß er Düsedau verstanden; dann stellte er sich auf die Dime, in seinen kostbaren Biberpelz gehüllt, und sah mit yerschränkten Armen hinaus cutf -das tobende Meer. Wie

aus Stein gemeißelt stand er da, keine Muskel seines Ge» sichtes zuckte, nur der weiße Bart wehte im Winde.

Püchkow dachte:Immer in Pose der gute Graf!" t

Hans-Wilhelms Fahrzeug kam trotz aller Anstren­gungen nicht über die Sandbank. Ja, wenn sie einen Ra­ketenapparat zur Stelle gehabt hätten!

Fast versagten die Kräfte, i

Einer klopfte Moreth auf die Schulter. Als der srch umdrehte, zeigte der Mann nach dem Lande. Der Junker verstand ihn, aber -energisch schüttelte er den Kopf. War man bis hierher gekommen, -mußte man auch zum Ziele gelangen.

Noch -einmal legten sich die Leute in die Riemen, hoch hob ein Wellenberg das kleine Fahrzeug, ein verzweifel- ter Rud-erschlag, man schoß ins Tal hinab, unter dem Kiel knirschte der Sand. - Die Ban? war erreicht, das spornte die Kräfte von neuem an. Fünf Minuten später sichtete man den Kutter. Vorn im Boot kniete ein Mann, eine Leine in der Hand. . Er warf sie aus nach Zehn Mi­nuten batte man das -Tauende in Hans-Wilhelms Boot.

Jetzt begann aber erst die Gefahr. Man mußte über die Sandbank zurück und sich das andere Fahrzeug vom Leibe halten. '

Erfolg spornt an. i

Vorsichtig wendet man, ein -gefährliches Manöver es gelang! Nun die schwerste Arbeit, durch donnernde Brandung hindurch, ein anderes Boot im Schlepptau.

Aber auch das glückte, denn neue Spannkraft hatte die Verzweifelten beseelt. Nun trugen -die Wogen mit rasen­der Geschwindigkeit die Fahrzeuge dem Lande zu. Kein Halten gab -es mehr, sie wurden an die Düne geschleudert.

Alle lebten, einige waren betäubt und zerschunden. Hans-Wilhelm aber lag mit gebrochenen Beinen, zehn Schritte von seinem Schwiegervater. -

Schnell wurde er in -ein Haus gebracht, entkleidet und zu Bett gelegt. Graf Relendorff stand neben seinem Schwie­gersohn.' Diese Tat löschte-manche Schuld aus. Aber schnell kamen dem Grasen wieder Zweifel. . War Hans-Wilhelm vielleicht doch nur hinausg-efahren, -weil er ohne Aufregung nicht leben konnte? Ein Spieler liebt hohe Einsätze, vor denen vernünftige Menschen zurückschrecken. Er hatte doch Weib und Kind! -Oder war's ehrliche Begeisterung, die ihn hieß freudig sein.Leben einzusetzen für seine bedräng­ten Brüder? Das wollte er ergründen.

War Hans-Wilhelms-besseres Ich zum Durchbruch gekom­men, dann wollte er ihm gerne seine Arme öffnen vom heutigen Tage an! >

In Betten gepackt brachte er ihn nach Moreth. wro Damen wußten noch nichts von seinem Wagnis.

,Mo war denn -Hans-Wilhelm diese Nacht?" fragte der Gras, der voraüsge-gangen war.

Bei Düsedau zur Jagd. Das Unwetter ivird ihn an Rückkehr gehindert haben." i