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tzehalt verbunden ist, gerade die günstige Gelegenheit, ihre Tätigkeit
Tic Sommcrwärme wirkt aber nicht selten auch direkt auf den menschlichen Organismus schädlich. Jur allgemeinen ist der Be- wvhner der mittleren Breiten in seinen Lebensgewohnheiten an ein kühleres Klima angepaßt, da dieses den größeren Teil des Jahres die Vorherrschaft führt, und dessen hygienische Anforderungen sich aufdringlicher zur Geltung bringen. Man lann eine größere Kälte deswegen erträglicher sinden als eine größere Warme. Bei starker und wirklicher Erwärmung durch Sonnensttahlen leiden mannigfache Organe des Körpers. So wird die Funktion oe^ Herzens, wenn es von den Sonnenstrahlen getroffen totro, geltorr. Deshalb sind die sogenannten Sonnenbäder mit Vorsicht zu benutzen, von Herzkranken aber völlig zu meiden. Vor allem aber wird das nervöse Zentralorgan, das Gehirii, betroffen. Strahlen durchdringen, wenn kein schützendes Filter fte hindert, die Schädelkapsel und gelangen bis ins Gehirn. Tie Porungen, die sie hier verursachen, sind sehr schwerer Natur. Es. kommt zu dem sogenannten Sonnenstich oder Insolation, die sehr häufig einen tödlichen Ausgang infolge der ^Lähmung von lebenswichtigen Zentren im Gehirn nimmt. Ter Schutz, den man gegtit diese Fährnisse zri bieten vermag, ergibt sich von wlbst. -man braucht nur die Zeit der vollsten Sonnenstrahlung zu vermeiden, bei Märschen aber den Kopf mit einem breitkrämpigen Strohhut zu bedecken, der gut ventiliert ist. Eine flache Reisemutze, wie sie heute beliebt ist, entspricht nicht den hygienischen Anforderungen, da sie flach auf dem Kopse aufliegt und die Wärmeableitung un
möglich macht.
Neben der Wärmewirkung der Sonnenstrahlen kommen über noch andere Wirkungsweisen auf den Organismus in Betracht. U,? sind die der sogenannten chemischen Strahlen, die von dem Auge nicht perzipiert werden. Sic gehören dem kurzwelligen unsichtbaren Teile des Spektrums an, jenseits des Violettes. Man bezeichnet sie deswegen als ultraviolette Strahlen. ^oie dringen nej in die Gewebe des Körpers ein, dort Abwehrreaktionen chervor- rufcnd. Wenn sie längere Zeit auf die Körperoberfläche anftreffen, wandern in die Haut die stark lichtbrechenden sog. PigrnenUorner ein, die die Haut bräunen und den Strahlen den Zugang verwehren. Entschließt sich aus irgend einem Grunde der Organismus nicht zu dieser Schutzmaßrcgel, so entstehen Verbrennungen der Haut. In der Ebene kommt es seltener zu ausgedehnten Schädigungen, da bei dem Durchgang der Strahlen durch die Atmosphäre der Hauptteil der ultravioletten Strahlen durch den Wasierdarnpf und die Verunreinigungen der Luft absorbiert wird. Umso intensiver aber ist ihre Wirkung im Gebirge, wo die Luft staub- und wasserfrei ist. Stet- kommt es zu dem sog. Gletscherbrand der Haut, oder, wenn die Bindehaut des Auges befallen ist, zu der Schneeblindheit. Das Auge läßt sich unschwer vor der Einwirkung der ultravioletten Strahlen bewahren, Ivenn man es mit Gläsern armiert, welche die Fähigkeit besitzen, jene zu verschlucken. Dazu eignen sich die beliebten blauen Brillen Nichts genügend, wohl aber die neuerdings von Augenärzten empfohlenen Enixanthus- und Hallauer Gläser. Tie Verhütung des Gletscherbrandes ist schon schwerer, da die Haut der verschiedenen Menschen verschieden empfindlich ist. Hier hilft Einsalben und Einpudern der Haut. Auch die Gewöhnung tut viel.
Einen unendlich größeren Raum als die Strahlenwirkungen nehmen aber die Hitzschäden ein, die nicht durch die gestrahlte, sondern durch die geleitete Wärme verursacht werden. Mm krassesten vfsenbart sich der Hitzeschaden in dem sog. Hitz schlage, der also ganz etwas anderes ist als der Sonnenstich. Der betroffene Mensch stürzt bewußtlos nieder und stirbt unter den Zeichen der Herzlähmung, wenn nicht schnell wirksame Hilfe geschafft wird. Tiefe besteht darin, daß man den Ohnmächtigen im Schatten lagert und ihm zunächst alle beengenden Kleidungsstücke entfernt. Dann begießt man den Kopf mit Wasser, fächelt Luft hinzu, um die Memtätigkeit wieder in Gang zu setzen und das Wasser zuM Verdampfen zu bringen. Gegen die erlahmende Herztätigkeit sind Erregungs'mittel am Platze, wie schwarzer, starker Kaffee, der, heiß eingeflößt, außerdem noch zum Schwitzen anregt. Tie Ursachen des Hitzschlages liegen letzten Eudes in einer übermäßigen Wärmcaufspeichcrung im Organismus. Diese Stauung kann so beträchtlich werden, daß die Temperatur bis zu 43 Grad Celsius also dem Wärmegrad des höchsten Fiebers, steigt. Dadurch wird ähnlich wie beim Sonnenstich das Gehirn und seine nervösen! Zentren getroffen und die Reizleitung zum Herzen unterbrochen, die sich sofort in einer Herzlähmung äußert. Was hindert nun den Organismus, die durch die Verbrennung von Nahrungsmitteln, sowie durch Muskelarbeit produzierte Wärme abzugeben? Normalerweise vollzieht sich der Export der Wärme auf zwei Wegen, durch Leitung und durch Verdunstung. Fortgeleitet kann die Wärme nur dann werden, wenn ein Gefälle besteht, d. h., wenn sie 'von Orten höherer Temperatur zu solchen niederer fließen kann, And die Schnelligkeit des Abflusses ist genau wie beim Wässer umso größer, je stärker das Gefälle ist. Neben der Wärmeleitung kommt der Verdunstung durch Wärmebindung bei der Entwärntung der Hauptanteil zu. Es besteht ein physikalisches Gesetz, daß, um eine Müssigkeit zum Verdunsten zu bringen, Wärme gebraucht wird. Mithin muß sich infolge des Wärmeverbrauches die Umgebung, ans der sie genommen ist, abkühlen, Der Körper ent
ledigt sich mit Hilft dieses Prinzips der gebildeten Wärme, indem er Schweiß produziert, der nun an der warmen Haulobersläche verdunstend, diese abkühlt. Daher nimmt das Hitzegefühl, sobald der Schweiß ausgebrochen ist, ab. Tie Verdunstung kann aber nur danu stattfindcn, wenn der Wasserdampf auch an die Umgebung abgegeben werden kann. Zunächst muß er, sofern der bedeckt« Teil des Körpers Schweiß produziert, durch die Kleidung transportiert werden. Aber diese legt, da sie nur mehr oder weniges den hygienischen Ansprüchen Rechnung trägt, dieser Abfuhr Schwierigkeiten in den Weg. Aus je luftundurchlässigeren, festeren und leichtbenetzbareren Geweben sie besteht, umso eher schlägt der Wasserdampf sich in ihr in Tropfenform nieder. Damit wird auch jede Wärmeleitung unterbrochen. Statt an die Außenwelt zu gelangen, dient die aus dem Körper strömende Menge nur dazu, die Kleider zu erhitzen und in einen feucht war men Umschlag zu verwandeln. Geeignete Sommerkleider sollen daher aus einem Gespinst verfertigt sein, das erstens hell ist, um nicht überslüssiger- weise die auffallenden Strahlen in Wärme zu verwandeln, das zweitens porös ist und die Luft hindurchläßt, und ferner die Feuchtigkeit nicht festhält. Es ist leider müßig, aus Gewebe, welche diesen Forderungen entsprechen, hinzuweisen, da sie im .Gegensatz zu der heute üblichen Modeanschauung stehen.
Aber auch die Beschaffenheit der sommerlichen Luft kann der Wärineabfuhr durch Schweißverdunstung Widerstand leisten. Mit jedem Wärmegrad der Luft ist eine Aufnahmefähigkeit für, ein bestimmtes Quantum Wasftrdampf verbunden, die sog. relative Feuchtigkeit. Wenn diese 100 Prozent beträgt, wenn also die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist, so vermag sie keine Feuchtigkeit mehr aufzunehmen, und in unserem Falle muß die Schweißk- bildung unterbleiben. Wir erkennen die Sättigung der Luft an ihrer Schwüle, die drückend wirkt. Sie ist das charakteristische Klima der tropischen Sümpfe und Urwälder. Auch bei uns gibt es im Lause eines Jahres mehrere schwüle Tage. An ihnen ist die Hitzschlagsfrequenz gewöhnlich hoch. Man kann nun, auch wenn es nur sehr heiß und nicht feucht ist, ein solches Tropenklima, das zum Hitzschlage führt, künstlich erzeugen, und dieses Experiment wird ungewollt leider oft angestellt.. Wir meinen damit die Hitzschläge, die sich bei Militärmärschen ereignen. Tas Milieu einer Heereskolonne im Sommer ist vorbildlich für das Zustandekommen des Hitzschlages. Mit der geschlossen marschierenden Militärtruppe bewegt sich eine stagnierende Dunstwolke, die Uns dem Schweiße der Soldaten ihren Ursprung nimmt, vorwärts, die Mannschaften in einen feuchten Mantel einhüllend. Eine Wasserdampfverdunstung ist in diesem Klima nicht mehr möglich. Daher füllen sich die Poren der Uniform, die aus ökonomischen Gründen ans einem hygienisch gänzlich unzureichenden Tuche gefertigt ist, mit Wasser, das jede weitere Wärmeabgabe hindert. Zudem sitzt noch die Uniform fest am Körper, der Kragen ist hoch und geschlossen — bei den neuen Litevken ist dies allerdings geändert worden — Riemen und Gurte zur Befestigung der Waffen und Tornister tun das übrige. Kommen dann größere Anstrengungen hinzu, so kann es nicht Wunder nehmen, wenn eine Anzahl von Leuten vom Hitzschlage befallen wird.
Allein diese beklagenswerten Todesfälle und Erkrankungen stehen in gar keinem Verhältnis zu den riesigen Mortalitätsziffern, die erst in neuester Zeit ebenfalls der Hitzwirkung zugeschrieben werden, nämlich der Sommer sterblich keit der Säuglinge. Man hat bisher als die Ursache der Säuglingssterblichkeit falsche Ernährung angesehen. Ties ist auch heute noch richtig, aber die Verhältnisse sind damit iwch keineswegs erschöpft. Es ist so, daß der durch falsche Ernährung widerstandsunfähig gemachte Säuglingsorganismus sehr leicht der Hitze unterliegt.. Daß die Wärmestauung beim Säugling sich in anderen Symptomen, von denen die Magendarmstörungen im Vordergrund stehen, zeigt, ist eine Spezialität dieser Altersstufe. Für den Zusammenhang beider Faktoren, der Hitze und der Sterblichkeit, spricht, daß sofort mit dem Eintreten einer hohen Temperatur auch ein Anschwellen der Mortalität einsetzt. Um die Kette des Beweises zu schließen, ist der Nachweis nötig, daß der Säugling in einem gewissermaßen tropischen Klima lebt. Zunächst erinnere man sich daran, daß es immer itodt unverständige Mütter gibt, die ihre Säuglinge in feste Steckkissen oder enge WickeMcher legen, sie noch dazu mit Federbetten bedecken, die Verdunstung der Ausscheidungen ängstlich durch eine Gummiunterlage, die alles aUf- sängt, verhüten, statt den Körper wenig bedeckt und ganz be- wegnngsfrei, der Lüft auszüsetzen. Man sieht, wie die Bedingungen der Wärmestauungen hier entstehen. Zudem wohnen die Kreise, in denen die Säuglingssterblichkeit epidernisch ist, tn Wohnungen, die übervölkert und mangels geeigneter Ventilation feucht sind Kommt dazu uoch eine Hitzwelle, so Haben wir ein Klima, das ,sich in schädlichen Einflüssen in nichts von dem schwülen Tropenklima unterscheidet. ______________
Das AderlaMiehen.
Ten Merlaß, der einst bei uns in der Heilkunde eine so groß« Rolle spielte, üben auch Naturvölker aus. Es kommen , dabei Sachen vor, die für unsere 58egrtffe recht drollig sind. In Viktoria und Südaustrialien z. B- soll der Merlaß nur für Ehemänner reserviert sein. Junggesellen und ebenso weibliche Wesen haben keinerlei Anrecht bar.anf, ja, dürfen nicht einmal Zuschauer sein, wenn


