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ß*e£t hoben sich die blauen Bergriesen Obersteiermarks gegen Den lichter' werdenden Wend Himmel. Ein Hauch von Größe umwehte ihre Häupter und zu ihren Führen die lachende, vielfach bewohnte grüne Ebene des Tales mit den vielen, vielen Ortschaften. Wie sie wohl alle heißen mochten?

Bruck!" Ter Zug hielt. Menschen stiegen aus, andere drängten gegen die Waggons. Für einen Augenblick gab eS ein tolles Durcheinander, Rufen, Drängen, Schieben, Schelten . . . jetzt wurde auch Metas Kupee geöffnet und eine einzelne Dame trat mit höflichem Gruße ein.

Dann klapp klapp die Türen wurden zugeworfen und weiter rasselte der Zug.

Meta betrachtete die Dame mit gleichgültigem Blick.

Sie war nicht mehr ganz jung und keine besondere Schönheit, aber von vornehmer Anmut. Ein feines Ge­sicht mit schmalen dunklen Brauen über verträumten Augen. Um den Mund etwas wie Resignation.

>,Geniert Sie das offene Fenster vielleicht?" fragte Meta nach einer Weile, da sie zu bemerken glaubte, daß ihr Gegenüber fröstelte.Es zieht ein wenig und die Wendluft hier zwischen den Bergen ist kühl."

O nein, danke. Ich bin gar nicht empfindlich. Wenn man immer auf dem Lande lebt, dann ist man schon abge­härtet."

Etwas in der Stimme, die weich, tief und klangvoll war, berührte Meta sympathisch. Und wie hübsch' das Mädchen war, wenn es lächelte!

Sie leben immer auf dem Lande?" fuhr Meta träume­risch fort.Wie sehr sind Sie dann zu beneiden!"

Hm, wie man's nimmt, gnädige Frau. Es gibt Leute, welche mich just deshalb bedauern. Ich aber glaube, daß es so ziemlich gleichgültig ist, wo man lebt. Die Haupt­sache ist, daß man zufrieden ist, und das kann man schließ-- lich überall sein."

Oder auch nirgends!"

Wieder lächelte die Dame.

Sollte das dann nicht ein wenig an einem selbst liegen, die Welt ist ja so wunderschön... ich kann mir gar nicht denken, daß nicht jeder seine Freude an ihr haben sollte?"

Ach, die Welt! Aber sie ist doch voller Menschen und diese . . ."

Ja, freilich davon spüre ich allerdings nicht viel. Mama und ich leben ganz für uns, höchstens, daß uns mal mein Bruder Michael besucht oder irgend ein Kunsthändler, der mir ein Bild abkauft. . ."

Ah, Sie sind Malerin?"

Ja. Und vielleicht kommt mir deshalb die Welt so schön vor. Meine hungrigen Augen sehen so viel Herr- lrches, daß ich gar nie dazu komme, an die banale Mensckst heit zu denken. Mein Bruder nennt mich freilich eine Traumliese, aber ba§' nehme ich gern hin . . ."

Meta richtete sich plötzlich aus und betrachtete die Dame mit unruhig forschenden Blicken.

Pardon es ist sehr indiskret aber Sie erwähnten einen Bruder . . . der. . . Michael heißt . . ."

Ja. Michael von Münster. Er ist Offizier und es ist gar nicht indiskret, nach ihm zu fragen, denn er ist unser Stolz und wir machen durchaus kein Geheimnis aus seiner Existenz,."

O dann . . . dann. . ." Metas Stimme klang gc- preßt und sie atmete schwer;dann kenne ich Sie ja auch ! Sie sind Hedwig. . . und Ihr Häuschen mit dem großen Obstgarten und der rauschenden Friedau und den grünen Läden ... den Wald dahinter. . . Mama . . . die alte Dorthe ... ach, alles kenne ich! So gut! So gut!"

Das Letzte kam beinahe jubelnd über Metas Lippen. Sre ergriff Hedwigs Hände Und sah ihr strahlend ins Gesicht.

Ob Sie's denn ahnen können, wie ost meine Gedanken vei Ihnen waren und wie lieb ich Sie beide habe . . . Sie Und die gute Mama?"

Hedwig blickte verwirrt auf die Sprecherin.

Gnädige Frau ich kann mich aber wirklich nicht besinnen. . ."

Natürlich nicht! Wir haben uns doch im Leben noch nie «esehen. Es war ja bloß im Tranm."

Sie strich sich verlegen das Haar aus der Stirn.

Verzeihen Sie, ich bin so töricht... Sie könnens ja gar nicht verstehen, was ich da zusammenschwatze, aber es kam so Wer mich."

O, nun verstehe ich doch!" Hedwig lächelte schelmisch. Sie kennen Michael und er hat Ihnen von uns erzählt!"

Meta lehnte sich in ihre Ecke zurück, ganz tief, so daß der Schatten ihres Vorhanges über ihr erregtes Ge­sicht fiel.

Ja, ich kannte ihn einst," sagte sie langsam,es sind schon Jahre her, später hörte ich nie mehr von ihm. Doch! Einmal, daß er verlobt sei mit einer Gräfin."

Sie sah es ganz deutlich: es glitt ein Schatten über Hedwigs Gesicht bei dem Worte Verlobung. Die dunklen feinen Brauen zogen sich ärgerlich zusammen.

Nun, das war gottlob bald aus. Sie hätten doch nie und nimmer zusammengepaßt mein ernster Bruder und diese gefallsüchtige, oberflächliche Frau! Es war Michaels törichste Tat, daß er sich mit ihr verlobte, wie es seine weiseste war, sie dann laufen zu lassen."

Ich hörte, sie sei seine Jugendliebe gewesen."

Unsinn. Er die ihre vielleicht. . . wenigstens redete sie es sich und ihm ein. Sie war sehr verwöhnt und hatte es sich schon vor Jahren in den Kopf gesetzt, ihn zu heiraten. Damals ließ er sich versetzen zur rechten Zeit. Später, als sie der Zufall wieder zusammenführte, nötigte sie ihn förm­lich, täglicher Gast im Schloß zu sein. Es war sehr einsam dort oben in Galizien und Michael dachte sich nichts dabei. Er sah nur, daß die Frau unglücklich verheiratet war und wollte sie vielleicht zerstreuen, daß er selbst nichts für die Gräfin empfand, war klar da er im Herzen die Liebe zu einer anderen trug."

Meta machte unwillkürlich eine Bewegung und blickte die Sprecherin erschrocken an. Hedwig aber fuhr arglos fort:

Ja, nm dieser anderen willen, ließ er sich nämlich nach Galizien versetzen und ich glaube, er hat sie bis auf den heutigen Tag nicht vergessen."

Und wie kam es dann . . . wie war es möglich. . ."

Daß er sich mit der Gräfin verlobte? O, durch einen schnöden, peinlichen Zufall! Graf Pientak verunglückte auf der Jagd. Alle Welt bedauerte die junge Witwe und war bemüht, sie zu trösten. So auch Michael. Einige Wochen nach dem Ereignis ritt er mit einem Freund hinüber, um sich von Gräfin Nadine, die mit ihrer Mutter nach Wien übersiedeln wollte, zu verabschieden. Die Mutter zeigte Herrn vou Horsten, Michaels Freund, eine Waffensammlung Pientaks, die sie verkaufen wollte und fragte ihn um seinen Rat.

Michael blieb mit Nadine im Salon zurück. Da fing Nadine an zu weinen und zu klagen, wie schwer es ihr sei, fortzugehen, tote sie Michael entbehren würde usw. Er tröstete sie arglos, im Innersten froh, nun endlich dieser etwas strapazanten Ausgabe enthoben zn sein Plötzlich er hat uns geschworen, daß er nachher absolut nicht begriff, wie es gekommen sein konnte lag Nadine an seiner Brust, schluchzend, nervös überreizt und fassungslos. In diesem Moment trat die alte Gräfin mit Horsten wieder ein.

(Fortsetzung folgt.)

Abenteuer des Brigadier Gerard.

Von C. Dohle.

(Fortsetzung.)

WiesichderBrigadierbeiWaterlooauszeichnctc, 1. Die Geschichte in der Waldschenke.

Von all den großen Schlachten, in denen ich die Ehre hatte,- für den Kaiser und für Frankreich zu kämpfen, ist keine einzige verloren worden. Bei Waterloo jedoch war ich, obschon ich in einem gewissen Sinne dabei war, nicht in der Lage, milzu- fechten, und der Feind war siegreich. Ich bin nicht der Mann, um zu behaupten, daß zwischen diesen beiden Tatsachen ein ur­sächlicher Zusammenhang besteht. Sie kennen mich zu gut, mes amis, um zu wissen, daß ich keinen derartigen Anspruch für meine Person erhebe. Aber es gibt immerhin zu denken, und ver­schiedene Leute haben für mich schmeichelhafte Schlüsse daraus gezogen. Wie dem auch sei, wir brauchten nur ein paar eng­lische Karrees zu durchbrechen, und der Sieg würde sich an jenem Tage an unsere Fahnen geheftet haben. Ob die Conflans- schen Husaren, mit Etienne Gerard an der Spitze, dies nicht hätten fertigbringen können, darüber sind die Ansichten der be­rufensten Kritiker verschieden. Aber Schwamm drüber! Das Schicksal wollte, daß mein Arm gelähmt sein und das Kaiser­reich zusammenbrechen sollte. Aber gleichzeitig wollte es auch, daß dieser Tag der Trauer und des Unglücks mir größere Ehren bringen sollte, als wenn mich das Glück im Siegesznge von Boulogne bis nach Wien getragen hätte. Niemals würde mein Ruhm in so hellem Lichte erstrahlt sein wie in jenem erhabenen