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Mus alten Aufzeichnungen in Bibeln und Familienchroniken haben wir Folgendes entnommen: Jrn Jahre 1634 wurde Schloß, Bingen­heim von dem kaiserlichen Kriegsvolke, Kroaten, mit Sturm er­obert, wobei entsetzliche Schandtaten: Plünderung, Mord, Ver­gewaltigung von Frauenzimmern, vorkamen. GleickWeitig wurde Echzell stark gebrandschatzt. Der damalige Pfarrer Fabricius, wahrscheinlich ein Darmstädter, mußte eine starke Summe erlegen. Die Vasa sacra und Kirchenbücher wurden ins Bingenheimer Archiv geflüchtet. Letztere verschwanden für immer. Pfarrer Soldan, von 1648 bis 1673 zu Echzell, fing die Kirchenbücher wieder an; er und seine beiden Nachfolger haben sie aber sehr mangelhaft fortgesetzt.

; Am 28. September desselben Jahres 1634 wurde Echzell von einem schweren Brandunglück heimgesucht, wodurch 2 Straßen mit 115 Gebäulichkeiten in Asche gelegt wurden.

Bon einem ähnlichen Brandunglück wurde das kleine Gettenau im Jahre 1701 befallen, wobei 83 Gebäude den Flammen zum Opfer fielen.

Noch schrecklicher war der Brand von Echzell im Jahre 1706, wobei 350 Gebäude in Flammen aufgingen.

Im Jahre 1717 wurde das 200 jährige Jubelfest der luthe­xischen Reformation in den drei Dörfern begangen.

Im Jahre 1730 fraßen Schnecken und Mäuse das Kornfeld in der Gegend ganz kahl-

Im Jahre 1736 auf 7. Juni nachts wurde Johs. Köhler, welcher mit einem anderen Manne die Wasche bewachte, von zwei Dieben angefallen und ersterer ermordet. Der eine Räuber wurde aber auch so zugerichtet, daß er von seinen Spießgesellen fort­geschleppt werden mußte. In der Nähe der Schwalheimer Höfe blieb er liegen, wo man ihn fand und nach Echzell zurückbrachte. Ohne ein Geständnis abzulegen, woher er sei, starb der Strauck- ritter. Darum wurde ihm ein ehrliches Begräbnis versagt. Der Schinder von Wallernhansen kam und begrub den Missetäter auf dem Breulerkopfe, wo ehemals die Hexen hingerichtet wurden.

Im 7jährigen Kriege, besonders in den Jahren 1759 und 1761 hatte die Gegend viel von Durchzügen und Einquartierungen zu leiden; die Dörfer waren mitunter völlig ausgeräumt. Bei .Bingenheim fand 1759 und bei Gettenau 1761 eine Attacke statt.

Noch mehr hatte die Gegend in den Jahren 1796 und 1797 zu leiden. Sehr hart wurde Bingenheim gedrückt, wo sich das Hauptquartier des Generals Klein vom 23. April bis 5. Dezember 1797 also 226 Tage lang, befand und ganz enorme Opfer be­anspruchte. Da viele Pferde bei dem Generalstabe Kleins waren, verschwand die im Land selbst erzeugte Fourage nach kurzer Zeit und cs wurden Lieferungen ausgeschrieben, woran das ganze Amt teilnehmen mußte. Auch das kleine Gettenau hatte schwer zu leiden. Bei Heuchelheim und Gettenau stand ein französisches Lager. Mehrere Tage lang mußte das Dörfchen täglich 2000 Psd. Fleisch, 2000 Psd. Brot, 600 Gebund Stroh liefern. Darnach kamen 6 Tage lang 350 Mann Infanterie nach Gettenau, darnach blaue Husaren bis 19. Mai, von da an rote Husaren bis in den Herbst und schließlich weiße Husaren bis in den Winter. Der damalige Bürgermeister Rühl klagt in beweglichen Worten in einem alten Büchlein, das uns Vorgelegen, wie viel er und seine Gemeinde ausgestanden, wie er Tag und Nacht keine Ruhe gehabt Und die Kleider nicht vom Leibe bekommen habe. Die Gemeinde Bingenheim machte drei Anlehen, wovon das letzte bis auf den heutigen Tag noch nicht getilgt ist, denn in jeden Gemeinde- Voranschlag muß alljährlich noch eine Summe zur Verzinsung Und Tilgung des Kriegsanlehens aus dem Jahre 1797 eingestellt werden.

Nach dem Tode des Landgrafen Wilhelm Christoph zu Hessen- Bingenheim (1681), mit welchem die von- ihm gestiftete Linie wieder erlosch, dauerte es lange, bis das Schloß zu Bingenheim, welches nur mäßige Unterkunftsräume besitzt, wieder einmal von einem hessischen Fürsten bewohnt und bezogen wurde. Landgraf Lud­wig VIII. (17391768) hielt sich gerne in der Wetterau auf wohnte öfters im Schlosse zu Bingenheim. Sein geistlicher Be­rater war hier der Pfarrer von Echgell: > Dr. Heinrich Daniel Müller, ein sehr gelehrter und interessanter Mann, über welchen wir folgendes mitteilen: Er war am 24. September 1712 zu Buchenau geboren, sehr begabt, studierte zu Gießen und Marburg, dann auf Kosten des Landgrafen Ernst Ludwig noch 3 Jahre in Halle und Jena, wurde Privatdozent und Burgprediger 'gu Gießen 1740. Zwei Jahre später, 1742, wurde Müller Stadtpfarrer, Doktor und außerordentlicher Professor philosophiae, 1748 Pro­fessor thoologiae extraordinarius. Sein Vater war Pfarrer in Echzell, aber nur ein Jahr, von 17481749, wo er am 1. Sep­tember starb. Obgleich dem Sohne bedeutende Anerbietungen als Professor nach Rinteln, sowie als Pfarrer und Senior an die Katharinenkirche zu Frankfurt a. M. gemacht wurden, schlug er diese aus und blieb auf Wunsch des Kirchspiels als Nachfolger seines Vaters in Echzell. Landgraf Ludwig VIII. erfüllte gerne diesen Wunsch, ernannte Muller zum Pfarrer und Metropoliten, später zum Inspektor von Echzell, wo er seinen geistlichen Berater zuweilen selbst aufsuchte. Die Müllersche Familie scheint eine alte Pfarrerfamilie gewesen zu sein, denn wie bereits bemerkt, waren Müllers Vater und Großvater Pfarrer in Buchenau; folg­lich befanden sich drei Generationen: Großvater, Vater und Sohn im geistlichen Amte und zwar gelang es uns, die Tätigkeit dieser drei Männer von 1654 bis 1797, also auf einen Zeitraum von

J43 Jahren zu verfolgen. Dr. Heinrich Daniel Müller stand o7 Jahre im geistlichen Dienste, wovon 47 in Echzell. Nicht bloß als Prediger und Seelsorger, sondern auch als Dichter, Schriftsteller, hochgebildeter Gesellschafter, gastfreundlicher Herr war er geschätzt. Das Pfarrhaus zu Echzell war ein Ort, wo Geleh-r- samkelt, Christentum, anregende Unterhaltung und Gastfreund­schaft stets die eifrigfte Pflege fanden und so ist es bis auf den heutigen Tag, fin de sitzcle, geblieben. Quodbonum, felix faustum- que fit! ,

Ehe wir die neueste Geschichte der drei Dörfer kurz an­deuten, möchten wir etliche Notizen von einigen hessischen Laud- grofen bringen, die unser kleines Hessen besonders gefördert haben. Da ist insonderheit der Stifter der Hessen-Darmstädtischen Linie Georg I., ein ausgezeichneter Regent von gewaltiger Arbeits­kraft. ft§r besuchte die Sitzungen seiner Räte, auch Prozeßverhand­lungen; las alle Berichte, ging um 8 Uhr abends zu Bette, stieg aber um 12 Uhr auf und arbeitete bis 3 Uhr frühe, um nach! einer Ruhepause von 6 Uhr an wieder zu beginnen. - Georg I. war äußerst sparsam, so daß er vielen Fürsten Darlehen bis 100 000 Gulden und mehr machte. Wäre er Kaiser oder König eines großen Staates gewesen, so würde sein Name hell »in der großen »Geschichte leuchten. Seine Gerechtigkeit und Gottesfurcht waren ebenso groß tote seine Sparsamkeit. >

Fast alle hessischen Fürsten sind mit einem vorzüglichen Ge­dächtnisse begabt gewesen, oder sind es noch.jetzt. Sie waren und sind große Freunde und Kenner der edlen.Musika, des Weidwerkes, des Militärs, der Baukunst, Malerei und der.Wissenschaften. Land­graf Ernst Ludwig tat viel für Theater und schöne Bauwerke. Unter ihm wurde 1717 das Residenzschloß in großartigem Stile zu bauen angefangen; es ist aber bis Ijeute noch nicht vollendet! worden. Sein Vater, Ludwig VI., errichtete den Glockenbau und ließ. 1671 das bekannte Glockenspiel auf den Turm Bringen. Er hat auch den Darmstädter Herrugarten anlegen lassen. Lud­wig VIII., den wir bereits bei Echzell und Bingenheim erwähnten, war ein gewaltiger Nimrod, aber auch ein großer Musikfreund, welcher eine selbstgeschriebene Sammlung von Armeemärschen an­legte, hie sich heute noch im Archive befindet und für die sich Kaiser Wilhelm II. lebhaft interessierte. Ein ausgezeichneter Re­gent war Großherzog Ludwig I. (als Landgraf Ludwig X.), der für Darmstadt und das Groß,Herzogtum Hessen den Grund zu dem legte, was beide bis jetzt geworden sind. Ludwig I. war ein vorzüglicher Kenner der Poesie und Musik. Sein musikalisches Gehör war so fein, daß er jedes Instrument int großen Orchester zu bezeichnen vermochte, welches nicht ganz rein spielte. Oft dirigierte er Opern zu seinem Vergnügen, er las die schwierigsten Partituren, wie der geschickteste Kapellmeister. Das Darmstädter Theater verdankt ihm seinen großen Ruf. Künstler und Ge­lehrte unterstützte er freigebig. Mit Recht trat ihm sein dankbares Volk das Monument auf der Rheinstraße errichtet. Aehnlich wie sein Großvater, lvar Ludwig III. ein /großer Musik- und Theaterfreund, welcher in den 50er und 60cr Jahren der Darm­städter Oper einen Weltruf verschaffte. Ludwig IV., gesegneten Andenkens, zeichnete sich als Heersühver, Regent und Familien­vater gleich sehr aus. Hoffentlich wird ihm ,bald ein schönes Denk­mal erstehen. Der jetzt regierende Großherzog Ernst Ludwig (als Landgraf der zweite, als Großherzog der erste dieses Namens), ist ein hochbegabter Musikfreund, der sich in Kompositionen ver­suchte, ein Freund der Künste und Wissenschaften, des edlen Weid­werks und des Militärs. Dabei gewinnt er durch seine große Leutseligkeit die Herzen seines Volkes und .aller derjenigen, die sich ihm nahen. Möge ihm und feiner .jugendschönen Gemahlin, zum Heile des hessischen Volkes, eine lange.segensreiche Regierung beschert fein.

Aus dem 19. Jahrhundert bringen wir zum Schlüsse folgende Nachrichten über die 3 Dörfer: In den Kriegen des ersten Napo­leon von 1806 bis 1814 hatte die Wetterau zwar auch durch harte Steuern, Einquartierungen und Durchmärsche zu leiden, die Sache war aber doch erträglich.

Am 2. Juni 1811 herrschte in der »Gegend ein gewaltiger Sturm, der in den Wäldern, an Obstbäumen -und Gebäulichkeiten großen Schaden anrichtete.

In den Jahren 1816 und 1817 herrschte »große Teuerung uitb Hungersnot. Ein Achtel Weizen galt 36 Gulden= 61 Mk. 71 Pfg. nach jetzigem Gelde; Korn galt »26 Gulden 44 Mk. 46 Pfg., Gerste 22 Gulden = 37 Mk. 62 Pfg., Hafer 10 Gulden 17 Mk. 14 Pfg. 'Im Aahre 1917 feierten die drei Ge­meinden das dritte 100jährige Jubelfest der lutherischen Refor­mation. " !

Im Oktober des Jahres 1830 brach eine Revolution, der so­genannte Kartoffelkrieg, in hiesiger Gegend ans. Der Aufruhr wurde durch eine Bande Unzufriedener hervorgerufen, welche 'aus Kurhessen, von Hanau her über Gelnhausen nach-Büdingen, Orten­berg, Nidda, Schotten und Bingenheim zog, die Beamten angriffen und die Amtsakten zu verbrennen suchten. Es mußte Militär einfdjteiteu. Bei Sodel wurde ein Bauer, welcher aus Neugierde auf einen Baurn gestiegen war, um den Anmarsch, des Militärs besser sehen zu können, herabgeschossen. Bürgermeister Heyer -zu Wölfersheim trug sehr viel zur Unterdrückung des Putsches bei; er bewaffnete seine Gememdemitglieder mit kräftigen Stöcken und prügelte die Bande der Aufrührer bei Södel und Melbach dermaßen