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bes Bootes bildete. Das Segeltuch diente und dient uns jetzt noch «ls Jnnentuch int1 Zelt; oben auf dem Inlandeis'sind wir in den vielen Sturmtagen sehr froh gewesen über das schwere Tuch, das Wind und Kälte abhält, aber hier iftj es von noch größerem Nutzen. Die ganze Last wird in das Tuch emgepackt, «das wir darüber gut verschnüren, und der große Rauminhalt dieses Bündels, das all unsere Zeltsachen, Schlafsäcke usw. enthalt, ist Ursache, daß es das oben genannte Gewicht tragen kann. 'Das Bündel wirH 'so lang und flach wie möglich gemaK und fest aUs lden Schlitten gebunden; das Schlittenboot ist damit fertig, das heißt, es schwimmt ebenso gut auf dem Wasser wie es auf dem Eise fahrt.
KoMmen wir an eine Wasserspalte oder an einen Schmelzteich, der so breit ist, daß wir die Hunde nicht hinüber werfen können, dann werden sie an die Ladung angehängt — jeder an etner Seite —• und da ich die längsten Beine habe und Wasler besser vertrage als Jversen, wate ich mit einem Seil hinüber, das vorn mit Schnabel des Schlittens befestigt ist. Jetzt sind wir scrtrg; Mit einem „Platsch" fährt der Schlitten ins Wasser, die Tropfen spritzen nach allen Seiten, die Hunde heulen, und Jversen Müß! hurtig auf den Schlitten hinunter springen, denn ich ziehe aM Seil, so schnell ich Tann. Das Schlittenboot schwimmt hübsch und kommt rasch übers Wasser, ist aber zu schwer, um an der gegenüberliegenden Seite hinauszufahren. Ist der Kanal oder Teich sehr breit und scheinbar nicht sehr tief, so fahren oder *— schwimmen wir beide hinüber, wobei jeder an .einer Seite des Schlittens steht und ihn mit Stangen vorwärts schiebt; doch dann darf der Teich nicht über.einen Mieter tief sein, denn sonst Müß einer von uns ins Wasser, so ungern er es tut. Wir ifini überaus zufrieden mit unserem Schlittenboot und haben die Genng- timng, jeden Wend in einen trockenen Schlafsack zu kommen.
Leider sind unsere Hunde uns eher eine Beschwerde als ein Nutzen, da sie ganz erschöpft und ihre Pfoten von dem' scharfen Eise zerschnitten sind. Björn kann kaum noch gehen, und da die Wasserlöcher so zahlreich sind, lohnt es nicht, ihn jedesmal anzubinden und wieder los zu machen, wenn wir über Wasser müssen, weshalb er auch den größten Teil der Nacht oben auf dem Schlitten bleibt. Er liegt ganz still da und hat nicht einmal die Energie, sich eine beguenw Stellung zu suchen, sondern hängt da, wie es eben kommt. Nur wenn wir an ein Wasserloch gelangen, erwacht er aus seiner Apathie; die Augen stehen' vor Schreck starr int Kopf, und das arme Tier macht einen vergeblichen Versuch, höher auf die Ladung zu kriechen, denn daß er naß wird, kann nicht vermieden werden, und Wasser ist für einen Schlittenhund das Verderben. Grimrian kann noch gehen und zieht auch zuweilen noch eilt wenig, aber er ist klug und hüt gelernt, daß -er auf den Schlitten hinauf darf und, sobald wir an Wasser kommen, kehrt er ruhig um Und geht zu Jversen, der ihn auf die Ladung legt, wenn der Wasserlauf nicht so schmial ist, daß er hinüber geworfen werden kann. Das liebt Grimrian nicht; doch es hilft kein Winseln, und Jversen, der einen guten Griff hat und ihn selbst über ziemlich breite Spalten werfen kann, faßt den Hund an Kopf unb Schwanz, schwingt ihn ein- oder zweimal hin und her und wirft ihn mir zu, der ich bereit stehe, ihn mit den Armen aufzufangen, wenn er so weit gelangt. Es kommen viele Unterbrechungen an so einem Schlitten- oder vielmehr Arbeitstag, denn das Schlittenfahren hat ja aufgehört. Nachdem! die Jahreszeit so weit vorgeschritten ist und der Schnee fid; in Wasser verwandelt hat, haben wir uns zu wahren Amphibien entwickelt. Wir befinden uns bei der Veränderung, die ziemlich jäh gekommen ist, nicht sehr wohl und blicken beide Mit sehnsüchtigen Blicken auf einige kleine Schären, die auf unserem Wege liegen. Es wäre überaus verlockend, auf die einladenden Schären zu fahren und dort das Zelt aufzuschlageu, wo wir in kurzer Zeit alle nufere Sachen und uns selbst auch einmal wieder trocknen könnten, denn wir bedürfen dessen nicht and wenigsten; aber wir wagen kaum, diese Zeit ins Auge zu fassen, und fürchten auch, rings UM die Schären zuviel Wasser vorzufinden. Allein das Eis wird an unserem dritten Arbeitstag so schlecht, daß wir bei fast zehnstündiger Arbeit nur wenige Kilometer vorwärts gekommen sind. Tie Hunde find infolge der vielen Tauchbäder dem Tode nah, und Jversen ist aus demselben Grunde arg mitgenommen, so daß wir vor den eventuellen Folgen die Augen schließen. Wie es so oft geht, erkaufen wir die wenigen Stunden relativen Wohlbehagens mit vielen Stunden harter Arbeit und Unannehmlichkeiten. Vielleicht hat es sich doch gelohnt, denn Jversen ist nach der ordentlichen und — trocknen — Ruhe einer Nacht offenbar frischer, und auch den Hunden scheint es besser zu gehen, wenn man überhaupt von Besserung reden kann, wo wir jeden Augenblick erwarten, daß sie uM- sallen und sterben. Als wir in der folgenden Nacht die Schären verlassen, haben wir nur noch drei Pfund Pemmikan'— das heißt Proviant für drei Tage — und dann Müssen.die Hunde herhalten. So lauge dürfen sie gern noch leben, denn Hundefleisch ist nicht appetitlich, und noch schlimmer würde es sein, wenn sie „von selbst" stürben. Doch ich muß gestehen, daß wir der Zeit, wo wir Hundefleisch werden essen> müssen, durchaus nicht mit Unbehagen entgegensehen. Im Gegenteil, wir sehnen uns danach, da uns etwas vorschwebt, was gleichbedeutend damit ist, wieder einmal reichlich essen zu können.
Besonders freut sich Jversen auf den großen Augenblick und et kann die Hunde nicht in Frieden lassen, sondern befühlt sie
jedesMal, wenn wir anhalten, Um SU sehen, ob sie „abmägern". !Ms ich einmal meine Unwissenheit darüber verriet, wie man das von außien untersuchen könne, erklärte er mir, indem, er auf die Hunde zeigte, wie ein Metzger auf dem Lande untersucht, ob das Vieh fett ist oder nicht. „Das ist der angeborene Instinkt," dachte ich mir, „der sich! verrät". Ja — warum es leugnen? —. von jetzt an sind wir unser zwei, die die Hunde befühlen« Schließlich schüttle ich bedenklich den Kopf, nicht einmal mein Lehrmeister kann länger „Fett" fühlen.
Eine Reise von 50 Kilometern kann nicht ewig, währen, zumal wenn die beiden ersten Tage die Entfernung bis' auf 21 Kilometer reduziert haben, und nach einer siebentägigen Fahrt setzen wir, außerordentlich matt und erschöpft von Hunger und Kälte, endlich am 15. August den Fuß auf LäMbert-Land.
Zwar haben wir aus trauriger Erfahrung gelernt, daß nicht alles Land hier gut ist und von Wild wiMmelt; doch es ist eisfrei und so gut, daß die Hoffnung auf Jagd und infolgedessen auf reichliche Nahrung gleiche auflodert und jeden Zweifel zerstreut, den wir gehegt, bevor wir hier anlangten.
(Eine Erneuerungsarbeit vor 90 Jahren.
Auf einsamer brauner Heide, iveit draußen vor den Toren Roms, erhebt sich ein leuchtender Portikus von zehn riesenhaften Weißen Säulen und über ihm steigt ein mächtiges mit Mosaiken geschmücktes Kirchenschiff empor: Tas ist S. Paolo, eine der Hauptkirchen Roms, die schon damals, als sie dem Apostel Paulus geweiht wurde, außerhalb der Mauern: fuori le mura lag. Man wird in ihr demnächst unter Festlichkeiten ihre völlige Wiederherstellung feiern.
Tie alte Basilika, die über fünfzehnhundert Jahre stand, ist bekanntlich am 15. Juli 1823 abgebrannt. Pius VII. saß damals auf dem Throne Petri und begann sofort die Restaurationsarbeiten, für die der Kaiser von Rußland immense Summen stiftete. Tie Nachfolger Pius VII. bauten weiter, und 1854 waren die Arbeiten «so weit vorgeschritten, daß Pius IX. die Basilika von neuem weihen konnte. Indes war sie damals immer noch eher eine Ruine als eine fertiggebaute Kirche. Unendlich viel fehlte noch zu ihrem alten Glanz, in dem sie noch Goethe und Wilhelm von Humboldt hatten leuchten sehen. 1870 übernahm der italienische Staat die Rekonstruktionsarbeiten. In den letzten Jähren wurde das Mosaik au der Hauptfassade und im Innern der pavillonartige Aufbau wiederhergestellt, unter dem das Tabernakel stand mit der Inschrift: „Ärnolfus cum suo socio Pietro"; auch wurden zuletzt die bunten Glas'fenster erneuert, die der Pulverexplosion des Jahres 1892 zum Opfer gefallen waren. Um die Geschichte der Basilika an historischen Zeugnissen! studieren zu können, hat man unter den Arkaden des alten k'os- Mlatischen Kreuzgangs ein kleines Museum angelegt, das Viele Ueberblerbsel aus der alten Kirche enthält, und schließlich hat Man in der Pinakothek von San Paolo.jene große Bronzetür aufgestellt, die der altchristlichen Basilika angehörte. Sie wurde auf Veranlassung Gregors VIIHirt Jähre 1070 zu Konstantinopel angefertigt und ist reich mit Silber verziert.
IM ganzen hat die Wiederherstellung von San Paolo gerade neunzig Jahre gedauert. Den Eindruck, den int1 Jahre 1823 die Zerstörung Mächte und diese selbst schildert sehr lebendig ein Brief der Frau von Bunsen, der in dem' von H. Smidt heraus- gegebenen erst erschienenen Sammelwerk „Ein Jahrhuitdert römischen Lebens" abgedruckt ist.
„AM 15.", so heißt es, „waren Maurer und Blechschläger damit beschäftigt, das Dach der Kirche zu reparieren, eine Arbeit, die schon längst hätte geschehen sollen. Man bemerkte, daß sie nach dem Essen in angetrunkenem Zustande hinaufstiegen; nachher brach ein Streit unter ihnen aus, infolgedessen einer der Blechschläger seine Pfanne voll brennender Holzkohlen gegen einen Maurer warf; und so wenig wären sie ihrer Sinne mächtig, daß es ihnen gar nicht einsiel, die Kohlen Nachher zu samineln und in Sicherheit zu bringen; sogar die Pfanne blieb da Und ist nun unter dem Schutt aufgefunden worden. Das übrige haben seitdem' die Schuldigen alles bekannt.
Erst um zwei Uhr morgens wurden die Mönche des nebeu- anstoßendeu Klosters von vorübergehenden Landleuten auf das ;Feuer aufmerksam gemacht, und da sie nun nach Rom laufen müßten und die Wache wecken, nm sie durch das Tor zu lassen und dann die Feuerwehr zu sammeln, vergingen zwei volle Stunden, bis letztere mit ihrer einen Spritze und ihren Wäsfer- karren au Ort und Stelle war. Ich brauche wohl nicht erst zu sagen, daß es zu spät war — das Feuer wütete rückhaltlos, bis das ganze Dach zerstört war. Der größte und schönste Teil der Säulen fiel in Kalkmassen zusammen, und die, welche noch stehen, sind so verbrannt, daß sie der erste Herbststurm wohl umwehen wird. Die Mosaiken des neunten Jahrhunderts sind noch erhalten, allein eine der kolossalen Säulen von weißem Granit, die den Bogen stützen, welche jene zieren, ist von. oben bis unten gespalten. Wunderbar nehmen sich die Mosaiken nun aus, beleuchtet von der hellsten Sonne, während sic bis dahin iM Halbdunkel der Kirche kaum erkenntlich waren. . . Wenn man bedenkt, daß dieses wenigstens tausend Jähre alte Dach ganz aus


