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* Ein Dickfelliger. Geschäftsführer (zu einem neu ctt

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,

muß Sie darauf aufmerksam machen, Papier auf dem Erdboden liegen sehen Dann ist ja der Herr Chef furchtbar

gagicrten Boten):Ich daß der Herr Chef kein kann." Bote: kurzsichtig."

Vermischtes.

* Albanesen, Albaner oder Albanier? alba- nesisch oder albanisch? Das Volk, das den .Albanien" genannten Teil des Osmanischen Reiches bewohnt und sich selbst Schkypetaren" (Söhne des Adlers, von Skype Adlers?!) nennt, wurde von den Deutschen bis in die jüngste Zeit nur .Albanesen" genannt. Hierbei lehnte inan sich au das italienische Albanesi an, wie mau auchMalteser, Veroneser, Genueser" sagt. Das ent­sprechende Eigenschaftswort Inntetalbanesisch". In neuerer Zeit, wo man das löbliche Bestreben hat, den Namen fremder Völker deutsche Endungen zu geben, tauchten in den Zeitungen die Wörter Albaner" undalbanisch" auf. Hierzu mag der Umstand bei­getragen haben, daß wir (schon seit längerer Zeit)Japaner" sagen, und nicht mehr, wie scühcr,Japanesen" (hier ist die Endung -ese englischen Ursprungs). Vielleicht spielte aber auch die Erinnerung an dieAlbaner Berge" und denAlbaner See" bei Rom mit. Nun scheint es aber dem deutschen Sprachgefühl zu entsprechen, von Ländernamen, die aus ,,-nien" endigen, Völkernamen auf ,,-nier" zu bilden. So wird in den meisten, wenn auch nicht in allen Fällen (vgl.Rumäne") vorgegangen. Wir haben eine Mengctzcher- artiger Völkernamen, die auf ,,-nier" endigen, soSpanier, Sufta= Ionier, Aragonier, Bosnier, Mazedonier, Armenier, Abessinier" usw. Aus dem angeführten Grunde und damit eine Verwechslung mit dem BegriffeEinwohner von Albano" vermieden werde, empfiehlt es sich, das eingangs erwähnte VolkAlbanier" nichtAlbaner" zu nennen. Tas entsprechende Eigenschastsivort lautetalbanisch". Auch die auf dem Italienischen beruhenden FormenTriestiuer, Dalmatiner, Montenegriner" lassen sich ungezwungen durchTriester, Dalmatier, Montenegrer" ersetzen (vgl.Kreter, Karthager").

Haumeder (Wien).

Bilderrätsel.

Auflösnng in nächster Nummer.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer r Wenn ei» Liebes dir der Tod

Aus den Augen sortgerückt, Such' es nicht im Morgenrot. Nicht im Stern, der abends blickt.

Such' es nirgends früh und spät, Als im Herzen immerfort;

Was man io geliebet, geht

Nimmermehr aus diesem Ort. Justinus Körner.

können, und dann an sie denke ach Lotte, kann ich dann all» Ideen, die mir kommen, als Hirngespinste einer kranken Phan­tasie zurückweisen? Ich weiß, ihr Herz, ihre Liebe ruht selig unter uns aber ich weiß auch duckch meine Lage, vielleicht noch mehr als Du, wie äußere unangenehme Verhältnisse, frem­dere Wesen uns hindern in den schönen Gestalten unseres Geistes zu leben, uns einig herausreißen aus unserer blühenden Schöp­fung in ihre Wüste, und wie wir Unter ihnen verlieren an regem, quellendem Leben, an Reichtum und Fülle des Geistes.

Und nun Lotte, die Forderungen eines Menschen, der so wenig Delikatesse hat, wie Ursus. Forderungen an ein Gefühl, das das freieste in dem ganzen Reich der Empfindung ist o Liebe, das ist nicht wenig. Die erste,n Tage mit Ursus werden noch die erträglichsten fein durch die Zerstreuung der! äußeren Gegenstände, die in der Abwesenheit neu geworden sind, durch die Hoffnung, Karolinen nach seinem Sinn zu ihren Pflich­ten zurückzuführen, aber dauni o möchte ich mich trügen, meine Geliebte, aber man trügt sich selten in Menschen wie Ursus. Sie gehen zu sehr den gewöhnlichen Schlendrian, als daß man sie nicht berechnen könnte. Ich halte es übrigens für sehr gut, wenn Karoline Mama einiges Licht gibt und ihr soviel sagt, als zu ihrem 'Frieden dient; es ist mit Ursus nicht daran HU gedenken, daß man Mama das Unangenehme ersparen könnte, und so wird es ihr leidlicher sein, wenn sie Karolinen sich ihr Vertrauen sichert. Du wirst in Deiner neuen Lage, bei Deinem Dasein Ursus etwas mehr die Stange bieten können, lieber gemeine Menschen haben äußere Verhältnisse Einfluß. . . Was macht Deine Gesundheit, Liebste? Schreib mirs ja gleich, wenn Dein Kränkeln etwas anderes vermuten ließe. Ich muß ja alles wissen. Ich möchte im Grunde, daß >es etwas anderes wäre. Ich kann mir doch nur eine weibliche Existenz recht schön irt mütterlichen Gefühlen denken. Unsere 9 Söhne wie diese einzig schöne .Familie keinen Reiz für Dich hat, kann ich nicht begreifen. Ich lege Dir meine Tochter zu Füßen. Sie ist jetzt sehr garstig, sie haart sich, und da sieht sie abscheulich aus, aber bald wird ihre Verwandlung vollendet sein und sie wird in doppelter Schönheit hervorgehen. Gib doch von den Kindern der Infantin Clara Eugenia nicht alle dem Flußgotte des Man­zanares.

In meine künftige Wirtschaft muß ich einen Abkömmling von ihr haben. Wenn der Neffe nur Ursus nicht in sein Haus ließe und bisse ihn weg. Karl kommt alle Sonnabend zu mir und bleibt den Sonntag immer bei mir. Es ist ein wahrer Trost. Morgen kommt auch sein jüngster Bruder. Wilhelm erwarte ich Anfang August, doch das wirst Du aus feinen Briefen! gesehen haben. Ach, Liebe, eine selige Zeit wird es sein kaum, daß ich sie erwarten kann. Vor einem Jahre waren: wir nun in Lauchstedt, wie schöner ist Dein Leben seitdem ge­worden und wie entwickelt hat sich mein Schicksal. Nun nur I noch Karoline o ewiger Verstand über uns, mögest Du das I lösen!"

Einige Stellen dieses Briefes, wie auch einige des zweiten I sind ohne Schlüssel nicht verständlich. DieInfantin Clara I Eugenia", genannt nach der Tochter Philipps II. in Schillers I Don Carlos und derNeffe" waren Hunde des Schillerschest I und Lengefeldschen Hauses. TerGoldschatz" ist Dalberg, der I Ksadjuktor des Kurfürsten von Mainz, Lili ist Karoline von Beul- I Witz und derSpanische Molch" der Sohn des Geheimrates von | Ketelhodt, Friedrich Wilhelm, der auch Lotten einst augeschwärmt I hatte.

Ter zweite Brief, vom 3. November 1790 beginnt mit dem I Berichte über den Besuch, den Karoline von Humboldt in Rudol- j stadt ihrer Freundin Karoline abgestattet hatte.

Ich war den Sonntag krank, meine liebe Lolo (so heißt es da), [ sonst hättest Du schon mit der letzten Post einen Brief von mir I empfangen mit der Relation der Rudolstadter Reise. Ach, was waren I es ein paar schöne unbeschreibliche Tage; nicht minder weh, aber I minder verworren ist meine Seele, seit ich sie aussprach nn Lilis I Busen. Wie lebte Tein Andenken unter uns, Du liebes trautes I Wesen. In Deinem kleinen Zimmerchen sprach mich alles so I freundlich an, alles trug Spuren Deiner Gegenwart. Die Aus- I sicht ist gar lieblich könnte ich nur den Winter da zubringen! I Lili und mir würde besser werden.

Wie wir ankamen, empfing, uns der Ursus und Lili an der Tür. I Oben fanden wir den Onkel, den alten Ketelholdt und den spanischen I Molch. Ich mußte gleich mit dem Geheimenrat eine Partie Schach I spielen und es war mir lieb, daß ich sie gewann, weil er so vor- I laut war. Sie war so gütig, so zuvorkommend und liebreich, I das; ich auch auftaute. Im ganzen hat mir Mama sehr gut gefallen. Ich fand sie noch über meine Erwartung jung und wohlausseheud und mein alter Plan mit einem Liebesverhältnis zwischen ihr und Papa kam mir wieder in den Sinn. In der Tat weiß ich mir doch nichts lustigeres, als wenn Lili und ich die Korrespon-- denz führten. Aber es scheint nicht zu sangen. Warna hat Lilin gesagt, Papa gefiele ihr nicht besonders, und Papa findet die chsre mere zwar recht leidlich, aber einen tiefen Eindruck hat sie nicht auf sein Herz gemacht. Einen desto tieferen habe ich auf den spanischen Molch gemacht, gleich den ersten Abend würd'

er so zärtlich, daß ich wohl merkte, die Funken glimmten tpied« unter der Asche aus, und nachher Mr er so assidu unb Uahm alle Gelegenheiten wahr, bei mir zu sitzen Und bergt. . . . Sprich doch nicht mehr vom Point saillant. Es ist so ungraziös und paßt sich nur in des Ursus Ansicht der Dinge. Bei uns heißt jetzt Schönheitsideen. Was Schiller davon zu Sillen gesagt Hail erzähl' ich Dir, aber ich schreibe es nicht. Vielleicht treibt Dich die Neugierde um einen Tag früher her und denn hab' ich schon viel gewonnen, lieber das Sujet der Kinder bin ich nicht Deinep Meinung. Ich wünsche sie mir außerordentlich, besonders Söhne. Aber ich nehme auch Mädchen, wenn nicht anders ist. Eine Frauenexistenz ist doch schön, wenn sie einem anderen gehört, und zu dem vollen, reinen, höchsten Glück des Mannes gehört doch ein. Weib. Sehr süß könnt' es mir doch fein, wenn mein Kind ein Dasein schöner machte. Erziehen werd' ich eigentlich meine Kinder _ nicht. Das sollen sie selbst und Dankbarkeit und kind­liche Liebe dafür zu fordern, da,ß sie da sind, war mir immer eine lächerliche Idee. Nun Adieu, liebes Wesen. Ich muß noch an Bill schreiben. Gestern bekam ich sein Porträt. O, wie ich nun mit dem Bilde lebe ! Die Phantasie lehnt sich doch so gern an den Sinn. Adieu, schreib bald. Mich verlangt nach einem Laut von Dir. Schiller umarm ich wie Dich meine Loko."