Ausgabe 
9.10.1913
 
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trefflid) geleiteten Münchener ZeitschriftDie Lese" nach dem Original im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar veröfsentltcht stnd kWtet folgenderrnaßm:

In Juda schreibt die Chronica War Olim schon ein König, Dein war von Dan bis Berseba, Bald alles untertänig.

Und war dabei ein wackrer Fürst, Dergleichen selten finden wirst.

Der war nun Kürzlich, wie bekannt. Vom Freien heimgekommen. Und hatte vom Chaldäerland Ein Weibchen mitgenommen, Ain Herzen Himmel und im Blick; Ich küßte sie den Augenblick.

Die Trauung war schon angestellt, Die Hochzeitskleider fertig, Der Bräutigam, frisch wie ein Hemd- Des Wonnetags gewärtig, Als plötzlich zitternd schreibts mein Kiel Ein Fieber diesen Herrn befiel.

Ein großer Herre, wie man weißt, Ast nicht, wie unser einer Wenn unsre Seele weiter reist, Drob kümmert sich wohl Keiner; Ein Schnuppen, den ein Großer klagt- Wird in der Welt herumgejagt.

Drum nimmt Frau Fama, nimmer faul- Das Hifthorn von dem Nacken, (Man kennt ja schon ihr großes Maul Und ihre dicken Backen) Fürst Josaphat liegt todtkrank da!" Posaunt sie durch ganz Asia.

Sogleich vernahm den Trauerton Fürst Sanhcrib, sein Vetter Zu As für hat er seinen Thron Und ehret fremde Götter.

Die Balle Lüge kommt so recht Bit statten meinen Götzenknecht.

Da fischt sich. was hol mich der Dachs!" Und hui! spitzt er die Ohren.

Stirbt Josaphat, so zieh ich stracks Hinein zu Hebrons Toren.

Er braucht Arznei er treibts nicht lang! Und Juda ist ein fetter Fang."

Gleich lief die Ordre aus dem Schloß Durch Stadl und Wachparade, Der Junggesellen faulen Troß | Zu wecken ohne Gnade.

Schon springen Bomben aus dem Guß Und freu« sich ans den nächsten Schuß.

Die Wache vor dem Tor bekommt Gemessene Befehle, Daß undurchsucht, unangebrummt- Entwische keine Seele.

Brieftasche und Patent heraus!

Sonst marsch ihr Herrn, ins Narrenhaus!

Woher mein Freund?" brüllt auf und atz ' ! Die Schildwach' an die Fremde. ' <

Wohin die Reis' ? Wo steigt Ihr atz?, Was führt Ihr nnterm Hemde?

Dorschreitzer 'raus Der Herr bleibt stehn! Man wird ihn heißen weiter gehen," Da war nun mancher Passagier Dem Korporal verdächtig, Die Fragsucht geht zur Folter schier, Gott aber ist allmächtig.

Man visitiert von Pack zu Pack Doch zeigt sich nichts, als Schnupftabak.

Indessen schickt der Werber Fleiß Rekruten, Sand am Meere.

Sie stehen bläu und rot und weiß Und ordnen sich im Heere.

Das Kriegsgeräte glaubt mir keck Fraß zehen Säckel Silber weg.

Fürst Sanherib erzählte schon Den Damen seine Siege;

!Aufs Wohl des neuen- Landes flohn .Von Tisch zu Tisch die Krüge.

Schon meubelt man das neue Schloß Je glätter der Burgunder floß.

Wie prächtig König Sanherib Im reichen Galakleide Herum den stolzen Schimmel krietz Und durch Judäa reite.

Die Damen in Karaffen nach Daß bald schon Rad und Deichsel hrach! Wie stolz von seinem Thron herab. Er Judas Schriftgelehrten Erlaubnis zu dem Handkuß, gab Und sie ihm Treue schwärten Und alles Volk im Staube tief Hosianna schon dem König rief.

Doch während daß der Vetter schon Rach dieser Krone schielte, Und auf dem noch besetzten Thron Schön Davids Harfe spielte, Lagst du, o Fürst beweint vom Land, Noch unversehrt in Gottes Hand, Gott stand auf Höhen Sinais Und schaute nach der Erden, Und sähe schon.ein Paradies Durch Deinen Nachbar werden. Und sähe mit erhab'ner Rnh Dem Unfug Deines Vetters zu.

Schnell schickt er seinen Cherub fort Und spricht mit sanftem Lächelnr Geh Raphael, dem Fürsten dort« Erfrischung zuzufächeln.

Gr ist mein Sohn mein treuer Knecht, Er lebe! Denn ich bin gerecht." Dem Willen Gottes untertan, Steigt Raphael herunter, Nimmt eines Arztes Bildung an Und heilet durch ein Wunder.

Dein Fürst ersteht jauchz: Vaterland! Gerettet durch des Himmels Hand, Die Post schleicht nach Assyria, Wo Sanherib regieret, Und eben seine Damen da Vom Schlitten heimgeUhret, Ihr Durchlaucht! ein Kurier!" Herein! . Es werden Trauerbriefe fein." Schnell öffnet er den Brief und lieft, Liest ach der Posten trübste Daß Josaphat am Leben ist," Und flucht an seine Liebste: Der Krieg ist aus! Pest über dick! Zweitausend Taler schmerzen mich!^

wenn die Wandervögel ziehen.

Von Dr. Kurt Floericke.

Altweibersommer ist's. Lachend blauer Himmel und ein bunter Herbstflor möchten uns darüber hinwegtäuschen, daß das Jahr zur Neige geht. Mtzer die kühlen Mende, die dicken Morgennebel Und die- Schreie wandernder Zugvögel lassen keine Täuschung aut» kommen. Auch die Standvögel haben sich nach vollendeter Brut und glücklich überstandener Mauser zu kleineren oder größeren Trupps zusammcngerottet und durchstreifen unstet, aber doch mit einer gewissen Regelmäßigkeit größere Gebiete ass sonst. Sieht man z. B. einen Meisentrupp zu einer bestimmten Stunde an einer gewissen Oertlichkeit, so darf man mit ziemlicher Sicherheit darauf rechnen, ihn ebenda zur gleichen Zeit auch an den nächsten! Tagen und Wochen wieder anzutreffen. Diese oft aus den ver­schiedenen Arten bunt zusammengesetzten Meisentrupps sind eg vor allem, die jetzt in die Augen fallen. Unabl'ässig durchflattern sie Waldränder, Feldgehölze und Obstgärten und üben hier eine ungemein segensreiche Tätigkeit aus, denn kein noch so gut ver­stecktes Kerbtier entgeht ihren scharf und listig blickenden Augen. Sie sind die wahre Wald- und Gartenpolizei. Oft werden diese durch Buschwerk und Gezweig turnenden Meisenscharen geführt von einem munter vor sich hin zwiffchernden Kleiber oder von einem stattlichen Buntspecht, und auch die emsigen Baumlänferchen oder die winzigen Goldhähnchen mit dem feuerfarb-strahlenden Kopfdiadem gesellen sich hinzu. Am Waldessaume schäckerts in rauhen Gurgeltönen; größere, braune Vögel fliegen von den Baumwipfeln auf den Wiesenboden, Hüpfen hier in großen Sätzen einher und ziehen fette Regenwürmer aus dem nebelfeuchten Erd­reich. Das sind Mistel- und Wachhojderdrosseln, diegern auch die Eberescheubäume an der Landstraße besuchen, um sich an den glänzend roten Beeren gütlich zu tun. Wo einzelne alte Otzst- tzäutne zwischen den Feldern stehen, treiben die Eichelhäher ihr lärmendes Wesen und halteir^Nachlese auf bett kahlen Stoppel­feldern. Häßlich genug fällt ihr rätschendes Gekrächz ins Ohr, aber wunderhübsch sieht es aus, wenn sie eilte größere Strecke hastig überfliegen, und dabei ihr schimmernd weißer Bünzel