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die als feierliche Handlung äufgefaßte Operation vorgenomm-eir itrirb. In Zentral-Kalifornien wiederum hält Man sich an die 'wunderliche Regel, am rechten Arm zur Ader zu lassen, wenn der Patient irgendwo am Rumpfe erkrankt ist, dagegen die Blutent- Kiehung am linken Arm vorzunehmen, wenn an den .anderen Extremitäten etwas nicht in Ordnung ist!
Aas allermerkwürbigste aber, was uns in dieser Hinsicht chei primitiven Völkern begegnet, ist zweifellos der seltsame Brauch, derpAderlaß dadurch herbeizuführen, daß man den Patienten durch Unschießen mit eigens hierzu bestimmten, kleinen Pfeilen unbedeutende Verwundungen beibringt. Aderlaßbogen und Aderlaß- pfeil sand man nicht nur bei Jndianerstämmen, sondern in neuerer Zeit auch bei den Papua in der Südsee, sowie bei den Massai in Ostafrika. Der erste Reisende, der diesen eigenartigen chirurgischen Instrumenten Beachtung schenkte, war Wohl Ar. Pohl, der sie vor nahezu 100 Jahren in Brasilien bei den Cahapos-Jndianern sammelte. In der Beschreibung seiner großen Reise, die er auf Befehl Kaiser Franz I. von Oesterreich ausgeführt hatte, heißt es: >,Bei Kopfschmerzen schröpfen sie die Stirne mittels eines kleinen Bogens, von welchem ein 8 Zoll langer Pfeil mehrmals gegen den leidenden Teil abgeschnellt wird. Die Pfeile haben am Ende einen Quarzsplitter mit einer knopfförmigen Borragung, damit der Splitter nicht tiefer als notwendig eindringen Fann. Mit demselben Instrumente, welches Kutuschna genannt wird, verstehen sie gut und richtig zur Wer zu lassen." Ganz ähnliches berichtete später Max Bartels, in seinem Werke „Die Medizin bei den Naturvölkern" über die Jsthmus-Jndianer: „Der Operateur schießt «inen kleinen Pfeil mit einem Bogen in verschiedene Teile des Körpers, des Patienten, bis zufällig eine Vene eröffnet wird. Der Pfeil 'wird in kurzem Abstande gehalten, um einem zu tiefen Eindringen vorzübeugen." Eine Ueberraschung für die Ethnologen war die Entdeckung von Aderlaßbogen und Aderlaßpfeil anch bei den Papua und den Massai. Tie Papuafrauen bei der Ausübung dieser heilsamen Schützenkunst oft belauschen konnte ein lange Zeit auf Deutsch-Neu-Guinea weilender Albert Grubauer aus Passau: er sah bei solchen Szenen, wie der Patient sich auf die Erde niederhocken mußte, worauf der Pfeil ihm wieder und wieder gegen Brust und Rücken geschnellt wurde. Doch kommt für die Behandlung auch die Stirn in Betracht. Tie Aderlaßbögen, deren Schne aus feinen Rohrstreifen besteht, sind ungefähr bis zu' 37 Zentimeter lang. Tie ebenfalls ans gespaltenem Rohr hergestellten Pfeile haben eine Länge von knapp 30 Zentinretern. An ihrem vorderen Ende ist ein spitzes Stückchen Flaschenglas befestigt. Man fand bei den Papua auch Aderlaßbögen, die aus den Mittelrippen von Kvkospalmenblättern zusammengesetzt werden. Der Pfeil bestand dann ebenfalls aus der Mittelrippe eines Palmenblattes. Gewöhnlich sind die Pfeile mit ihrem Hinteren Ende an die Sehne des Bogens angeknüpft, damit sie nach dem8lb- schnellen, das' ja oft hintereinander torgenommen wird, gleich wreder zur Hand sind:
Unr den Ursprung des Aderlaßschießens zu erklären, wies inän mit Recht darauf hin, daß bogenführende Völker Gelegenheit Haven müssen, mitunter den günstigen Einfluß zu beobachten, den eine lerchte Verwundung durch Pfeilschuß in gewissen Fällen ausüben kann.
humoristischer.
* Was Blinde malen können. Sie: „Es muß doch schrecklich sein, blind zu werden, vor allem für einen Maler . . jEr: „Ja, über das ist besser geworden, heute kann man daryr immer noch kubistisch malen..."
ty, Damit komm« ich wieder jtftfrdie Zoppoter Talmühle zürM E paar neuere Postkarten mit Ansichten bieS ÄÄ werden sind die eben angeführten Verse des Eichem- m°Aen Aedes abgedrnckt, auf der einen aber ist noch bie tnertiing deigefügt: „Im Jahre 1832 verfaßte der Dichter Frhr A^Achbndvrfs obiges Lied ans der Talmühle." Das klüwk M MM. Ut aber nicht richtig. Gedichtet hat Eichendorfs das 1810 in ^uhawitz m Schlesien, und 1812 erschien es zum erstenmal .gedruckt Nach Danzig, von dem nicht weit entfernt Somt liegt, kam der Dichter erst 1821, als katholischer Kon sisw- rialrat und Schulrat dorthin berufen.
q ID« die Wassermühle ist auch die Windmühle eine Zierde der Landichast vor allem der unserer norddeutschen Ebene, in der frei dastehen muß, starA in die Augen fällt als etwas Charakteristisches, und tvenn der Wind ihre Flügel bewegt, ein ^enartiges Leben in das Landschaftsbild hineinbringt. Des- halb paben holländische und deutsche Landschaftsmaler sie gern in Wre Bilder ausgenommen, und dasselbe tun mit Vorliebe die Photographen. Ich fing einmal an, aus illustrierten Blättern Bil- der mit photographierten Windmühlen zu sammeln, und hatte es großen Anzahl solcher Abbildungen gebracht.
Ach, dem Wasser und dem Winde macht der Dampf in unserer Zeit auj dem Gebiet des Mühlenbaues immer Mehr Konkurrenz'. Lchon steht man auf dem platten Lande zwischen den Windmühlen Schornsteine von Dampfmühlen in die Luft ragen.
Auch mit den Handmühlen, die früher viel in Gebrauch waren,- allmählich zu Ende. Die kleinste von ihnen, die Kaffee-i muhle, verschwindet Mehr und nteljr aus dem Haushalt. Früher wurden die Kaffeebohneii, wie sie vom Buschs gekommen warm, gekauft, dann in der „Trommel" gebrannt, um in der Kaffee- mutile totot der Hausfrau oder der Magd gemahlen zu .werden. "3^t kaufen die Hausfrauen sie gebrannt und lassen sie sich gewöhnlich gleich im Laden durch eine Maschine zerkleinern.
. Auch die alte Kaffeemühle hat einen Dichter gefunden, den- selben Johann Voß, der schon einmal zitiert wurde. In seinem! Gwicht „Der siebzigste Geburtstag" heißt es von dem Haus- mutterchen, der Gattill des redlichen Tamm:
'Sie nun langte die Mühle herab vom Gesimse des Schornsteins, Schüttete Bohnen daraus und fest mit den Knien sie zwängend Hielt sie den Rumpf in der Linken und dreht' in der Rechten den Knopf um." In die bräunliche Kanne Wurde dann, wie wir auch von Voß erfahren, zu bem Kaffeepulver etwas „klarendes Hirschhorn" (wolst •ein Präparat aus gebranntem und geraspeltein Hirschhorn) hin- -emgetan Ob das noch geschieht? Ich glaube, daß unterdessen an die Stelle des Hirschhorns die — Zichorie getreten ist.
I. Troja n;
Die Mühle.
Etwas überaus Reizendes ist die Mühle, gelegen in einer Walblandschaft, durch die sich rauschendes Wasser ergießt. Von solchen Mühlen ist eine besonders, die Talmühle in Zoppot, lebhaft von alter Zeit her in meiner 'Erinnerung geblieben. Mit dieser Mühle, die leider seit einiger Zeit schon zum Stillstand gekommen und verfallen ist, war eine kleine Gastwirtschaft verbunden, wie das bei Mühlen nicht nur, sondern auch bei Forsthäusern hie und da der Fall ist. Die Müllerin ober Försterin ist da zugleich Wirtin.
Die Talmühle hatte in meiner Kinderzeit etwas besonders Anziehendes für mich, weil in ihr fleißig und mit großem Geschick das Waffeleisen geschwungen wurde, die Waffeln aber, die Mit der Zeit etwas aus der Mode gekommen sind, jedoch auf Jahrmärkten noch feilgehalten werden, ehemals für ein sehr leckeres Gebäck galten. Das Wort Waffel hängt zusammen mit Wabe, to® an die Honigwabe der Bienen erinnert die viereckige platte Waffel dadurch, daß sie auf beiden Seiten mit rautenförmigen Vertiefungen ver,ehen ist. In der ersten Idylle seines ländlichen ^dichtes „Luise . schildert Johann Heinrich Voß das einfache b^ue Abendeisen im Walde, das von Pfarrersleuten in Grünau am Geburtstag, ihres Lmschens veranstaltet wird. Nachdem die Rede gewesen ist von mit Eppich umlegten Krebsen und zwei gebratenen Kapaunen die Mutter und Tochter dazu an das Seeuser im Walde hmschäfsen, heißt es:
>,Brachten btonn hochgehaust vielrautige bräunliche Waffeln." <x „Uem, der eine alte Wassermühle im Walde sicht, klingen nicht Joseph ton Eichendorf'« Verse in den Ohren:
»In einem kühlen Grunde >''
Da geht ein Mühlenrad."
Schach-Ausgabe.
Von C. Bayer. Schwarz.
abcdefgh
a b c d e £ g h
8
8
6
6
5
5
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3
Weiß.
Weiß seht mit dem vierten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummert Die Kunst ist lang und kurz ist lmser Leben.
Redaktion. K. N e u r a t h. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Sanne, Gießen.


