Ausgabe 
9.6.1913
 
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Redaktion: R. Neural h. - Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lauge, Gießen.

Vermifttztss.

E i n n e u e r S ch i f f s t t) p. In bent Streben, im Achifss- Vetriebe einen möglichst hohen Grad der Wirtschaftlichkeit zu er­zielen, Hal man auch in der Gestaltung des Schiffskörpers die Mannigfachsten Versuche gemacht. So hat man .in den letzten Jahren auf Grund verschiedener Vorversuche ein Schiff mit gewellter Autzenhant konstruiert, über das Dr. Micha elfen im neuesten Heft der Umschau nähere Mitteilungen macht. An beiden Schifssseiten laufen zwei Wülste von etwa 1,2 Meter Breite Lud etioa 0,30 Meter Höhe, die gleichzeitig als, SchliNgerkiele dienen und die einen sehr günstigen Einstust auf die Bildung der Bug- und Heckwelle haben und so die am Heck austretenden Wirbel- Lildungen, die die Propellerwirkung hemmen, bis zu einem ge- wissen Grade unterdrücken. Bei Verpichen an Modellen mit glatter und gewellter Außenhaut hatte sich die überraschende -rat- fache ergeben, daß der Widerstand bei den letzteren um Id Proz. geringer war, und so ging man dazu über, ein Schiff von -1600 Tonnen, dieMonitoria", zu bauen. Bei Vergleichsfahrt,en, die mit der Monitoria und einem genau entsprechenden scyiff mit glatten Seiten unternontmen wurden, ergab sich, daß die Monitoria bei 10 Knoten Fahrt und 100 PS. Maschinenleistung 410 Tonnen beförderte, während das glatte Schiff unter denselben Bedingungen nur 350359 Tonnen schleppte. Die Monitoria wies also eilte Mehrleistung von 14,517 Proz. auf; ihren Propeller konnte Man bei der Arbeit deutlich sehen, was bei den anderen Schiffen wegen des Schaumes der Wasserwirbel nicht möglich ist. Dabei ist die Querstabilität des Schiffes sehr gesteigert; sobald einer der Wülste auftaucht, nimmt das aufrichtende Moment plötzlich zu, und die so erzielten weicheren Bewegungen des Schiffes werden überdies noch durch die schlingerdämpfende Wirkung der Wülste unterstützt. Wichtig ist ferner die Material- und Kostenersparnis, da durch die gewellte Außenhaut eine größere Steifigkeit gegen Belastung in horizontaler Richtung gegeben ist, so daß der Spant­abstand auf ein Vielfaches gesteigert ist. Bei dem zweiten Schiff dieses Thps, derHyltonia ", hat mau dadurch die Baukosten um 32 000 Mark verringern und die Ladefähigkeit um 80 Tonnett steigern können. Hierzu kommt noch eine Ersparnis an Kohlen, die ebenfalls dem Ladegewicht zugute kommt.

RothschildsK rösu s". Aus London wird berichtet: Henry de Rothschilds dreiakriges SchauspielKrösus", das als ein neuer dramatischer Versuch des berühmten Pariser Millionärs

vüchertisch.

Aus dem Irrgarten der Geschichte. Vierund- zwanzig historische Bilder von Emil Gebhart. Berechtigte Uebertragung von Max Pannwitz. Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart. Die Wirklichkeit, von genügend hoher Warte und mit kundigem Auge geschaut, ist oft wunderbarer und wmautpcher als die der menschlichen Phantasie entspringenden Dichtungen. In Emil Gebharts Werk finden sich 24 solcher historischen Wirklichkeitsromanzen in packender Darstellung zu einem farben­prächtigen Mosaik vereinigt. Auf den Ergebnissen neuester -sonder- forschung fußend, schildert Gebhart zunteist Episoden, und da er in der Wahl der Stoffe eine Vorliebe für daS Pathologische der Menschennatur und für das Schreckenerregende Zeigt, w entrollt sich in seinen Skizzen eine Reihe ergreifender Bilder zum Teil von packender Tragik. Insbesondere bietet die tausend - jährige Geschichte des byzantinischen Reiches, die in unsern Ge­schichtsbüchern viel zu stiefmütterlich behandelt zu werden pflegt, Episoden dramatischen, epischeu und auch humoristischen Charakters, die bei Gebhart in den AbschnittenDie wahre Theodora",Grose Byzantiner",Byzantinische Dramen" undEine blutige Odyssee einen charakteristischen Riederschlag gefunden haben. Sodann hat er den Stoff zu seinen geistvollen Skizzen mehrfach der wunder­baren, lebensprühenden Erscheinung der italienischen Renalffance entnommen. Liier zeigt er seine Meisterschaft in der psychologischen Erfassung und Kennzeichnung dieser gewaltigen schwerbegreiflichen Bewegung, deren ungezügeltes llebermaß er auch als Ursache für das bis in die Neuzeit dauernde politische Elend Italiens anklagt. Der Verfasser zählt zu den anerkannten Meistern mo­derner Geschichtsschreibung. In diesem Buche bewundert der, kun­dige Leser aber neben der geistreichen Gruppierung der Mtortm)eii Tatsachen auch deren geschickten dramatischen Aufbau. Der Stofs ist so trefflich gewählt, daß der Leser spannenden Novellen zu folgen meint. Den Liebhabern einer spannenden Lektüre wirs das Buch daher einen besonderen Genuß bereiten.

der den Erdball bedeckenden Gewässer auf ungem.hr lf00, Mil­lionen Kubikkilometer zu schätzen ist. Nun ilimmt eii WaNer tröpfcheii zirka ein Kubikmillimeter ein, ihrer eine Milliarde kom­men auf ein Kubikmeter. Die fortschreitende Rechnung ergibt eine Milliarde Kubikmeter pro Kubikkilometer ustv. bis zu der keineswegs unförmlichen Zahl von 28 Stellen, deren erste beid iftmeen 1 und 3 sind, gefolgt von 26 Nullen das Ganze bringt uns die ungeheure Menge der Wassertropfen des Weltmeers ^^Wend-n°M?den°BlÄ üis Weltall, derDomäne des Unend­lichen" ! Sollte es schwer sein, festzustellen, wieviel Millimeter (.) wir von einem der uns zunächst befindlichen F ix sie We entfernt sind ? Durchaus ilicht! Nehmen wir einen Stern, dessen Lickst zehn Jahre gebraucht, um bis zu uns zu gelangen. Bekanntlich rechnen wir auf einen Erdentag 86 400 Sekunden; das Lickt, das pro Sekunde 300000 Kilometer zurücklegt, macht im Verlause eüies Jahres einen Weg von 9460 Milliarden Kilometer en e »abl welche sich durch 13 Ziffern ausdrucken läßt. Zur Ev- mittelung der Entfernung in Metern genügt die HutMsitgting von drei Nullen, in Millimetern von weiteren drei. Das Resul-

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As'erech kehn LiLhre eMstrnteii Fixsterns' f Wolleti wir dann noch einenherzhaften Schritt ins Unendliche tun und uns etwa darüber vergewissern, wieviel Millimeter ent in 10 Milliarden Jahren durchläuft, so erhalten wir die keines- meas erschröckliche" Kahl von 29 Ziffern. Indem wir sie, vom'freuiidnachbarlichen Millimeter" , ausgehend,.inhaltlichM durchdenken versuchen, mag uns nach und nach die Erkenntnis ausdämmern, was unter demsehr, lebendigen und sehr realen Begriff Unendlichkeit" zu verstehen ist. 1Q19

®itt letztes Exeuipel! Müssen uns die letztverslossenen 191-, Jahre der Geschichte nicht eigentlich recht kurz Vorkommen, wenn wir durch eine simple rechnerische Ueberlegung ftststellm,, daß stit der Geburt Christi in Summa tiicht mehr als 60 Milliarden Sekunden verflossen sind? Das Alter der Erde aber, das vor unseremwissenschaftlichen Gedächtnis' rm grauen Urnebel ver­schwindet, läßt sich bequem durch eine 17ftemge Zahl ausdrucken . ein mathematisches Kinderspiel. -

So winzig klein sich der Mensch angesichts,der unendlichen Größen von Raum und Zeit Vorkommen müßt, ein Gedanke Mag ihn trösten uttb stolz erheben: die seinem Hirn entsprungene und von ihm souverän beherrschte, Zahl nimmt denWest.laus mit der.Unendlichkeit" siegreich auf . . . und selbst die einfachste Änwendting seinermathematischen Intelligenz kemtzeichnet seinen Rang als König des Universums! L. st.

mit so viel Interesse erwartet wurde, hat sich bei der nun erfolgtem Uraufführung im Garrick-Theater als ein etwas lehrhaftes, aber stellenweise recht wirksames Theaterstück erwiesen. Es ist die Klage eines Multimillionärs, der, eben weil er Multimillionär ist, in diesem irdischen Jammertale trotz aller Sehnsucht niemals das Glück einer selbstlosen Liebe erringen kann. Freunde, Ge­liebte, alle lieben sie mehr ober minder sein Geld, nicht aber beit Menschen; kurz, man hat als Millionär mit bent Leben seins liebe Not. Der Bedauernswerte,heißt in dem Stücke Graf Sorbier, finanziert halb Europa, ein Geschäftsmann größten Stiles. Wer im Lanbe der Liebe ist ein hohes Einkommen ein schweres Han­dicap. Denn im ersten Akte brennt dem Millionär die Dame, die er liebt, mit einem jungen Manne durch. Der arme Krösus löscht die Ungetreue aus seinem Herzen: und als sie am Schlüsse des Aktes zurückkehrt und Verzeihung erbitten, will, läßt er sich nicht erweichen. Aber die Liebessehnsucht ist nicht erloschen, und um die Gewißheit zu haben, daß er nicht wieder um seines Reich­tums willen geliebt werde, zieht er im schäbigen Anzug und in der Maske eines kleinen Bersicherungsbeamten, der seine 160 Mk. im Monat verdient, auf Abenteuer des Herzens aus. Schon scheint ihm das Glück in der Neigung einer kleinen Modistin, der süßen Dvoirne, zu winken: da zerstört von neuem das leidige Geld das Glück. Diesmal zwar das Geld eines anderen, aber doch indirekt das Geld des armen Krösus selbst: denn der Freund, der bte kleine Vvonne durch den Glanz' des Wohllebens verlockt, verdankt die Mittel hierzu, seinen Reichtum, dem Grafen Sorbier. Der arme Krösus aber sieht ein, daß selbst seine kleine Putzmacherin ihn nicht selbstlos lieben kann und schenkt ihr einen Scheck, der sie künftig aller Materiellen Sorgen enthebt.Die Armen sind es, die wirklich glücklich sind," meint der enttäuschte Krösus,Reich­tum ist eine fürchterliche Last". Und er resigniert., Es gab viel Beifall, aber auch Protest bei der Ausführung, die .tendenziöse Lehrhaftigkeit faiid 'wenig Gegenliebe und man hatte den Etn- drück, daß sogar bte Muse der Dichtkunst nicht imstarcke ist, deitt farmen Krösus zu geben, was er ersehnt: selbstlose Liebe.

* Eine Märtyrerin. Madame:Warum such Sie von Ihrer vorigen Herrschaft entlassen worden?" Dienst­mädchen :Wegen meiner Gutmütigkeit; ich hatte für die gnädige Frau ein verdorbenes Mittagessett und für den Herrn ein in die Tischdecke gebraitntes Loch auf mich genommen."

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Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung des Zitateurätsels in voriger Nummer: Weint du eine Rose schaust, Sag', ich laß sie grüßenf