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wog von hier, erst wieder einmal frische Luft atmen, die brachte einem wenigstens den Verstand zurück!
„Herrschaften, wir haben Sturm," rief Düsedau, „und noch dazu von Norden!"
Alle sprangen aus und traten au das Fenster. Ich der Aufregung des Spieles hatten sie auf das tobende Geheul gar nicht geachtet.
„O weh," jammerte der dicke Röpke, „um elf hab' ich Sitzung! Bei diesem Hundewetter komm' ich nicht nach Hause!"
Püchkow machte einen Witz.
„Vor Ihrer Korpulenz und d'em vielen Gelbe, wird der Lturm schon Respekt haben und Sie nicht aus dem Wagen wedeln!"
Hans-Wilhelm atmete erleichtert auf. Vorläufig hatte er wenigstens eine Ausrede, auch Eva würde nicht um nm ihn hangen, sondern sich denken, daß, er bei dem Unwetter bie Heimfahrt verschoben habe. Aber sein schlechtes Gewissen ließ ihm keine Ruhe. Zn Hause saß seine alte Mutter, sein treues Weib, sein Kind, und der Sturm wurde Löcher in seins schadhaften Dächer gerissen haben — und er sah und hörte nichts und verspielte in einer Nacht den ganzen Inhalt der Gutskasse.
Da schämte er sich wie noch nie in seinem Leben. Jeder Herzschlag schien ihm zuzurufen: Du Lump — Du Lump — Du Lump! Er biß vor Wut die Zähne aufeinander und ballte die Fäuste in den Hosentaschen; am liebsten hätte er seine Kumpane hergenommen und mit den Schädeln aneinandergestoßen. Aber er war ja nicht besser als sie, im Gegenteil — zehntausendmal schlimmer!
Da trat der Diener hastig ein.
„Drüben im Fischerdorf ist neben der schwarzen Sturmflagge das Notsignal aufgezogen.",
„Anspanneu!" schrie ihm Hans-Wilhelm zu. „Schleunigst — ich fahr' hin!"
„Menschenslind, was willst du dort?"
„In deinem Zustand?"
• Da stürzte Hans-Wilhelm zum Zimmer hinaus in den Hof, um beim Auspannen selbst mit zu helfen.
Die drei Herren sahen sich an.
Unruhig trat der dicke Röpke auf seinen kurzen Beinen hin und her.
„Schwerebrett, der Moreth sperrt's Maul auf und ersauft!"
Püchkvw zuckte die Achseln.
„Wir können ihn doch nicht halten. Eie als Jurist wissen doch, das wäre ja Freiheitsberaubung."
„Ihr kennt den alten Hans-Moreth nicht. Ich fahr' den höchsten Gletscher auf dem Hosenboden runter, wenn der gute Junge dabei ist, weil ich lveiß, im Nu fährt er hinter mir her, und wenn er mich haßte wie Pech, Schwefel und Trinkwasser. Der denkt nicht einen Augenblick an den Verlust und wenn Sie ihm 'nen Hunderttausender abgenommen hätten, wenn irgend einer wo um Hilfe schreit."
Der dicke Röpke seufzte, ihm ist doch unheimlich zumute. Am liebsten steckte er Moreth das ganze gewonnene Geld heimlich wieder zu, wenn er nur hübsch hier bleiben würde.
Und während Haus-Wilhelm, der die Zügel selbst ergriffen hat, vom Hofe fährt, toirb der ganze Gutsbezirk zur Hilfe alarmiert.
17. Kapitel.
In seinen nervigen Fäusten hält Hans-Wilhelm die Zügel, der eisige Nordsturm peitscht sein Gesicht, die Pferde rasen in wildem Laufe dahin. Die Mütze reißt ihm der Windstoß vom Kopfe, die Füchse dampfen, sie wollen kurz auf der Hinterhand lehrt machen, aber seine Kraft hindert das.
„Schlag' zu, Karl!" ruft er.
Klatschend fährt die Peitsche über die Kruppen, hoch bäumen sich die Pferde aus, beinahe wäre die Deichsel gebrochen, dann stürmten sie weiter in toller Fahrt. Und je mehr die Elemente toben, desto ruhiger wird es in Moreths Brust.
Auf der Düne standen Greise, Weiber ixtb Kinder, fest aneinandergedrückt, damit sie der Sturm nicht über den Haufen blies.
Hans-Wilhelm warf dem Kutscher die Zügel zu.
„Fahr Schritt!" befahl er.
Mit wenigen Sätzen wär er oben aus der Düne. Der Atem versagte ihm einen Augenblick, seine Faust ballte sich auf seinem Herzen, dann schreit er einen alten Manu an. Der versteht ihn nicht, sondern zeigt nur hinaus auf die See. Lange muß Hans-Wilhelm forschend durch die Wasserbergs bficken, bis er zwei Kähne gewahr wird, dis hilflos auf den Wogen treiben. Da faßt er kurz entschlossen ein junges Weib am Rock und zieht es die Düne halb! hinunter, landwärts) denn da oben kann man sich nicht verständigen.
„Alles draußen?" fragte er die Zitternde.
„Jawohl, Herr von Moreth. Gestern nachmittag wurden Seehunde gemeldet, und der Wind war auch nicht arg> da sind sie mit Gewehren hinausgefahren."
Da ertönt von der Düne her ein wilder Schrei. Er springt hinauf. Ein Kahn mit sechs Männern wird ans Land geschleudert. Er liegt kieloben, zwei sind unter ihm begraben. Während Hans-Wilhelm hinunterstürmt, erheben sich drei Fischer in Teerjacken, den Korkgürtel um den Leib; einer bleibt betäubt liegen.
Jur Nu sind die drei bei dem umgestürzten Kahn, einige alte Männer bringen den Bewußtlosen in Sicherheit. Moreth hebt mit anderen das Fahrzeug hoch. _ Da schlägt eine neue Welle ans Land und wirft sie samt dem Kahn die halbe Düne hinauf; die beiden Männer, die unter ihm gelegen, nimmt die gierige Flut mit zurück und bereitete ihnen ein Seemanüsgrab.
Immer noch treibt der eine Kutter draußen hilflos auf den Wellen und weit und breit ist keine Rettungsstation, denn dieser Teil der Küste gilt als ungefährlich.
„Ein neues Fahrzeug her und einen Korkgürtel!" ruft Hans-Wilhelm.
Die drei Geretteten isehen sich, an, einer nickt dem anderen zu, sie verstehen sich.
Nach einer Panse, während die Männer ein Boot den Strand hinabschieben, das oben trocken lag, sagt der Aeltere, Klaus Harmsen, bedächtig:
„Wir kommen da nich 'ran, Herr v. Moreth." „Sollen denn die Leute draußen zu Grunde gehen?/'• „Wir versuchen mit," meinte Harmsen achselzuckend.
Da bindet sich Hans-Wilhelm schweigend einen Korkgürtel um. Er kennt feine Leute. Hier an der pommer- scheu Küste herrscht noch Autorität und Mut. Wenn er in den Kutter springt, klettern die andern nach.
Und richtig! Die Fischer blicken auf die heulenden Frauen und Kinder und auf den steinalten Thedche Olessom, der sich auch einen Korkgürtel geben läßt. Da sind sie schnell mit drin, und noch ein paar andere beherzte Männer schieben das Fahrzeug in den brandenden Gischt. Acht tapfere Herzen wollten retten oder den ehrlichen Seemauns- tod sterben.
(Schluß folgt.)
Mikkelsens L'findung.
Durch das Entgegenkommen des Verlegers können wir unfern Lesern einen interessanten Abschnitt aus dem' Birch „Ein arktischer Robinson" von Kapitän Mikkelsen bieten. Es ist ein prächtiges. Werk, das den Leser durch Text und Abbildungen sofort gefangen' nimmt und ihn bis zur letzten Seite fesselt. Mikkelsen ist ein prächtiger Erzähler, dem Mau mit großem Genus; lauscht.
Sehr selten haben wir in letzter Zeit die.Freude gehabt, unsere Wünsche in Erfüllung gehen zu sehen, und auch diesmal sind die Aussichten nicht die besten, als wir kurz, nachdem wir die Nachtarbeit begonnen haben, von den; heransgeströmrcn Inlandeis herunter und aus ein paar uralte Eisschollen kommen. Nicht ernt Eise ist etwas auszusetzen, sondern an den unzähligen Masser- löchern und Kanälen, über die wir beständig müssen. Bei einem Eis wie diesem wäre ein Boot mehr amuPlatze: aber was nützt es sich ein solches zu wünschen, wenn man nichts als einen Schlitten hat? Tas einzige, was wir tun können, ist, ihn einem Boot so ähnlich wie möglich zu machen, und das gelingt uns so gut, daß der Apparat die ganze Ladung, einen Mann und zwei Hunde tragen lärm und vor einem' gewöhnlichen Boot sogar noch den Vorteil voraus hat, daß nichts naß werden kann, wenn er auch umkippt — nud dazu ist er, ivie ich gestehen muß, gar nicht abgeneigt. Tas Schlittenboot ist nicht aus einmal entstanden, es ist das Resultat vieler Versuche und Veränderungen. Das Komitee hatte mich beauftragt, Sachen mitzunehmen, mit denen ich mich im Notfall über Wasser halten könnte; um dieser Aufforderung nachzukomMen, nahmen wir von der „Alabama" ein Stück Segeltuch Mit, in das der Schlitten völlig eingehüllt werden konnte, der mit Hilfe von Schlittenkufen und des Eisivicßes das Skelett


